Dienstag, 11. August 2015

Blick in die Zukunft

Mein heutiger Lauf ist echte Arbeit. Auch wenn eine 6:30'er Pace nicht so hart klingt, bei sommerlichen 26 Grad kann die ziemlich anstrengend werden.
Wie schön, dass ich genügend Stoff habe, den ich mir durch den Kopf gehen lassen kann.
Ich hatte im Job die Gelegenheit des Gesprächs mit einem Fachmann für Mobilität und betriebliches Fuhrparkmanagement.
Er erklärte mir, wie -seiner Meinung nach- unser aller Fortbewegung in 10 Jahren aussähe:

Wir steuern unsere Autos nicht mehr selber, sondern die fahren allein.
Und es ist auch gar nicht mehr mein oder Dein Auto, sondern eine Art Miet-Utensil. Das lässt man sich kommen, lässt sich von A nach B bringen, und dann fährt das Ding wieder von dannen. Keine Parkplatzsuche, kein herumstehendes Vehikel. Selbiges befördert entweder gleich den nächsten Kunden oder sucht eine Zentralgarage auf.
Da das so preiswert sei, lohne es gar nicht mehr, das eigene Blechle zu besitzen.
Billig sei es deswegen, weil die Dinger alle vernetzt sind. Will Herr Müller von A nach B, so weiß das Gefährt, dass im Nachbarort C auch Frau Schneider nach B will. Flugs macht das Ding also den kleinen Bogen und packt Frau Schneider auch noch rasch mit ein, so werden die Kosten geteilt.

Und noch schöner: Schon heute seien doch alle wo sie stehen und sitzen mit lesen oder Smartphone-daddeln beschäftigt. Wenn man nicht mehr selber lenken muss, könne man noch viel mehr Daddelzeit gewinnen.

In den Städten wird ganz viel Platz frei, denn in den Tiefgaragen parken diese Fahrroboter alle dicht an dicht, denn es muss ja nicht jederzeit jeder losfahren können. Es reicht, wenn immer der einfahrtnächste losfährt. So passen viel mehr Gefährte in die Garagen.

Und da die Personenbeförderungen zusammengefasst werden, sind die Straßen auch sehr viel leerer. Ja wir brauchen schon heute gar keine mehr zu bauen. Für wen denn?

Schon in 5 Jahren seien die ersten Fahrzeuge dieser Art in den Südstaaten der USA unterwegs. Denn dort gäbe es weder Glatteis noch Nebel. Damit nämlich habe die innovativen Dinger noch ein klein wenig Probleme.
Aber schon die Autos, die in 2 Jahren und danach vom Band rollten, hätten alle die notwendige Technik dabei. Wenns losgehen soll, müssen nur noch mal eben die Chips getauscht werden.

Viel Denkfutter. ..
Der Herr war zutiefst überzeugt von dieser Zukunft. Ich gehöre da eher zu den Skeptikern. Ok, ich konnte mir früher nie vorstellen, wem dieses Internet denn jemals nützen solle. Und wozu jeder einen Computer daheim bräuchte (als davon die Rede aufkam, füllten Rechner noch ganze Säle), geschweige denn, wozu man 2 davon bräuchte. Und warum ein transportables Telefon mitschleppen, wenn es doch überall Telefonzellen gibt?
Gut, ich räume ein, da lag ich ziemlich daneben.
Doch das papierlose Büro verspricht man uns seit 25 Jahren und von der sauberen Kernkraft rücken wir auch gerade ab. Von der Beamerei à la Enterprise will ich gar nicht anfangen.

Aber ich blogge das trotzdem hier mal so, und in 2, 5 bzw. 10 Jahren, wird wer immer diesen Post dann nochmals liest, sicher schmunzeln. Entweder über die tollkühne Idee oder meine Blauäugigkeit im Angesicht des Fortschritts. Egal, ist ok so.

Bis dahin laufe ich weiter wie bisher.
Hoffentlich auch immer noch, wenn diese seelenlosen Von-A-nach-B-Kutschen dann doch fahren sollten.
Mein altes Schätzlein auf 4 Rädern hege ich sicher weiter, auf dass kein TÜV uns scheide :-)

26 Grad, 9,2 km, 1:00:02, (6:28 Min/km), HF 134

Kommentare:

  1. Liebe Elke,

    das Autos in wenigen Jahren das Alleinefahren gebacken kriegen glaube ich auch. Aber wo ich solche Autos ähnlich wie Taxis nutze, davon bin ich noch nicht überzeugt. Wenn andere mitfahren sollen, kann ich gleich den Bus nehmen.

