Samstag, 3. September 2016

Hoch, höher, Jungfraujoch

Unsere erste Urlaubswoche stand irgendwie im Zeichen der Berge.
Dienstag wollte mein eidgenössischer Ehemann ein kleines Training für den Jungfrau-Marathon in einer Woche angehen. Er lief von Interlaken bis Wengen hinauf, während ich gemütlich bis Lauterbrunnen fuhr und nur die Wengerner Wand erwanderte.






Hier eine für diese Wand typische Passage. Endlos schrauben sich die Serpentinen hinauf. Obwohl ich mit frischen Beinen unten antrat, eine ziemliche Quälerei. Oft liest man ja, fließender Schweiß sei ein Zeichen für Fitness. Donnerwetter, dann muss ich top-trainiert sein!








Am Tag zuvor ging es auf den Napf, einen Berg (rd. 1400 m) mit schöner Aussicht im lieblichen Emmental.











Oben lockt eine phantastische Rundsicht, und erfrischendes Getränk.










Wieder unten angekommen, nochmals in einer "urchigen" Alp isotonisch Flüssiges, ...












... bevor wir hier die Kohlehydratspeicher füllen.
Ein Fabrikverkauf einer in der Schweiz gut verbreiteten Gebäckmarke. Schon im Ort Trub riecht es verführerisch nach Keksen.









Im Laden selber gibt es massenweise 1b-Ware (Bruch u.ä., doch qualitativ 1a). Der Clou: Man kann von allem so viel probieren, wie man möchte. Und die haben wahrhaftig ein großes Sortiment.







Das Highlight der Woche jedoch: Eine Fahrt auf das Jungfraujoch. Mit der Zahnradbahn geht es ab Lauterbrunnen hinauf. Knapp 2 Stunden dauert die Fahrt, mit Umsteigen auf der Kleinen Scheidegg und 2 Sightseeing-Halten mit der Jungfraubahn, bei denen man einmal in der Eigerwand und einmal am Eismeer kurz aussteigen und die Aussicht genießen kann. Wegen des Blicks durch Glasfenster leider nicht fotografierfreundlich.


Oben dann ein roter Teppich für die Besucher. Darüber betritt man eine für mich unerwartet große unterirdische Anlage mit allerlei Sehenswürdigkeiten und anderen Dingen.
Dazu später mehr. Zuerst die Bilder der erwarteten Art.



























Mal KEIN Deutscher in Socken und Turnschuhen, es war ein Engländer. Ich sollte erwähnen, dass hier oben 4 Grad herrschten. Ich war froh um Anorak und Wollmütze!









Auch hier fängt dieses Neu-Brauchtum wohl an.































Wir hatten großes Glück mit dem Wetter und auch mit der gewählten Tageszeit. Da wir schon um 9 Uhr oben waren, konnten wir eine ganze Weile ziemlich leeres Areal genießen, bevor es gegen Mittag spürbar voller wurde.









Wir gehen den gespurten Weg zur Mönchsjochhütte. 45 Minuten. Doch in der Höhe fallen die spürbar schwer. Beide hatten wir anfangs beim Ausstieg aus der Bahn mit Schwindel zu tun. Als wenn man Sekt genossen hätte, aber ohne die beschwingende Wirkung, statt dessen mit ganz leichten Schwankanfällen. Doch nach einer Weile und immer wieder Geh-Pausen lässt es bald nach.




Zurück am Jungfraujoch. Inzwischen bevölkern deutlich mehr Besucher das Gelände. Vornehmlich Asiaten, weswegen auch in der Bahn Durchsagen in sonst ungehörten Sprachen erfolgen. Auch mit Helis darf man anscheinend hier anreisen und auf dem Gletscher parken.








Auf genau dieser Fläche werden von Zeit zu Zeit ganz wichtige Sportereignisse zelebriert, von denen man in einer Galerie erfährt. Zum Beispiel boxte hier Wladimir Klitschko.








Oder Roger Federer spielte Tennis gegen Lindsey Vonn (!).
Es gab ein Fußballspiel, einen 100m-Sprint und ähnliches mehr.






Das ist ein wenig die Überleitung zu dem, was ich die "Walt-Disney-Abteilung" nennen möchte. Sicherlich möchte man den Gästen hier oben etwas bieten, vor allem, wenn sie zuvor schon einen 3-stelligen Betrag für die Bahnfahrt hinlegen mussten. Es wurde unvorstellbar viel gebohrt und verbaut, innerhalb des Felsens.
Ob das alles hier oben sein muss...? Ich habe da Zweifel. Aber das ist meine persönliche Meinung.

Zum Beispiel wird man teils auf Rollbändern wie im Flughafen befördert.












