Laufend lesen

Dienstag, 22. April 2014

Ostern im Digit-Tal

Es war einmal....
vor langer, langer Zeit ein Land, in dem vieles anders war. Dieses Land ist längst nicht mehr. Aber ich erinnere mich, dass es dort, so etwa rund um Dresden das sogenannte "Tal der Ahnungslosen" gab. Dort konnte man kein Westfernsehen empfangen (Für Mitlesende unter 25-30 Jahren: Westfernsehen waren ARD und ZDF, die anderen werkelten noch in Garagen als Start-ups), sondern nur das staatliche "Fernsehen der DDR" was einen erheblichen Informationsverlust bedeutete.
Wir waren zwar nicht in der heute bestens versorgten sächsischen Landeshauptstadt, sondern nur in unserer Ferienwohnung am Fuße des Berner Oberlandes. Doch anscheinend erlebt das "Tal-Phänomen" eine Renaissance genau dort, indem nämlich die Versorgung mit Internet so gar nicht funktionierte während unseres Osterwochenendes. Da merkt man dann, wie sehr doch die digitale Welt schon Teil unserer realen Welt geworden ist. Jedenfalls fühlten wir uns recht ... informationsamputiert.

Aber wenigstens haben wir ja schöne Aussicht,
außer z.B. am Karsamstag, als der gegenüberliegende Hang morgens Zuckerguss hatte.

So bestand dann wenigstens die Gelegenheit, ausführlicher in einem sehr interessanten kleinen Büchlein zu schmökern: "Die Kunst des Gehens -Schritt für Schritt zu gesunden Füßen" von Thomas Rogall. Nicht dass ich die zweibeinige Fortbewegung nicht seit über 5 Jahrzehnten ganz gut beherrsche. Doch ist es nun einmal leider so, dass sich in der Jugend erlaufene Defizite erst in späteren Jahren zeigen. Dazu bietet das Buch sehr gute Informationen und Anregungen. Und daher nehme ich mir einige Gang-Optimierungen zu Herzen. Zum Beispiel gleich am Ostersonntag, als ich bei schönstem Frühlingswetter zu einem ersten Läuflein nach dem Marathon aufbreche.



Welch ein Wetterunterschied zum Vortag! Die Natur hier oben ist noch nicht so weit, wie daheim, und ich laufe quasi in einen zweiten Frühling hinein.
Die prächtigen Wiesen und der blaue Himmel geben einen wunderbaren Kontrast.



Ich laufe einfach vor mich in, wie mir gerade ist. Ein sehr ungewohntes Gefühl, nach den 10 Wochen im strikten Marathontrainingsplan. Hinzu kommt, dass ich meinen Laufsensor vergessen habe und daher Strecke und Tempo nicht ermitteln kann (ich laufe ja nicht mit GPS), aber egal, völlig egal!











Während ich den Duft der Pflanzen und der Wiesen genieße und das Kuhglockenbimmeln zusätzlich zur Entspannung beiträgt, konzentriere ich mich darauf, besonders den linken Fuß mehr gerade in Laufrichtung aufzusetzen, statt leicht seitlich verdreht. Dies scheint ein Manko bei meiner langjährigen Fortbewegung per Pedes zu sein und langsam in ein Hallux-valgus-Problem zu münden, was ich aber nicht ohne weiteres hinzunehmen bereit bin.
Wie nicht anders zu erwarten, ist das anstrengend, weil vom Gefühl her völlig "daneben", aber ich nehme mir vor, sowohl laufend als auch gehend an dieser "Baustelle" ab sofort zu arbeiten.


Ich kann mich nicht sattsehen an der schönen Landschaft, die immer wieder neue Perspektiven und Panoramen bietet.

Als ich einmal unsere Vermieter fragte, ob sie denn diese wunderschöne Aussicht noch bewusst genießen, erntete ich etwas ratlose Blicke. Anscheinend kann man sich  selbst an die schönste Bergaussicht gewöhnen.
Ich hoffe, bei mir ist der Zeitpunkt noch weit weg!






Gegen Ende des Laufs komme ich wie so oft an einem Gehöft vorbei, an dessen Schuppen eine besondere Liebesbotschaft verewigt wurde. Ist das nicht schööööön?:


Leider endete das strahlende Wetter dann auch schon am Sonntag Abend und der Montag bot Regen :-(
Da fällt dann wenigstens die Heimreise nicht allzu schwer. Und zu Hause ist wieder Internet.

