Sonntag, 6. März 2016

Matsch nur für die anderen

Der erste lange Lauf im Rahmen des Trainingsplans steht an, 22 km, wie das wohl gehen, bzw. laufen wird?

Meine Taktik war eigentlich, am Samstag loszulaufen und zu schauen, wie es geht, und was nicht gehen würde, eben einfach noch am Sonntag nachzulaufen.
So weit so gut, doch Petrus sah das anders. Während mein eidgenössischer Ehemann zum Skilaufen weilt (mein Fuß verträgt sich so gut nicht mit dem eng und fest sitzenden Skistiefel), hätte ich ja Zeit. Aber der Himmel öffnet die Pforten, Frau Holle ihre Federkissen, und in einem Mix aus Nebel, Schnee und Regen geht gar nichts. Soviel kommt gar in kurzer Zeit vom Himmel, dass die Zufahrt zum Dörfli mit Räumfahrzeug bearbeitet werden muss.
Also, alles auf eine Karte und auf Sonntag gesetzt.

Ungeplant geraten wir wie schon letztes Jahr in den Survival Run in Thun auf der Allmend, das Areal, wo mein Mann und ich gemeinsam, aber in unterschiedlichen Tempi unsere Runden drehen wollen.
Während wir starten, drehen gerade die Kids ihre verkürzte Runde, das Hauptfeld folgt später.
Noch erfreut ein blauer Himmel unsere Augen, doch das wird sich noch ändern.
Am Start/Ziel-Bereich treffen wir Schwager und Neffe, letzterer wird sich später in den Matsch werfen, seine beiden Kids sind gerade mit auf dem Kurs.

Allerdings ist der Kinder-Run etwas leichter, durch die Reifen müssen sie nicht.

Ich laufe vor mich hin. Die ersten 4 km fallen etwas schwer. Sowohl konditionell, als auch vom Fuß her. Der vertrug ja die letzten Läufe gut, doch seit der Physiotherapeut am Donnerstag kräftig dran zog und drehte, drückte und knetete, ist der Fuß etwas länger beleidigt. Aber ich sage mir, so lange es nicht schmerzt beim Laufen laufe ich.

Und das sogar hier mit Musikbegleitung. Irgendwie läuft es dann doch gut. Rasch habe ich 10 km voll, 11, 12. Der Fuß hat sich auch beruhigt und an die ihm abverlangte Tätigkeit gewöhnt.







Mein Mann läuft nicht ganz freiwillig in kurz, er hat schlichtweg seine lange Tight daheim vergessen. Und dann ärgert ihn auch noch seine Garmin durch beharrliche Kooperations-Verweigerung.
Aber die Harten und Garten usw. Er muss eh' schneller ran als ich.





Bald startet auch der Hauptlauf und aus der Ferne sehe ich einen endlosen bunten Lindwurm über die Allmend eilen.
Im Bild zu erkennen, wie sich das Himmelsblau leider zunehmend verkleinert.



Eine dichte Wolkendecke schiebt sich aus Richtung Bern heran. Kaum ist die Sonne weg, fühlen sich die 3-4 Grad gleich schattiger an, der aufkommende Wind tut ein Übriges.

Ich bin ein wenig verwundert, wie gut doch die zweite Stunde bei mir läuft. Zwar kommt immer wieder mal ein kleines Ziepen aus Richtung Fuß, aber schmerzhaft ist es nicht. Eher eine Botschaft, dass sich da unten links einer einfach anstrengt. Und der Kopf unterstützt das, indem er sich stetig auf einen weichen Fersenaufsatz, gerade Ausrichtung des Fußes nach vorn und sanftes Abrollen konzentriert.
Inzwischen gibt es zudem auch viel zu sehen, auf dem Grün neben dem Asphaltband plagen sich die Survival-Runner über ihre Hindernisse.

Viele lustige Outfits sind zu sehen, Männer in Baströckchen, Hulks, Sträflinge, Ballerinas, Katzen, Löwen, Erdbeeren und Ananas. Ein ganzes Ultra-Leicht-Flugzeug gar, getragen von mehreren Läufern zugleich.
Kurz sehe ich die Spitze, einen knackigen Adonis nur bekleidet mit einem knappen Höschen, der war aber zu schnell zum Fotografieren.
Auch Andi, den Neffen, sehe ich kurz in seinem Ganzkörper-Knochenmann-Anzug und rufe ihm zu.

Aber außer bei den Querungen der Survivalstrecke bleibe ich nicht lange stehen, es kühlt zu sehr aus sonst.

Da mag ich mir gar nicht vorstellen wie es ist, eingesuhlt mit Matsch und nass von den Wasserbecken hier diesen Lauf zu bestreiten. Aber wie schon im letzten Jahr, alle grinsen und sehen ziemlich happy aus.







Mein letzter Blick auf die Strecke fängt dieses Trio mit Hähnchen auf dem Kopf ein. Was es nicht alles gibt...!

