Laufend lesen

Donnerstag, 24. März 2016

Von Daniel, Speedy und Emil

Sieht doch gut aus, oder?
Vor allem die untere Hälfte des Displays.
2:06 min/km!
Gern würde ich ja sagen: Jawoll, da ist ein Knoten aufgegangen und ich raste plötzlich mit fliegenden Beinen dahin wie Daniel Düsentrieb auf Crack oder Speedy Gonzales, die schnellste Maus von Mexiko.
War aber wohl doch eher ein liebgemeinter, wenn auch durchschaubarer Versuch der Polar, mich läuferisch zu motivieren.

Die Erklärung ist simpel: Manchmal stimmt die Messung zu den ersten Metern am Laufbeginn einfach nicht. Meist betrifft das aber nur einen exotisch hohen Puls, gerne mal über 200. Heute erscheint zur Abwechslung dieses Bombenspitzentempo auf der Anzeige.
Welche munteren Rechenspielchen ergäben sich da: 10 km in 21 Minuten zum Beispiel! Oder ein Halbmarathon in unter 45 Minuten...
Wo bitte gehts zur Weltspitze?!

Aber naja, ich werde mich mit meinem Brot-und-Butter-Tempo weiter begnügen. Nachdem ich Dienstag aussetzen musste (leichter Drehschwindel) und Mittwoch keine Zeit war, dann heute wieder ein gemütliches Lauf-Stündchen. Anfangs fühlte es sich etwas steif an, doch dann rollte es. 4 mal um einen Acker. Nichts Besonderes zu berichten, daher an dieser Stelle noch ein kleiner Lesetipp, der unbedingt hierher gehört:

Jean Echenoz: Laufen.
Kein Buch über Lauftechnik, Training, Läufe oder Ähnliches. Ein stilles, unaufgeregtes Buch über Emil Zatopek und sein Läuferleben. Woher er kommt, wie seine Karriere verlief und ein Stück weit, wie es ihm danach erging.
Das Interessante ist der Blick wie durch ein Fenster in eine andere Läuferzeit.
In die Zeit kurz nach dem 2. Weltkrieg, wo mit einfacher Ausrüstung und einfachen Trainingsmethoden, ohne High Tech trainiert wurde.
Und auch in eine Zeit, in der eine Sportkarriere dadurch maßgeblich beeinflusst wurde, ob man vor oder hinter dem Eisernen Vorhang zu Hause war. In Zatopeks Fall so weit, dass er im späteren Leben gar zur Müllentsorgung strafversetzt wurde.
Die Schilderung Emil Zatopeks Leben und seine Läuferkarriere vor dem Hintergrund der damaligen Verhältnisse in der CSSR machen den Reiz und die Spannung des Buches aus.
Ganz ohne Trainingseinblicke bleibt man dann doch nicht. Auch zu Zatopeks Zeit gab es bereits Intervalltraining, Fahrtspiel, etc. und die Ansicht, während des Trainings gezielte Anreize zu setzen, ansonsten aber die Kräfte zu schonen für den Wettkampf. Doch seine persönliche Philosophie lautete:
"Emil denkt das Gegenteil, man müsse so hart trainieren wie irgend möglich, sich allerlei mühsamen Übungen unterziehen, damit das Rennen selbst dann leichter fällt. ... Wenn er müde wird, wenn er die geringste Gefahr bemerkt, langsamer zu werden, bemüht er sich spornstreichs um ein höheres Tempo. ... Diese Art des Trainings erlaubt ihm, seine Gegner durch eine Vielzahl von eingeschobenen Sprints zu zermürben und dabei noch genug Kraft für das stets extrem brutale Finale zu behalten." (S.64)

Wunderbare 126 Seiten, die sich locker an einem verregneten Nachmittag lesen.
Ich erhielt das Buch von einem lieben Kollegen (und in früheren Zeiten ambitionierter Läufer über 10.000m) geschenkt, der nun in den Ruhestand ging. Ohne dass er bei der Auswahl des Buches wusste, dass ich in 45 Tagen über genau die Brücke in Prag laufen will, die auf dem Einband des Buches gezeigt wird.
Ich nehme das mal als gutes Omen :-)

8 Grad, 10,1 km, 1:04:14, (6:22 Min/km), HF 140

15 Kommentare:

  1. Liebe Elke,

    "das stets extrem brutale Finale" ach herr je, ich bevorzuge doch eine entspanntere Art des Laufens ;-))

    Von meinem alten Garmin-Brotkasten kannte ich solche Fabelwerte auch. Der neue Garmin hält sich bislang mit solchen Knallern noch zurück :-)

    Ich hoffe der Drehschwindel war eine einmalige Angelegenheit, jetzt wo es gerade bei Dir wieder so gut läuft!

