Mittwoch, 8. Januar 2014

Laufen und lesen

Bewegung soll ja gut sein zum Stressabbau, weil so der Kreislauf in Wallung kommt und die bösen Stresshormone schneller abbaut. Ich habe sogar bereits den Tipp gelesen, man soll bei Stress im Büro am besten rasch mal das Treppenhaus rauf und runter laufen. Wenn ich mir da aber das Gesicht meines Chefs vorstelle, wenn ich mitten in einer Diskussion plötzlich die "Ich-muss-mal-gerade-weg"-Nummer bringen würde....? Nee, lieber nicht, ich bin zwar nicht mehr ganz jung, brauche aber dennoch das Geld jeden Monatsletzten. (Wobei mein aktueller Stress weder im Büro bedingt ist, noch mich direkt persönlich betrifft)
Der wallende Stresshormonabbau musste dann doch warten bis zum Abend. Zwar hatte ich beim Loslaufen sogar noch eine Weile Resttageslicht und Abendrot-gelb-orange, aber dann wars zügig duster. Allerdings klappt die Nummer mit dem Stressabbau nicht, zwar rennen die Beine los wie nix, doch der Puls ist noch schneller hoch. Und hilft sonst das Laufen beim Grübeln, so fördert das Grübeln heute noch meinen Ärger, die Beine laufen unrund, es macht keinen Spaß. Nun denn.

Vorgestern wars da leichter mit dem Lauf. Ich trabte zur Abwechslung in eine andere Ecke unseres Ortes, zur Kartbahn von Michael Schumacher. Dort hängen immer mehr Fangrüße am Zaun, Käppis, Fahnen, Fotos, Briefe, Kerzen, viele sehr individuellen Grüße aus aller Welt, ein Brief sogar aus Südafrika, viele Zeichen der Anteilnahme und der Hoffnung auf Genesung.

Vielleicht lenkt lesen ab? Ich kann noch kurz über zwei publizistische Werke berichten, die ich mir jüngst als E-Books gegönnt habe:

"Oberfränkischer Orientierungsultralauf und Abenteuerlauf - 130 km Laufabenteuer"
von Thomas Schmidtkonz
Ich war richtig neugierig auf dieses Buch! Da setzen sich 2 Läufer einfach so das Ziel, auf eigene Faust loszulaufen von einem tiefsten Punkt in Franken zu einem höchsten (der Schneeberg), Luftlinie 100 km. Ausgerüstet mit 5 kg Gepäck, Karten, Wasser, usw. Loslaufen nonstop bis zur Ankunft (nach rd. 27 Stunden). Daran will ich -lesend- teilhaben!
Mh.
Ich hätte mir mehr versprochen. Zwar streut der Autor viele Links ein zu wissens- und sehenswerten Dingen am Streckenrand. Aber ansonsten erfahre ich immer wieder aufs neue, wie er in einen Wald hinein- und wieder hinausläuft, ins nächste Dorf (gibts eine Gaststätte -wenn ja: Getränke- und Nahrungszufuhr / wenn nein - weiterlaufen), in den nächsten Wald hinein... Ach ja, und zwischendurch wird laufend bei Facebook gepostet. Nicht falsch verstehen, ich zolle größten Respekt vor dieser Leistung, allergrößten. Aber dagegen bleibt das Buch leider sehr farblos. Am Ende fehlte mir fast noch der Satz "Dies war mein spannendster Orientierungslauf". Schnell gelesen ist es obendrein, weil kurz. Und am Ende gibts Links zu einem Video vom Lauf und zu einem selbstverfassten Bericht darüber. Hm, da hätte ich das Buch gar nicht kaufen müssen...

"Mission Marathon - Wie ich kein Superläufer wurde"
von Lothar Koopmann
Ein Gag wird nicht besser, wenn man ihn endlos auswalzt... Wenn schon ein Buch beginnt mit einer Widmung, einem Hinweis des Verlages (ironisch gemeinter Inhalt), einer Danksagung, einem Grußwort, einem Vorlauf, einem Anlauf, einer Einleitung, dann sollte das zu denken geben. Entweder mag man diese Art von Humor, oder nicht. Ich eher nicht. Altbacken und angestaubt - meine Meinung. Ansonsten geht es um die Beschreibung, wie der Protagonist zum Laufen kommt und welche Erlebnisse (man könnte auch sagen "Klischees") ihm dabei widerfahren. Originalzitat:
"Außerdem ist dies mein Buch, und darum schreibe ich, was ich will und für richtig halte. So könnte ich zum Beispiel auch die neuesten Plätzchenrezepte meiner Schwiegermutter hier einfügen."
Wäre vielleicht eine Alternative gewesen, dann wäre mir die Langatmigkeit wenigstens versüßt worden...

