Donnerstag, 9. April 2015

Luxusproblem

Ganz plötzlich ist es frühlingshaft!
Noch beim Lauf vorgstern, der mir doch nach dem Halbmarathon vom Sonntag etwas schwer fiel, wehte der Wind am Abend -gefühlt- kühl ums Näschen.







Heute ein ganz anderes Problem: Was ziehe ich bloß zum Laufen an?
Da war ich monatelang geeicht auf Winterskala:
5 Grad und darunter: An den Beinen zweilagig, Oberkörper sowieso.
Kommt Wind dazu, dann gern mit Laufrock.
Bei unter 0 Grad dann auch noch die dritte Lage oben.
5-10 Grad: Obenrum 2 dünnere Schichten.
Aber jetzt so plötzlich so warm, Himmel, was nun? Und dann noch: Wenn ich um 17:30 loslaufe, meine Vorgabe 90 Minuten beträgt, wie lange bleibt es noch so warm oder kühlt es nachher rasch ab und was mache ich dann? Was für Sorgen, welch ein Luxusproblem... So grüble ich dann vor mich hin und greife zu 3/4 mit Laufrock und T-Shirt, sicherheitshalber wandern die Ärmlinge in die Mini-Bauchtasche.
Lustigerweise greift sich mein eidgenössischer Ehemann für sein heutiges forderndes Intervalltraining das gleiche Shirt wie ich, ohne dass wir uns abgesprochen hätten: Beide laufen wir im Amsterdam-Marathon-Finishershirt los.

Ich kurve Richtung Grubenrand, mal sehen, was sich verändert hat. Wie abzusehen war, der letzte Rest Wald wird nun massakriert. Zwar zwitschert es noch ganz munter und heftigst im Geäst, aber das wird wohl der Abgesang.








Blick vom Rest-Waldesrand:
Ganz hinten am Horizont ist im Dunst die Sophienhöhe erkennbar, der künstliche Berg aus Abraum, der aus dem Tagebau geholt wurde, um an die Braunkohle zu gelangen. Bis dorthin reichte früher der Wald. Ich erinnere mich noch an die großen uralten Bäume und die wunderbare erfrischende Kühle unter ihrem Laubdach in heißen Sommern...
Kürzlich haben die Kohlegegner einen Bagger zu besetzen versucht. Aufhalten wird das niemanden. Es wird weiter Kohle aus Kohle gemacht werden, denn wir alle wollen ja unsere elektrischen Helferlein betreiben...

Als ich wieder nahe zum Wohnort bin, begegnet mir sogar mein Mann auf seiner Runde.
Bei mir läuft es erst zur zweiten Hälfte der 90 Minuten ganz gut.
Obs am Gegenwind der ersten Hälfte lag?
Oder daran, dass ich doch besser vorher noch getrunken hätte?
Ich hatte aber auch tagsüber das Gefühl, als wenn sich eine Erkältung anmelden wollte. Am Laufende ist wenigstens dieser Eindruck weg. Man muss auch mal ungeschoren davonkommen können!

Und kalt wird es auch nicht bis zum Laufende. Die Ärmlinge bleiben eingepackt.







Bei meiner heutigen Bildauswahl fällt mir auf, dass es lauter Wegesmotive sind...
Mh, ob Freud da sagen wollte, dass alle Wege nach zum Marathon führen...?


Dienstag:
9 Grad, 8,9 km, 1:00:03, (6:45 Min/km), HF 126

Heute:
19 Grad, 13,9 km, 1:30:01, (6:27 Min/km), HF 133

Kommentare:

  1. Wie sieht es eigentlich mit dem Wirkungsgrad aus, wenn man auch die Energie berücksichtigt, die nötig war, um mit Abertausenden von Lkw-Ladungen so eine Sophienhöhe zu errichten?

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    1. LKW? Nein, dafür gibt es Absetzer, das Gegenteil von Baggern, quasi Endlos-Fließbänder. Stell nicht solche Fragen, dann kommt das Arbeitsplatz-Argument oder der Besser-als-AKW-Einwurf. Ja, nicht nur der Regenwald ganz weit weg wird abgeholzt...
      Liebe Grüße
      Elke

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    2. Ich kannte bisher nur die Vollrather Höhe und fand die schon beeindruckend. Aber die Sophienhöhe ist ja noch viel höher!
      Sehen wir es positiv:
      http://www.tv-huchem-stammeln.de/cms/html/la/lauf.htm

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    3. Ja, he, die haben ja auch echt jahrelang an dem Hügel gebaut und gezimmert! Letzten Sommer bin ich dort den Montelino mitgelaufen: http://18071960.blogspot.com/2014/08/montelino-10-km.html.
      Der längere Lauf wäre sicher was für Dich!
      Liebe Grüße
      Elke

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  2. Ich bin immer wieder erstaunt, wie weit die Sophienhöhe erkennbar ist. Es tut sicherlich oft weh, so nah mit anzusehen, wie Natur und Mensch weichen müssen. Und was die Wegemotive angeht... es ist halt auch immer ein schönes Motiv. Ich wünsche Dir, dass die Erkältung sich ordentlich versteckt und die Vorbereitung weiterhin gut läuft.

