Samstag, 6. Oktober 2018

Eine von über 50.000

Heute sammelte ich Eindrücke, die ich so schnell nicht vergessen werde! Nachdem ich letztes Wochenende schon in eine sich auflösende friedliche kleinere Demo von Braunkohlegegnern geriet, war für dieses Wochenende eine Großkundgebung am Hambacher Forst angekündigt. Dem Wald, der für den Tagebau weichen soll. Besser gesagt, dem minimalen Rest-Wald, der auch noch weichen soll.
Neugier, was mag da wohl abgehen...
Am Vormittag war ich noch in der Eifel per Auto unterwegs. Als ich auf der A 4 zurückfahre, kommt in den Verkehrsnachrichten der dringende Hinweis, Kundgebungsteilnehmer sollten unbedingt die Ausfahrt Merzenich nehmen.
Heute muss der 1. April sein, denn als ich diese Ausfahrt aus Aachen kommend passiere, ist sie gesperrt! Alle, die auf der Gegenfahrbahn aus Köln dort abfahren wollten, stauen sich bereits auf dem Standstreifen mehrere km zurück.
Das macht mir Sorge, denn die nächste Ausfahrt einige km weiter ist meine. Dort kann ich zwar die Autobahn problemlos verlassen, aber im anschließenden Kreisverkehr blockieren gestrandete orientierungslose Autofahrer den Verkehr.
Als ich schließlich weiter in meinen Wohnort fahren kann, kommen mir Hundertschaften von Wanderern entgegen. Ich frage einige von ihnen, ob sie etwa zur Demo wollten. Mein Erstaunen deshalb, weil es zum Ort der Kundgebung noch gute 10 km Fußmarsch sind! Dabei begann die Veranstaltung um 12 Uhr und nun haben wir 13 Uhr, und dann noch 10 km zu Fuß... Ihre Erklärung kann ich nachvollziehen: Die Bahn fährt einfach nicht mehr und sie mussten weit vor dem Ziel aussteigen!

Noch 6 km bis zum Ziel...
Schnell fahre ich heim und sattle mein ElliptiGo.
Auf dem Radwanderweg entlang der Bahntrasse, sonst ein Ort der Einsamkeit, sind wahre Pilgerströme unterwegs. Eine endlose Wanderschar, alle mit einem Ziel. Der pure Wahnsinn.








Noch 2 km bis zum Ziel...

Je näher ich dem Versammlungsort komme, umso dichter wird die Menge. Die Landstraßen sind mehrere km im Umkreis abgeriegelt, weswegen sich überall jenseits der Sperren Verzeiflungsfalschparker im Feld stehen.

Blick zurück, die ganze Baumallee entlang Menschen wie auf einer Ameisenstraße:














Noch 1 km bis zum Ziel...

Etwa einen km vor dem Versammlungsgelände werden alle auf einen Feldweg geleitet und es wird eng. Hier müsste ich meine Elli abstellen, aber wo? Straßenränder zugeparkt. Andere haben ihre Räder den Straßengräben überlassen. Weit hinten ist der Versammlungsort an einer riesigen Staubwolke auszumachen, aufgewühlt von Tausenden Füßen. Ich wollte ohnehin eher radeln und rolle weiter.


Kurz vor Buir strömen immer noch Menschen zum Gelände, während andere schon auf dem Rückweg sind, wohl in der Hoffnung, die Bahn fährt wieder.
Dennoch, trotz der Erschwernisse herrscht überall heitere Stimmung. Wohl sicher auch, weil tags zuvor ein Gericht nun doch einen vorläufigen Stopp der Waldrodung ausgesprochen hat. Menschenschlangen haben sich am Tankstellenshop in Buir gebildet, ein Eiswagen macht den Umsatz des Jahres.


Von hier aus ist auch zu sehen, dass die Autobahn aus Richtung Köln nun längst und länger vollständig gesperrt ist. Die Menschen auf der Brücke winken munter den unten vorbei Brausenden zu. Und die hupen zurück.





Wenigstens ein Verkehrsmittel funktionierte, Busse. Umliegende Straßen wurden durch die Sperrungen kurzerhand zu Busparkplätzen umfunktioniert. Ich komme auf addierte mehr als 4 km Bus an Bus, ein unglaublicher Anblick. Sie kommen aus der ganzen Republik, ich grüße den Schwarzwald, Hessen, Sachsen, und und und. Sogar Oldenburg ist vertreten!





