    Außerdem will ich mein Geraffel auch einfach immer im Auto lassen können. Aber ich lasse mich genauso überraschen wie Du. Bis dahin laufen und bloggen wir erstmal weiter.... und fahren selbst ;-)

    Liebe Grüße
    Volker

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    1. Lieber Volker,
      einige Vorteile gäbe es in den Städten, das sehe ich auch so. Aber ich glaube nicht an einen solchen Durchbruch in so kurzer Zeit. Für die Fahrt ins Büro und zurück wäre es ok. Aber für mich ist das Auto auch irgendwie ein Ding, in dem ich mich zumindest bei längeren Fahrten wohl fühlen möchte. Wo ich, wie Du, mein Zeugs drin lassen kann. Wo nicht vorher jemand olfaktorischen oder krümeligen Hinterlassenschaften deponierte. Und überhaupt: Auf wieviel Millionen Bußgelder muss der arme Staat dann verzichten...?
      Aber nun gut, uns fragt sicher keiner, wir werden es erleben.
      Liebe Grüße
      Elke

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  2. Hättest den Menschen mal fragen sollen, ob auch allein fahrende Fahrräder geplant sind. Die Begriffe "Auto" (unökologische und unökonomische Dreckschleudern m. E.) und "Forschritt" gehen für mich nicht zusammen.

    Aber Volker bringt mich auf die Idee, dass man für Räder eigentlich dringend eine Art "Wertaufbewahrungsbox" erfinden sollte, die fest montiert und schwer zu klauen ist. DAmit man wenigstens ein paar Kleinigkeiten besser auch mal dort lassen kann. DAS wäre Innovation!

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    1. Liebe Lizzy,
      nee, allein fahrende Räder hat er nicht erwähnt. Aber immerhin, er kam selber per Faltrad.
      So eine Box fürs Rad wäre eine gute Idee. Aber die müsste wahrscheinlich dermaßen stabil sein, dass sie schwer wie ein Safe wird.
      Liebe Grüße
      Elke

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  3. Liebe Elke,

    ja, so manches kann man sich nicht vorstellen und ist dann doch auf einmal da. Oder hättest Du vor 10 Jahren geahnt, dass man ganze Büroinformationen auf einem kleinen Telefon mit sich rumschleppt? Auf das erste IPhone habe ich lange gestarrt und konnte noch gar nicht direkt begreifen, was das bedeutet. Und nun haben wir eine zunehmende Problematik mit Bandscheibenvorfällen an der Halswirbelsäule. ;-)

    Aber echt, was haben wir schon an Entwicklungen erlebt. Und die benötigen immer Visionäre, die sich Dinge vorstellen können, die manche Leute (dazu zähle ich mich absolut) nicht vor sich sehen. Also seien wir gespannt, was passiert.

    Ökologisch wäre es auf jeden Fall wünschenswert, wenn Fahrten intelligenter zusammengefasst würden und sich nicht jeder so ein Vehikel vor die Tür stellt. Zu welcher noch weiter steigenden Überwachung führt, mag ich mir nicht ausmalen. Aber ok. ich hab 2 Smartphones.. ich werde eh ständig überwacht.

    Warten wir ab... interessantes Thema aber.
    Gruß
    Anja

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    1. Liebe Anja,
      ja man müsste so eine Kugel haben, die einem die Welt in 10 Jahren, oder 20, zeigt.... Manches hätte ich mir nicht so gedacht, ich werde einfach immer wieder überrollt von den wahren Entwicklungen. Aber das macht es ja auch spannend. Zu den HWS-Bandscheibenproblemen kommt noch das Tennisarmsyndrom im Daumen ;-)
      Habe gerade gestern noch einen Artikel über die Visionen von Architekten der 60'er Jahre gelesen, die es schick fanden, wenn Menschen in großen hohen Wohnblöcken zusammenleben...
      Was ökologische Verbesserungen angeht, da bin ich immer zu haben. Doch fürchte ich auch, dass man damit in der Minderheit bleibt. Ließe mich aber da auch liebend gern überrollen.
      Liebe Grüße
      Elke

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  4. Ich bin wirklich gespannt ob es so kommen wird! Intessant wäre es durchaus!
    Auf jeden Fall wird es noch jede Menge Neuerungen und Weiterentwicklungen in den nächsten Jahren geben.
    Nur laufen werden und dürfen wir weiterhin selber :)

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    1. Lieber Markus,
      es MUSS Neuerungen und Weiterentwicklungen geben, keine Frage. Es bleibt nur zu hoffen, dass die sinnvoll für alle sind und nicht dem Profit einiger. Und sicher wirst Du davon noch vieles erleben. Ich sehe Dich schon mit Deinen Enkeln in einem solchen Gefährt...
      Liebe Grüße
      Elke

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  5. Liebe Elke,
    also für mich sind das (gruselige) Visionen eines "Fachmannes", die ich so nicht glauben kann und will... Vielleicht bin ich da immer noch hoffnungslose Optimistin, aber meine Zukunftsvision geht in Richtung Rad+Bahn! ;)