    PS: Hab mal kürzlich, als wir über die A57 Richtung Zons fuhren gecheckt, dass die Rauchsäulen, die ich hier häufig auf meinen Rheinfotos hab, wirklich von den Kohlekraftwerken kommen. Ich nehm es als Gruß von Dir an mich. :-)

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    1. Liebe Anja,
      das wäre noch dann ein positiver Aspekt, Grüße von mir zu Dir :-) Ja, ansonsten hat das hier alles schon ziemliche Dimensionen. Wir brauchen gar nicht mit Fingern auf andere zu zeigen, die ihre Wälder abholzen, wir können an der eigenen Haustür beginnen...
      Danke, heute gehts wieder gut, keine Erkältungsanzeichen, klopf auf Holz ;-)
      Liebe Grüße
      Elke

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  3. Liebe Elke,
    ja, dieses Luxusproblem erwischt uns in diesen Tagen wohl alle...
    Mit dem erneuten Wintereinbruch und einer Woche lang Schneegestöber muss ich nun auch vor jedem Lauf überlegen, wieviele Lagen, welche Jacke, etc. ... (und was schlimmer ist - es fühlt sich noch so "ungewohnt" an!) :D

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    1. Liebe Doris,
      ja, aber wir wollten es ja so, endlich Frühling. Nun haben wir den "Salat", aber es gibt doch schlimmeres, oder? Man muss auch über sich selber schmunzeln können.
      Liebe Grüße
      Elke

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  4. Das Luxusproblem kenne ich.
    Ich habe mich gestern zum ersten Mal mit Kurz- Kurz rausgetraut. Und es war genau richtig! :)

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    1. Lieber Markus,
      ja, die Umstellung ist immer wieder eine kleine Herausforderung.
      Liebe Grüße
      Elke

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  5. Liebe Elke
    Und wieder haben wir parallel trainiert, lang und langsam am ersten frühsommerlich warmen Frühlingsabend, da 20 Grad im Schatten schon richtig schweisstreibend wirkten. Wir sind sogar fast zeitgleich gestartet - Steffnys Trainingsstruktur lässt grüssen ;-)
    Dem Luxusproblem, sich so schnell auf weniger Ausrüstungsballast einstellen zu müssen, stellen wir uns doch gerne!
    Schade, dass euer Wald immer weniger wird - besonders jetzt, da er zu neuem Leben erwacht, grünt und blüht und in Vogelnestern und Unterschlüpfen Jungtieren Verstecke bietet ... Wenn das Roden schon sein muss, dann doch lieber im Winter?
    Ja, deine Weg-Bilder verdeutlichen es - du kommst weit herum und bist gut unter-Weg-s zum Marathon - und wie ich gelesen habe, auch wieder ohne Erkältungssymptome :-)
    Weiter so!
    Ob alle Marathon-Trainings-Wege irgendwann mal nach Marathon führen werden - diese Idee ist zurzeit bei uns am keimen ;-)
    Liebe Grüsse
    Marianne

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    1. Liebe Marianne,
      genau, mehr Luxus als Problem ;-)
      Der Rest-Wald, das ist eine eher traurige Ecke. Und das andere Ende, da wo die Kohle abgebaut wurde, das braucht dann noch ein paar Jahrzehnte, bis es wieder natürlich aussieht. Die Symptome sind Gottseidank weg :-)
      Das echte Marathon?! Ja das wäre wahrhaftig ein Projekt für Euch. Haruki Murakami hat das ja auch mal gemacht und beschrieben... Dann bin ich mal gespannt!
      Liebe Grüße
      Elke

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  6. Liebe Elke,

    das sind ja nicht nur Wegebilder, nein auch noch alles unendliche Geraden uuaah. Du scheinst dich ja mental tatsächlich auf den Marathon vorzubereiten...
    Meine Luxusprobleme sind schon seit ein paar Wochen vorbei: Kurz/Singlet wird es wohl bis nächsten Oktober :(.

    Herzlichen Gruss!

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    1. Liebe Roni,
      wenn ich Deine Beschreibungen so lese, da ist dann eher die Frage, wie weit man noch reduzieren kann. Das ist hier eher selten ;-)
      In der Realistät sind die Gerade eigentlich nicht so eintönig, wie die Bilder sie erscheinen lassen. Es gibt immer wieder Abzweigungen.
      Lieb Grüße
      Elke

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  7. Mit diesem Luxusproblem schlage ich mich auch derzeit herum, wobei ich jedwede Gedanken an die passende Bekleidung am besten gleich lassen sollte...am Ende binich nämlich IMMER falsch angezogen und schwitze oder friere ;)

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    1. Liebe Daniela,
      haha, DAS kenne ich auch. Ich stehe auch im Supermarkt immer an der falschen Kasse an ;-)
      Liebe Grüße
      Elke

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  8. Nicht erkälten bitte! Das brauchst du jetzt gar nicht.

    Und ich finde, um diese Jahreszeit ist man immer falsch angezogen. Heute im Garten war das T-Shirt eigentlich zu dünn, weil auch etwas Wind ging. Aber was Langärmliges wär zu warm gewesen. Beim Laufen wär es mri sicher ähnlich gegangen ...

    Liebe Grüße,
    Anne

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    1. Liebe Anne,
      neee, ich weigere mich, nun noch krank zu werden. Habe auch nicht (mehr) das Gefühl.
      Ja, das ist so die Jahreszeit, wo man eigentlich immer daneben liegen kann mit der Kleidung. Morgens kalt, mittags manchmal schon sehr mild. Aber das kriegen wir hin ;-)
      Liebe Grüße
      Elke

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