Es gibt den Eispalast. In den 1930'er Jahren ins Gletschereis gebaut.
Muss heute künstlich auf -3° gekühlt werden, da die Touristen zu viel Wärme hineinbringen.





























Ein weiterer Gang (Rollband!) führt an Reminiszenzen an die Menschen entlang, die vor über 100 Jahren die Bahn erbauten. Eine unvorstellbare Leistung für damalige Zeiten. Auch an die beim Bau tödlich verunfallten Arbeiter wird erinnert.









Der Eingang zur "Alpine Sensation". Ein Erlebnisrundgang mit verschiedenen Objekten, der sich schon mit besonderer Musik- und Geräuschmischung nach draußen ankündigt.











Witzig finde ich diese mannshohe Schneekugel. Das nähere Hinsehen lohnt. Es gibt zahlreiche humorige Details zu entdecken.




















Tanzende Kühe.
















Einige Hauptgeschäftszweige des Landes.















Die nicht zu knappen gewerblichen Angebote (Schnellimbiss, Souvenirshops, höchster Uhrenladen der Alpen) seien hier nur durch einen Blick in die Schauaustellung einer bekannten Schoggi-Fabrikation mit angeschlossenem Verkaufslädeli angerissen.
Braucht man das in 3454 m Höhe am Rand eines schmelzenden Gletschers?

Es sei noch erwähnt, dass alle Fahrgäste immerhin bei der Rückfahrt in der Bahn ein kleines Schoko-Täfelchen vom Schaffner geschenkt erhalten :-)


Ein tolle Tour war es, auf das Jungfraujoch, mit wirklich atemberaubenden Eindrücken der alpinen Welt. Aber auch mit nachdenklich stimmenden Details zum Tourismus. Mir bleibt vor allem die Wirkung der dünnen Luft in Erinnerung. Wie mag es sich da noch weiter oben anfühlen? Und dann noch womöglich bei bergsteigerischen Aktivitäten? Das kann man nach einem solchen Ausflug nur erahnen.
Der Temperaturkontrast von oben 4° und unten 27° ist auch bemerkenswert. Ich hätte Handschuhe mitnehmen sollen!





























Gelaufen bin ich ansonsten auch. Habe mich für den Kölner Halbmarathon entschieden. Das Knie ist brav und friedlich. :-)

Kommentare:

  1. Wow, wie wunderschön die Natur doch ist. Und eigentlich ja schön, dass man sie der breiten Bevölkerung durch solche Dinge da oben näher bringen will. Toll finde ich es trotzdem nicht. Ich will liebe die bloße Natur

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Genau Markus, Natur pur wäre mir auch lieber gewesen.
      Liebe Grüße
      Elke

      Löschen
  2. Liebe Elke,
    wow, was für eine wunderschöne Landschaft. Wer bitte braucht da Disneyworld im Fels? Verstehe ich nicht und finde ich auch schade, weil es vom eigentlichen ablenkt.
    Aber wenn sich der Bau der Bahn rechnen soll, die (stolzen!) Preise dadurch eher akzeptiert werden, ist das scheinbar heute alles legitim...
    Die Auswirkungen der Höhe waren bei euch vermutlich stärker, als wenn ihr aufgestiegn wäret. Dann hätte der Körper ja länger Zeit gehabt, sich daran zu gewöhnen.

    Dann startest du heuer also einen "Heimlauf"? Spannend! :)

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Liebe Doris,
      es ist wirklich oben am Jungfraujoch schon atemberaubend, da bräuchte es wegen mir nicht noch zusätzliche Attraktionen. Aber nun, die Gesetze des Tourismus-Marktes... Aufsteigen kann man dorthin eigentlich kaum, oder wenn, dann nur mit Guide.
      Der Heimlauf ist eher Verlegenheitslösung: Ich möchte nichts riskieren und daher verzichte ich auf einen Herbstmarathon. Unsere Mädel-Staffel vom letzten Jahr kommt auch leider nicht zustande. Also dann eben einen HM quasi vor der Haustüre. Tja, da geben wir uns die Hand, was Verzicht aus gesundheitlichen Gründen angeht ;-)
      Liebe Grüße
      Elke

      Löschen
  3. Liebe Doris,

    den so gerade noch hingehauchten letzten Satz nehme ich mir mal als Erstes vor: Großartig.. ist doch wirklich toll, dass das Knie Ruhe gibt und Du beim HM antreten kannst. Ich wollte ja Staffel aber mein Rücken macht mir gerade nen Strich durch die Rechnung.

    Ansonsten ist es echt ein wenig befremdlich, solches Jedöns am Berg zu haben. Als ob die Natur nicht schön genug ist. Ich find es befremdlich. Echt.

    Gruß und viel Spaß noch.

