Ich suche den Laden einer großen, auch in Deutschland vertretenen Sportkette auf. Die Auswahl ist mehr als mager. Das durchaus ansehnliche Sortiment enthält in diesem Segment nur große und kleine Größen, so gut wie nichts für weibliche Normalfüße. Es kommen nur 2 Paare in Betracht, von denen eins schlecht sitzt. Aber das zweite macht einen guten Eindruck, ist ein Auslaufmodell zu einem sehr günstigen Preis, und wie ich später sehe, würde exakt dieser Schuh bei der identischen Ladenkette daheim glatte 30 EUR mehr kosten. Das ist doch mal ein Glücksfall! Zumal die neuen Laufbegleiter bei einem ersten Auslauf einen sehr guten Eindruck machen.
Das will natürlich bei einem längeren Lauf noch weiter verifiziert werden.
Ich suche mir eine Route mit möglichst viel Naturbodenanteil. Gar nicht so leicht, denn viele Feldwege sind asphaltiert. In einem der beiden avisierten Gebiete fällt mein Blick auf eine in der Internetkarte eingezeichnete Burg. Burg? Hier? Ist mir neu. Google weiß, dass es sich um eine Burg aus dem 13. Jahrhundert handelt, die erst 2018 entdeckt wurde.
Alles klar, das will ich sehen!
Zunächst geht es 3,5 km stramm bergab. Das klappt schon wieder ganz gut.
Dann kann ich auch gleich versuchen, einen im letzten Sommer nicht exakt gefundenen Wanderweg zu suchen. Ich erklimme eine steile Treppe, aber oben ist die Kennzeichnung uneindeutig, also wieder abwärts und weiter einer Straße entlang bergauf.
Weiter geht es im angenehm kühlen Wald. Ich laufe bis Brenzikofen, wo ich dann auch die Abzweigung im Wald entdecke, die mir letztes Jahr entging und die mir eine herzhafte Such-den-Heimweg-Aktion einbrachte. Im Nachhinein kein Wunder, es fehlt die Beschilderung. Diesmal gelange ich auf die gewünschte Route. Doch ich merke auch, dass die Wärme mir nun zusetzt, und die Höhenmeter sich summieren.
Zudem muss ich die letzten 3 km stramm bergauf. Schlussendlich brauche ich für knappe 18 km 2:54, mager. Entschuldigend seien die summierten 600 Höhenmeter erwähnt.
Zufällig sahen wir schon vor Tagen markante Flaggen in Thun. Ein Ironman! Na da müssen wir doch hin. Heute gesagt - getan.
Der Marathonteil führt über eine dreimal zu absolvierende Strecke teils in der Innenstadt. Wir postieren uns an einer Stelle, wo wir die Athlet/innen 6x sehen können, im Schatten alter Bäume. Als erste nähert sich Daniela Ryf, die schweizer Nationalmatadorin. Man sollte nicht meinen, dass sie schon 3,8 km geschwommen ist und 180 km Rad fuhr. Auch als sie dann bei uns vorbeikommt, scheint sie wie auf einer lockeren Trainingsrunde, könnte man meinen. Sie finisht als schnellste Frau mit 8:59.
| Daniela Ryf bei km 38 |
Kamen die führenden Läufer zunächst nur sehr sporadisch, so bevölkert sich die Strecke zunehmend. Man verliert schnell den Überblick, wer auf der ersten, zweiten oder dritten Runde ist. Wir treiben so unsere Studien, einige sehen noch gut aus, aber viele haben zu beißen, kämpfen, sind im berühmten Tunnel, leiden. Es ist schon unglaublich, was alle hier und heute leisten. Da kommen mir meine 18 km vom Vortag nur noch wie ein Reiskorn vor.
Sah zunächst ein Belgier wie der sichere Sieger aus, mit mehreren Minuten Vorsprung, so erleben wir dann die Wechselhaftigkeit eines Ironman. Der Belgier wird langsamer und ein Deutscher wird schneller. Wir errechnen, dass er den Führenden nach 18 km einholen könnte, dann sind es nur noch prognostizierte 14 km, und dann geht alles sehr schnell. Auf km 38 liegt der deutsche Leif Schröder-Groeneveld vorn und siegt mit 8:42, den Marathon läuft er in 2:47. Was für eine Leistung! Von ihm, aber auch von allen anderen.
Wir verlassen unseren schattigen Platz unter den Bäumen, wo es sich sehr gut aushalten ließ und spüren plötzlich, wie heiß es in der Sonne ist. Noch mehr Qualen für die Ironman und -women!



