Tja, beim Laufen trifft man auch Leute. Das kann mal so und mal anders sein. Zwei Beispiele:
Vorgestern, es ist sehr windig, wodurch die Temperatur halbwegs erträglich ist. Auf dem Heimweg begegnet mir ein Mann mit 2 Kindern im Grundschulalter und Hund. Ich kann nicht anders und spreche ihn an. Er trägt nämlich auf dem Rücken einen Flugdrachen! Das es so etwas noch gibt! Genau das sage ich auch zu ihm. Und dass doch heute wohl eher Väter mit Drohnen punkten können. Er meint, dass der Wind dafür perfekt sei und seine Kinder und er damit Riesenspaß hätten. Hatte ich auch, vor 60 (hüstel) Jahren, als mein Vater mir einen Drachen baute, Sperrholzgestänge mit Buntpapier bezogen, am Ende eine Schwanzschnur zum Austarieren. Ach war das schön, wenn wir den zusammen über einem Stoppelfeld steigen ließen.....
Heute eine eher unschöne Begegnung.
Ich plane meine Standardrunde viermal im Kreis an der Hühnerweide vorbei. Noch sind Wolken am Himmel, doch die wird der Wind wohl bald wegpusten. Da ich am Vortag eine Gesichtsbehandlung hatte, sollte ich heute keine Sonne abbekommen. Also kann ich bei dieser Route recht einfach abkürzen, falls die Sonne durchkäme.
Auf einer der Bänke vor der Weide sitzt ein junger Mann, gepflegtes Äußeres, um die 20, daddelt auf seinem Handy. Und, auch das gehört zur Beschreibung, dunkler Teint und schwarzes welliges Haupthaar.
Ich habe mich der Wärme wegen luftig angezogen. Lauftop und flatterige Laufshorts. Der junge Mann sieht mich kommen und schaut auf. Und dann glotzt er. Nun denn, ich denke, der wird gleich wieder auf sein Handy gucken. Nein, tut er nicht. Aus dem Glotzen wird ein Starren.
Ja was sieht er denn? Temperaturangepasste Laufkleidung, textilfreie Oberarme und Schulter, textilfreie Beine bis 2 Handbreit über dem Knie. Kein Bauchfrei.
Seine Mimik steigert sich, die Augenbrauen ziehen sich zusammen, sein Gesicht nimmt einen drohenden Ausdruck an, als wolle er mich gleich abstrafen für mein unzüchtiges Tun. Ich fixiere ihn meinerseits, muss dazu den Kopf drehen, da ich gerade an ihm vorbeilaufe. Umso unverhohlener starrt er mich seinerseits weiter an, wenn Blicke töten könnten...
Dann bin ich vorbei. Das ganze war zwar nur kurz, ärgert mich aber maßlos. Was bildet der sich ein? Ich laufe hier nur, in dazu temperaturangepasster Kleidung. Ich darf das, niemand hat das zu verurteilen.
Und dann meine Gretchenfrage: Will ich nun noch dreimal an dieser Stelle vorbeilaufen? Oder dem Typ durch andere Streckenwahl aus dem Weg gehen? Kneifen, einknicken? Nein.
Ich setzt meinen Lauf um wie geplant. Wo sind wir denn hier? Und wenn der immer noch da sitzt? Vielleicht spreche ich ihn an und frage, was sein Problem ist. Wäre mal eine Variante. Ich habe 2 km Zeit, mich zu wappnen.
Aber er ist dann weg. Auf der Bank sitz ein älterer Mann (der Vollständigkeit halber: Hellhäutig und graues Haar) und sieht den Hühnern bei ihrem Tun auf der Weide zu. Ihm laufe ich eher störend durchs Bild.
Um es klar auszudrücken: Wir leben in einem Land, in dem jeder anschauen darf, was er mag. Aber wie es so schön heißt, der Ton macht die Musik und so gibt es auch zwischen schauen, glotzen, starren durchaus Unterschiede. Finde ich.
Wenn ich mich in einem anderen Kulturkreis bewege, passe ich mich dort an, verhalte mich entsprechend und erwarte nicht, meine Regeln anderen aufzudrücken.
Und auch möchte ich klarstellen, dass es ebenfalls doofe Begegnungen mit Deutschen gibt. Ich erinnere mich, vor Jahren waren wir am Nürburgring unterwegs, bewegten uns zu Fuß über Wiesen mit campierenden, feiernden Fans. Ich trug eine Spiegelreflexkamera in der Hand (uiui, so lang ist das her...). Wir passierten eine trinkfeste Truppe. Einer schaute mich an und brachte ein "Willste mal wat Schönes fotojrafieren?" heraus, wobei er sich und seinen Bierbauch in Positur stellte. Ich hatte einen denkschnellen Moment, schaute ihn von oben bis unten an und antwortete "Hast du nicht von was SCHÖNEM gesprochen?". Seine Kumpels lachten sich schlapp, der Moment war erledigt und ich hatte keinen Reflex, lange darüber nachzudenken.
Aber diese Begegnung heute...
Dann kommt auch noch die Sonne raus und ich muss abkürzen, um in den Schatten zu kommen. Immerhin hat das Erlebnis zu einem dann flotten Tempolauf geführt.
Brauche ich aber nicht öfter auf diese Art.
Liebe Elka,
AntwortenLöschenvielleicht hatte ihn deine Gesichtsbehandlung irritiert, oder war davon äußerlich nichts zu sehen? Oder war er nur neidisch, dass es jemanden gibt, die bei diesem Wetter, viel fitter als er, so durch die Gegend trabt?
Nicht wirklich und nur nebenbei, denn ich glaub dir deine Beschreibung, denn manche Gesichtsausdrücke sind fast zu 100% interpretierbar! Komische Leute gibt's, die meinen es gehe nur nach ihrem Gusto, so wie sie sich ihre Welt gestrickt sehen wollen!
Ich hoffe, dass du dich nicht noch lange hast ärgern müssen. Schade, die Begegnung mit Vater, Kindern und Drachen wäre als 2. Begegnung besser gewesen und hätte dann diese andere blöde überlagert!
Es ist nicht ganz so lange her, gut 30 Jahre, da bin ich als Vater mit Tochter und Flugdrachen losgezogen, zu einer Anhöhe im vorderen Odenwald! Drohne muss nicht sein, aber vielleicht kommen unsere jungen Leute für ihre Mädels irgendwann damit an!
Man hat nicht immer denkschnelle Momente, aber manchmal ist es auch gut, da man nie weiß, ob das Gegenüber vielleicht noch aggressiv reagiert!
Liebe Grüße Manfred
Liebe Elke,
AntwortenLöschenach so was Blödes.
Ich überlege dauernd, wie ich wohl reagiert hätte. Die Strecke geändert? Nein, ganz sicher nicht. Angesprochen? Nein, auch nicht. Vermutlich hätte ich ihn ignoriert, was allerdings gar nicht so einfach ist, wenn man mal auf jemanden (oder auch etwas) aufmerksam geworden ist. Gleichzeitig beschäftigt mich auch, was Manfred über das interpretieren von Gesichtsausdrücken schreibt.
Schade, dass dir diese junge Mann deinen Lauf so madig gemacht hat, aber das "nacharbeiten", wenn irgendetwas unangenehmes vorgefallen ist, kenne ich auch gut und das lässt sich auch schwer abstellen. :/
Dann doch lieber einem so harmlosen Drachen begegnen und sich über Kindheitserinnerungen freuen. :D