Laufend lesen

Samstag, 22. Februar 2014

Tempotest

Wir verbringen ein verlängertes Wochenende zwischen Emmental und Berner Oberland in "unserem" Holzhäuschen unterm Dach.
Gestern (Samstag) stand 40 Minuten leichtes Joggen mit Steigerungen an, als Vorbereitung auf den heutigen 10'er. Der Tag war trübe und Bindfadenregen auf dem Dach ergab eine gleichmäßige Geräuschkulisse. Wohlweislich hatte ich meine Regenjacke eingepackt und so konnte ich sie dann auch hier ausführen. Mein eidgenössischer Ehemann hatte auch 40 Minuten, allerdings schneller gelaufen, auf seiner Agenda. Also zumindest eine Gelegenheit, gemeinsam loszulaufen und anzukommen, allerdings in der Zwischenzeit leicht getrennt, der Mann wie in manchen Kulturen vorneweg ;-)

Heute morgen dann - welch ein Ausblick aus unserem Fenster:


Da möchte ich doch den Platz an der Sonne wahren und anstatt unten am bewaldeten Aareufer lieber hier oben auf der Höhe laufen. Zwar sieht mein Plan die Teilnahme an einem 10-er-Volkslauf vor, aber es ist für mich keiner erreichbar, so dass ich auf eigene Faust einen solchen Lauf durchziehen muss, Vorgabe 57 Minuten.
Dazu möchte ich allerdings möglichst einen ebenen Kurs, um keine Ergebnisverfälschung durch auf und ab zu haben. Daher fahre ich noch ein Stück weiter nach Schwarzenegg, wo wir schon gestern liefen. Hier gibt es eine kleine Ebene, auf der ich dann eben mehrmals hin- und herlaufen werde.

Es sind noch letzte Reste der Loipe erkennbar, aber der Schnee wäre doch zu pappig und nass.











Ein lustiges Schild! Man könnte meinen, hier habe man etwas neues erfunden, etwa Skilanglaufbuckelpisten...? Es steht allerdings im Sichtfeld der Straßenbenutzer, um auf eine Querungsstelle der Loipe hinzuweisen. Die Laufbedingungen heute könnten nicht besser sein. Freie Strecke, angenehme 5-6 Grad, kein nennenswerter Autoverkehr.














Ich nutze die Einlaufzeit, ein paar Bilder zu schießen, denn den eigentlichen Lauf möchte ich nicht unterbrechen.
Die Ruhe hier oben ist wunderschön! Ich laufe nun im 5:30'er-Tempo, leider begleitet von Seitenstechen. Ich atme einige Male tief in den Bauch und hoffe darauf, dass es sich wie sonst später von selber gibt.
Mein Wendepunkt ist wieder die Eisbahn, auf der heute anscheinend Jugendtraining ist. Zurück gehts Richtung Schwarzenegg. Die Straße ist für eine gemütlichere Laufeinheit perfekt. Doch nun, wo ich durchaus Gas geben muss, bemerke ich erstmals einen blöden Mini-Hügel etwa in der Mitte des Rückwegs zum geplanten Wendepunkt. Er macht sich deutlicher als sonst bemerkbar und fordert mir verhältnismäßig mehr Kraft ab. Aber auf der anderen Seite gehts wieder ein wenig hinunter. Ich laufe nicht ganz bis zum Auto zurück, weil dort weitere solcher Stellen lauern, sondern wende ein Stück vorher, bei einer Schreinerei. Also wieder über den kleinen Hügel, der sich in dieser Richtung etwas besser läuft, wieder bis zur Eisbahn. Langsam muss ich mich anstrengen. Mir kommt ein junger Mann, flott unterwegs, entgegen. Er läuft schnell und kraftvoll - kein Wunder, auf seiner Brust prangt "Kraftwerk". Wie hier üblich, wenn man einem anderen Menschen begegnet, ruft er mir einen Gruß zu und ich grüße zurück.
Ein weiteres Mal kämpfe ich mich über den Hügel. Mir scheint fast, der ist inzwischen gewachsen...
Die Uhr zeigt inzwischen knapp 7 gelaufene km an. Ich habe zu kämpfen. Hier wäre das Adrenalin, das eine echte Wettkampfsituation mit sich brächte, hilfreich. Ich beschließe, nicht nochmals zur Eisbahn zu laufen, sondern weiter vor mir einen anderen schmalen Asphaltweg zu nutzen, der auch halbwegs eben verläuft.
Ab km 9 habe ich das Gefühl, der Mann mit dem Hammer habe mich hier heimgesucht. Das Seitenstechen ist zwar weitgehend weg, aber wohlfühlen ist anders. Die Beine laufen sich gut, doch ich habe das Gefühl, der Sprit ist alle. Unlustig ziehe ich den Lauf bis zum Ende durch, unterbiete die Vorgabe um eine Minute.

