Sonntag, 24. Mai 2020

Mission teil-completed

Heute wollten wir den Teil des Erftstäfter Planetenwegs laufend erkunden, der mir auf meiner Tour des letzten Sonntags fehlte. Ausnahmsweise geht es also per PKW zum Lauf.
Dank Internet lässt sich erfahren, dass die Himmelskörper zwar im proportionalen Abstand (1: 1 Mrd) aufgestellt sind, nicht aber auf einer Linie. Anhand ungefährer Beschreibungen finden wir sie mehr oder weniger leicht.
Die Sonne steht recht markant in einem leider leicht ungepflegten Gesundheitsgarten gleich neben einem Krankenhaus.
Noch in Sichtweite folgt Merkur.



Inzwischen ist mir klar, warum alle Planeten auf einer Scheibe montiert sind. So lässt sich deren Größe untereinander besser vergleichen. Merkur, fast ist man geneigt zu schreiben "Merkürchen" steht noch im Garten, Venus folgt an einer Kastanienallee, die Erde am Weg zwischen Parkplatz und Klinik.

Merkur
Venus
Erde
Mars


Bei Mars befinden wir uns ein kurzes Stück auf der römischen Agrippastraße. Eine Infostele erläutert, dass hier in römischer Zeit ein Rasthaus war, dessen Fundamente, die sich bei günstigen Vegetationsbedingungen im Acker neben dem Weg aus der Luft erkennen lassen, bereits erforscht wurden. Wir können sogar ein paar geometrische Wuchsstörungen genau über den Fundamenten ausmachen. Ein solches Gasthaus hieß "Mansio". Für die modernen Begeher der römischen Agrippastraße wurden solche Mansios (oder heißt es "Mansien"?) ebenfalls an einigen Punkten errichtet, als Parkplätze, Rast- und Erkundungspunkte. Der Gasthauscharakter wurde hier ebenfalls ins heute transferiert. Ein Mansiogast hat sein Bett ordentlich gemacht, das Zelt ist aufgeräumt. Ein weiterer liegt, im Bild nicht sichtbar, seinem Schönheitsschlaf ergeben, hinter einer Bank.







Bald erreichen wir Jupiter. Theoretisch, denn leider ist die Betonstele beschmiert und Jupiter selbst ist sicher auch nicht zylindrisch mit Nut, sondern leider Opfer eines Dienstahls geworden. Nervig, solche Vandalismusschäden.

Jupiters Fassung
Hinter Jupiter darf Saturn mit seinen Ringen unbeschädigt punkten.

Saturn
Ab hier öffnet sich das Areal und wir laufen auf dem mir schon von meiner Exkursion mit Elli bekannten Römerweg. 16°, frischer Wind, perfekte Laufbedingungen. Wir traben gemütlich zu Uranus, der uns mitten im Feld erwartet.


Uranus
Kurz danach gibt es nochmals eine kurze Lücke im römischen Weg von heute, man muss durch ein Dorf einen kleinen Bogen laufen. Hier passiert mir leider ein Missgeschick. Wir geraten von der Wegweisung zur Römerstraße in die Wegweisung eines Radfernwanderwegs. Beide haben als nächsten größeren Zielort Zülpich, doch dummerweise auf zwei verschiedenen Strecken. 😕
Daher müssen heute Pluto und Neptun ohne unsere Huldigung bleiben, oder positiv ausgedrückt: Wir lernen ein paar nette Dörfer in der rheinischen Bucht kennen, in ihrem Sonntagsnachmittagsruhemodus. Viele Pferde sehen wir auf Weiden und Höfen, nette Herrensitze und Wasserschlösschen.


Am Ende haben wir zwar nicht den Planetenweg komplett erlaufen, dafür aber die angepeilte Halbmarathondistanz erfüllt, und für Freundinnen und Freunde glatter Km-Zahlen mache ich die 22 auch noch voll.
Schöner Sonntagslauf, und demnächst dann noch auf zu Pluto und Neptun 😊


Donnerstag, 21. Mai 2020

Reminiszenzen

Das schöne Vatertagswetter will ich nutzen für eine ElliptiGO-Tour, 2 Stunden plus ist das Ziel.
Diesmal geht es der Erft entlang nach Norden, vorbei an einigen immer noch bunt blühenden Wiesen.




