Mittwoch, 29. April 2015

Nachlese: Vom Maß einer Marathon-Messung

Ein kleines Rätsel, das der Marathon nicht nur mir aufgab, war die Distanzmessung. Wie am Ende meines Berichts angemerkt, zeigte mir mein V800 mit 43,11 km runde 900 m mehr an gelaufener Distanz an, als ein Marathon so haben sollte.
Ja und Rainer, der gleichfalls in Düsseldorf unterwegs war, berichtete von einer ähnlichen Messung seiner Suunto.
Mh, das ist doch mal eine Nachfrage wert.
Also kontaktiere ich Polar via FB. Dort bekommt man innerhalb kürzester Zeit eine Reaktion. Wählt man den Weg über die normale Service-Mailadresse, darf man mit 2 Wochen rechnen (selbst erlebt).
So erhielt ich also auf mein Anliegen diese Auskunft:

Das kann mehrere Gründe haben. Die drei wichtigsten sind folgende: 1. Jedes Messsystem hat einen Messfehler bzw. einen Toleranzbereich innerhalb dessen die gemessenen Werte von den tatsächlichen, abweichen können. Bei ALLEN GPS-Systemen liegt dieser bei ca. 1 bis 2 Prozent.
2. Auch die Streckenvermessung unterliegt diesen Toleranzen, so dass eine solche Strecke, selbst wenn sehr hochwertige Messtechnik zum Einsatz kommt, durchaus 100 oder 200 Meter zu lang oder zu kurz sein kann.
3. Die Angabe der Streckenlänge bei einem Marathon bezieht sich auf die Ideallinie. Auf der laufen aber in der Regel nur die Top-Läuferinnen und Läufer die ganze Zeit. Alle normalen Teilnehmer folgen ihr entweder gar nicht oder nur zweitweise. Sobald du aber von der Ideallinie abweichst, machst du aber einen "Umweg", deine tatsächlich zurück gelegte Strecke wird also länger. Auch diese Abweichung kann ich über die 42,195 Kilometer zu einigen hundert Metern summieren.
Insgesamt ist eine gemessene Streckenlänge von 43,1 Kilometern und damit eine Abweichung von 900 Metern also ausgezeichnet, da du vermutlich einfach tatsächlich ein paar Meter mehr als 42195 Meter zurück gelegt hast.
Gerade der dritte Punkt ist der in der Regel der entscheidende. Die Ideallinie, ist wie gesagt und wie der Name ja auch schon deutlich macht, die optimale Verbindung zwischen Start und Ziel. Bei einem perfekt vermessenen Marathon, den es ja wie gesagt auch gar nicht gibt, ist diese Linie 42,195 km lang. Wenn du also immer auf dieser Linie bleibst, ist alles in Ordnung. Das wird aber für die meisten Teilnehmerinnen und Teilnehmer spätestens an der ersten Kurve unmöglich. Einige wenige laufen sie innen auf der Ideallinie, die meisten aber mehr oder weniger weit entfernt von dieser. Wenn du eine normale 90° Kurve aber außen statt innen läufst, verlängert sich der Weg an einer einzigen Kurve, je nach Breite der Straße, um 10 bis 15 Meter. Du kannst jetzt ja selbst noch einmal überlegen wie viele Kurven es auf der Strecke gab und wie oft du genau auf der Ideallinie um so eine Kurve laufen konntest und bei wie vielen nicht. 25, 50 100? Das gleiche Spiel beginnt bei jedem Ausweich- und Überholmanöver. Wenn du bei jedem Ausweich- und Überholmanöver nur 2 bis 3 Meter zusätzlich zurück legst und du nur ei paar Dutzend Menschen ausgewichen bist, kommen auch dabei leicht 100, 200 oder 300 Meter zusammen. Allein diese beiden Effekte reichen schon vollkommen aus, um die 900 Meter Abweichung zu erklären. Selbst wenn die Strecke gut vermessen war (also viellicht nur ein paar Meter zu lang oder zu kurz) und das GPS perfekt funktioniert hat (der Fehler also deutlich unter 1% lag, was unter guten Bedingungen durchaus üblich ist).

Dass nenn' ich mal eine ausführliche Auskunft, Daumen hoch. Ich bin zu wenig in der Materie drin, um das nun werten zu können, klingt aber für mich halbwegs logisch. Ist ja überhaupt auch nur interessehalber.
Und ich sehe es positiv: Vielleicht liegt ja die Wahrheit in der Mitte, und ich darf mir wirklich eigentlich eine sub 4:30 an die stolz geschwellte Brust heften  :-)

Ja, der Stolz überwiegt nun deutlich! Eine neue PB, Option auf noch ein wenig mehr Verbesserung und die Erinnerung an die etwas zähen letzten km verblasst zunehmend.
Aus Qual wird Quälchen.

