Sonntag, 1. Februar 2015

4 Bücher und ein Ultrawanderungsfall


Unser Kater weiß es besser, als er rausschaut und sich dann lieber abwendet.
Nachdem es am Morgen kräftig geschneit hatte, der Schnee dann wieder wegtaute und es trocken war, hat draußen nun leichter Nieselregen begonnen, während ich mich startklar mache. Gerade rechtzeitig, dass ich noch umschalte auf Regenjacke und Basecap, deren Schutzschirm vorm Gesicht ich bei Regen bevorzuge.
Nach dem Phlegma der letzten Woche habe ich mir einen längeren Lauf vorgenommen, und der wird nun durchgezogen! Alsbald wird aus dem Nieselregen richtiger Regen. Aus dem Regen wird Schneeregen und dann Schneefall. Den Fotoapparat hatte ich wohlweislich lieber daheim gelassen, ein weiser Entschluss, denn ich werde kräftig nass.

Doch heute ziehe ich mein Vorhaben durch. Insbesondere in Anbetracht der Gedanken an viiiel extremere Menschen, die mir durch den Kopf gehen. Mir fiel kürzlich auf, dass ich 4 Bücher bemerkenswerter Leistungen in meinem Regal habe, zudem einen Vortrag eines weiteren Extremerlebnisses besuchte. Seltsam die Häufung - muss ich mir Gedanken machen?

Also ein kurzer Abriss, in chronologischer Reihenfolge des Lesens/Erlebens:


Hape Kerkeling "Ich bin dann mal weg".
Über eine Wanderung auf dem Jakobsweg. Da muss ich glaube ich nicht viel sagen, wunderbar kurzweiliges Buch. Macht schmunzeln und lachen, nachdenklich und Lust darauf, den Weg auch einmal zu gehen. Nachdem ich 1995 (ach herrje, schon 20 Jahre her!) den E5 von Bregenz nach Bozen ging, musste ich natürlich dieses Buch lesen.






Vor 3 oder 4 Jahren sprang mir ein Vortragshinweis in der Schweiz ins Auge, wir waren gerade dort und der Vortrag ganz in der Nähe. Peter Egger, ein junger Dachdecker aus dem Emmental fand, dass er über einige Dinge nachdenken wollte und so ging er los. Zu Fuß einmal um den Globus, 511 Tage und 18.000 km. Sein Vortrag, mit vielen Bildern und vor allem mit seiner "Ausrüstung" (das letzte durchgelaufene Paar Schuhe, eine verbeulte und zerkratzte Kamera und weitere seiner Utensilien) als Anschauungsobjekte ist mir heute noch im Gedächtnis. Er erzählte sehr beeindruckend von seinen Erlebnissen, Begegnungen mit Menschen, guten und beängstigenden Momenten. M.W. gibt es kein Buch, leider, wohl aber im Netz einiges zu seinem Abenteuer:
hier und Youtube und Interview (Berndeutsch) und TV-Interview (Berndeutsch) oder googeln.


Im letzten Jahr fiel mir dieses Buch in einem Antiquariat in die Hände. Ich nahm es mit wegen der schönen Bleistiftskizzen einer "Wanderung". Arnold Kübler ging zu Fuß von Paris nach Basel. Allerdings: Das Buch erschien 1967! Lässt man sich auf den Schreibstil ein, der eben gute 50 Jahre alt ist, und noch spielerisch die volle Palette der deutschen Grammatik ausschöpft, wird man mit einem wunderbaren Lese-Erlebnis und noch dazu einer Zeitreise belohnt. Denn letzteres ist es, kein Smartphone unterstützt den Wanderer mit Navi-Apps, GPS hätte er vielleicht übersetzt mit "Ganz Paris staunt", keine Kreditkartenzahlung in Gasthäusern, keine Bankomaten, keine Hightec-Wanderschuhe.
Die größte Überraschung des Buches liegt nicht offenkundig auf der Hand, man muss genau lesen: Der Autor war Mitte 70, als er diese Wanderung unternahm! Das Buch gibt es in Internetantiquariaten.

Und auch im letzten Jahr stolperte ich über Andreas Altmann, der ebenfalls in Paris startete, aber bis Berlin marschierte. Zwar legte auch er seine Route auf Schusters Rappen zurück, doch erschwerte er sich sein Vorhaben, indem er ganz ohne Geld unterwegs war. Betteln, übernachten mit Obdachlosen sind prägende Dinge während seiner Wanderzeit.
Die Stärke des Buches ist die Schilderung vieler Begegnungen, Bestätigung und Widerlegung von französischen und deutschen Eigenschaften und Vorurteilen, die vielen Kontraste, die sich aus seiner speziellen Herausforderung ergeben.




