Es sollte hier (auch) ums Laufen gehen. Denn ich hatte meine Laufausrüstung, kleine Garnitur, mit eingepackt für eine Reise nach Prag. In der Stadt, in der ich schon zwei Marathonerfahrungen sammeln konnte (2016 und 2017), sollte diesmal allerdings Urban Sketching im Mittelpunkt stehen und laufen nur am Rande ergänzend stattfinden.
Urban Sketching ist eine spezielle Disziplin des Malens/Zeichnens, in der es nicht um akkurate Darstellung daheim in Ruhe an Tisch oder Staffelei geht, sondern um das spontane Festhalten von Momenten draußen vor Ort. Also eine ganz andere Art der Herausforderung.
Um es vorweg zu nehmen, der Kurs bei Jens Hübner, einem renommierten Autor und Dozenten war spannend, fordernd und intensiv.
So wurden schon am ersten Abend Sketchbook und Zeichenstift ausgepackt, während die anderen noch die Speisekarte studierten.
Zudem war es warm bis heiß in der goldenen Stadt. Kurzum, statt zu laufen, nahmen dann doch andere Dinge meine Zeit in Anspruch. 😐 Aber das war ja auch der primäre Zweck der Reise.
Daher hier eher ein paar optische Eindrücke.
Sketcher erkennt man daran, dass sie minimalistisch ausgerüstet irgendwo mittendrin sitzen und ihre Linien und Farben zu Papier bringen.
| Am Veitsdom |
| Prager Burg |
| Unter der Most Legli |
Vorneweg immer unser Dozent, der geduldig demonstrierte, unterstützte und Fragen beantwortete. Gemeinsam ertrugen wir zahllose Touristen, die uns interessiert bis amüsiert beobachteten. Sogar Polizei und Müllabfuhr schauten zu. Zudem zieren wir nun unzählige Fotos und Selfies wohl vor allem im asiatischen Raum. 😆 Hätten wir einen Euro pro Foto verlangt, das Abendessen wäre gut gesponsert gewesen.😂
Der Härtetest fand auf der Karlsbrücke statt. Früh am Morgen malerisch, ...
Wir widmeten uns vielfältigen Herausforderungen. Dieses hier war mein persönliches Antipathie-Motiv, der "Rotating Head" von David Czerny. Das Ding dreht sich asymetrisch immer zur vollen Stunde (Video, weiter Skulpturen des Künstlers hier). Und dann hat der Kopf auch noch unzählige Reflexe. 😬
Andere Motive lagen mir mehr. Von Vorteil ist es zudem, dass man im Gegensatz zur Fotografie ja Unliebsames locker ausblenden und sich auf das Wesentliche konzentrieren kann. Wie sang so schön unsere Kindheitsheldin Pipi Langstrumpf "Ich mach' mir die Welt wisiwisiwiesie mir gefällt, lalala."
| Ganz recht, das Grün ist zu kräftig... |
Die 5 Workshoptage vergingen im Flug, der Dozent hat einen unglaublichen Erfahrungsschatz den er geduldig offenbarte.
Am letzten Tag kam noch eine Überraschung dazu. Eine weitere deutsche Urban-Sketching-Gruppe mit dem Gris begann ihren Kurs. Beide Dozenten sind freundschaftlich verbunden und so wurde für eine Stunde der Dozent getauscht. Das ist ungefähr so, als hätte man einen Workshop mit Haile Gebrselassie gebucht, und dann kommt Eliud Kipchoge um die Ecke und gibt auch noch ein Stündchen! Klasse. 😀
Ich habe viel gelernt, auch wenn mir diese Art des Zeichnens derzeit nur bedingt gelingt. Was sich aber hoffentlich ändern wird.
Auch sonst gab es Interessantes zu sehen und zu erleben. Bienen-TV im Hotel zum Beispiel. Die Stöcke stehen auf dem Dach des Gebäudes, man kann sie von Weitem sehen, aber Großaufnahme ist natürlich ein Schmankerl.
Der Robbi im Frühstücksraum, bringt für die Kellner das benutzte Geschirr in die Küche. Fährt autonom mit munterem Gesichtsausdruck obendrein.
| Da kamen die Laufschuhe doch noch zum Einsatz |
Liebe Elke,
AntwortenLöschenerst Mal nachträglich: Alles Gute zum Geburtstag!
Was für eine tolle Seminarwoche! Ich hab es ja schon mal erwähnt, ich finde die Idee des Urban Sketching einfach faszinierend. Und zu den tollen Ergebnissen kommt noch das Erlebnis des "einfach da in der Gegend rumsitzen und zeichnen" dazu. :D Dass dich der drehende Kafka irre gemacht hat, versteh ich gut. Ich werde schon ganz wirr, wenn ich nur zuschaue!
Und dass die Laufschuhe nicht zu ihrem eigentlichen Zweck verwendet wurden, ist bei so einem dichten Programm ja nicht weiter schlimm. Vielleicht war die Tapering-Woche ja ganz gut vor dem langen Sonntagslauf?!
Liebe Doris,
Löschendanke. :-)
Ja, die Woche war dicht, wobei ich ja noch die wieder nervigen Bahnerlebnisse schon weggelassen habe. Aber unterm Strich war es prima, war sicher nicht mein letzter Vor-Ort-Kurs.