Nach dem "Bummel-Lauf" vom Sonntag war es mir heute nach einer eher flotten Runde, die ich dann auch bei warmen 18 Grad laufen konnte.

Sonntag: 57 Min., Puls 134, ca. 8 km
Dienstag: 5,9 km, 36:20 Min (6:11 Min/km), Puls 140 

15 Kommentare:

  1. Ich könnt mich nie an den Ausblick gewöhnen. Wunderbar. Die Botschaft auch - sehr schön. :-)

    Hab mal ne Frage zu dem Buch - gibt es auch einen Bereich, in dem das sehr starke Auftreten über den Fersenbereich angesprochen wird? Ich bin eine kleine, für mein Alter recht zierliche Person. Aber wenn ich irgendwo lang gehe, dann bebt die Erde und zwar deshalb, weil ich extrem stark mit den Fersen beim Gehen "aufschlage". Ich hab keine Idee, wie ich das vermeiden soll... falls es etwas darin gibt, dann könnte das Buch in meinen Einkaufskorb wandern.

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    1. Huch, dann hast Du aber einen speziellen Gang... Also in dem Geh-Kunst-Buch wird eher im Positiven geschildert, wie man richtig gehen sollte, wie man die Statik des Körpers beim Gehen aufbauen sollte, wie den Schwung. In einem Kapitel am Ende werden die wichtigsten orthopädischen Diagnosen kurz erläutert, und worauf man dann achten soll bzw. welche Übungen gut sind. Aber das ist eben nur ein kleiner Teil. Ferse taucht nicht speziell auf.
      Evtl. hilft dir besser: "Gut zu Fuß ein Leben lang" von Dr.med. Christian Larsen, Taschenbuch, 288 Seiten, 8,99 €. Da wird intensiver von der Symptomseite geschaut und viel mehr Übungen sind enthalten. Ferse taucht auf, aber ob das genau Dein Problem trifft -ich bin keine Medizinerin- evtl. kommt bei Dir die Ferse mit noch weiteren Fußproblemen zusammen...?
      Ich hoffe, Du findest eine Erläuterung und kannst etwas ändern.
      Liebe Grüße
      Elke

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    2. Das Buch "Gut zu Fuß...." hatte ich mal leihweise. Aber vielleicht durchstöbere ich das noch mal speziell auf meine Thematik. Danke für die Info, dann kann ich das Buch wohl erstmal links liegen lassen. Wär ja total schön, wenn nicht jeder sofort extrem laut hört, wenn ich im Anmarsch bin. :-)

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  2. Welch ein wunderschöner Bergfrühlings-Bilderbogen! Danke, liebe Elke!

    Im Tal der Ahnungslosen und von der digitalen Welt abgeschnitten zu sein - ungewohnt, aber manchmal wünsch ich mir das auch. Hat ja auch was Befreiendes, wenn man nicht kann, ob wohl man will und zu müssen glaubt - und irgendwann merkt, dass man doch nicht muss. "Kalter Entzug" sozusagen! ;-)

    Wie auch immer: Ich freu mich, dass du zurück bist in der virtuellen Welt - sonst hätte ich ja die tollen Fotos nie zu sehen bekommen! :-)

    Liebe Grüße,
    Anne

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    1. Liebe Anne,
      danke für das Lob, da werde ich ja fast rot... ;-)
      Ja, wieder zurück in der echten Welt und beim Laufen!
      Liebe Grüße
      Elke

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  3. So eine Abstinenz kann auch mal etwas erhellendes und wirksames haben, vor allem wenn sie nur von kurzer Dauer ist :)
    Aber echt schön zu sehen und lesen wie die Natur sich auch dort entwickelt und Stück für Stück sich die Jahresuhr weiterdreht.

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    1. Ja wenn dann wenigstens das Wetter insgesamt etwas besser gewesen wäre, dann hätte man den Verlust der Virtualität fast kaum bemerkt....
      Liebe Grüße
      Elke

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  4. Um Deine regelmäßigen Reisen in die Schweiz beneide ich Dich. Speziell wenn das grandiose Panorama noch in die schönsten Frühlingsfarben gekleidet ist.

    Ich bin ja gespannt, ob Du Dich nach fünf Jahrzehnten noch umerziehen kannst. Ich habe das lange Zeit mit dem aufrechten Gang, also ich meine jetzt mit geradem Rücken, versucht. Da im Alltag die Achtsamkeit darauf immer schnell wieder abgelenkt ist, ist es mir leider nicht auf Dauer gelungen :-(

    Eine internetfreie Zeit würde für mich sicher in den ersten Tagen mit Entzugserscheinungen einhergehen. Aber manchmal wünsche ich sie mir auch für ein paar Tage.