Und so freute ich mich auf eine weiteres wunderbares Leseerlebnis mit Joey Kelly in den Weihnachtsferien.
Hüstel, sicher ist es eine Leistung, Deutschland von Nord nach Süd zu durchqueren, aber da hätte ich mir viel mehr versprochen. Das Buch müsste eigentlich einen Doppeltitel haben: "Die Hysterie des Körpers und der Kelly-Fans", denn die Hälfte ist die Schilderung der Karriere der Kelly-Family. Nicht dass das uninteressant wäre, aber dann kann man diesem Thema ja ein eigenes Buch widmen. Doch seine Deutschland-Durchwanderung kommt mir da leider etwas zu kurz.




Ja und mit solchen Heroen als Vorbild, da kämpft man sich doch locker durch jedes Wetter!

Um mich herum ist es zur Hälfte meines Laufs grau und weiß geworden, dicke Flocken fallen und verirren sich immer wieder in den Mund. Die Knie frieren, werden steif und wollen sorgsam gesteuert sein. Dennoch macht es mir Spaß, ich werde sogar immer -ungewollt- schneller.
Die Handschuhe sind vollgesogen mit Wasser, der Schirm meiner Kappe häuft eine kleine Schneewehe an, Jacke  und Laufrock haben vorn ebenfalls eine Schicht aus Schneekristallen, die Beine sind nass bis auf die Haut, während die Schuhe erstaunlich gut die Nässe abhielten.

Daheim bitte ich meinen Mann um ein Foto, doch bis dahin ist das meiste Weiß an mir schon weggetaut und verflüssigt.
Herrliches Gefühl unter der Dusche, wenn das warme Wasser wie tausend Nadelstiche die Beine wieder erwärmt! :-)

2 Grad, Schnee und Regen, 15,3 km, 1:37:24, (6:22), HF 139

Kommentare:

  1. Liebe Elke,
    na wenn das kein Heldinnen-Foto ist! :)
    Interessante Bücher stellst du da vor. Besonders die Nummern 2, 3 und 4 springen mich da an. Da werde ich wohl bald mal wieder in der Bücherei ein wenig auf die Suche gehen! (Vielleicht laufe ich dann auch wieder mal im zweistelligen km-Bereich!?) :D

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    1. Liebe Doris,
      danke, und im 2-stelligen Laufbereich kriegst Du auch es locker hin, da habe ich keine Zweifel. Ich finde es auch immer interessant, durch welche Zufälle man auf manch gutes Buch stößt, Dir viel Erfolg beim Stöbern!
      Liebe Grüße
      Elke

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  2. Hallo Elke,
    vielen Dank für die Lesetipps. Das Buch von Hape kenne ich schon und mag es sehr gerne. Auf das Buch von Joey hätte ich mich sehr gefreut, aber wenn es da zu so einem großen Teil um die guten alten Kellys geht, dann verzichte ich doch lieber :-)
    Wünsche Dir einen guten Wochenstart!
    Liebe Grüße
    Mia

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    1. Hallo Mia,
      herzlich willkommen hier! Der Anteil der Bandgeschichte ist mir definitiv zu hoch und die Schilderung seiner Erlebnisse unterwegs dafür zu dünn. Liegt vielleicht daran, dass er es nicht selber schrieb und ein Co-Autor (oder Ghostwriter) vielleicht nicht so die inneren Kämpfe rüberbringen kann, die so ein Unterfangen sicherlich mit sich bringt.
      Dir auch einen guten Start in die woche!
      Liebe Grüße
      Elke

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  3. Pah... Kommentar weg, da versuch ich es doch noch mal neu:

    Respekt für Dich, bei dem Usselswetter vor die Tür zu gehen.

    Den Kerkeling hab ich natürlich auch schon gelesen, den Kelly würd ich mir wohl sparen. Interessant, was manche Menschen so auf mich nehmen.

    Schönen Wochenanfang.
    Anja

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    1. Hallo Anja,
      wahrscheinlich trieb mich das schlechte Gewissen raus. Und wenn man dann einmal läuft, dann läufts ja (meistens).
      Wenn Du nicht eingehend die Bandhistorie der Kellys erfahren willst, ist das Buch nur bedingt interessant, bei so einer Wanderung MUSS doch mehr passiert sein.
      Liebe Grüße und Dir auch einen schönen Wochenstart!
      Elke

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  4. Bücher anderer Heldentaten zu lesen macht meistens nur halb so viel Spaß wie es selbst zu erleben und zu laufen.

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    1. Hi Markus,
      klar, selber erleben ist immer interessanter. Da ich aber gerade nicht die Zeit habe, 1x um den Globus oder auch nur ein paar 100 km am Stück zu laufen, und auch noch keine 70 bin, musste es in den Fällen beim lesen/zuhören bleiben. ;-)
      Liebe Grüße
      Elke

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    2. Zeit kann man sich nehmen und älter wird man von alleine ;)

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    3. Bei letzterem stimme ich Dir zu. Ersteres sehe ich theoretisch auch so, aber praktisch habe ich da nicht so die Möglichkeiten. Aber ich arbeite dran ;-)

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  5. Ich mag solche Bücher und wer hat noch nicht Hapes Buch gelesen?

