Montag, 29. Juli 2013

11674 Stufen zur Pyramidenspitze

Schon seit 5 Jahren wartete in unserer Schublade ein Gutschein auf seine Einlösung. Ein Gutschein für ein Abendessen mit Übernachtung und Sonnenauf- wie Sonnenuntergangserlebnis auf dem Niesen, einem Berg am Thuner See, der wegen seiner charakteristischen Form auch gern als "swiss pyramid" tituliert wird:


Dieser Berg mag vielleicht nicht so bekannt sein, wie Eiger, Mönch & Co, hat aber einen entscheidenden Vorteil: Wenn man oben ist, hat man einen überwältigenden Blick über die Alpen und eben auch auf Eiger, Mönch und Jungfrau, die fast nebenan liegen. Wohingegen: Steht man auf einem der berühmten Berge selber, kann ihn ja nicht mehr in voller majestätischer Pracht geniessen...

Endlich hat es also nun geklappt mit einer Buchung, denn die nur 8 Zimmer im Berghaus sind begehrt.
In Mülenen steigen wir in die Niesenbahn und haben eine ganz besondere Laufstrecke vor uns: die 11674 Stufen, die neben der Standseilbahn hinauf zum Gipfel führen und auf denen der Niesenlauf stattfindet. 11674 Stufen - die längste Treppe der Welt laut Guinessbuch...!
Wie wir später aus einer Unterhaltung in der Kabine erfahren (genauer gesagt: wie mein eidgenössischer Ehemann mir später übersetzt, denn DIESEN Dialekt verstehe ich nicht), musste in diesem Jahr der Lauf abgesagt werden, da am 1.Juni 25 cm Neuschnee die Durchführung nicht erlaubten.
Ich möchte noch hinzufügen, dass auf der Strecke nicht trainiert werden kann, da die Treppe dicht neben der Bahn verläuft und während deren Betrieb das Laufen zu gefährlich wäre. Und ich gebe es zu: dieses Lauferlebnis werde ich wohl nicht angehen...


Unten beginnt die Strecke noch relativ harmlos, aber schon bald wird es steiler...


Ich kann mir nicht vorstellen, wie man diese endlose Treppe (rechts neben dem Gleis) laufend bewältigen kann. Der Rekord liegt bei knapp 56 Minuten!

Das Berghaus ist im Kern von 1856, wurde aber vor gut 10 Jahren erweitert und renoviert, ein wie ich finde- gelungener Mix aus alt und modern.


Leider hat an diesem Tag der Wetterbericht Recht behalten, der Himmel zieht zu und wir sind weit entfernt von der Postkartenschönheit, die sich sonst von hier oben offenbart. Allerdings - ohne Reize ist es nicht, Teil der Wetterküche zu werden. So können wir das faszinierende Spiel der meteorologischen Gewalten beobachten. Noch ist der Thuner See erkennbar:


Doch schon bald zieht sich eine Wolkendecke über uns zusammen:


Wie ein Deckel schieben sich die dunklen Wolken über den Niesengipfel auch ins Kandertal:


Man sieht förmlich, wie sich der Regen aus den Wolken löst:


Theoretisch wären hinten rechts, Eiger, Mönch und Jungfrau zu sehen. Doch ist auch das uns gebotene Schauspiel sehenswert. Der Blick aus unserem Zimmerfenster zeigt, dass sich nun auch unterhalb im Kandertal bereits Wolken bilden:


Letztendlich ist zum Abendessen der Gipfel rundum von Wolken umschlossen, also Aussicht leider keine zu bewundern. Doch ist der Abend dennoch gelungen: Das Menü ist hervorragend und die Atmosphäre im rundum verglasten Restaurantteil für die wenigen Gäste besonders, fast besinnlich.

Die 8 Zimmer sind im Gegensatz zum Erdgeschoss rustikal, mit alten Holzwänden und knarrenden Dielen. Allerdings sind die Innenwände hellhörig. Wir nehmen die beiden Damen im Nebenzimmer wahr, als seien sie mit uns im Zimmer. Ich bin müde und als ich mich nicht mehr auf ihren Dialekt konzentriere und ihn zu verstehen versuche, schlafe ich bald ein. Für meinen Mann hingegen ergeben die Kaskaden von Vokalen und Konsonanten natürlich Sinn und er muss mit anhören, welche Probleme die beiden doch bei der Auswahl ihrer Nachtbekleidung hatten ... :-)
In der Nacht werde ich wach und kann wiederum ein tolles Schauspiel erleben: Der Wind wurde zum Sturm und umtost das Berghaus, einzelne Blitze zucken. Doch in den sehr dicken und massiven Mauern des Hauses fühlt man sich sicher und geborgen.

Am nächsten Morgen geniessen wir unser Frühstück und es öffnen sich sogar einzelne Lücken in den Wolken, das Diemtigtal zeigt sich kurz, auch das Simmental. Doch leider: einen Sonnenaufgang können wir nicht mitverfolgen. Im einsetzenden Regen gehen wir die 200 m zurück zur Niesenbahn. Wir fahren mit anderen Eindrücken als erhofft wieder die halbe Stunde zurück ins Tal, doch ohne Reiz war dieses Erlebnis ganz sicher nicht!

6 Kommentare:

  1. Mich hätten vielleicht die Elemente mehr beeindruckt als die Aussicht. Einen Sturm und Gewitter auf so einem Gipfel im sicheren Berghaus zu erleben, muß schon faszinierend sein.

    Tolle Erlebnisse sind Dir da vergönnt!

    Liebe Grüße
    Volker

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  2. Ja, dieses Schauspiel mitzuerleben, selber in den Wolken zu sein, das ist auf alle Fälle etwas besonderes. Kennen wir Flachländer ja in dieser Art überhaupt nicht.
    Liebe Grüße
    Elke

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  3. Wunderschöne Bilder, liebe Elke!
    Ich finde, die dichten Wolken machen den Ausblick noch interessanter!
    Lieben Gruß, Doris

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  4. Ja, besser als Kino! Für meine Geschmack hätte es noch mehr tosen dürfen...
    Liebe Grüße
    Elke

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  5. Hallo Elke
    Spannend dich so ganz in der Nähe zu wissen! Danke für die effektvollen Bilder vom Niesen. Welch ein Geschenk, auf einem Berggipfel verweilen zu dürfen, zu erleben, wie es Nacht und wieder Tag wird und dem Spiel der Elemente zusehen zu können!
    Liebe Grüsse
    Marianne

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    1. Hallo Marianne, ja das war wirklich ein tolles Erlebnis, das wir einmal wiederholen werden. Aber hast Du schon Hugos Post vom gleichen Tag gelesen? Dem wären wir fast dort oben begegnet :-)
      Liebe Grüße
      Elke

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