Bis zum Auto sind es einige wenige Gehminuten.
Ich habe es auf einem großzügig angelegten, und sogar kostenfreien Parkplatz beim Loipenbeginn abgestellt. Als ich ankam, eine "lustige" Begebenheit: Der ganze Platz ist leer, nur ein älterer Mann kommt in meine Richtung spaziert, während ich mich startklar mache. Mustert das Auto und besonders das deutsche Nummernschild. Mustert mich griesgrämig von Kopf bis Fuß und zurück. Geht mit erhobenem Haupt schnurstracks an mir grußlos vorbei. Wie weiter oben geschrieben, hier grüßt jeder jeden. Ich wette mit mir, wie der Herr wahrscheinlich kürzlich zum Thema Einwanderung abgestimmt hat... Dabei habe ich selbiges gar nicht vor.
Doch es gibt genauso andere Begegnungen:
Als ich loslief, rief mir ein Bauer einen Gruß zu und ob ich mich warmlaufen wolle, bei dem schönen Wetter? Ich antwortete -unverkennbar hochdeutsch- ja, dass ich dann aber auch noch schnelleres vorhabe. Er wünscht mir freundlich viel Spaß und einen schönen Tag. Ich ihm auch.
Geht also auch so.


Zu Hause angekommen, fängt meine Nase plötzlich ohne Vorwarnung wie auf Knopfdruck an zu laufen, die Augen tränen. Ich kann gar nicht so viele Papiertaschentücher öffnen, wie ich brauche. Hoffentlich ist der Spuk morgen vorüber...

Inzwischen ist der blaue Himmel hinter dicken grauen Wolkenpaketen verschwunden, gelegentlich fällt wieder etwas Bindfadenregen. Umso schöner, dass das Laufwetter heute Mittag so freundlich war.

6 Grad, 10 km, 55:55, (5:36 Min/km), Puls 152 (zzgl. 10 Min einlaufen)



10 Kommentare:

  1. Hallo Elke
    Danke für die schönen Winterbilder! Nach so viel Olympia-Berieselung würde ich mich am liebsten auf die Langlaufskier stellen und auf der noch knapp existierenden Loipe eine Runde drehen!
    Gratulation zum geglückten 10 km-Testlauf mit dem Schnapszahl-Resultat. Prima trotz "Buckel-Strecke" hast du deine Vorgabe erfüllt! Keine Selbstverständlichkeit, wenn man mutterseelenalleine um Sekunden ringt! Und noch dazu auf ungewohnter Höhe!
    Ich wünsche dir, dass deine Nase nur kurzfristig wegen des schnellen Laufes läuft - quasi als Reaktion auf das Durchpusten der hintersten Winkel des Atmungssystems ;-)
    Geniess die Zeit in der CH
    Liebe Grüsse
    Marianne

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    1. Hallo Marianne,
      ja auch heute strahlt die Sonne wieder vom blauen Himmel, traumhaft! Leider quält mich die Nase sehr, ist wohl doch eine Erkältung :-(
      Liebe Grüße
      Elke

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    2. In diesem Fall schnelle, gute Besserung!

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  2. Testlauf mit gutem Ergebnis. Ja, in solchen Situationen werden Hügel zu Bergen... I remember.

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    1. Lach - ja, da bestimmt doch glatt das gelaufene Tempo über die Höhe der Hügel ... ;-)
      Liebe Grüße
      Elke

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  3. Da ist ja wirklich Winter!!! :-)

    Super, dass du "allein gegen die Uhr" trotz aller Widrigkeiten die Zeitvorgabe geschafft hast. Ich hätte iegentlich nach deinen Trainingszeiten gedacht, dass dir das leichter fällt. Aber nicht jeder Tag ist Laufsonntag. Ich hoffe sehr, die laufende Nase hat nichts mit Erkältung zu tun und du bist schon heute wieder fit.

    Liebe Grüße,
    Anne

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    1. Hallo Anne,
      ja, hier bekommt man noch eine "Ahnung", wie Winter ist :-)
      Ich hätte auch gedacht, dass die 10 km leichter fielen, aber ich scheine eine Erkältung eingefangen zu haben, und das gestern waren die Vorboten :-(. Bin froh, dass ich heute frei habe.
      Liebe Grüße
      Elke

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  4. Das mit den Seitenstechen kommt mir irgendwie bekannt vor.
    Ich hätte gewettet, dass die Nase wieder gut ist. Huste mich nach einem Tempolauf nämlich immer zu Tode. Hab ich wohl verloren.
    Gute Besserung!

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    1. Mit Seitenstechen habe ich Gottseidank eher selten zu tun, Husten nach Tempolauf noch nie. Ich vermutete die so plötzlich laufende Nase hätte eher etwas mit Pollen zu tun. Geht aber schon wieder besser.
      Liebe Grüße
      Elke

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