Während ich längst auf dem Heimweg bin (es ist längst nach 15 Uhr), strömen die Menschen immer noch zur Kundgebung. Die Veranstalter sprechen von 50.000 Teilnehmern, die Behörden von Tausenden. Wahrscheinlich lässt sich die wahre Zahl gar nicht feststellen, denn es sind ja nicht alle zusammen auf dem Gelände. Während die ersten schon gehen, rücken immer weitere nach, über mehrere km Straßen und Wege. Sogar die alte A4 wird genutzt.
Es ist erstaunlich, aus welchen Ecken immer noch Menschen kommen.


Es ist schon ein Erlebnis, das alles live gesehen zu haben und nicht nur anhand der Berichterstattung in den Medien (Z.B. hier). Dass sich so viele Menschen aufmachen, friedlich ein Zeichen zu setzen, finde ich beeindruckend.

Kommentare:

  1. Liebe Elke,
    wow! Das muss ein tolles Erlebnis sein. Auch wenn du "nur" mit reingerutscht bist in diese Menschenströme! :D
    Ich finde, bei solchen Ereignissen kann man richtig die Energie spüren, die sich da aufbaut. Und Elli hat sich sicher auch gewundert, was da auf ihren sonst so leeren Strecken vor sich geht! ;)

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    1. Liebe Doris,
      ja, es war wirklich sehr beeindruckend. Es war keinesfalls eine Ansammlung von Chaoten, wie es in der Presse gern dargestellt wird. Auch wenn da einzelne drunter sein mögen, die weit weit überwiegende Menge waren ganz normale Leute. Unsere sonst so ruhige rheinische Ecke war kaum wieder zu erkennen.
      Liebe Grüße
      Elke

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  2. Liebe Elke,
    schade, dass es nicht gerade um die Ecke ist, ich wär gerne rübergerutscht! - Danke aber für den Bericht
    ... und hoffentlich bringen die Protestmärsche etwas, auch wenn und weil sie friedlich sind!!! ... und auch WEIL der endgültige Gerichtsentscheid nicht so schnell aussteht!
    Die 50.000 waren sicherlich friedlich, sonst hätte man das auf der einen oder anderen Aufnahme auch bei dir gesehen! Warum auch sollten sich dort so viele Chaoten versammeln???
    Auf das ein Stück (Ur)Wald erhalten bleibt!
    LG Manfred

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    1. Lieber Manfred,
      ich finde auch, nur friedlich kann man so ein eindrückliches Zeichen setzen. Und es war wirklich sehr beeindruckend, dass sich keiner durch die aufgezwungenen Fußmärsche aus der Ruhe bringen ließ. Ma stelle sich mal als Vergleich vor, es ist ein Fußballendspiel, und die Hauptzufahrt wird gesperrt und ÖPNV gleich mit!
      Es geht um mehr als den Wald und die Fledermaus. Man darf gespannt sein, wie es weitergeht!
      Liebe Grüße
      Elke

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  3. Liebe Elke,

    es ist doch erstaunlich, wie sich das alles organisiert. Wer sorgt z. b. überall in der Republik für den Bus-Charter und wie wissen die Leute von diesen Bussen?

    Sogar Oldenburger waren da? Mögen sie mich mit vertreten haben. So viele Menschen sind schon ein Zeichen.

    Liebe Grüße
    Volker

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    1. Moin Volker,
      einer der Hauptinitiatoren war der BUND. Die haben auch eine Unterschriftenaktion online gemstartet, mit über 800.000 Unterschriften. Ich sah aber auch Busse mit Schildern der Grünen und anderer Umweltorganisationen. Ich denke, in Zeiten sozialer Netzwerke lässt sich so ein Aufruf sicher schnell starten.
      Liebe Grüße
      Elke

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  4. Wahnsinn und vorbildlich!
    Und wenn sowas ja schon fast vor der Haustüre ist muss man natürlich auch mal vorbei schauen ;-)

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    1. Lieber Markus,
      ja, es war wirklich beeindruckend. Und ich fand auch gut, dass eben so viele Junge sich dorthin aufmachten.
      Liebe Grüße
      Elke

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  5. Liebe Elke,
    ja, das ist einfach nur toll. Vor allem auch, weil es eben doch auch friedlich geht. Und trotzdem was bewegt werden kann.
    Das sind schon echt beeindruckende Bilder, die du da gemacht hast. Und beeindruckende Menschen, die da auf die Straße gehen.
    Liebe Grüße
    Helge

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    1. Liebe Helge,
      hätte ich es nicht mit eigenen Augen geehen, ich würde es nicht für möglich halten...
      Liebe Grüße
      Elke

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