    Die Durchwanderung Deutschlands von Nord nach Süd und anschließend auch einmal von West nach Ost habe ich mir auch vorgenommen. Allerdings in Etappen, wie ich es in jeweils einer Woche Urlaub unterbringen kann.

    Ich sollte so langsam mal damit anfangen.

    Zum Outfit. Chic und farblich stimmig, auch mit fast ohne Schnee :-))

    Liebe Grüße
    Volker

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    1. Lieber Volker,
      ich stelle mir diese Unterfangen jeweils auch sehr herausfordernd und reizend vor. Vielleicht irgendwann einmal...
      Ja das Outfit gestern war stimmiger als das davor ;-)
      Liebe Grüße
      Elke

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  6. Sorry, jetzt auch bei Dir mal ein kurzes gemecker:

    Blogspot nervt mit diesem übertriebenen Sicherheitsabfragen. Einen Haken setzen, dass man kein Robot ist, geht ja noch in Ordnung. Aber fünfmal klicken bis man mal endlich einen dieser verschrobenen Codes lesen kann, das geht mir echt auf den Keks. Geht das nicht wieder abzuschalten?

    Daaaaaanke!

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    1. Ich habe an meinen Einstellungen nichts verändert. Diese "Robot"-Abfrage scheint nicht beeinflussbar. Aber bei einem Test musste ich danach keine Codes eingeben. Komisch. Bei Blumenmond war mir das auch aufgefallen...
      Bitte um Geduld, ich schaue, ob ich was beeinflussen kann...
      Liebe Grüße
      Elke

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  7. Hallo Elke,
    vielen Dank für die Büchervorstellungen. Ich fand das sehr interessant. Ich habe bisher kein einziges davon gelesen. Aber ich denke, das wird sich ändern :-)
    Dein Lauf hört sich ungemütlich an, aber du hast ihn ja durchgezogen. Respekt!
    Bei diesem Wetter ist es gut wenn man zu den Harten gehört :-))
    Liebe Grüße
    Helge

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    1. Liebe Helge,
      würde mich freuen, wenn Dir ein Lesegnuss daraus erwachsen kann ;-)
      Ich hoffe ja auch, dass das Durchhalten bei solchen Bedingungen spätere Läufe befruchtet, schaun mer mal!
      Liebe Grüße
      Elke

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  8. Das Kelly-Buch habe ich auch gelesen. Wie man in der aktuell auf stern-tv laufenden Wüstendurchquerungs-Challenge beobachten kann, ist Kelly kein großer Redner, und auch kein großer Schreiber. Der Ghost-Writer vermochte das offenbar nicht zu kompensieren. Trotzdem fand ich interessant, wie die ganze Kelly-Familie auf einer Plane auf Parkplätzen übernachtet. Derart gestählt, sind die Outdoor-Abenteuer dann der nächste Schritt.
    Die titelgebende Hysterie des Körpers beschreibt den extremen Hunger in den ersten Tagen des Fastens, der lt. Buch später einem weniger schlimmen Gefühl weicht, wenn der Körper auf Fettverbrennung umgestellt hat. Besser, man liest davon nur ...

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    1. Das stimmt, er zieht ziemlich harte Sachen durch und wenigstens wird mit dem Ghostwriter offen umgegangen, besser als bei manch anderem Werk. Auf mich wirkten die Wander-Schilderungen irgendwie zwar perfekt formuliert, aber dennoch blutleer, steril. Ja, das ganze Drum und Dran der Kellys, sicher auch interessant, war mir aber in der Menge zuviel oder hätte dann zu einer anderen Betitelung führen sollen.
      Treffend ausgedrückt: Wenn er ja vorher bewusst Kilos anfuttert, quasi als Wegzehrung, muss diese Körperhysterie ja umso stärker gewesen sein. Zeigt, wie hervorragend er mental drauf ist.
      Und nein, DAS möchte ich nicht erleben müssen.
      Liebe Grüße
      Elke

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  9. Na bitte, geht doch! ;-) Die Buchtitel und Inhaltsangaben laden allesamt zum lesen ein. Bisher habe ich nur HPK gelesen und fand's sehr nett geschrieben. Hinterher hat's meine Mutter bekommen. Ich nach 2 Tagen: "Und, wie findstes?" Sie: "Weißnich. Ich hab jetzt 50 Seiten durch und der Kerl ist ja nur am Jammern!"

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    1. Hallo Anne,
      hat Hape wirklich so viel gejammert...? Ist mir gar nicht so in Erinnerung, ich fand das Buch prima! Vielleicht wäre dann Paris-Basel eher etwas für sie...
      Liebe Grüße
      Elke

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