Sonntag, 8. Dezember 2013

R.I.P.


Mein heutiger Lauf ist mit wehmütigen Gedanken beschwert.
Gandalf ist tot.
Gandalf war ein ganz alter Kater. Eines Morgens im Sommer wurde er in seiner Box vor dem Tierheim gefunden, in dem ich ehrenamtlich gelegentlich helfe, und aus dem auch unsere Katzen stammen. Er bot einen jämmerlichen Anblick, struppiges Fell, klapperdürr, schwach, uralt. 
Und einfach so von seinen Menschen abgeschoben. 
Noch nicht einmal dem Heim übergeben, 
nein, 
wie  Müll bereitgestellt für die Müllabfuhr...
So holte man ihn erstmal hinein ins Tierheim.
Doch Gandalf -wie er wegen seines Erscheinungsbildes genannt wurde- war sehr unverträglich allen Zwei- und Vierbeinern gegenüber. Und da es keine Einzelappartements gibt, blieb er erst einmal auf der Wiese im Tierheimgelände und bekam sein persönliches Biwak eingerichtet: Eine gemütliche Katzenhöhle, Sonnen- und Regenschutz, immer frisches Futter und Wasser. Das gefiel Gandalf und er beschloss, zu bleiben. Selbst das Hundegebell störte ihn nicht. Da er auch keine großen Ausflüge mehr mochte, lag er meist dort. Gern ging ich zu ihm hin, blieb eine Weile sitzen und sprach mit ihm. Dann taute er auf, verlies seine Höhle und zeigte so an, dass er gestreichelt werden wollte. Was er dann auch sehr genoss. Allerdings durfte man keine seiner Schmerzstellen berühren, dann setzt es etwas. Aber die paar Kratzer nahm ich in Kauf.

Bald wurde er kräftiger, sein Fell besser. Nur die alten müden Knochen, die blieben wie sie waren.

Mit Ende des Sommers und den kühleren Nächte beschloss Gandalf, hier geht man gut mit ihm um und zog um in den Flur und ins Büro des Katzenhauses. Er entschied sich für einen Schlafplatz im Lager des Tierheims, bekam nach dorthin sein Futter "geliefert" und so taute er langsam weiter auf. Freute sich mehr und mehr über Streicheleinheiten. Bewachte die Kaffeemaschine. Oder saß auf dem Bürostuhl und beobachtete das Geschehen. Es war schön zu sehen, dass er auf seine alten Tage noch sein Plätzchen gefunden hatte und es genoss. Doch mit den Wochen wurde er dement. Er vergaß, wie eine Katze so ihr Geschäft macht und dass er dazu sein persönliches Katzenklo hatte. 
So stellte man ihm einfach das Katzenklo gleich unter seinen geliebten Bürostuhl, und wenn was daneben ging, wurde es eben weggewischt.
Nach wie vor liebte er seine Streicheleinheiten.
Diese Woche bekam er einen Schlaganfall. Man konnte ihm nicht mehr helfen und erlöste ihn von seinen Qualen.
Gandalf... was Menschen ihren "geliebten" Tieren so antun, wenn sie nicht mehr so funktionieren, wie sie sich das vorstellen.
Wenigstens hatte er noch einen schönen, wenn auch kurzen Lebensabend.

7 Grad, 11,9 km, 1:16:59, (6:27 Min/km), Puls 139

Kommentare:

  1. Hallo Elke
    Danke für diese traurig-schöne "Advents-Katzen-Geschichte" mit dem allzu kurzen Happy-End.
    Ich staune, wozu deine Energie neben 100%, Laufen, Umbau und Handarbeit auch noch reicht!
    Und ich hoffe, dass das Laufen heute tröstlich war für dich!
    Liebe Grüsse
    Marianne

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    1. Hallo Marianne,
      ja manches Tierschicksal geht einem dann schon zu Herzen... Dennoch hat der Lauf Spaß gemacht.
      Liebe Grüße
      Elke

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  2. Schön, dass Gandolf ganz zum Ende seines Lebens doch noch wieder positive Erfahrungen mit den Menschen machen durften.

    Ich kann mir vorstellen, dass er Dir ans Herz gewachsen ist. Freuen wir uns, dass es ihm noch gutgehen durfte.

    Auch in diesen Situationen ist das Laufen hilfreich und das ist gut so.

    Liebe Grüße
    Volker

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    1. Hallo Volker,
      ja er hatte am Ende doch noch ein paar schöne Monate, das war tröstlich.
      Und klar, da tut es gut, beim Laufen über solches und andere nachdenkenswerte Dinged es Lebens zu grübeln.
      Liebe Grüße
      Elke

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  3. Liebe Elke,
    danke für die Geschichte von Gandalf. Ich kann mich Volker nur anschließen -auch wenn er sicher schlimmes erfahren hat, so waren seine letzten Erfahrungen mit Menschen durchaus positiv und du behältst ihn so in Erinnerung.

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    1. Liebe Doris,
      ja auch solche Erfahrungen gehören halt zum Leben dazu. Und es ist gut, dass es dann auch Orte gibt, wo man sich um solche Tiere kümmert.
      Liebe Grüße
      Elke

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  4. Ich bin gerade zufällig über Deinen Blog gestolpert....helfe auch im Tierschutz, in der Katzenhilfe und gestern haben wir einen Schützling verloren, eine alte Katzenomi, die vor 2 Wochen erst unterkühlt und ausgetrocknet gefunden wurde. Ich sage mir auch, sie hatte es wenigstens noch 2 Wochen schön....aber trotzdem ist es schrecklich traurig.
    Ich schaue heute abend auch mal ob Laufen hilft ;)

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    1. Herzlich willkommen hier, Frollein Holle!
      Ach dann kennst Du das auch... Ich finde es gut, seine Freizeit nicht nur für sich zu verwenden, sondern auch was anderes Sinnvolles zu tun, beispielsweise im Tierschuz.
      Leider macht Laufen Deine Katzenomi nicht wieder lebendig, aber vielleicht hilft es Dir, was ich Dir wünsche.
      Liebe Grüße
      Elke

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  5. Eine traurige Geschichte, liebe Elke, und doch irgendwie eine schöne. Denn du hast Gandalf mit ihr ein würdiges Denkmal gesetzt. Es ging ihm in den letzten Tagen seines Erdenlebens gut - und bestimmt geht es ihm auch jetzt gut, wo auch immer er ist.

    Liebe Grüße,
    Anne

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    1. Hallo Anne,
      ja, süß-sauer, wie das Leben eben auch sonst so ist.
      Danke und liebe Grüße
      Elke

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