Am Ufer, wie nicht anders zu erwarten, Vatertagsbetrieb. Sehr viel auch auf dem Wasser. In Bern würde man dazu "böötle" sagen. Die sonst typischen Bollerwagentrupps sind selten. Dafür an einer halbwegs schattigen Ecke ein Männertrupp mit Ballermannausrüstung: Getrunken wird aus einem großen Trichter.
Obwohl ich mich hier gut auskenne, halte ich mich zur Abwechslung einmal stumpf an die Radwegmarkierung.

Und entdecke dann doch nette lauschige Passagen. Einmal geht es schnurgerade zwischen 2 Amphibienzäunen durch. Ich frage mich erstens wozu (keine Straße in Sicht) und zweitens, wo ist denn die Doris? Ich erkenne eine Passage des Bedburger Citylaufs wieder, den wir 2019 erstmals mitliefen.





Es geht über wunderbar schattige Wege am Fluss entlang, auf dem Werwolfwanderweg.
Aber ich glaube, man hat nichts zu befürchten, kein Werwolfwetter heute.









Schön, wie man hier die Natur wild wuchern lässt. Das Wasser gurgelt vor sich hin, Vögel zwitschern, und sonst ist Ruhe. Das gefällt mir besser als manch prächtig hergerichteter Park.

Ein Stück geht es über die Strecke des netten Nikolauslaufs und schon liegt Kaster vor mir. Immer wieder schön, diesen malerischen Ort zu besuchen. Auch wenn mich das Kopfsteinpflaster zum Schieben nötigt. Aber so kann ich doch ein wenig besser das Ambiente genießen.
























Kaster ist immer empfehlenswert für seinen Ricardamarkt im Sommer und den Adventsmarkt. Jeweils mit vielen Ständen, die handgearbeitete schöne Dinge von Hobbykünstlern anbieten. Zumindest der Sommermarkt fällt 2020 aus, ich hoffe auf Advent...
Doch heute stehen hier nur Autos in den Gassen und beeinträchtigen ein ein wenig den Gesamteindruck.
Gerade lese ich ein Buch, das teilweise im Mittelalter hier spielt. Netter Anblick also gerade heute, auch wenn die Häuser doch nicht ganz sooo alt sind.







Ausgangs des Stadttores noch ein Blick auf die Stadtmauer und den längst zugeschütteten Graben. Gleich dahinter geht der Radweg wieder besser fahrbar weiter. Ein Stück zumindest. Dann führt ein Schotterstück ruppig bergauf. Inzwischen habe ich km 20 hinter mir und die Sonne wärmt ziemlich. Auch eine Vierer-Radgruppe quält sich hier. Wie immer die blöde Situation: Ein wenig schneller würde ich schon gern, aber zum Überholen müsste ich zuviel strampeln. Doch die Situation klärt sich, die vier halten an, ich kann mich vorbeiarbeiten. Dabei beäugen sie mich, bzw. eher mein "abenteuerliches" Gefährt, wie schon viele andere heute auch. Männer schauen meist sofort auf die seltsame Antriebsmechanik. Frauen haben eher das Gesamtescheinungsbild im Blick.

Nach dem Anstieg offenes Gelände. Wieder Laufstreckenreminiszenz: Ich passiere ein Stück Strecke des Silvesterlaufs, auch eine schöne Erinnerung. Hinter dem Weiler Hohenholz rolle ich dann wieder auf vertrauten Anblick zu, die Sophienhöhe wird größer und größer. Auf einem abseits gelegenen Radweg fährt mir eine E-Scooter-Fahrerin hinterher. Als ich gerade Fotopause mache, nutzt sie die Gelegenheit sich nach Elli zu erkundigen. Sie kennt das zwar, habe es aber noch nie live erlebt. Ich erkläre ihr, wo es so etwas gibt und das man sich solch ein Gefährt auch erst einmal mieten kann. Begeistert tippt sie die Adresse in ihr Smartphone.