    Dass 6.30er Pace bei Schwüle anstrengend sein kann, glaube ich dir aufs Wort, ich werde jetzt gleich (im ähnlichen Tempo) in Richtung See traben, um mich mit einer Freundin zum vormittäglichen Schwimmen zu treffen. Ob wir die Strecken (sie 4, ich 8km) zu Mittag dann auch wieder heimlaufen oder doch die S-Bahn (sie 1 Station, ich 2) wählen werden? Wer kann schon in die Zukunft sehen! :D

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    1. Liebe Doris,
      wir lesen uns einfach in 10 Jahren wieder, dann wissen wir, was draus geworden ist... Oh, jetzt schwimmen gehen können! Ich beneide Dich. Ich glaube, danach wäre ich für Bahn, da bleibt die Erfrischung ein klein wenig länger erhalten ;-)
      Liebe Grüße
      Elke

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    2. Hihi und stellen dann fest, dass eigentlich noch immer alles so ist, wie früher! :D

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    3. Es ist ja heute nicht alles schlecht, manche Werte sind bewährt und überdauern neue Moden ... :-)

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  6. Das autonome Fahren wird kommen. Es gilt derzeit als "Mega-Trend". Ob sich die Menschen aber vom Statussymbol Auto trennen wollen, wird man sehen. Ganz so schnell wird es sicher nicht gehen. Es soll ja Leute geben, die ein Auto zehn Jahre lang fahren.
    Immerhin, ab 2018 wird in Europa für Neufahrzeuge der Spurhalteassistent Pflicht. Und zusammen mit Tempomat und Abstands-Radar geht da schon einiges. Man braucht - wie beim Marathon - nur etwas Cola!
    https://youtu.be/2AM9Qqcir6k

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    1. Einige der Assistenzfunktionen finde ich auch heute schon gut. Aber woher wissen diese Fahrroboter an Kreuzungen verlässlich Bescheid? Da soll es doch ein paar Stellen auf der Welt geben, wo Navis einen glatt in Flüsse lenken...
      Wir werden es alles erleben. Mein Auto bleibt bei mir. Jetzt schon seit 16 Jahren. Und das fahre ich sicherlich ogne Cola ;-)
      Liebe Grüße
      Elke

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    2. Oh wie oft wünsche ich mir eine Coladose anstatt des menschlichen Fahrers! ;D

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  7. LIebe Elke,

    der Gedanke ansich ist schon gut. Mit wenig Energieverbrauch (die Dinger rasen dann sicher auch nicht so) und halbwegs sicher zum nächsten Ziel.
    Aber ob das tatsächlich in 10 Jahren sein wird?
    Da bin ich auch eher skeptisch.
    Für mich wäre es sehr von Vorteil. Ich arbeite ja im Homeoffice und habe kein zweites Auto für mich. So bin ich immer angewiesen an die Arbeitszeiten meines Mannes. Oder ich fahre mit dem Fahrrad (mitten im Hunsrück ist das jetzt nicht für jeden Dorfbewohner zu bewältigen, da muss man dann doch schon etwas trainiert sein). Busse fahren hier leider nur sehr sehr selten.
    Also für mich wäre diese Art der Automietung perfekt :-)
    Wir warten mal ab.
    Liebe Grüße
    Helge

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    1. Liebe Helge,
      die Idee hat sicherlich einige Vorteile, wie auch in Deinem Fall. Ich sehe in Köln inzwischen auch viele Carsharing-Autos herumfahren, in Großstädten eine prima Sache.
      Wir werden es sicherlich erleben. Fakt ist, dass sich im Verkehr einiges tun muss, rein aus Umweltgründen.
      Liebe Grüße
      Elke

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  8. Hihi, eine gute Idee, Deine heutigen an die Zukunft gerichteten Gedanken hier aufzuschreiben. Du wirst Dich sicher selbst wundern, wenn Du in 10 Jahren hier wieder vorbeikommst und darüber stolperst.

    Ich kann mich noch gut daran erinnern, dass meine liebe Oma sich mit einem Stuhl vor die zum ersten mal laufende Waschmaschine gesetzt hat und dabei die ganze Zeit ungläubig mit dem Kopf schüttelte. Hach ja... :-)

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    1. Hi Eddy,
      ja, treffen wir uns doch hier in 10 Jahren und wundern wir uns oder lachen wir gemeinsam.
      Als ich vor mehr als 20 Jahren einer Cousine stolz von meiner ersten Spülmaschine berichtete, fragte sie sich auch ernsthaft, wie denn das Porzellan das Trommeldrehen verkraften würde...
      Es lebe der Fortschritt ;-)
      Liebe Grüße
      Elke

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