Montag, 18. Februar 2019

Auftanken am See

Noch nachzutragen: Der lange Lauf des Wochenendes, 22 km am Thunersee. Ein Lauf zum Auftanken: Sonne, Energie und Lauflust.
Ich mache mich am Morgen auf den Weg bei 4°, nach 2,5 Stunden zeigt das Thermometer deren 10, und steigt zum Nachmittag noch weiter. Das wollen viele andere auch genießen, die Lokale haben die Outdoor-Saison eröffnet, am Aareqai und Mühleplatz laufe ich an den Reihen der restlos besetzten Tische entlang. Ein Gefühl, wie beim Stadtlauf, der auch hier entlang führt.
Überhaupt gleicht der Lauf in weiten Teilen einem Slalom, immer schön um die vielen Spaziergänger herum.
Fast ist es ein wenig wie die Wahl zwischen Teufel und Beelzebub: An den direkt am See liegenden Abschnitten sind es die vielen Flaneure, die den Lauf leicht erschweren, an den Passagen der Staatsstraße entlang (der einzigen Umfahrung des Nordufers) röhren die Motoren und nerven auf ihre Art. Dennoch, der Blick über den See ist einmal mehr phantastisch.
Kommt doch mal mit:










Der See scheint mir etwas weniger Wasser als sonst zu haben, aber das ist sowas von klar:










Nur sollte man sein Rad nicht länger drin liegen lassen.










Die Perspektive des Rückwegs ist übrigens auch nett, bei weitem aber weniger spektakulär, mit Blick auf Eiger, Mönch und Jungfrau läuft es sich einfach - magischer.
Wie so oft im Leben - alles eine Frage der Blickrichtung.

Von den schönen Eindrücken des Laufs muss ich nun wieder eine Weile zehren...😏

Freitag, 15. Februar 2019

Winterlauf

Während man sich im Rheinland auf einen phantastischen Frühlingstag freut, und im TV wahrhaftig die ersten Grilltipps gegeben werden, gibt es doch noch Regionen, in denen jahreszeitadäquates Wetter herrscht. Zwischen Emmental und Berner Oberland zum Beispiel.
Herrlich, hier nochmals in eine wunderbare Winterlandschaft eintauchen zu können!
Dennoch fällt mir das Loslaufen schwer. Von 4 Anreisen nach hier habe ich statistisch ca. einmal am ersten Tag mit Kopfweh zu tun und fühle mich schlapp. Dabei sollten die hiesigen Höhenmeter von 850 ü.M. laut Fachliteratur keine solchen Nebenwirkungen erzeugen. Aber die Natur schert sich nicht um solche Expertisen. Also laufe ich mehr unlustig als begeistert erstmal los.


Man weiß ja, oft kommt die Lauflust mit den Metern. Doch diesmal kommt mit den Metern erstmal Schwitzen. Ich habe ich gemäß der 7° gekleidet. Konkreter: 7°, wie ich sie von daheim gewohnt bin. Aber hier spüre ich einmal mehr die Kraft der Sonne. Schon nach einem km gebe ich auf und streife die Laufjacke ab. Das hilft und gibt den ersehnten Schwung.























Es ist aber auch einfach zu schön, in der gleißenden Sonne, dem glitzernden Schnee und der erfrischenden Luft zu traben! Wären da nicht die gemeingefährlichen Eisplatten. Wo die Sonne den Asphalt erwärmt, fließt das Tauwasser in Strömen. Wo Schatten die Sonne ablöst, verwandelt sich das auf dem gefrorenen Boden sofort wieder in Eis.







Ich erstürme arbeite mich den Kirchhügel von Schwarzenegg hoch und muss dann doch erstmal nach Luft schnappen. Aber ab da ist die Unlust endgültig gebrochen. Zumal die Kirchturmuhr doch Erfreuliches zeigt: Strahlender Sonnenschein noch gegen 17 Uhr! Wie sehr hat man das in den dunkleren Wochen ersehnt!


Das Phlegma ist verflogen, wobei sich auch die ab nun anstehenden Abwärtspassagen nicht unwesentlich auswirken...
Nach über einer Stunde (Ich höre Paulchen Panther singen "Wer hat an der Uhr gedreht, ist es wirklich schon so" ... lange?) und etwas über 10 schönen km darf das Wochenende kommen!

Freitag, 8. Februar 2019

Schlachtfeld mit skuriler Note

Lange war ich nicht mehr im sterbenden Dorf Manheim. Höchste Zeit, schon habe ich einiges verpasst. Meine 20-km-Einheit bietet sich für einen Abstecher dort an.
Wie ich der Presse entnahm, waren einige der Häuser besetzt von Braunkohlegegnern. Räumung nicht so einfach durchsetzbar.
Aber es gibt ja auch andere Möglichkeiten der Unterbindung. Einfach schneller abreißen. So wuselt es hier in vielen Ecken, es dröhnen Abrissbagger und LKWs. Ja, eigentlich völlig abstrus, man riecht den Abriss. An manchen Stellen nimmt die Nase einen modrigen, muffigen Geruch war, wie er sich in lange leerstehenden Häusern bildet.
Bei meinem ausführlichen Streifzug erkenne ich noch 2 bewohnte Häuser. Allen übrigen wurden inzwischen Fenster und Türen vermauert oder vernagelt. Oder sie sind schon nicht mehr. Hatte das sich leerende Dorf sonst noch ein gewisses morbides Ambiente, bietet sich nun ein anderes Bild.
Wie soll man das beschreiben? "Schlachtfeld" drängt sich mir auf. Aber Bilder beschreiben es noch besser:






















Hier war früher die Schule, direkt hinter dem Spielplatz:







Dieses Haus gibt schon selber auf. Auf dem Gehweg davor bröckelige Klinkersteine:































Mitten im Ort, das gesicherte Depot der Baufahrzeuge:






















Doch ein bisserl skuril geht immer:
Mitten in dieser untergehenden Landschaft dreht eine Kehrmaschine ihre Runde.
Stand wohl so im Plan.
Man könnte drüber lachen.


























Auch dieses Gehöft etwas abseits steht längst leer. Der dunkle Streifen im Hintergrund ist der Hambacher Forst, von seinen Freunden liebevoll "Hambi" genannt. Derzeit vor weiteren Rodungen vorübergehend bewahrt.  Dahinter ist der Tagebau, über den die Kohlekommission beraten hat.
Man erkennt das Dilemma: Darf der Forst auch weiterhin nicht gerodet werden, kommen die Kohlebagger auch nicht bis Manheim, sie können ja schlecht um den Wald herum baggern.
Und dann war der ganze Abriss für die Katz'.
Wenn ich vielleicht in 3, 4 oder 5 Jahren diesen Post nochmal lese, bin ich sehr gespannt, wie die Dinge weiter liefen...

















Ich für meinen Teil laufe auch weiter, vollende meine geplanten 20 km. Die letzten 4 davon mit etwas seltsamem Druckschmerz unter der linken Fußsohle, dort wo seit einigen Wochen neue Maßeinlagen ihr Werk tun. Komisch, hatte ich noch nie. Ob die sich nicht mit dem eher flachen Laufschuh vertragen...?
Auch das will weiter beobachtet werden.