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Montag, 5. Oktober 2026

Köln Marathon als Volunteer (2026)

Zum dritten Mal war ich in Köln beim Marathon im Einsatz. Diesmal nur rd. 500 m vor dem Ziel, auf der Hohe Straße, einer Kölner Einkaufsstraße.

Also endete die Nacht kurz nach 5 Uhr, damit ich rechtzeitig zum Treffpunkt einfinden konnte.

So komme ich in den Genuss einer noch fast völlig ruhigen Innenstadt. Nur im Zielbereich herrscht emsiges Werken. Der Dom leuchtet fast magisch von innen, die Hohe Straße ist menschenleer:


Fleißige Noch-früher-Aufsteher hatten in der Nacht noch viele Absperrungen, Zielbereich, etc. aufgebaut. Es steckt schon ein enormer Aufwand hinter einer solchen Veranstaltung. In Köln erwartet man 41.000 Läuferinnen und Läufer für Marathon und Halbmarathon, das erforderte auch im Vorfeld einen horrenden Planungsaufwand. So wird beispielsweise jede Straßensperrung durchgeplant. Hier mein Einsatzbereich: 

Die Läufer haben später an dieser Stelle folgende Perspektive:

So kurz vorm Ziel sind viele im bekannten "Tunnel", doch bei einige sehe ich beim Anblick der Domspitzen durchaus ein kurzes Leuchten in den Augen aufflackern.

Doch bis es soweit ist, müssen wir uns warm halten. Es ist schattig zwischen den Häusern. Wir sind ein nettes Quartett an dieser Sperrung und werden später dafür sorgen, dass alle Fußgänger wohlbehalten durch das Läuferfeld gelangen, wenn sie die Straße queren wollen. Zudem erwarten auch einzelne Autofahrer, dass wir Ihnen den Weg freigeben, was selbstredend nicht möglich ist. Die allermeisten Passanten sind kooperativ und verständnisvoll. Eine junge Frau erinnert mich allerdingsspontan an Anke Engelke in einer ihrer Paraderollen. "Ich muss hier aba duach, ich muss zum Spoat. Der Marathon ist mir sch...eigal!". Nun ja.

Der Tag ist in jeder Hinsicht von der Sonne beschienen. Sowohl vom Himmel her, als auch auf der Strecke. Außerdem darf ich den ganzen Halbmarathon und die Spitze der Volldistanz live erleben.

Zuerst kommt der Führende des Halbmarathons. Richard Ringer siegt mit 1:01:48:


Esther Pfeiffer, die noch in Berlin beim Marathon aussteigen musste, gewinnt  mit Unterstützung ihres Mannes in 1:07:23:


Im Marathon stellt Bernard Kiprop Koech mit 2:06:09 einen neuen Streckenrekord auf: 


Die Siegerin der Damen, Jackline Chepnengo, die ich leider verpasse, verbessert den Streckenrekord der Damen auf 2:21:33.

Die Bilder zeigen, mein Standort war optimal. Selten war ich so nah an den Läuferinnen und Läufern. Ab 9:30 Uhr bis Ende meiner Schicht um 13 Uhr strömen die Scharen an uns vorbei. Anfangs hatte ich etwas die Befürchtung, dass dieser Streckenteil zeitweise zu eng sein könnte für das Feld. Aber die Erfahrung der Veranstalter zeigte, dass die Breite der Strecke ausreicht. Nur sollte man schon  vorher seine Sprints ausgepokert haben, denn Überholungen hier waren nur noch mit Zickzack möglich.

In einem anderen Punkt bestätigte meine Einschätzung. Laufen die Teilnehmer noch ca. 2 km vorher am Neumarkt an einem Hotspot vorbei, so ist diese Vorphase zum Zielbereich eher nicht mit großem Zuschauermengen gesegnet. Nur sporadisch gibt es Anfeuerungen, ansonsten Ruhe. Also habe ich mein Krachmacherwerkzeug dabei, eine Art Holzklapper, deren Griff man in der Luft im Kreis schwenkt, die über ein Zahnrad dann mittels Holzzungen gut Lärm ertönen lässt. Die ganz schnellen nehmen das vielleicht am Rande wahr, aber je später die Läufer, umso öfter ein Grinsen, ein Daumen-hoch oder andere freundliche Reaktionen.
Bei vielen sprechen die Gesichter wahre Bände: Qualen, sich überwinden, in sich versunken sein, mit sich um die letzten Meter ringen. Aber bei vielen sehe ich auch eine innere Zufriedenheit oder Genugtuung, das Ding hier zu finishen. Manche Mundwinkel schieben sich nach oben, im Wissen, nur noch eine Kurve nehmen zu müssen, stille Vorfreude.
Vor allem bei den Hinteren des Halbmarathons geben wir Volunteers uns extra Mühe mit Anfeuerungen. Für die, die sich sichtlich quälen, die gehen (müssen), die sich mit Krämpfen plagen, mit Erschöpfung ringen. Ach wie leidet man da mit... In meinen Augen verdienen sie ebenfalls großen Respekt, dass sie nicht aufgeben und sich abrackern bis ins Ziel. Sie haben sich das Finish alle verdient!

Kleine Beobachtung am Rande, ein Schild, das meine Aufmerksamkeit erregte:


Gehört da nicht Dativ hin...?
Tja, und dann mache ich mich um 13 Uhr auf den überschatteten Heimweg. Wir wollen noch am Nachmittag Richtung Schweiz fahren. Ich hatte mir noch rasch einen Berliner gekauft und befasse mich wohl zu intensiv im Gehen mit dem Gebäckstück. Jedenfalls gerate ich ins Stolpern und es haut mich zu Boden.
Auf der Domplatte, direkt vor dem Westportal des Doms, zwischen Touristen und Läufervolk.
Soll das ein himmlisches Zeichen sein?
Wie doof! 😟😡

Der Berliner kullert weg und sofort finden Tauben Gefallen daran. Umgehend bieten hilfreiche Menschen Hilfe an. Schnell komme ich wieder auf die Beine, merke aber auch, dass ich mein Knie zum zweiten Mal aufgeschlagen habe, denn am Vortag hatte ich auch schon bei meiner Laufrunde ungewollten Bodenkontakt. Mit dieser "Trefferquote" sollte ich unbedingt mal Lotto spielen... Außerdem kriegt diesmal der Hüftknochen noch was mit und die linken Rippen melden sich auch.

Tja, so wird der Kölner Marathon 2026 einen besonderen Erinnerungswert haben. Die Urlaubswoche dürfte ein wenig leiden.