Laufend lesen

Freitag, 21. Oktober 2016

Herbstgrau

Der Herbst hat uns diese Woche im Griff und zeigt statt strahlendem bunten Laub nur grau getünchte Landschaft. Teils gibt es solches Schmuddelwetter, dass unser Kater spontan beschließt, das Haus nicht mehr zu verlassen und sein Geschäft im für Notfälle bereitstehenden Katzenklo zu verrichten.
Als wahrer Bonvivant hat er eben so seine Prinzipien.
Ich gebe zu, ich habe mich auch ein wenig von ihm anstecken lassen. Nein, nicht mit dem Katzenklo, aber mit dem drinnen bleiben.
Nach einem kürzeren Lauf am Dienstag heute knappe 85 Minuten in einem bewusst langsamen Tempo.

Ich wähle eine Wegesvariante zunächst über die lärmende Autobahn und dahinter hinein in den Wald.
Trotz des Regens der letzten Tage ist der Weg gut zu laufen. Die Luft ist herrlich. Das Laub raschelt unter den Füßen, Kiesel knirschen.

Der Lärm der A4 hinter mir wird langsam leiser, doch in gleichem Maße wird es von vorn lauter. Hinzu kommt typischer "Duft" von Zweitaktverbrennungsmotoren.

Am anderen Waldende liegt die Kartbahn, auf der die Schumacher-Brüder ihre Formel 1-Karrieren vorbereiteten. Und auch heute sind temperaturunempfindliche Fahrer dort mit ihren Rennkarts unterwegs. Vor vielen Jahren hatte ich einmal die Gelegenheit, in einem solchen Flitzer einige Runden zu drehen. Das ist ein deutlicher Unterschied zu üblichen Leihkarts, etwa wie Straßen-PKW zu richtigem Rennwagen.
Aber heute renne ich da lieber auf eigenem FahrLaufwerk. Und das läuft auch gut, und sogar völlig umweltfreundlich :-)

Bis auf zwei andere Jogger bin ich allein und kann meinen Gedanken nachhängen.

Mir fielen emsige Bauaktivitäten mit großem Gerät am Haus gegenüber auf. Was der Nachbar da wohl machen lässt? Ich habe ihn schon länger nicht mehr gesehen. Zuletzt vor Monaten, im Supermarkt. Er hatte Sauerstoffzuführungen zur Nase und ging sehr langsam. Schon länger kam immer wieder ein Lieferwagen und brachte ihm Sauerstoffflaschen.
In den Containern vor dem Haus landet Bauschutt, aber auch Möbel. Ich habe einen Verdacht, suche im Internet. Im Sommer ist er gestorben, mit 71. Engeren Kontakt hatte ich nicht, aber wenn man sich sah, gab es immer einen netten Plausch auf der Straße oder über den Gartenzaun. So weiß ich, dass er Sohn einer Holländerin und eines deutschen Wehrmachtssoldaten war, was zu schweren Jahren der Kindheit und Jugend führte. Den Vater hat er nie kennengelernt. Baute sich in Deutschland eine Baufirma auf. Mehrere Kinder, darunter einen vor rd. 20 Jahren adoptierten afrikanischen Flüchtlingsjungen. Firmenstress und Familienprobleme. Lunge und Leber wurden ziemlich strapaziert. In seiner Freizeit schrieb er, Märchen und Erzählungen. Irgendwann wollte er damit ein Buch veröffentlichen.

Man sollte nicht alles auf die lange Bank schieben.

Freuen wir uns am Hier und Jetzt und über jeden guten Tag.

Dienstag:
14°, 6,1 km, 39:18 (6:23 Min/km), HF 132

Heute:
8°, 13,1 km, 1:24:36 (6:27 Min/km), HF 131

6 Kommentare:

  1. Liebe Elke,
    hach, ich liebe diese grauen Herbsttage. Wenn man sich mal von der Couch (und dem Katzenklo) getrennt hat, ist es draußen umso schöner! Die Blätter leuchten bunt im sonstigen grau und fast überall hat man seine Ruhe! :D
    Zu deinem Nachbarn. Schade, dass in seinem Leben noch einiges offen geblieben zu sein scheint. Aber immerhin hast du ihm hier eine schöne Erinnerung gesetzt. :)

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    1. Liebe Doris,
      ich liebe sie auch, hat so etwas Mystisches, Kontemplatives, Besinnliches. Und außerdem die optimale Betriebstemperatur für uns Läufer ;-) Un d immer schön, dann rein ins Warme zu kommen und ruhuigen Gewissens aufs Sofa zu hüpfen :-)
      Ja, an solchen Beispielen wie mit dem Nachbarn merke ich doch immer wieder, dass manches schneller zu Ende geht, als man meint. Ich werde ihn in guter Erinnerung behalten.
      Liebe Grüße
      Elke

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  2. Liebe Elke,

    also ich finde das Herbstlaub knallt erst so richtig bei grauem Himmel, da können die Farben so richtig leuchten :-)

    Wer Märchen und Erzählungen schreibt kann doch eigentlich kein schlechter Mensch sein, trotzdem hatte er familäre Probleme. Geht es eigentlich irgendwo ohne?

    Möge er seinen Frieden gefunden haben.

    Liebe Grüße
    Volker

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    1. Lieber Volker,
      also irgendwie fehlte das gestern dem Grau die Energie, um das bunte Laub zum Leuchten zu bringen. Aber diese Stimmung hat dennoch etwas.
      Mit dem Nachbarn kam ich gut aus, er war immer hilfsbereit. Als uns eine Katze vor 4 Jahren abhanden kam, hat er mit die Augen nach ihr offen gehalten und uns den Zutritt zu seinem Grundstück zur Suche zu jeder Tages- und Nachtzeit erlaubt. Aber ein weiteres Urteil möchte ich mir nicht erlauben, ich kenne die Hintergründe nicht. Tja, das Leben ins eines der schwierigsten...
      Liebe Grüße
      Elke.

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  3. Typisch Herbst... echt gut eingefangen in Deinen Bildern!
    Danke für's zeigen Elke!

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    1. Liebe Claudi,
      ja der Herbst gibt echt Gas!
      Gern und liebe Grüße
      Elke

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