    Liebe Grüße und willkommen zurück in der kommunikativen Zivilisation ;-)
    Volker

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    1. Lieber Volker,
      ja, selbst wenn man am Abend nach 5 Stunden Fahrt ankommt und sich denkt "Man, wozu der Aufwand" - am nächsten Morgen, wenn man dann rausschaut und die frische Luft einatmet ist die Antwort klar! :-)
      Im Moment gelingt es mir ganz gut, auf die Fußstellung zu achten. Man muss sich manchmal eben solche Herausforderungen auferlegen, sonst ändert sich ja nix.
      Liebe Grüße
      Elke

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  5. Hallo Elke

    Es ist wirklich erstaunlich, wie sehr man sich an das ständige Vernetzt-Sein gewöhnt. Nach deiner beinahe "Live-Reportage" aus Wien, machte ich mir schon Gedanken, ob der Funkstille aus Fahrni. Aber ihr seid weder dauerhaft im Oster Stau stecken geblieben, noch hat euch eine Nach-Marathon-Erkältung vom Laufen abgehalten...

    Schöne Frühlings-Bilder hast du mitgebracht aus dem "Funkschatten" - Die ganze mögliche April-Wetter-Palette! Lustig, dass das selbe Horn (Stockhorn) am selben Tag unsere Blog-Berichte untermalt ;-)

    Ohne Netz und Geschwindigkeitsmesser habt ihr ja ein richtiges "Zurück zur Natur" Wochenende erlebt. Und mit dem Fuss-Buch bist du daran die Kunst des Laufens noch einmal neu zu lernen. Ich bin gespannt mehr darüber zu erfahren. Was sagt Rogall zum Schuhwerk (was die Laufschuhe anbelangt, geht der Trend ja schon wieder zurück von Minimal zu besser gestützt...). Und zieht er auch die Muskelketten nach oben mit ein? Vielfach dreht ein Fuss deutlicher nach aussen, wenn Spannung im Becken (Piriformis / kleine Gesässmusklen) vorliegt.
    Dranbleiben lohnt sich. Wenn du dir unterwegs immer wieder von innen heraus beim Laufen zuschaust, und ein Bild vor dir hast, wie du laufen möchtest, so wird sich langsam aber stetig etwas verändern! Viel Erfolg!

    Liebe Grüsse
    Marianne

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    1. Hallo Marianne,
      ja, das Netz ist schon ein ziemlich fester Bestandteil im Leben geworden... Aber da wir in CH-Land kein Festnetz, sondern nur mobiles haben, ist es leider nicht ganz so zuverlässig.
      Rogall schreibt für normale Geher und nicht speziell für Läufer. Speziell zu Schuhen ist nichts drin, aber eben vieles, was man vom Gehen auch auf das Laufen übertragen kann. Der Ansatz ist ganzheitlich über den ganzen Körper und bezieht auch die Spiraldynamik mit ein. Mir hat es viele sinnvolle Erläuterungen gegeben. Ja, man muss immer wieder auf sich selber achten und sich bzw. sein Laufen/Gehen beobachten.
      Liebe Grüße
      Elke

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  6. Liebe Elke,
    eine Woche "offline" genieße ich auch immer wieder mal ganz bewußt. Noch leichter, wenn es einfach nicht funktioniert! ;D
    Dass man sich an diese Auslicke gewöhnen kann, glaub ich schon, man weiß zwar, sie sind da, man weiß sie sind atemberaubend, aber man nimmt sie einfach nicht mehr so bewußt wahr.

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    1. Liebe Doris,
      da Du ja auch in schöner Natur lebst, kannst Du es wahrscheinlich am ehesten nachempfinden, dass man sich selbst daran gewöhnen kann. Für uns Menschen aus einem Ballungsgebiet ist der Effekt Gottseidank noch nicht verloren gegangen und ich nehme die schöne Aussicht immer noch bewusst auf.
      Liebe Grüße
      Elke

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  7. Ich stecke noch im Harzer Internetloch. Doch die Natur entschädigt mich.
    Wirst du jetzt Ballengängerin?

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    1. Lach - gibts da noch so ein Tal...? Nein, Ballengängerin werde ich sicher nicht.
      Noch viel Spaß im Harz!
      Liebe Grüße
      Elke

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