Laufend lesen

Mittwoch, 4. März 2020

Aufgehoben war nur aufgeschoben

Die Schmach des letzten Sonntags, als mich simple, aber wirkungsvolle körperliche Vorgänge am langen Lauf hinderten, verlangte nach Kompensation. Wer sagt eigentlich, dass nur am Wochenende lang gelaufen werden darf? Erfreulicherweise habe ich noch Überstunden abzubauen, also werden diese flugs sportlich ausgefüllt und der geplante Lauf nachgeholt.


Zuächst geht es zum Rand des Tagebaus, an dem dank der Regenfälle der letzten Zeit selbst ein Allrad-Fahrzeug im Schlammbad zu kämpfen hat. Zwar wäre dieser "Weg" noch öffentlich zugänglich, aber ich verzichte gern.




Ein Stück weiter, die allerletzten Reste einer ehemals größeren Reitanlage. Erstaunlicherweise ziehen die mich überholenden Abbruch-LKW Staubfahnen hinter sich her. Durch Wahl der rechten Straßenseite gelingt es mir, dem Staub weitgehend zu entrinnen, denn den bläst guter Wind nach links fort. Überhaupt der Wind heute ... die ersten 14 km laufe ich ihm entgegen und kann mich mental schon auf den Syltlauf einstimmen...

Es geht im Zickzack durch das immer weiter verschwindende Manheim. Mir scheint jedoch, seitdem die Hambi-erhaltende Entscheidung getroffen wurde, wird der Abbruch nicht mehr so flott vorangetrieben. Aber er wird fortgesetzt, so der derzeitige Stand.

Hier wohnt man noch




Ich sehe 3 noch bewohnte Häuser. Wie sich deren Bewohner wohl fühlen...?








Futterstation für Streunerkatzen



Und was wohl aus den ganzen Katzen wurde und wird, die von ihren Menschen hier entweder zurückgelassen wurden oder vom neuen Ort wieder hierher streunten...?









Nach Manheim noch ein kurzer Abstecher nach Buir. Vor dem inneren Auge habe ich noch die Bilder, als im Spätsommer 2018 endlose Menschenmassen hier auf oder von ihrem Weg zur Groß-Demo für den Hambacher Forst unterwegs waren. Seither ist der Ort wieder, was er immer ist, ein seeehr ruhiges Dorf. Ab hier folge ich dem Radweg parallel der neuen A4 und erfreue mich am nun von hinten kommenden Wind. Noch ein kurzer Schlenker im heimischen Viertel, um die 25 km zu komplettieren. Angestrengt aber zufrieden entere ich für den Rest des Tages das Sofa. 😅
Es folgen noch ein paar Manheimer Impressionen.












10 Kommentare:

  1. Jetzt habe ich echt was gelernt! Zum Glück hast du den Wikipedia-Link mitgepostet. Ich hatte keine Ahnung von dieser Umsiedelei, das ist eine sehr interessante Geschichte. Danke auch für die eindrücklichen Fotos!
    Ach, und gratulieren zum vollendeten 25km Lauf!

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    1. Liebe Catrina,
      ja, wir leben hier in einer Tagebauregion, die wegen der aktuellen CO2-Diskussionen sehr in den Blickpunkt gekommen ist. Die Umsiedlung von ganzen Dörfern ist dabei ein "Nebeneffekt". Etwas schwierig ist es, weil nun der umsiedlungsverursachende Tagebau doch nicht mehr bis zum Dorf kommen soll, weil dazwischen ein Wald liegt, dessen Rest erhalten werden soll. Wenn Du mehr erfahren möchtest: https://de.wikipedia.org/wiki/Hambacher_Forst und https://de.wikipedia.org/wiki/Tagebau_Hambach.
      Danke für die Glückwünsche zum Lauf. Die Distanz brauchte mein Selbstbewußtsein ;-)
      Liebe Grüße
      Elke

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  2. Liebe Elke,
    tja, wer sagt eigentlich, das lange Läufe immer am Wochenende sein müssen? :-)))
    Du beweist, es geht auch in der Woche.
    Die Eindrücke aus dem zerfallenden Mannheim sind wieder sehr gespenstig. Irgendwie traurig. Und wohnen möchte ich dort definitv nicht mehr. Das muss schrecklich deprimierend sein.
    Sind das denn Leute, die sich weigern, oder warten die einfach nur bis der Bagger vor ihrem Haus steht?
    Das mit dem Wind ist doch toll. So trainierst du unter Sylt-Bedingungen :-)))
    Warte mal ab, dieses jahr gibt es auf Sylt bestimmt absolute Windstille ... ;-)
    Liebe Grüße
    Helge

