Mittwoch, 27. Juli 2016

Peinlichkeit fürs Mauseloch



Eigentlich hatte ich keine Lust zu sportlichen Aktivitäten gestern. Aber man kennt sich selbst am besten, und meist kommt die Freude am Tun mit dessen Ausübung.
Also ab auf die grüne Elli und losgestrampelt. Und siehe da, der Effekt stellt sich ein. Dieses quasi schwebend erzeugte Dahingleiten, das gleichmäßige ritsch-ratsch der Tretpedale, die frische Luft – wunderbar! Ich fliege –gefühlt jedenfalls- an einem Radfahrer vorbei und freue mich, dass heute kein Wind weht, der meinen Vorwärtsdrang bremsen könnte.
Im Radwegeplan habe ich einmal mehr mir eine teils noch unbekannte Strecke gesucht, mit einem Zwischenziel jedenfalls: Einem Biohof, der mit Freilauf-Hühnerhaltung im Wohnwagen wirbt.

Und schon von weitem sehe ich sie, die mobilen Hühner mit ihren bereiften Behausungen. Ist das Gras weggefuttert, wird der Wagen mit umgebenden Zaun verschoben und die Damen bekommen frisches Grün unter die Krallen.

Ein Stück weiter fällt mir eine seltsame Ansammlung von etwa 20 Autos und ihren (Mit-)Fahrern auf. Alle direkt am Zaun des Fliegerhorsts Nörvenich. Manche mit Stehleitern, viele mit Fotoapparaten ausgerüstet. Planespotter in Aktion. Sie stehen genau am Ende der Startbahn und schauen angestrengt aufs Rollfeld.
Ich halte an, sie wenden mir ihre Köpfe zu.
Keiner sagt etwas.
Komische Kauze hier.
Ich frage „Gibt’s etwas Besonderes zu sehen?“
„.“
„.“
„…jetzt gerade, ja. Was ist DAS denn?“ sagt freundlich schlussendlich eine Frau. Ich erkläre mein Gefährt und fahre lieber weiter.
Da gerade kein Tornado, Awacs oder anderes fliegt, ist es wunderbar ruhig inmitten von Kohl-, Kartoffel- und Kornfeldern. Eine Weile rolle ich noch weiter, dann fahre ich die gleiche Route zurück. Vorbei an den Spottern von vorhin, die mangels action auf dem Rollfeld gelangweilt mir wieder ihre Köpfe zuwenden.
Erneut vorbei an den Hühnern (ob die eigentlich aus Holland kommen, wohnwagentauglich quasi...?) Richtung Heimat.

Ich überdenke, ob die Zeit reichen könnte, um noch rasch kurz vor Schließung beim Lieblingsbäcker vorbeizufahren und ein frisches Brot zu holen. Neulich stellte ich zu meiner Begeisterung fest, dass ich mir irgendwann für solche spontanen Einfälle einen kleinen Schein in mein dauerhaft am ElliptiGo befestigtes Fototäschlein gesteckt hatte. Die Bäckerei hat offen, ich greife die gefaltete Geldnote, lasse mir das Brot einpacken und reiche den Schein über die Theke. Die Verkäuferin stockt, dreht und wendet ihn, schaut mich fragend an.
Mir dämmert es…
Oh wie peinlich, ich hatte –weiß der Kuckuck (warum eigentlich dieser arme Vogel?) warum- eine 20-Franken-Note eingesteckt! Euro habe ich keine dabei, so doof! In welches Mäuseloch kann ich rasch verschwinden? Der Bäcker kommt zur Theke, er nimmt es mit Humor. Ich bekomme Kredit und darf das unbezahlte Brot mitnehmen. Seinen Vorschlag, doch bis zur Bezahlung das "Rad" dazulassen, lehne ich zu seiner –gespielten- Enttäuschung ab.

Damit war das wichtigste Zwischenziel des heutigen Laufs gleich klar: Ab zum Bäcker und Schulden bezahlen. Danach liefs wie geschmiert. Herrliches Laufwetter: Gut kühlender Wind, Sonne hinter Wolken. Richtig gutes Laufgefühl kommt auf. Auch wenn zum Ende meiner 12 km das linke Knie etwas müder ist als das rechte, (ungefähr so, als sei ich mit links einen Marathon gelaufen und rechts eben nicht) das hat richtig Spaß gemacht!

