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Sonntag, 17. März 2019

Syltlauf 2019 (33,333 km)

Der Syltlauf. Nach der Staffelteilnahme im letzten Jahr (Link) will ich mich dieses Jahr an die Volldistanz wagen.
Also 33,333 km durch Dünen, von Süd nach Nord.
Hatten wir 2018 einen Schneesturm, war natürlich die spannende Frage, wie wird es nun?



Noch am Vortag fällt der Strandspaziergang ins Wasser, es regnet sich ein und abends schüttet es aus Kübeln. Dazu stürmischer Wind.
Ähm, das hatten wir eigentlich anders bestellt...










Doch am heutigen Morgen behält der Wetterbericht recht, überwiegend blauer Himmel und Sonnenstrahlen.
Der Lauf beginnt mit einer Fahrt. Der Busfahrt zum Startpunkt, die für alle obligatorisch ist, da die Straße nach Hörnum wegen des Laufs gesperrt wird. Eine gute organisatorische Leistung, Busse für ca. 950 Läufer*innen bereitzustellen.
Nachdem im letzten Jahr der langjährige Organisator der Laufs plötzlich verstorben war, kam auf die nun Verantwortlichen wohl recht unvermittelt ein Riesenprojekt zu. Eine kleine Holprigkeit bemerkte ich Gottseidank rechtzeitig am Vortag. Bei der Startnummernabholung sollte und konnte man seine Chip-Nummer kontrollieren. Siehe da, bei mir stand da nicht nur ein Tippfehler, sondern eine völlige abwegige Kennung. Da man vor Ort aber alle Originalanmeldungen zur Hand hatte, stellte sich rasch heraus, dass da veranstalterseits gründlich etwas schief gelaufen war. Auch andere Chips waren wohl völlig falsch erfasst.

Doch das konnte behoben werden und so stehe ich dann doch in dieser Hinsicht sorglos am Start. Ein wenig Sorge macht mir allerdings meine Laufkleidung. Der Wind pustet dermaßen alle durch, dass ich arge Zweifel hege, ob mir hier nicht der Erfrierungstod bevorsteht.






Doch das tut er nicht, denn schon auf den ersten Metern merke ich, wie gut Bewegung aufwärmt.
Noch liegt das Feld der Volldistanzläufer*innen und der Staffeln (knappe 60 Staffeln sind dabei, in einer läuft erneut mein Mann mit) dicht beieinander. Der Radweg fasst noch nicht alle, und da ja die Straße gesperrt ist, darf sie noch belaufen werden. Doch nach wenigen Kilometern ist damit Schluss, der ÖPNV und der motorisierte Individualverkehr wollen wieder rollen.

So kommt es, dass mich hier mein Kleiderbeutel überholt. Hat man auch nicht alle Tage!
Die Busse, die uns zuvor chauffierten, transportieren nun die Lauftaschen zum Zielpunkt. Super-Service!
An der Stelle möchte ich einflechten, dass hier und heute zudem alle gedopt sind. Jawoll!! Und zwar von Ekke Nekkepenn (Link) persönlich. Indem er nämlich alle dermaßen mit Rückenwind (Windstärke 6, in Böen bis 8) versorgt, dass man zumeist geschoben, gedrückt, geschubst und gestoßen wird. Es fällt fast schwer, das Tempo zu zügeln. Meine Uhr zeigt mir dauern 6:00 bis 6:15 Min/km, angestrebt hatte ich eigentlich knapp unter 7: 00 Min/km. Aber es fällt so herrlich leicht, sich treiben zu lassen!

Ich genieße den Lauf. Wunderbar, die frische Seeluft, der blaue Himmel, die Sonne. Ein Traum. So könnte ich heute 100 km rennen...
Naja, aber man weiß ja, die Leichtigkeit wird bald von "Lauf-Arbeit" abgelöst.
Doch bis dahin schaue ich mir fleißig die hübschen Häuschen rechts und links des Wegs an.




Bei km 9 gab es die erste Wasserstation.
In Westerland, das sich hier schon andeutet, folgt bei km 16 nun die zweite.
Ich beschließe das erste Gel eines für mich bisher unbekannten schwedischen Herstellers zu probieren. Es soll besonders magenfreundlich sein. Und es bewährt sich ausgezeichnet! Keine zuckrig-schleimige Masse, die zu schlucken mir immer schwer fällt, sondern ein eher leichtes, fluffiges, neutral schmeckendes Produkt erfreut meinen Gaumen. Das könnte ich mir auch als Dessertspeise vorstellen.


In Westerland müssen wir das erste Mal kurz die Rückenwindkomfortzone verlassen und uns und den Böen entgegenstemmen.
Dafür erwartet alle nun aber die Promenadenpassage mit phantastischer Aussicht!









Bei km 16 folgt der Getränkestand. Oh Freude: Das Wasser ist vorgwärmt! Das ist für mich die wahre Freude, der Magen nimmt solches sehr gern! Und auch an späteren Wasserstellen wird es die Erfrischung lauwarm geben!
 