    Frohe Ostern und liebe Grüße
    Volker

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    1. Lieber Volker,
      da dies auch nicht meine Art des Trainings ist, werde ich auch nie solche Erfolge erzielen...
      Ist schon lustig, wie die Technik sich manchmal selbst überlistet. Man muss halt den eigenen Kopf immer noch benutzen.
      Der Schwindel war nur ein Intermezzo, hab ich ganz selten gelegentlich mal, vielleicht der Luftdruck, Wetterwechsel, who knows.
      Euch auch schöne Ostern!
      Liebe Grüße
      Elke

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  2. Liebe Elke,
    ach sei doch so gut und vergiss uns nicht ganz, wenn du im Olymp der Laufgötter einen Rekord nach dem anderen pulverisierst! :D
    Das Buch habe ich auch verschlungen - muss schon zwei, drei Jahre her sein. Hat mich auch sehr beeindruckt!

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    1. Liebe Doris,
      wäre auch ein nettes Gedankenspiel, wie in einem guten Buch, das ich neulich las: Was wäre eigentlich, wenn die Dinge anders verlaufen als sonst? Also eine Komponente im Ablauf mal so oder mal so aussähe...?
      Den Echenoz werde ich sicher nochmal lesen, ich fand es auch gut geschrieben.
      Liebe Grüße und frohe Ostern!
      Elke

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  3. Liebe Elke,

    vielen Dank für den Lesetipp - da hab ich jetzt was auf der Urlaubs-To-Read-Liste! :-)

    Liebe Grüße und weiterhin viel Spaß beim Nacheifern der Lauf"götter"!
    Anne

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    1. Liebe Anne,
      das Buch könnte Dir auch gefallen.
      Ich denke, mein laufen wird weiter eher bodenständig bleiben, als in göttlichen Gefilde aufsteigen ;-)
      Liebe Grüße
      und frohe Ostern!
      Elke

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  4. Liebe Elke,

    Einfach auf der Brücke in Prag auf Flugbetrieb umstellen (sowie der Emil) und dann klappt das schon mit 2:06! In den seltenen Fällen, dass meine Uhr solche Werte anzeigte, sah der Track auch wie Flugbetrieb aus hinterher!

    Herzlichen Gruß

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    1. Liebe Roni,
      stimmt, das wäre eine Möglichkeit. Und im Einkaufskorb nehme ich dann meine Verpflegung mit...
      Liebe Grüße
      Elke

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  5. NEIN! Auf der Brücke bitte NICHT fliegen! Du musst dir unbedingt die Zeit nehmen, den Hund zu streicheln! Kannst dir ja wünschen, dass es mit der Wunschzielzeit klappt. Dann ersetzt der Hund die Flügel. Wenn's stimmt ;)

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  6. Liebe Lizzy,
    danke für den Tipp! Die Sache mit dem Hund kannte ich noch nicht. Versuch kann nicht schaden :-) Dann kann ich auch sagen, ob's Stimmt!
    Liebe Grüße
    Elke

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  7. Mich bremisch beeindruckt neben deinem flotten Lauf am meisten das verlassene Dorf. Für mich eine ganz gruselige Angelegenheit. Zumal sich bei uns im Odenwald massiv Gegner von Windrädern zusammenrotten. Die sollten sich vielleicht mal Manheim anschauen und ein wenig nachdenken wenn sie von "Verschandelung der Natur" reden.
    Gruß Gerd

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    1. Mich bremisch....?
      Mich beeindruckt.... 😏

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    2. Lieber Gerd,
      willkommen hier im Blog und danke für Deinen Kommentar:-)
      Windräder sind zwar auch optisch nicht berauschend, aber aus ökologischen Gründen deutlich vorzuziehen. Das verschwindende Dorf ist noch das "geringere Übel", schlimmer ist der riesige Tagebau selber und die Landschaft, die ihm zum Opfer fällt sowie die negativen Verstromungseffekte der Kohle, zB hier gepostet:
      http://18071960.blogspot.de/2015/07/faszinierend-gruselig.html
      http://18071960.blogspot.de/2014/03/von-strandstuhlen-regenreglern-und.html
      und weitere unter dem Tag "Rheinisches Braunkohlerevier"
      Dann lieber ein paar Windräder (die hier auch stehen) oder Solar auf dem Dach.
      (PS: Ich hatte schon mal gelegentlich bei Dir kommentiert, kam aber wohl technisch nie durch).
      Liebe Grüße
      Elke

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  8. Ich muss dringend das Buch lesen. Schade, hätte ich mal vor runnover tun sollen. Danke für den Tipp.

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    1. Hallo Birki,
      ist wirklich lesenswert!
      Liebe Grüße
      Elke

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