Ich habe übrigens eine Extra-Seite angelegt mit Buchbeschreibungen, findet sich oben als Reiter bzw. unter diesem Link. Da stelle ich nach und nach Notizen über Bücher ein, die ich gelesen habe aber gern Leseerfahrungen anderer Blogger.


6.1.14: 7,7 km, 46:57 Min (6:03 Min/km), Puls 141
8.1.14: 7,4 km, 46:12 Min (6:15 Min/km), Puls 144

Kommentare:

  1. Hallo Elke
    Danke für deine neue Blog-Extra-Seite! Ja, über's Laufen zu lesen kann ganz schön spannend und inspirierend sein!
    Und da dir die letzten beiden eben gelesenen Lauf-Abenteuer-Bücher nicht 100%ig gefallen haben - hier zwei weitere Tipps.

    "Mein langer Lauf ins Licht" des blinden Marathon-Weltrekordhalters Henry Wanyoike aus Kenia hat mich sehr berührt und beeindruckt! Er erblindet mit 21, findet über das Laufen wieder ins Leben zurück und gewinnt 5 Jahre später an der Olympiade in Sydney zum ersten Mal Gold über 5000 m. Ein Buch das zufrieden macht...

    Oder "Wovon ich rede, wenn ich vom laufen rede" von Haruki Murakami - der Schriftsteller und Läufer ist - ein (ehrliches) Buch über das Laufen und das Schreiben...
    Es enthält auch die Schilderung seiner Teilnahme an einem 100 km Lauf (ich hätte nach dieser Lektüre eigentlich Lust gehabt zu "beweisen", dass man das besser machen könnte... aber nun ist der 100er wieder in weite Ferne gerückt...).

    Der folgende Satz aus diesem Buch gefällt mir momentan besonders gut :-)

    "Es hat keinen Sinn, mit der Zeit um die Wette zu laufen. Von nun an wird es von weit grösserer Bedeutung für mich sein, die 42 Kilometer zu meiner Zufriedenheit zu vollenden und Freude daran zu haben. Dinge, an denen ich mich freue und die ich schätze, drücken sich nicht in Zahlen aus. Und ich werde mich nach einem Stolz umsehen, der sich aus einer etwas anderen Quelle speist als der bisherige."

    Dir weiterhin viel Spass beim Laufen, Lesen und Schreiben!
    Liebe Grüsse
    Marianne

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    1. Hallo Marianne,
      danke für den Tipp zum langen Lauf ans Licht, den werde ich mir merken! Den anderen brauche ich mir nicht zu merken, denn daran lese ich gerade ;-)! Und ich muss sagen, obwohl ich erst am 2. Kapitel bin, DIESES Buch gefällt mir auch sehr! Das von Dir notierte Zitat passt sehr gut zu dem, was ich schon gelesen habe und die Einstellung finde ich wunderbar! Man muss sich manchmal selber hinterfragen und warum man welche Dinge tut: Will man sie wirklich selber, oder nur, weil man glaubt andere Erwartungen erfüllen zu müssen...? Ich freue mich schon darauf, darin weiter zu lesen.
      Liebe Grüße und Dir natürlich auch viel Spaß beim Laufen, Lesen und Schreiben!
      Elke

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  2. Ach ja, der liebe Streß. Wer hat den bloß erfunden? Besonders ärgerlich, wenn man auf die Faktoren so gar kein Einfluß hat und das Laufen als Streßlöser auch mal versagt.

    Momentan würde ich zur Streßbewältigung wohl auch 100 km laufen müssen, aber im Augenblick tue ich es ja gar nicht :-(

    Nicht jeder gute (Extrem-)Läufer ist auch ein extrem guter Schreiber. Schade nur, dass man das erst weiß, wenn man den Schmöker gekauft hat.

    Das Anlegen der Buchbeschreibungsseite ist eine gute Idee!

    Liebe Grüße
    Volker

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    1. Jeder muss wohl so seine persönliche Stressbewältigungsstrategie finden, denn leider wird es wohl nie gelingen, völlig stressfrei durchs Leben zu gehen.
      Das ist ja auch oft im Leben so, dass man erst nach dem Kauf die Qualität des Produkts erkennen kann. Zumindest beim Koopmann-Buch gibt es im Netz auch durchaus gute Kritiken. Also scheints anderen zu gefallen, mir aber eben nicht.
      Beim Orientierungsultralauf war zumindest das Nachlesen ganz interessant. Im Video zu diesem Buch ist übrigens Musik, vom Autor selber komponiert...http://www.youtube.com/watch?v=pJE6osglkPE ... muss man gehört/gesehen haben ;-)
      Liebe Grüße
      Elke

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    2. Der Mann scheint ein ziemlich breites Betätigungsfeld zu haben: http://schmidtkonz.com/thomas/
      Da kann man eben nicht überall Spitze sein ;-)

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    3. Stimmt, war mir auf der Seite auch aufgefallen. Bei soviel Breite - vielleicht setzt er seine Spitzen woanders...;-)
      Liebe Grüße
      Elke

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  3. Hallo Elke,
    ja, das mit dem Stress davonlaufen klappt eben auch nicht immer zu 100%. Aber ich kann dir sagen, dass einem in der Laufpause die Abbauläufe doch sehr fehlen!!! :?