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    1. Liebe Helge,
      ich fand auch, lang kann man auch am Dienstag ;-)
      Die da jetzt noch wohnen sind mit ziemlicher Sicherheit Braunkohlegegner, denn die anderen sind ja schon teils seit Jahren weg. Dort nun noch zu sein, ist bestimmt sehr sehr gruselig.
      Ich fand auch wegen der Sylt-Perspektive den Wind gestern sehr trainingsadäquat. Windstille auf Sylt... hm, ob es das gibt? Könnte Volker sicher besser sagen. Jedenfalls war der Rückenwind 2019 DER Läufer-Hit!
      Liebe Grüße
      Elke

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  3. Liebe Elke,

    Sylt kann kommen!

    Windstille auf Sylt gibt es. Ich würde sogar sagen sie kommt häufiger vor als weiße Weihnachten in hiesigen Gefilden :-))) Von daher darfst Du durchaus hoffen, obwohl Rückenwind ja noch schöner ist ;-)

    Manheim sieht inzwischen irgendwie nach Truppenübungsplatz aus. Gibt es eigentlich irgendein System bei den Abrissarbeiten? Ich habe den Eindruck, dass immer mal ein bisschen hier und ein bisschen dort abgerissen wird. Am Beten wird man aber sehr konsequent gehindert, bei dem Betonklotz vor der Kirchentür und den vernagelten Fenstern ;-)

    Liebe Grüße
    Volker

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    1. Moinsen,
      ok, Windstille auf Sylt würde ich ja auch noch nehmen, aber bittebittebitte nicht den Wind von vorn, den wir letztes Jahr von hinten hatten!
      Momentan könnte man auch wunderbar einen Kriegsfilm in Manheim drehen... Grob ist das System, von außen nach innen zur Ortsmitte abzureißen. Vielleicht gehts auch ein wenig danach, wie man jeweils mit den schweren Geräten am besten an die Häuser kommt. Und es mag davon abhängen, ob ggf. noch Häuser Leuten gehören, statt RWE. Ich vermute, die Kirche fällt vielleicht zuletzt. Und bis dahin, richtig erkannt, kommt da keiner mehr rein, dank Betontürsteher...
      Liebe Grüße
      Elke

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  4. Liebe Elke,
    hui, da hast du dir ja ein irres Schlammgebiet ausgesucht! :D Wer da noch sauber heimkommt, ist selber schuld. ;)
    Ich bewundere ja die Menschen, die noch in Manheim ausharren. Obwohl ich gerne für mich bin, weiß ich nicht, ob mir das behagen würde... Hmmm. :/
    Aber toll, dass du deinen Langen ganz unkonventionell, aber dennoch mit Wind-Echtbedingungen nachholen konntest. Ich würde sagen - Sylt kann kommen! :D
    Wann ist es denn soweit?

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    1. Liebe Doris,
      nein, den Schlammweg habe ich von sicherem Asphaltterrain aus fotografiert und dann gern verzichtet :-)
      Jetzt noch in Manheim wohnen ist seicher ... eine Erfahrung. Schon allein, dass die Schilder an ihren Häusern angebracht haben "Dieses Haus ist noch bewohnt" lässt Erlebnisse erahnen.
      Sylt ist am 15.3., also schon sehr nah...
      Liebe Grüße
      Elke

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  5. Liebe Elke,

    ja, gruselig ist das schon dieses Manheim. Vielleicht können die letzten Bewohner mal ein Mahnmal daraus machen! ... und der Hambi war mal so schön weit und groß! CRY

    Schöner Langer, da wäre ich auch dem Schlamm gewichen, da der Matsch an den Klamotten diese ja nur schwerer werden ließe. ... und dann gleich an Sylt adaptieren, das passt doch! :-) - Lang geht immer, sogar des nachts!!! ;-)

    Erhalte dir die Form, dann kann Sylt definitiv kommen!

    LG Manfred

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  6. Lieber Manfred,
    ja es passieren krasse Dinge in unserer Zeit! Gerade gestern zeigten wir alles Gästen aus CH und die konnten nur den Kopf schütteln.
    Hihi, auch Du hättest auf den Schlamm verzichtet? Dann bin ich in guter Gesellschaft ;-) Der Wind war da ein brauchbarerer Trainingseinfluss!
    Auf Sylt bin ich gespannt, auch, ob da nicht in letzter Minute eine Absage kommt, so wie es derzeit manche Veranstaltung trifft...
    Liebe Grüße
    Elke

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