Ich mache mich auf Richtung Auto, das ca. 2 km entfernt geparkt ist.
Die 22 km habe ich nicht ganz auf dem Tacho, aber mit 19,9 bin ich auch sehr zufrieden und gebe mich nicht dem Ehrgeiz hin, auch noch die 2,1 km zu komplettieren. Der Fuß hat brav mitgemacht, überreizen will ich ihn nicht. Mir reicht für heute das Gefühl, dass diese kleine Reststrecke auch noch möglich gewesen wäre. Letztendlich habe ich ja die Laufdistanz seit dem Wiedereinstieg mehr als verdoppelt, ist doch was! Die Formkurve zeigt nach oben, ein schönes Gefühl. :-)

Als wir nach wenigen Autominuten daheim sind und unten das Match im Matsch noch andauert, weht der Wind plötzlich wieder dichte Flocken um unser Holzhäuschen. Bergwetter halt.

3 Grad, 19,1 km, 2:11:27, (6:37 Min/km), HF 141

Kommentare:

  1. Liebe Elke,
    erst mal: wow - super! 20km geschafft!!! :D

    und dann: was sind denn das für gescheckte Gesellen? Kühe? Dalmatiner? Maler? Pintos?
    Diese Hindernisläufer sind schon ein ganz eigenes Völkchen! :D

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    1. Liebe Doris,
      ich freu' mich auch, dass es so gut lief.
      Die gescheckten Gesellen? Keine Ahnung, Alpendalmatiner vielleicht? Kühe der Rasse "Schweizer Schecke"? Aber egal, sie waren kurz vor der Schlammpassage, danach sahen sie sicher anders aus ;-) In der Tat, eigens Völkchen, aber nett und spaßig.
      Liebe Grüße
      Elke

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  2. Liebe Elke,

    Du kommst schnell wieder auf Kilometer. Das ist nach der langen Pause wirklich beeindrucken. Das kann also durchaus noch was werden mit dem Prag-Marathon!

    Und was Chris vergessene Lange angeht, bei drei Grad geht kurz immer ;-)))

    Liebe Grüße
    Volker

    ... Brathähnchen auf dem Kopf, tze tze tze

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    1. Lieber Volker,
      ich glaube es ja selbst kaum. Und in Prag werde ich sicher an der Startlinie stehen. Die Frage ist nur, wieviele km danach folgen.
      3 Gard und kurz...ich habe bei meinem mann seltenst Gänsehaut am Knie gesehen, außer gestern ;-)
      Es gab auch Ananasgrün auf Köpfen, wahrscheinlich die Version für Veganer!
      Liebe Grüße
      Elke

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  3. Liebe Elke,

    das find ich echt phänomenal, dass Du schon wieder so weit laufen kannst. Toll. Und dann auch noch die Strecke mit so viel optischen Eindrücken zu bekommen, ist wirklich nicht schlecht.

    Gute Rückreise, wenn nicht schon geschehen.

    Gruß
    Anja

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    1. Liebe Anja,
      ich freue mich auch und hoffe, es läuft so problemlos weiter. Mich hat es ja gegraust, auf diesem 3,5-km-Rund meine Runden drehen zu müssen. Aber da es dann so viel zu sehen gab, verging die Zeit (und die Runden) im Flug.
      Schon wieder Alltag heute :-)
      Liebe Grüße
      Elke

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  4. Das ist doch mal eine Ansage. Und zwar eine die man gerne hört. Wenn du so weiter machst dann läufst du nicht n Marathon sonder 100 Meilen ;)

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    1. Lieber Markus,
      ich freu mich ja, dass es gut klappt und möchte das dann festigen. Aber 100, und dann noch Meilen...? Nee, das dann doch nicht :-) Das überlasse ich den anderen.
      Liebe Grüße
      Elke

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  5. Liebe Elke, das war doch ein schöner erster langer Lauf, der Mut macht für das, was in den nächsten Wochen kommt. Immer mit Körpergefühl und der nötigen Mischung aus Mut und Vorsicht, dann wird alles gut.

    Liebe Grüße,
    Anne

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    1. Liebe Anne,
      genau, mit jedem Lauf werde ich ein wenig zuversichtlicher. Werde mir aber dennoch die Freiheit nehmen, wenn nötig wieder Dampf rauszunehmen.
      Liebe Grüße
      Elke

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  6. Liebe Elke,
    wieder diese Bilder von der heiß geliebten Bergwelt ... :-)
    Deine Steigerung ist wirklich super. Ich drücke dir die Daumen, das der Fuß schön brav bleibt und es bei kurzen Meckereinheiten bleibt.
    Das Wetter hat am vergangenem Wochenende irgendwie überall verrückt gespielt. Schnee morgens, nachmittags Sonne pur und Abends Regen und Sturm. Man man, ist irgendwie schon April?
    Liebe Grüße
    Helge

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    1. Liebe Helge,
      wenn man die Ecke da unten kennt, wirkt es wahrscheinlich nochmal so stark, geht mir jedenfalls immer so.
      Thema Wetter: Vielleicht ist das "Winter 2.0"...?
      Danke fürs Daumen drücken, liebe Grüße
      Elke

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