Die Regeneration verläuft bestens, schon Montag Abend hatte ich das Gefühl, die Lebensgeister sind wieder da und gehen auf ebenem Grund war auch wieder leicht.
Nun wird der nächste Marathon geplant, und dazwischen noch ein paar kürzere Distanzen.
Heute daher eine erste lockere kleine Runde.

15 Grad, 5 km, 32:02, (6:22 Min/km), HF 131

Kommentare:

  1. Liebe Elke,
    also mir gefällt der letzte Absatz am besten! Dass du schon wieder an den nächsten Marathon denken magst, ist ein Zeichen, dass die Freude und der Stolz überwiegen und sich deine Beine sehr schnell regenerieren! :D
    Nett finde ich die Antwort auch, ich habe mich schon öfters gefragt, wie das möglich sein soll, dass eine so lange Strecke so exakt vermessen wird! :)

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    1. Liebe Doris,
      in der Tat, ich freue mich schon auf den Lauf in Bern am 9.Mai und ein Herbst ohne Marathon wäre doch auch etwas leer, oder?
      Und wenn selbst die Ausrichter solcher Marathons Toleranzen drin haben, da müssen sich ja eigentlich die Weltklasseläufer deutlich mehr ärgern, bei denen es um Sekunden geht, da kann ich mich doch ruhig zurücklehnen...
      Liebe Grüße
      Elke

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  2. Hallo Elke, 900 m Abweichung erscheint schon recht viel.Aber die Begründung könnte schon stimmen.Hast Du Dich nicht an die blaue Linie gehalten? Ich habe es in HH versucht. Es ist mir aber nicht durchgehend gelungen. Bin laut Garmin 42,44 km gelaufen.
    LG Heidrun

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    1. Hallo Heidrun,
      Sklavisch an die blaue Linie halten geht ja kaum, da sind oft andere drauf. Aber ich laufe sicher nicht bei Kurven im Außenradius. Habe auch mal gelesen, dass selbst diese Linie nicht immer perfekt sei. In Amsterdam hatten übrigens unsere beiden Uhren 300 m mehr.
      LG
      Elke

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  3. Was sagt uns das? Beim Marathon dürfen nur so viele Läufer starten, dass alle Läufer hintereinander weg auf der Ideallinie laufen können. Gestaffelt nach Tempo, damit es zu keinen meterraubenden Überholmannövern kommt. Morgens bettet man dafür, dass die GPS-Messung einen guten Tag hat und das der Veranstalter an der Messtechnik nicht gespart hat ;-)

    Schwierig, schwierig alles.

    Aber Dich schreckt das alle nicht, wenn Du schon wieder den nächsten Marathon planst, Respekt! :-))

    Liebe Grüße
    Volker

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    1. Lieber Volker,
      genau, Marathon im Entengang, alle auf'm Strich ;-) Lustige Vorstellung.
      Nein, schreckt mich nicht. Et is wie et is, sagt der Rheinländer dazu. Ich finde es nur eine interessante Fragestellung. Und beim nächsten Lauf lauf' ich eben bis zur Zielmatte, so siehts aus.
      Beim Ahrathon hatte mich mal ein Streckenposten falsch geschickt, was nachher rd. einen km mehr ausmachte - DAS hat mich geärgert! Aber da klappt es inzwischen auch besser ... :-)
      Liebe Grüße
      Elke

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  4. Liebe Elke,

    nach dem Marathon ist vor dem Marathon. :-) Schöne Erklärung von Polar, ich denke, das werden die recht häufig gefragt. Ich hab bei dem einer oder anderen Staffelmarathon auch festgestellt, dass die Uhr gerade anfänglich starke Probleme hatte und Kurven notiert hat, die ich gar nicht gelaufen bin.

    Dann freut sich die gemeine Leserin ja auf die nächsten Vorbereitungsläufe.. ich bin gespannt.

    Weiterhin gute Regeneration.

    Gruß
    Anja

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    1. Liebe Anja,
      genau, und der Ball ist rund und das Spiel ....-ach, das war jetzt doch eine andere Baustelle ;-)
      Wir haben bzw. machen uns da heute wieder Probleme, die wir ohne diese Technik am Arm so gar nicht hätten. Zatopek ist früher einfach gerannt bis ins Ziel und gut. Mach ich dann auch so, spart wahrscheinlich Nerven.
      Liebe Grüße
      Elke

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  5. Der DLV hält eine interessante Broschüre zu diesem Thema bereit:
    www.leichtathletik.de/fileadmin/user_upload/12_Service/Wettkampforganisation/03_Vermessung_Strassenlaeufe/dlv-streckenvermesser_handbuch_2013.pdf

    Dieses "Handbuch für den Streckenvermesser" erklärt zum einen das aufwändige Verfahren zur Festlegung einer amtlichen Strecke. Zum anderen wird auch auf das GPS-Verfahren und seine Ungenauigkeit eingegangen (S. 8). Und die Sache mit der Ideallinie ist auf S. 12 sehr anschaulich dargestellt.