Ich rolle weiter, über einen dann nochmals sehr ungemütlich werdenden Weg. Die Temperatur steigt (es werden nachher 26° sein), meine Erschöpfung auch, doch beim vertrauten Baggeranblick auch die Gewissheit, BALD habe ich es geschafft. Wie ich später sehe, sind es noch 12 km, die mir gar nicht so lang, wohl aber sehr schwer vorkommen.
Ich bin froh  über das mitgenommene Wasser,  bei einer letzten kurzen Trinkpause kratze ich nochmal alle Kräfte zusammen.
Ein Radlerpaar erkundigt sich nach dem Weg zur terra nova, dem Aussichtspunkt am Tagebaurand. Ich erkläre es, wie ich meine, gut. Doch aus dem Augenwinkel sehe ich, dass sie mich falsch verstanden haben und statt des gut fahrbaren Asphaltweges schieben sie ihre Räder über einen kurz vorher abzweigenden holprigen Feldweg.
Nichts wie weg, ehe mich ihr Unmut eventuell erreicht...
Nach 49,7 km bin ich froh, wieder zu Hause vorzurollen. War ganz schön anstrengend heute.
Eine kleine Anekdote möchte ich noch nachreichen.
Mein altes Auto musste bewegt werden und ich nahm mir bei der Gelegenheit das Handschuhfach vor. Bekanntlich sammelt sich darin ja immer manches. Auch bei mir, obwohl mein Auto sicherlich nicht als vermüllt bezeichnet werden kann. Dennoch. Also hole ich mal alles raus, was so drin ist. Ich habe das Auto seit 2000 und glaube, eine solche Aktion habe ich seither noch nicht durchgeführt. Jedenfalls finde eine kaputte Parkscheibe, ein Navi (siche ist der Akku leer), eine Quittung aus 2010, 3 Packungen Papiertaschentücher, Kugelschreiber, Parkmünzen, uralte Versicherungsdoppelkarten, Hotelprospekte aus Frankreich (müssen aus Anfang 2000'er Jahre sein) usw. Und dann, ganz unten, kommt ein fast schon historisches Relikt zutage. Und auch noch im deutschen Schicksalsjahr 1989 geprägt. Bei welcher Gelegenheit ich die Mark wohl ins Fach tat?
Na der Fund bekommt aber einen Ehrenplatz!


Sonntag, 17. Mai 2020

Markenzeichen: Säuleneichen

Endlich kann ich ein lang gehegtes Projekt umsetzen: Eine weitere Römerstraße zu befahren. Diesmal nicht die Via Belgica, von Köln Richtung Atlantik, sondern die Agrippastraße, die Köln mit Marseille verband. Allerdings rolle ich sie nicht ganz bis zum Ende ab... 😏, zumal auch sie in weiten Teilen verschwunden ist.
Das Projekt bedeutet, erst einmal 17 km entlang der derzeit malerisch begrünten Erft bis zum Einstiegspunkt zurückzulegen.



Nicht viel weiter als diese Stelle reicht sonst meine Streckenkenntnis hier. Danach beginnt für mich persönlich unerforschtes Terrain.


Das merke ich schon recht bald, als ich mich nach einer zudem übel schotterigen Piste schon abseits des Weges wähne. Ich studiere an einer Brücke die Hinweistafeln, während unter der Brücke sich drei Polizisten mit einem dort Schlummernden beschäftigen. Gerade als ich wenden will, fällt mein Blick auf das andere Erftufer und ich erkenne keine Sekunde zu spät eine der mir schon von der Via Belgica bekannten Infostelen.
Heißa, ich bin richtig!

Dem kundigen Radler (und Wanderer) wird erläutert, dass hier der römische Erftübergang lag. Da weiter nichts mehr erkennbar ist, weist ein in den Boden eingelassener Pfeil die Richtung.











Für mich heißt es, entlang einer Landstraße zunächst die Autobahn zu queren, bevor eine weitere Stele auf die nun wirklich folgende befahrbare Trasse einstimmt.



Und endlich kann ich nun auf römischen Spuren fahren! Hier im Bild auch ein weiteres römisches Merkmal: Die Säuleneichen, die in der Antike die Straßen markiert haben sollen. Daher nun auch heutzutage als Straßenbegleitgrün erwählt. Nach gutem Asphalt folgt Schotter. Rollt sich nicht mehr ganz so komfortabel. Aber bei dem herrlichen Wetter strahlt die Sonne das Geschüttel weg. Die Original-Römerstraße soll übrigens noch breiter gewesen sein, erstaunlich.