    Anja

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Liebe Anja,
      Rücken bei Dir? Och nee, das ist ja ärgerlich :-( Hoffentlich ist es nur eine Episode und geht vorbei. Ich bin sehr froh, dass es in Beinmitte friedlich bleibt.
      Ja, was da oben am Jungfraujoch alles eingebaut ist, ist schon schräg. Ich brauche es nicht.
      Liebe Grüße
      Elke

      Löschen
  4. Liebe Elke,

    Fast 3500m ist ja tatsächlich ganz schön hoch - hatte schon wieder vergessen, dass es bei euch so hohe Berge gibt. Ein bisschen Schwindel ist da ja ganz ok - zumindest musstet ihr nich Schnaufen wie eine Dampflokomotive beim Wandern - so geht mir das oft beim schnellen Aufstieg.
    Dreistelliger Frankenbetrag?? Da hätte man doch das Disneyland wirklich weglassen sollen, so dass man genug Ruhe und Natur fürs Geld zurückbekommt.
    Liebe Grüße!

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Liebe Roni,
      doch doch, die Schweizer haben ein paar 4000'er Gipfel. Und es ist wirklich bemerkenswert, wie sich dann die dünnere Luft auswirkt. Das Panorama allein wäre es schon wert, das ganze "Höhlenevent" bräuchte ich nicht. Andererseits - da verläuft sich dann viel Volk und es wäre womöglich noch voller draußen...
      Liebe Grüße
      Elke

      Löschen
  5. Liebe Elke,
    oh, mein Herz schreit quasi vor Sehnsucht, wenn ich diese Bilder sehe ...
    Also die Wengener Wand sind diese endlosen Serpentinen, die ich mit dem MTB runter gefahren bin. Da, wo ich eigentlich so viel Panik vor hatte und dann war es doch einfach nur schön :-). Und bergauf kann einem schon mal die Puste wegbleiben.
    Auf das Jungfraujoch sind wir noch nie gefahren. Aber irgendwann werde ich das auch mal tun. Aber wie du schon sagst, irgendwie ist es auch bedenklich, was so alles gemacht wird, auf so einer Höhe, nur um die Touristen anzulocken.
    Für mich würde der Blick, die Natur schon reichen. Andere brauchen halt Unterhaltungsprogramm.
    Das du beim Köln Halbmarathon startest, ist sehr cool :-)
    Der Andi läuft den Marathon. Ich bin Support und werde dich im Auge behalten :-)))
    Liebe Grüße
    Helge

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Liebe Helge,
      ja ich musste an Dich/Euch denken, beim Auf- und Abstieg durch die Wengener Wand. Kann Dir gut nachfühlen, dass man auf dem MTB da durchaus Respekt hat, es ginge ja im Falle des Falles ungebremst abwärts...
      Das Jungfraujoch muss man, trotz der Begleiterscheinungen wirklich besucht haben. Unvergesslich. Wenn man bedenkt, wie sie die ganze Bahn da vor über 100 Jahren in den Fels gezimmert haben... der Wahnsinn.
      Ihr seid in Köln?! Wir MÜSSEN einen Treffpunkt ausmachen!! Der HM startet ja früher, gern dann irgendwie irgendwo im Zielbereich. Mailst Du mich mal an, habe bei Dir im Blog keine Kontaktmöglichkeit gefunden, Kontaktfeld oben rechts im Blog. Würde mich riesig freuen!
      Liebe Grüße
      Elke

      Löschen
  6. Das sind die Auswüchse, wenn jeder, der das Geld aufbringt, auf einen Berg raufgebracht wird. Ein Gipfel muss ohne Seilbahn bezwungen werden ;-)
    Ich war mal auf dem Großvenediger (3666 m) und hatte ein schlechtes Gewissen, weil ich bis 1800 m das Hüttentaxi benutzt hatte. Dafür bin ich dann wenigstens komplett bis ins Tal abgestiegen.

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Ja es hat so seine 2 Seiten. Die leben in der Region dort sehr vom Tourismus und dann muss man etwas bieten. Wenn man etwas bietet, kostet es, und das muss wieder hereingeholt werden. Mit Bergromantik hat das nicht mehr viel zu tun. Klasse Leistung, dass Du in solche Höhe gegangen bist (die unteren 1800m waren doch eh die einfacheren) und dann komplett runter! Ich räume ein, das würde ich wohl nicht bringen...
      Liebe Grüße
      Elke

      Löschen
  7. Tolle Landschaft. Aber andererseits freuts mich, dass manch ein Blogeintrag einem auch zeigt, wo man selber nicht hinmuss ;)

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Liebe Lizzy,
      die Landschaft dort oben ist wirklich phantastisch, auf das andere könnte ich auch gut verzichten.
      Liebe Grüsse
      Elke

      Löschen