Sonntag, 19. Juli 2015

Faszinierend gruselig


Mein Post schließt heute an den von vorvorgestern an, der geprägt war vom "Eisernen Dinosaurier".
Nochmals zieht es mich in Richtung Tagebaurand.
Vielleicht doch nochmal einen anderen Rand- und Standpunkt aufsuchen...?

Die Idee war eine gute, denn kaum dass ich über eine Eisenbahnbrücke laufe, eröffnet sich eine seltene und eindrucksvolle Perspektive. Während der direkte Grubenrand überwiegend entweder nicht erreichbar ist oder von hohen Wällen abgeschottet ist, bietet eine bestimmte Landstraße derzeit die Möglichkeit, das Wegbaggern der ehemaligen Waldflächen direkt und relativ nah zu beobachten. Aber so nah wie heute - das ist sehr selten! Das zeigt allein, dass kaum ein Auto an diesem Anblick vorbeirauscht, die meisten passieren die Stelle in Schrittgeschwindigkeit.





Fast zum Anfassen nah kommt man dem stählernen Koloss.







Kleiner Rückblick:
Im Januar 2014 sah es an der gleichen Stelle so aus. Ab hier noch 800m bis zur absoluten Sperre. Bis dorthin war laufen möglich und zulässig.








Nochmals weiter zurück, August 2013, da stand noch ein bescheidener Rest Wald.

Was diese beiden Bilder zeigen - alles längst im gähnenden Schlund des Tagebaus verschwunden.

Technisch wohl faszinierend, das Ergebnis ist nur gruselig.






Ich platziere meine Kamera auf der Straßenabsperrung, und gehe wenige Meter auf den Bagger zu. Dieses Bild möchte ich mir nicht entgehen lassen.










Deutlichst kann man vorne das Rad erkennen, dessen Zähne in endlosen Umdrehungen den Boden einfach wegfressen und fressen und fressen.











Dabei bewegt sich das komplette Ungetüm in Zeitlupe hin und her. Sah ich es vor wenigen Minuten noch seitlich, so nun frontal.















Zwar umgehe ich die erste Absperrung, aus fotografischen Gründen. Doch weiter als 6-7 Meter verlasse ich das sichere Terrain der Straße nicht. Und der zweiten Sperre mit ihren eindringlichen Warnungen nähere ich mich nicht, sondern hole sie nur per Zoom heran.
Dass Grubenränder gefährlich sein können, zeigte sich vor einigen Jahren, als in der Lausitz einmal ganze Häuser einfach so abrutschten (Link). Hoffen wir also, dass hier die hiesigen Ingenieure richtig gerechnet haben, was die Bodenbeschaffenheit angeht...

Eines jedenfalls funktioniert, die Buschtrommel. Ich hielt mich gefühlte 7, vielleicht 8 Minuten auf. Doch kaum laufe ich seit wenigen Momenten weiter, kommt ein solch bekannt auffällig unauffälliges Fahrzeug angerauscht und besetzt meinen soeben verlassenen Standort. Ja, die Sicherheitssheriffs des Unternehmens, die ich ja schon kennenlernen durfte, sind auch hier im Dienst. Könnte ja jeder kommen und einfach so schauen und gar Fotos machen. Der Wagen steht noch immer da, als ich wenig später auf dem Rückweg erneut hier vorbeikomme.









Aber erst noch laufe ich nochmals durch eine wunderbare alte Rest-Allee wenige Meter weg von der eben gezeigten unwirtlichen Stelle. Erfreulicherweise wird sie vom vom Raffzahn der Bagger verschont bleiben.
Vielleicht zwitschern deswegen die Vögel so fröhlich?






Auch hier ein liebenswürdiges Warnschild. Doch angesichts des Raubbaus an der Natur gleich nebenan wirkt es auf mich in dem Moment eher ... amüsant.
Wobei ich keinesfalls sagen möchte, dass eine Begegnung mit einem echten Wildschwein amüsant wäre!!





Der Rest ist schnell erzählt:
Der düstere Himmel hält sein Versprechen und nieselt mich freundlichst ein.
Wo bitte geht's zum Wet-T-Shirt-Contest?
Es macht Spaß, das kühlende Nass auf der Haut zu spüren, bei 20 Grad ein Vergnügen.

