Montag, 23. Juni 2014

Es war einmal...

Am Wochenende war wider Erwarten keine Zeit für einen langen Lauf. Also hole ich den heute bei prächtigem Wetter nach.
Viel Zeit zum Grübeln.



Vor allem über diese Geschichte...
Es war einmal vor vielen Jahren ein Drache, der wohnte in einem Vorzimmer und spie gern Feuer und Gift. Dennoch schenkten ein paar Menschen mit reinem Herzen ihm zum Geburtstag eine kleine Topfpflanze.



Doch was eine Freude bereiten sollte, fand keine Gegenliebe. Dem Drachen war das Pflänzlein gar zu zart, um nicht zu sagen zu mickerig, und korrespondierte in seinen Augen so gar nicht mit seiner Größe, seiner -gefühlten- Anmut und seiner Bedeutung.






Und während der Drache so über das ungeliebte Geschenk sein Lamento erhob, traf es sich, dass ich sein Zimmer betrat. Der Gedanke, dass das kleine Pflänzlein mit ein wenig Pflege und Liebe zu einer stattlichen Pflanze heranwachsen könnte, wollte dem Drachen überhaupt nicht in den Sinn kommen.




Mein Besuch in seinem Gemach endete damit, dass er mir das Pflänzlein überließ und ich mich mit diesem in Händen vor der Türe wiederfand.

Da war guter Rat teuer.
Denn ich wusste gar nicht, welcher Art dieses Pflänzlein war, und ob es gar lieber im Zimmer oder etwa im Garten wohnen mochte. Doch es dauerte mich und ich wollte ihm eine Chance geben.


Ich entschied mich für den Garten und gab im dort ein Plätzchen.
In den ersten Jahren geschah nicht viel. Fast hatte ich den Eindruck, das Pflänzlein kümmerte nur so vor sich hin und fühlte sich gar nicht wohl. Jedes Jahr im Frühling war es ein Rätseln, ob denn die im Winter dürr gewordenen Triebe neues Grün hervorbringen würden. Dies taten sie, auch kamen Blüten hinzu, doch das Pflänzlein blieb eher unscheinbar. Dennoch behauptete es sich und trotzte jedem Wetter und auch Wintern mit kalten Frösten.


Und plötzlich, nach langen Jahren, geschah es, als wenn sich ein Knoten gelöst hätte wurde das unscheinbare Gewächs zur ansehnlichen Pflanze, gedieh immer prächtiger. Anscheinend hatte es seine Wurzeln soweit ins Erdreich getrieben, dass es Kraft gewann und dort in tieferen Schichten alles fand, was es für sein Wohlbefinden brauchte.





Und so wurde aus dem kleinen Pflänzlein, das der Drache gar nicht wollte, ein wunderschöner Strauch, eine Zierde des Gartens. Kaum vorstellbar, dass dies einmal ein "hässliches Entlein" in einem Blumentopf war.

Und da das Pflänzlein nicht gestorben ist, wird es hoffentlich noch viele Jahre das Auge erfreuen und den Garten verschönern.



Und die Moral von der Geschichte?
Manches Ding braucht seine Zeit.
Man muss Geduld haben,
darf nicht verzagen und vor der Zeit aufgeben.
Warten können, Langmut haben
Und wenn es noch so lange dauert, gilt es dennoch, auch einem zarten Pflänzchen seine Chance zu geben.
Alles Dinge, die wir Sportler kennen.
Beharrlichkeit zahlt sich aus.
Nur mit Ausdauer erreicht man sein Ziel.
Je ehrgeiziger die Ziele, je mehr muss man sich kümmern.
Lauffreude kommt nicht immer automatisch auf, manchmal ist es einfach zäh, frustierend.
Sich nicht unterkriegen lassen, Rückschläge hinnehmen und als Ansporn zum Weitermachen nehmen.
Und das, obwohl es für nichts eine Garantie gibt.
Der nächste Tag mag sich wieder von einer anderen Seite zeigen, heute so, morgen so.
Dennoch, wer nicht wagt, der nicht gewinnt.

Mein Lauf war diesmal nicht ganz so locker. Eine liebe Freundin hat heute ihre erste Chemotherapie erhalten, ein erster Schritt auf einem langen, aber hoffentlich erfolgreichen Weg.