Plötzlich etwas am Wegesrand. Es ist Uranus. In Erftstadt hat man kurzerhand die Römerstraße zugleich zum Planetenweg gemacht. Im Maßstab 1: 1.000.000.000 kann man hier die Entfernungen der Planeten des Sonnensystems abmarschieren oder -fahren. Da kommt einiges zusammen...



Auch wenn danach wieder eine kleine Unterbrechung folgt, im Luftbild kann man dank Google die alte Wegführung immer noch erkennen, während Wandersleute und Radler zuverlässig zum Fortsetzungspunkt geleitet werden.
Quelle: Google Earth
In Ahrem rolle ich durch eine Straße, die mich glatt zum Anhalten zwingt. Dass es so etwas noch gibt:


Ich meine das hier, ein Rinnstein, oder wie mir im Dialekt noch geläufig ist, die "Soot". Gab es früher in meinem Dorf auch, ist aber da überall verschwunden.


Noch schnell Neptun besucht, und weiter geht es römisch.





Es wird immer malerischer: Endlose Landschaft, Einsamkeit, Stille außer Windrauschen und Feldlerchengesang. Pluto bildet mittendrin den Schlusspunkt des Planetenwegs. Ein Anlass, Venus, Merkur & Co später einmal auch noch zu erkunden.



















Auch ohne Asphaltbelag lässt sich der Weg noch halbwegs gut passieren, doch als er zum Hohlweg wird, wird auch der Feldweg ruppiger. So sehr, dass ich mich an einem leichten Anstieg zum Abstieg entscheide, wer seine Elli liebt, der schiebt. Das ist einfach nicht mehr ihr Gelände.


Nach gut 10 römischen Kilometern wird es Zeit, an den Rückweg zu denken, der wird rund 25 km betragen. Aber ab hier könnte ich ja auch bei einem Folgeprojekt zu einer weiteren Etappe einsteigen...


Ich verlasse also das gut ausgeschilderte Radwegenetz vorübergehend, um eine kürzere Heimwegvariante zu wählen. Mir ist schon fast ein wenig mulmig, weil die Eifelhöhen näher erscheinen als mein "heimischer Hausberg", die Sophienhöhe. Aber sie bietet immerhin eine gute Navigationshilfe. Dennoch verfranse ich mich hier und da, muss öfter die Karte konsultieren (ja, ich bin immer noch analog geprägt), bis ich schon in Heimatnähe dann wieder ins beschilderte Netz zurückkomme.



So rolle ich abseits des Autoverkehrs immer der Nase nach nach Norden. Und muss feststellen, dass der angekündigte Westwind dennoch immer von vorn kommt. 😓 Trotzden, es ist sooo schön, hier auf dieser Ebene. Diese Ruhe. Wäre auch ein ideales Laufterrain.




Eine leicht rätselhafte Kombination vor einem erdbeerverarbeitenden Großbetrieb.


So langsam spüre ich die vielen absolvierten Kilometer. Ein untrügliches Zeichen für aufkommende Erschöpfung ist bei mir das Halluzinieren von Speis & Trank. Mir wäre jetzt nach einem Schinkenbrot, mit Gürkchen und Senf... und dazu ein Radler meiner bevorzugten bayerischen Sorte. Aber ich weiß, dass der Kühlschrank nur das Radler hergeben wird...
Dennoch trete ich weiter wacker dem Wind entgegen.
Beim Natoflugplatz Nörvenich wähne ich mich zu sehr in Sicherheit bekannter Wege und prompt lande ich in einer Sackgasse, muss wieder ein Stück zurück.
Kurzer Blick auf die Rollbahn: Die Luftwaffe hat frei heute.
















Nach 54 km rolle ich zu Hause vor. Ziemlich platt, ellipieren ist deutlich anstrengender als radfahren. Ich bräuchte die Haustür nicht zu öffnen, ich würde auch so unten durch passen. Die Oberschenkel jaulen im Duett.
Aber jeder km war es wert heute. Und die 54 km waren meine bisher längste Elli-Strecke, machen Lust auf weitere Abenteuer dieser Art.

https://www.erlebnisraum-roemerstrasse.de/