Kurz vor Ende kehre ich beim Bäcker ein und lasse mir 2 leckere Stücke Kuchen (Ich sag' nur Käsesahne!) einpacken. Diese balanciere ich laufend bis nach Hause, sogar mit einem Schnitt von 5:30 Min/km. Was Appetit nicht so alles vermag... Überhaupt war bei diesem Lauf erneut die zweite Hälfte die flottere.

20 Grad, 13,6 km, 1:23:22, (6:08 Min/km), HF 136

Kommentare:

  1. Liebe Elke,

    danke für den Einblick, auch wenn er irgendwie in der Seele weh tut. Was machen wir da nur mit unserer Natur.

    Die Vorher-/Nachher-Bilder sind sehr eindrucksvoll Und wie du mit Käse-Sahne in der Hand einen 5:30er-Schnitt läufst, hätt ich gern gesehen. Nicht schlecht.

    Gruß
    Anja

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Liebe Anja,
      ja es ist schlimm, was da für unseren Energiekonsum passiert. Mit ein Grund, warum wir uns eine Fotovoltaikanlage aufs Dach gesetzt haben.
      Über das Tempo mit Kuchen war ich selber erstaunt... ;-)
      Liebe Grüße
      Elke

      Löschen
  2. Liebe Elke,
    gruselig ist genau das passende Wort für das, was du uns da zeigst. Die vorher-nacher Bilder verstärken diesen Effekt noch!
    Da stelle ich mir lieber die Speedy-Käse-Sahne-Torte vor, die auf deiner Hand balanciert wird! :) Da käme bei mir wohl nur mehr Matsch zuhause an! ;)

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Liebe Doris,
      ich hätte viel mehr Bilder machen müssen, so vor 2-3 Jahren. Da kann einem schlecht werden.
      Mit Kuchen laufen geht ganz gut, man muss nur den tragenden Arm ruhig halten ;-)
      Liebe Grüße
      Elke

      Löschen
    2. genau das Ruhighalten stelle ich mir ja so schwer vor! :D

      Löschen
  3. Da war ich wohl ein paar Wochen zu früh bei Euch, spannend, was es jetzt zu sehen gibt. Aber es war für mich auch so schon beeindruckend genug.

    Käsesahnekuchen im 5:30iger Tempo, nicht schlecht Herr Specht. Aber der Kuchen von dem Bäcker ist wirklich zu lecker als das man sich mit dem Verzehr Zeit lassen könnte :-)

    Liebe Grüße
    Volker

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Lieber Volker,
      ja, der Ahrathon muss da bessere Terminabstimmung bringen ;-)! Lach, genau, Du kennst ja den Bäcker und seine Produkte, da will man ganz schnell zulangen. Denk Dir, der macht demnächst 2 Wochen Urlaub - wie überleben wir das?!
      Liebe Grüße
      Elke

      Löschen
  4. Liebe Elke
    Wie im Jahresvergleich berührend deutlich zu sehen ist, "mampft" sich das Dino-Bagger-Ungetüm überwältigend rasant durch die Gegend! Wie lange noch, bis "eure" Kohlen-Resourcen aufgebraucht sind?
    Du bist ja ganz schön neugierig-mutig, dich auf die hautnahe Begegnung mit diesem Monsturm einzulassen, einen Verweis durch den "Sheriff" zu riskieren - und auch die Wildsauen können dich auf den einsamen Streifzügen nicht schrecken, was der ruhige Puls trotz flinkem Lauf deutlich beweist!
    Doch nach all diesen Abenteuern war der Regenerations-Käsekuchen bestimmt haargenau das Richtige!
    Liebe Grüsse
    Marianne