Die leider nur kurze Passage am Meer ist für mich eine der schönsten Stellen des Laufs. Die Brandung, die tosenden Wellen, die Möwen - so stellt man sich die Nordsee vor! Und wir dürfen hier heute auch noch laufen! Es lenkt mich ein wenig von der bereits eingeläuteten "Lauf-Arbeitsphase" ab. Die absolute Leichtigkeit des Schritts ist etwas verflogen. Doch bin ich noch weit entfernt vom später folgenden härteren Kampf um die Meter.

Letzter Blick zurück zum Strand, so nah werden wir ihm heute laufend nicht mehr kommen. Das heftig Flatternde am Mast ist übrigens eine Fahne...



















Es folgt Wenningstedt, wo sogar sonntags gearbeitet wird. Soll ja auch ein schmuckes Häuschen werden, wie die Werbung zeigt.







Kurz darauf Kampen. Die Halbmarathonmarke habe ich bei etwa 2:12 Std. passiert. Dank Ekke-Nekkepenns Hilfe, Ehre wem Ehre gebührt.
Wir streifen die bescheidenen Behausungen des Dorfs. Kleine Beobachtung am Rand: Drei Herren stehen an der Strecke, in ihrer Mitte einen silbern-strahlenden Sektkübel auf Standfuß, in den Händen Kelche mit dem edlen Getränk. Leider bin ich zu flott vorbei, um das fotografisch festzuhalten. Ich glaube, solches gibt es nur hier.

 




















Hat man Kampen passiert, kommen die letzten 10 km der Strecke. Nur noch.
Und nur noch Dünenlandschaft.
Und Rückenwindwindwind😃



Dann endlich auch der Rechtsbogen nach List.
Und danach ist es nicht mehr weit.
Doch auch wenn ich wacker kämpfen muss, gegangen wird nur zum Trinken! So kann ich nun auch einige Läufer*innen passieren, was wieder ein wenig neuen Schwung gibt.






Kurz vor List quert das Läuferfeld die Straße. Zwei Polizisten haben die ehrenvolle Aufgabe, für jede/n den Verkehr anzuhalten.


























In List gibt es einen Musikpunkt (soweit ich sagen kann, der einzige), der das Ziel ankündigt.
Doch hier muss ich zusätzlich ankämpfen, gegen innere Zieleinlaufsperre. Denn was meine Ohren beschallt, hätte ich hier am wenigstens erwartet:
"Do simmer dabei, datt is pri-hi-ma!
Viiivaaaa Coloniaaa!"
Ich halte dennoch wacker durch und unterquere den weißen Noch-Nicht-Zielbogen.
Das wahre Ziel liegt dahinter um die Ecke...



Die angezeigte Zeit ist brutto. Meine Uhr zeigt mir ab Startlinie ... 3:33 Std! Und das auf 33,333 km.
Ein wunderschöner Lauf. Für meinen Geschmack landschaftlich ein absolutes Highlight!







Ein Schnappschuss der rollenden Kleiderkammer darf nicht fehlen. 😉
Um die warme Kleidung bin ich sehr froh. Denn so gut es einem beim Lauf warm war, so rasch kühlt man im stürmischen Wind aus.





Und was passt besser zu einem stürmischen Lauf als diese Medaille!



14 Kommentare:

  1. Liebe Elke,

    wenn ich Deine Begeisterung lese, wenn ich den blauen Himmel sehe, ja da werde ich doch schon ein wenig wehmütig nach Sylt.

    Bei meinem ersten und bislang einzigen Syltlauf durfte ich ja auch 33,333 km Rückenwind genießen. Herrlich oder?

    Glückwunsch zum Finish der 33,333 km in 3,33 Stunden. Das ist doch ein Ergebnis für die Ewigkeit.

    Wollen wir mal hoffen, dass der Syltlauf nach dem Tod des Hauptorganisators weiter seine Fortsetzung findet. Weil, dann wäre ich auch gerne wieder dabei, das wär priiiihima! :-)))

    Gute Erholung noch einmal an dieser Stelle und viel Spaß noch auf der Insel!

    Liebe Grüße
    Volker

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    1. Lieber Volker,
      wir haben an Dich gedacht, und dass es Dir sicher viel Spaß gemacht hätte! Für Dein Nicht-Erlebnis aus 2018 steht Dir schließlich noch was zu. Der Schub von hinten ist einfach ge-ni-al!
      Die Zeitung vermeldet heute, man habe das Congresshaus für die Nudelparties der nächsten Jahre schon gebucht! Also, kannst kommen und wir laufen zusammen, datt ist pri-hi-maaa!
      Wie es überhaupt herrlich hier ist, bis auf das Wetter, aber naja.
      Danke und liebe Grüße
      Elke