Dieses draußen sitzen und skizzieren ist einerseits sehr reizvoll, aber bei den Tourimassen in Prag teils grenzwertig. Ein Glück, dass der Dozent eine kräftige Stimme hat und sich auch nicht aus der Ruhe bringen ließ, wenn ihm Fremde ungefragt direkt über die Schulter aufs Blatt fotografierten. Ja, dieser Kafka-Kopf, den vergesse ich nicht!
Ui ja, der anstehende Lauf ist ja schon morgen... Ich werde sehen.
Liebe Grüße
Elke
Herzlichen Glückwünsch nachträglich zum Geburtstag, liebe Elke! 💐
AntwortenLöschenWie schön, wenn ein Hotel die Gäste so nett überrascht und das auf dem Schirm hat. Welches Hotel war es denn, das die digitale Technik offenbar gleich mehrfach in solch menschliche Gesten und persönlichen Nutzen umzuwidmen versteht? Scheint ein gut geführtes zu sein.
Den drehenden Kafkakopf finde ich einfach nur ein tolles Kunstwerk und deine Zeichnung dazu - wenn man bedenkt, unter welch erschwerten Umständen sie entstanden ist - eigentlich ganz gelungen. Überhaupt kann ich nur wiederholen: dieses künstlerische Talent von dir begeistert sehr!
Nutrias als Touristen anbettelnde für Fotos posierende Tiere sind mir auch neu. Mal was anderes als Enten und Tauben.
Dein Bericht macht Lust auf einen Besuch in Prag!
Liebe Lizzy,
Löschendanke dir! Auch fürs Lob. Wobei ich da durchaus in dieser Disziplin noch viel Luft nach oben habe. Aber ist ja mit allem, was man neu beginnt. Die ersten Schritte sind noch holperig.
Dagegen war der/das Nutria da schon Profi im Nahrung erbetteln ;-)
Das Hotel war das Orea Andel's Hotel. Wirklich zu empfehlen. Sauber, recht neu, super Frühstücksbuffet, zu Fuß zur Altstadt ca 40 Minuten, aber Metro und mehrere Tramlinien sind gleich um die Ecke. ÖPNV funktioniert in Prag hervorragend, ü65 fährt gratis! Das Andel-Viertel ist lebhaft, aber nicht so übervoll wie die durchaus sehr schöne und sehenswerte, aber leider auch volle Altstadt. Ich fahre da nochmal hin.
Liebe Grüße, Elke
Genau wie Lizzy finde ich, dass du trotz deiner inneren Verzweiflung den trümligen Kafka doch sehr gut hingekriegt, liebe Elke! Ich wusste gar nicht, dass in Prag so eine Skulptur rumsteht, ist eine tolle Idee.
AntwortenLöschenVor Publikum zu zeichnen würde mich ja sehr nervös machen. Gab es eigentlich selbst-ernannte "Profis", die dir Tipps gegeben haben?
Und dann die Bienen! Und Robbi! Und Goodies! Und ein Nutria! Zum Glück hast du das Föteli dabei, weil sonst hätte ich keine Ahnung, was das ist! 😂
Ich hoffe, dass der lange Lauf gut gelungen ist!
Liebe Catrina,
Löschenin Prag gibt es sehr viel moderne Skulpturen, schau mal hier: https://hierdadort.de/kunstrebell-auf-den-spuren-david-cernys-durch-prag/. Ich liebe das auch nicht gerade, so viele Zuschauer zu haben. Aber in Gruppe lässt es sich aushalten. Nein, es gab keine weisen Ratschläge von der Seite, aber man kommt sich schon als "Schauobjekt" vor. Und wenn dann die Handys gezückt werden... nervt das.
Ja, es war einiges zu erleben. Prag ist sehr reizvoll, nur die Menschenmassen...
Zum langen Lauf berichte ich in Kürze.
Danke und liebe Grüße aus dem bald wieder heißen Rheinland!
Elke
Liebe Elke,
AntwortenLöschenda merkt man mal, wie löchrig ein altes Gedächtnis werden kann, dabei habe ich deinen Ehrentag im Kalender! *heul*
Deshalb erstmal herzlichen Glückwunsch nachträglich! Sorry!
Urban Sketching und dann noch coram publico, das ist für mich noch eine andere Liga und gar nicht zu leisten! Zudem mag ich ungefragte Fotos von mir auch überhaupt nicht. Du erscheinst irgendwo im Netz und weißt nicht was damit angestellt oder in welchem Zusammenhang es dann veröffentlicht wird! - Vielleicht bin ich da zu empfindlich, zu dünnhäutig!?!
Aber toll, was ihr da gemacht habt und die fachliche Anleitung scheint auch gut und hilfreich gewesen zu sein! Bei den Ergebnissen muss man ja bedenken, dass jeweils nur eine begrenzte Zeit da ist. Dafür sind die Ergebnisse super! ... das ganze auch noch in einer schönen, altehrwürdigen Stadt!
War es ein internationaler Kurs?
Liebe Grüße Manfred
Lieber Manfred,
Löschendanke, danke, aber kein Grund zum Heulen!
Ja, genau so ist es, eine spezielle Herausforderung, erstens rein zeichnerisch und dann auch noch in solch einem Gewühle wie in Prag. Allein hätte ich mir das nicht angetan, aber in der Gruppe erträgt man das ungebetene Zuschauen gemeinsam. Es war ein deutscher Veranstalter mit deutschem Dozent, aber 2 Schweizerinnen gaben uns einen kleinen internationalen Touch. ;-)
Und ganz recht, Prag ist ein Wunderbares Reiseziel!
Liebe Grüße, Elke