21 Grad, 15,5 km, 1:41:36, (6:34 Min/km), Puls ca. 138 (Batterie alle, manuell gemessen)

Kommentare:

  1. Hallo Elke
    So viele wertvolle, berührende und weise Worte und Einsichten!
    Diesen Blog-Eintrag sollten wir alle rot markieren, abspeichern und immer in Erinnerung behalten!
    Ich danke dir herzlich dafür!
    Nichts ist selbstverständlich - manchmal muss man Stagnation ertragen können, Geduld haben, warten, hoffen - du sprichst mir aus der Seele ;-)
    Und eigentlich beginnt alles immer mit DANKBARKEIT!
    Dankbarkeit für alles was möglich ist und was wir haben - jetzt und heute! Mann muss es nur sehen ;-)
    Von Herzen alles Gute für deine Freundin!
    Und für dich Lockerheit, die dir beim Mittragen hilft.
    Liebe Grüsse
    Marianne

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    1. Hallo Marianne,
      stimmt, die Dankbarkeit - auch die ist immens wichtig. Dankbar sein für Kleinigkeiten, für kleine Fortschritte. Nicht immer nur auf groß Würfe lauern.
      Danke Dir!
      Liebe Grüße
      Elke

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  2. und verätst du auch, was das für ein Drache war, der keine Hortensien (es ist doch eine Hortensie, oder?) mochte? Deine Schwiegermutter? ;) Prachtexemplar ist das geworden!

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    1. Das ist eine wahre Geschichte, die Vorzimmerdame eines Chefs in einer früheren Arbeitsstelle. Nicht meine Schwiegermutter, das ist eine ganz liebe! Genau, eine Hortensie, Tellerhortensie, wenn ich es richtig sehe.
      Und es hat ca 15 Jahre gedauert, bis sie nun so aussieht wie jetzt. Ich liebe diese Farben!
      Liebe Grüße
      Elke

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  3. Das ist das Schöne an Märchen, sie haben immer ein Happy End :-D

    Ich frage mich gerade, welcher Drache mich zartes Geschöpf vor die Tür gesetzt hat, damit ich über all die Jahre zu einem halbwegs brauchbaren Läufer herangewachsen bin :-D

    Dein Drache war ein Vorzimmerdrache? Das können wirklich ganz üble Exemplare sein ... ;-)

    Liebe Grüße
    Volker

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    1. Lieber Volker,
      also es ist schon eine wahre Geschichte, habe ich so erlebt. Leider endet aber auch in meinem Garten nicht alles mit einem Happy End ... doch in dem Fall hat es sich gelohnt :-)
      Ich hoffe ja nicht, dass Deine Mutter ein Drachen war, aber sicherlich hast Du Deine zarten Laufwürzelchen irgendwann tief in den Deich gegraben, damit Du Kraft für z.B. lange Läufe sogar über 50 km gewinnst ;-)

      Genau, ein Vorzimmerdache, Typ schwere Schlachtfregatte ;-)
      Liebe Grüße
      Elke

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  4. Tja, wenn die Schlachtfregatte das zarte Blümchen jetzt sähe, würde sie es dir vermutlich mit einem Wutschrei "Alles meins!" entreißen! :lol: Gerade als Gärtnerin braucht man Geduld - und sie lohnt sich meistens.

    Unbekannterweise wünsch ich deiner Freundin viel Kraft - und dass alles gut wird.

    Liebe Grüße,
    Anne

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    1. Liebe Anne,
      -lach-, ja die "Fregatte" würde Augen machen...
      Und danke für Deine lieben Wünsche.
      Liebe Grüße
      Elke

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  5. ...und so stellte sich nach Jahren heraus, dass der böse Drache eine verzauberte Blumenfee war, die sich ihre Geschenkempfängerinnen ganz genau aussuchte, weil sie wußte, wieviel Geduld es oft braucht, bis die schönsten Blüten erscheinen! :)

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    1. Au weia, liebe Doris, da habe ich dem Drachen ja schwer Unrecht getan. Dank Deiner Erklärung wird mir das gerade bewusst... ;-)
      Liebe Grüße
      Elke

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