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  2. Liebe Elke,
    das ist ja super! Der Rückenwind kam wirklich!! :D
    Da hast du ja eine Punktlandung abgeliefert - ganz große Klasse. Wie schön, dass alles - und du - so gut gelaufen ist. :)
    Die Bilder sind super - das muss schon eine besondere Atmosphäre sein, dort zu laufen. Wobei mir persönlich die Dünenlandschaft fast noch besser gefällt, als das Stück direkt am Strand.
    Erhol dich gut! :)

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    1. Liebe Doris,
      ja, der Tag war wie bestellt, besser ging es nicht! Dennoch, rd. 1/3 der Läufer kam nicht ins Ziel, was mich ein wenig wundert.
      Genau das ist es hier, die Atmosphäre, die wunderschöne Landschaft mit rauschendem Meer und ganz viel Dünen! Wirklich ein toller Lauf, wenn die Bedingungen so sind, wie wir sie hatten. Wäre das einen Tag vorher gewesen, au weia....
      Danke und liebe Grüße
      Elke

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  3. Liebe Elke,
    da hast du bestimmt so viele Bilder geschossen, um genau auf 3:33 Std. zu kommen, oder? ;-)
    Die Hilfe von hinten habt ihr ja zum Glück nicht abgelehnt. Das ist allemal deutlich besser, als den Wind von vorne direkt ins Gesicht zu bekommen.
    Schön, dass das Gel gut "funktioniert" hat. Ist ja auch nicht so billig, aber ich finde es auch TOP! Darf ich bestimmt weiter erzählen ... im Laden? ;-)
    Gutue Erholung und noch viel Spaß dort oben! - Könnt ihr noch ein bisschen bleiben?
    LG Manfred

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    1. Lieber Manfred,
      Chris meinte schon, da ich 200m mehr auf der Uhr hatte, DAS wäre wegen der Fotos...! Nein, die machen ich im Laufen. Die Uhr hatte ich übrigens komplett ausgeblendet, mir ging es nicht um Zeit, sondern Erlebnis. Und das ist hier grandios.
      Auch dank des Gels. Nun werde ich noch den Drink ausprobieren. Preis? Egal, wenns funktioniert. Und: Ein Raucher qualmt den Gegenwert von 2 Beuteln doch in weniger als einem Tag weg. Darfst Du gern weiterberichten -)
      Nun haben wir noch 2 freie Tage hier zur Erholung, was will man mehr?
      Danke und liebe Grüße
      Elke

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  4. Liebe Elke,
    so klingt ein rundum gelungener und zufriedener Laufbericht. Mit einer Jokerzahl im Finish, klasse! Rückenwind erleichtert natürlich so ein Vorhaben, aber 33km bleiben 33km, da gibts nix, die müssen erstmal gerannt werden.
    Schöne Zeit noch auf Sylt, ist ja perfekt zum Erholen nach dem Lauf ;-)

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    1. Lieber Oliver,
      ja, so eine doppelte Schnapszahl ... kurz nach Karneval ;-)
      Stimmt, die 33,333 muss jeder hinter sich bringen. Aber so leicht wie hier fiel es mir noch nie. Und nun noch Erholung, ach das Leben kann schön sein!
      Danke und liebe Grüße
      Elke

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  5. Muss ja wirklich ein ganz toller Landschaftslauf sein. Und bei Rückenwind läuft es meistens doch ganz gut. Wenn es nicht zu viel davon ist ..

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    1. Lieber Markus,
      es ist wirklich landschaftlich wunderbar. Der Sieger hatte übrigens 1:56. Wäre das nicht mal eine Herausforderung für Dich?
      Und na klar war der Wind prima. Man wünschte sich ausnahmesweise KEINEN Windschatten!
      Liebe Grüße
      Elke

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  6. Liebe Elke,
    Lauf, Wetter, gelaufene Zeit, Fotos, Bericht, Medaille ... alles einfach klasse!
    Herzlichen Glückwunsch!

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    1. Liebe Lizzy,
      danke Dir! Ja, da wurden Läuferinnenträume wahr... :-)
      Liebe Grüße
      Elke

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  7. Liebe Elke,
    nee, echt jetzt? 3:33 für 33,333 KM? Du bist ja der Hammer. :-))))
    Da haste aber mal voll den Nagel auf den Kopf getroffen.
    Wunderbar!
    Ich kann mir vorstellen, das man mit solchem Rückenwind sich gut leicht fühlt. Aber laufen muss man trotzdem. 33 km. Alle Achtung! Herzlichen Glückwunsch zum Finish und man hört ja heraus, das es sir echt Freude gemacht hat.
    Und die Bilder .... es ist bestimmt toll bei solche einem Wetter an der Küste zu laufen :-)
    Gute Regeneration
    Liebe Grüße
    Helge

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    1. Liebe Helge,
      ach ja, DAS war echt ein toller Lauf, auch wenn es natürlich 33,333 km sind und bleiben. Aber wenn alles stimmt, so wie Sonntag, dann ist das ein Träumchen :-)!
      Die Gesamtzeit auf der Uhr hatte ich unterwegs nicht angeschaut, nur immer die Pace. Daher waren die Dreien eine echte Überraschung.
      Danke und liebe Grüße
      Elke

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