Gestern:
25,9 km ElliptiGo, 1:20:00, (19,5 km/h), HF 141, 22 Grad

Heute:
12 km, 1:14:08, (6:10 Min/km), HF 140, 22 Grad

Kommentare:

  1. Wenn du jetzt schon mit links die Marathons läufst oder zumindest 12 Kilometer, dann sieht das doch ganz gut aus ;)

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    1. Liebe Lizzy,
      lach, ja Marathon mit links - wer träumt nicht davon?
      Liebe Grüße
      Elke

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  2. Liebe Elke,

    der Bäcker hätte ja auch die 20-Franken-Note als Pfand behalten können. Das wäre für ein Brot ein guter Preis gewesen ;-)

    Bei den ersten Zeilen hatte ich noch gedacht die Hühner wären in echten, ausrangierten Wohnwagen untergebracht :-)))

    Grüne Elli finde ich einen netten Namen :-)

    Liebe Grüße
    Volker

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    1. Lieber Volker,
      stimmt, das mit dem Geldscheinpfand wäre eine Variante gewesen. Aber der Bäcker meinte, ein Franken sei ja sowieso weniger wert als ein Euro, deswegen kam er wohl erst gar nicht drauf...
      Haha, echte Wohnwagen, das wäre lustig. So was ähnliches gibt es: http://www.bauernhahn.de/huehnerhausmobil
      Den Namen hatte mal hier jemand per Kommentar vergeben, war mir auch schon manchmal in den Sinn gekommen.
      Liebe Grüße
      Elke

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  3. Liebe Elke,
    hihi - so einen Notfallschein habe ich auch gerne bei der Zugkarte stecken, aber bisher ist mir noch kein "fremder" reingerutscht! :)
    Super, dass du dich noch motivieren konntest - bei mir war gestern leider das Gegenteil der Fall... Und ganz schön fix bist du wieder unterwegs - super, dass das Knie mitspielt. Bekommst du eigentlich noch eine Behandlung, oder ist das schon erledigt?

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    1. Liebe Doris,
      wahrscheinlich kennt jeder solche Motivationsdefizite. Aber meist, wenn man sich dann aufrafft, ist es dann doch gut.
      Behandlung läuft noch, "fertig" sind wir noch nicht.
      Liebe Grüße
      Elke

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  4. N Brot für 20 Franken hätte ich dir verkauft. Wäre doch n guter Deal gewesen :)

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    1. Lieber Markus,
      nun ja, zu dem Kauf hätten dann 2 gehört, aber vielleicht schaffen die Schweizer das Preisniveau dann auch noch.
      Liebe Grüße
      Elke

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  5. Liebe Elke,
    naja, so lange der Bäcker dir dein Brot lässt, und du "anschreiben" darfst, ist ja alles gut. Und da du dem Bäcker ja das Geld noch gebracht hast, würde er das das nächste Mal sicherlich auch wieder tun.
    Die Frage ist nur, wieso hast du Schweizer Franken in einer Tasche an deiner grünen Elli wo du doch mit ihr gar nicht in der Schweiz fährst?
    Oder planst du gar keine ganz weite Tour? :-)))
    Die holländischen Hühner finde ich mega Klasse ;-)
    Liebe Grüße
    Helge

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    1. Liebe Helge,
      das ist eben der Vorteil, dass es keine Bäckereikette ist, sondern ein selbstständiger lustiger Einzelkämpfer-Bäcker.
      Das Täschlein war wohl mal mit in CH, ist eigentlich ein Smartphone-Oberarmtäschlein, passt aber eben auch perfekt an einen Fahrradrahmen.
      Icg will zwar schon mal weiter fahren, aber soweit-da müsste ich dann aber Urlaub nehmen :-)
      Die Eier der Hühner schmecken auch sehr gut, na bei solch einem Leben :-)
      Liebe Grüße
      Elke

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