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    1. Hallo Doris,
      ja klar fehlen in Laufpausen irgendwie die selbst erlaufenen Schnaufer und Stöhner und das wohlige Gefühl hinterher, dass man sich was Gutes getan hat...
      Liebe Grüße
      Elke

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  4. Hallo Elke,
    hoffentlich ist dein Stress mittlerweile abgebaut und dein Unmut über die wenig lohnenswerte Lektüre verraucht.
    Die Rubrik für Buchrezensionen halte ich für eine gute Idee. Ich habe in meinem Blog nur den/das Tag "Buch" benutzt. Empfehlen möchte ich dir diesen Läufer-Roman: http://daspulsmesser.blogspot.de/2013/08/ein-gerippe-auf-diat-der-roman-trans.html
    Viele Grüße!

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    1. Der Stress wird sich noch bis Samstag 18 Uhr aufbauen und dann einem Höhepunkt entgegenstreben. Hat mit einem Verein und krassen Querelen dort zu tun, nix mit Laufen.
      So schlimm war das mit meinem Unmut über die beiden Bücher nicht, da habe ich mich schon schlimmer geärgert. Ich liebe es nur, wenn man ein Buch liest, und dabei auch seine Lesefreude hat.
      Danke für Deinen Buchtipp. Mir schwebt vor, auf meiner Seite dann mal irgendwann eine größere Ansammlung von Buchtipps auf einen Blick zu haben, aus denen andere Anregungen gewinnen können. Du brachtest mich auf die Idee, dass ich da ja auch Tipps von anderen posten kann, weil ich soviel Zeit zum Lesen auch nicht habe. Ich würde daher einen Link auf Deinen Post dort bringen. Sag mir, wenn es nicht ok ist.
      Liebe Grüße
      Elke

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  5. Ach ja, wir haben alle unsere Tage
    an denen es läuft oder eben nicht
    Stress lässt unseren Puls hoch schnellen
    und auch die Beine langsamer werden.

    Bücher übers Laufen gibt es jetzt wie Sand am Meer
    einige davon habe ich aufgesogen
    andere sagen mir nichts
    so wie im richtigen Leben

    Dieses jedoch " Wovon ich rede, wenn ich vom laufen rede" von Haruki Murakami

    kann ich dir wärmstens empfehlen
    aber ich habe auch noch andere Vorschläge

    nasse Grüße

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    1. Lach - genau dieses lese ich gerade. Wenn Du noch andere Vorschläge hast - Pulsmesser brachte mich gerade auf die Idee, auch Tipps anderer Blogger aufzunehmen. Gern nehme ich dann auch Deine Tipps (wahrscheinlich sind die proportional zu Deinen Lauf-km... ;-) ?) mit auf!
      Liebe Grüße
      Elke

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  6. Mein absolutes Lieblingsbuch:
    http://www.amazon.de/Lauf-Psychologie-Dem-Geheimnis-Laufens-Spur/dp/389787167X

    natürlich gibt es noch vieeeeeeeel mehr, muss ich erst sammeln !

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    1. Gern, sammle und schicke!
      Ich baue das Buch schonmal ein ;-)
      Liebe Grüße
      Elke

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  7. Here we are:

    Claus Dahms
    Laufen - Geschichte - Kultur - Praxis

    Die Seele läuft mit
    Frater Michael Bauer

    Besser Laufen
    Jack Heggie

    Laufen
    Bernd Heinrich

    Hysterie des Körpers
    Joey Kelly

    Dr. Susanne Mahlstedt
    " Ich laufe, um zu laufen "
    Eine Frauen-Laufen- Anthologie
    auch ich bin mit meinen Texten dabei !!

    Programmiert auf 100 Lebensjahre
    Ernst van Aaken

    Alternativ-Medizin durch Ausdauer
    Ernst van Aaken

    genial zusätzlich zum Laufen
    Die besten Leibesübungen aller Zeiten
    Christopher Bloss


    das waren die, die ich gerade zur Hand habe, auch " alte Schinken " von Dr. van Aaken, aber durchaus sehr interessant und immer noch aktuell !

    Hasta la vista !

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    1. Danke Dir, baue ich gleich ein!
      LG
      Elke

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