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Liebe Marianne,
      bei den Kohlevorräten ist es nur die Frage, wie teuer die Erschließung wird. Mein Vater pflegte vor 40 Jahren immer zu sagen, dass unter diesem Wald zwar Kohle läge, diese aber so tief sei, dass es sich nicht lohnen würde. Tja, schon bald lohnte es sich dann doch. Ein Stück weiter gähnt das nächste Loch, das noch größer werden sollte. Aber dort scheint man nun von der ursprünglich vorgesehenen größten Ausbaustufe abzusehen, vielleicht ein Hoffnungsschimmer?
      Da die Straße an der Stelle gestern öffentlich ist, hätten sie mich höchstens die paar Meter zurückzitieren können, und ansonsten wohl rumdiskutiert. Vielleicht befürchtet man auch wieder Aktionen von Umweltschützern und ist deswegen nervös?
      Der Kuchen hat natürlich sehr gut geschmeckt!
      Liebe Grüße
      Elke

      Löschen
  5. Richte der Käsesahne meine Hochachtung aus für das Tempo, in dem sie gelaufen wurde :)

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Liebe Lizzy,
      ich fürchte, die Wünsche sind nicht mehr adressierbar... aber ich kann ja wieder mal trainieren, vielleicht mit Waldbeer-Quark-Torte?
      Liebe Grüße
      Elke

      Löschen
  6. Das Foto von dir vor dem Monster könnte ein Filmplakat sein - "Lara Elke Croft und das urzeitliche Stahlmonster"...naja, oder so ähnlich ;)

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Liebe Daniela,
      grins, dann sollte ich nächstens mein Outfit bewusster wählen ;-)
      Liebe Grüße
      Elke

      Löschen
  7. Wahnsinn was wir Menschen alles mit der Natur anstellen. Echt irre dieser Bildervergleich. Bin gespannt wie es da in ein paar Monaten aussieht wenn der Bagger weiter gezogen ist.

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Lieber Markus,
      ja, das ist der Preis für Fortschritt und modernes Leben. Die Bilder könne nur ansatzweise widergeben, was da passiert. In natura wirkt das viel drastischer. Ich bin auch gespannt und werde berichten...
      Liebe Grüße
      Elke

      Löschen
  8. Liebe Elke,
    von dir existiert bestimmt schon einen ganze Akte bei den Ordnungshütern.
    Frau, die auf stillgelegten Autobahnen läuft und Bodenfressende Bagger fotografiert.
    Tsss, du bist bestimmt als gemeingefährlich eingestuft :-))))
    Ich hoffe, der Kuchen hat geschmeckt :-)
    Liebe Grüße
    Helge

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Liebe Helge,
      na das hoffe ich ja nicht, dass wir hier so ein Stasinest haben... Aber man will ja wissen, was da passiert.
      Der Kuchen von dem Bäcker ist immer super :-)
      Liebe Grüße
      Elke

      Löschen
  9. Käsesahnetorte mit 5:30er Pace! Das ist die moderne Variante des Eierlaufens. Man kann – wie du - versuchen, möglichst schnell zu sein, ohne den Kuchen zu verlieren. Eine ganz andere Herausforderung ist hingegen, das Gebäck möglichst weit zu transportieren. Ohne davon abzubeissen!

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Du sagst es. Wir Rheinländer können gar von einer echten Teilchenbeschleunigung reden :-)
      Liebe Grüße
      Elke

      Löschen
  10. Hallo Elke,

    danke dass du dich so mutig dem Bagger gestellt hast, so dass wir uns das alle mal ansehen können. Ist ja wirklich schlimm, wie alles so untergeht. (Und danach sieht es ja recht lange nicht besser aus - so ist mir das zumindest aus einem Blick um Kottbus in Erinnerung.)
    Teilchenbeschleuniger - pass auf dass da keine Kernfusion stattfindet, wenn du das nächste mal mit Pflaumenkuchen nach Hause kommst...

    Herzlichen Gruß!

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Liebe Roni,
      was man hier der Natur antut, ist schon hart. Aber wenigstens sieht es hinterher nicht so schlimm aus, wie im Osten. Es wird schnell und sorgsam neu angelegt. Entweder mit Feldern, Naherholungsgebieten oder mit Wasser. Im übernächsten "Loch" entsteht gerade ein Riesen-See, etwa Tegernseegröße. Bis der aber vollgelaufen ist, bin ich lange in Rente.
      Haha, die Kernfusion ist gut :-)
      Liebe Grüße
      Elke

      Löschen