    Unterm Strich bleiben zwei Erkenntnisse für das Bestzeitlaufen:
    - Ideallinie nehmen - wusste der Steffny-Jünger ja schon aus dem "Großen Laufbuch" ;-)
    - Zwischenzeiten an den km-Schildern nehmen

    Hast du schon einen Marathon für den nächsten Versuch ausgewählt, Elke?

    Viele Grüße!

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    1. Danke für den Literaturhinweis! Ich staune, wie Du immer in der hintersten Ecke noch etwas hervorzukramen hast... Spannend, was im Handbuch alles geregelt ist! Aber andererseits auch gut so, denn damit sollte die Dinge wirklich eindeutig und vor allem damit verlässlich sein. Ok, bin ich also maximal 42 m zu weit gelaufen. Und nächstens verlasse ich mich auf die Streckenschilder.
      Der nächste Marathon soll München werden :-)
      Liebe Grüße
      Elke

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  6. Liebe Elke,
    perfekt. Du planst den nächsten Marathon. Dann hast du alles richtig gemacht :-)
    Ich finde 900 m mehr bei 42 km überhaupt nicht schlimm. Ich denke auch das das ganz schnell zusammen kommt weil man eben nicht immer auf der Ideallinie läuft.
    Und das mit der Zeit unter 4:30 gibt es ja den nächsten Marathon:-)
    Liebe Grüße
    Helge

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    1. Liebe Helge,
      genau, das Zeitfenster für unter 4:30 ist da. Ich denke auch es ist nachvollziehbar, dass sich wohl ein paar Dinge addierten. Nächstes Mal bin ich klüger :-)
      Liebe Grüße
      Elke

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  7. Liebe Elke
    Du bist schon wieder am Pläne schmieden - so soll es sein!
    So wünsche ich dir schon jetzt viel Vorfreude auf München!
    Was die Disanzmessung anbelangt: Wenn ich mich auch im Training auf die Angaben meiner GPS-Uhr verlasse, so tue ich dies im Wettkampf NIE! Zu oft habe ich im gemeinsamen Training mit Andi festgestellt, dass eine unserer Uhren irgendwo eine Kurve schneidet, oder in einem Waldstück gar beide die Orientierung verlieren - ganz schlimm ist es in den Strassenschluchten von Dubai. Da scheint man Zickzack zu laufen und hunderte von Höhenmetern zurückzulegen, obwohl man flach und schnurgerade läuft... (schau dir mal die Aufzeichnung deiner Marathon-Strecke an, da kannst du sehen, dass du laut GPS nicht immer auf der Strasse unterwegs warst ;-)
    Wenn auch bei den offiziellen Läufen ab und zu mal ein km Schild nicht haargenau aufgestellt ist, so ist doch diese Streckenvermessung die, die am Schluss gilt - und mit dem Ausschalten der Auto Lap Funktion und dem Handstoppen der Kilometer bewahre ich mich davor, dass der Marathon dann plötzlich bei km 42 nicht nur noch 200 m Endspurt fordert, sondern noch x-hundert Meter länger scheint ;-)
    (Ist besonders fies, wenn man meint knapp auf PB Kurs zu sein, und der Marathon laut GPS Uhr nach 42.2 km nicht zu Ende ist!)
    Also immer viel Spass bei der Messerei - kennst du diesen Spruch: "Wer misst, misst Mist?"
    Viele liebe Grüsse
    Marianne

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  8. Nachtrag - hier ein Extrembeispiel für Garmin-Orientierungsschwierigkeiten - https://connect.garmin.com/modern/activity/755097251
    Gruss Marianne

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    1. Liebe Marianne,
      ja, ich habe gelernt... auch dank Pulsmessers Kommentar! Danke! Ich habe mir meine GPS-Strecke nochmal näher herangezoomt und da sind doch einige sehr seltsame "Wege" drin. Ich bin halt noch Marathon-Anfängerin ...;-)
      München ist nun gebucht, und Nürburgring auch.
      Liebe Grüße
      Elke

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  9. Liebe Elke,

    danke fr diese Erklärung. Trotzdem bin ich noch bei keinem meiner zwölf offiziellen Marathons so viele Extrakilometer gelaufen. Und das, obwohl ich überwiegend der blauen Linie gefolgt bin. Aber was soll's. Ist abgehakt.

    Schon der nächste Marathon in Planung. Na ja, das wird schon gehen. Bereits jetzt viel Spaß und Glück in München!

    Liebe Grüße
    Rainer 8-)

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    1. Lieber Rainer,
      ich habe mir nochmals meine GPS-Aufzeichnung im großen Zoom angeschaut. Da sind wirklich einige seltsame "Eiereien" drin. Mag eventuell auch sein, dass auf Strecken mit höherer Bebauung die Messung eben nicht so genau ist. Aber ist doch auch egal. Danke für Deine schon sehr frühen Wünsche für München, dann kann ja nichts mehr schief gehen ;-)
      Liebe Grüße
      Elke

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