Samstag, 10. November 2018

Martinslauf Sindorf 2018 (10 km)

Ein neuer Lauf im rheinischen Läuferkalender: Erstaustragung des Martinslaufs in Sindorf. Mehr Einladung geht kaum: Start/Ziel rd. 500m von der eigenen Haustür, also Privat-WC, Privat-Dusche, Privat-Umkleide. 
Was will man mehr?
Die Premiere ist gut besucht, gut 600 Läufer sind dabei, zuzüglich des vorhergehenden Kinderlaufs.






Es wird etwas geboten: Musik, Beleuchtung, Laternen. Nahrhaftes für die Zuschauer und Zielverpflegung für die Läufer.
Der Lauf geht über 3 Runden, wobei jeder unterwegs entscheiden kann, ob er schon nach einer oder 2 Runden Feierabend macht.
Einen Weckmann gibts obendrauf.







Zwar habe ich mir vorher die Streckenführung angesehen, nur die Laufrichtung war unklar. Doch die ergibt sich nun automatisch.
Wir laufen überwiegend innerhalb des Ortes, nur ein kleines Stück Spazierweg und Ortsrand sind dabei.

Wunderbare Bedingungen: 12°, und das im November. Einzelne Wasserspritzer von oben münden erfreulicherweise nicht in Regen.
Zufällig treffe ich Lauffreund Walter, der sich das Event ebenfalls nicht entgehenlassen will. 
So geht es in einem bunt gemischten Feld über die Straßen, die ich sowieso alltäglich sehe. Dennoch, eine andere Perspektive. Es sind doch allerhand Zuschauer da, manche Nachbarschaftsgrüppchen haben sich Campingstühle an die Strecke gestellt, hier und da Lichter, Laternen, Rasseln und Topfdeckelgeklapper. Ein guter Einstand auch in dieser Hinsicht.
Nach dem Start zunächst die übliche Sortiererei. Ich stecke im Mittelfeld und daher fest zwischen langsamen Läufern. Doch schon nach ca. 100m, als wir auf die erste voll gesperrte Straße gelangen, wird freies Laufen möglich. Walter versucht, sich abzusetzen. Ich halte erstmal gegen und bin erstaunt, dass es gelingt. Nicht nur das, nach ca. 1 km lässt er nach und ich nicht. Ab da sehe ich ihn nicht mehr, habe aber auch keine Augen nach hinten. Später im Ziel wird er berichten, wir hätten uns in Runde 2 getrennt, weil er sich am Wasser verschluckt habe.

Die Strecke erweist sich als durchgängig ganz gut ausgeleuchtet, nur manche Plattenbeläge und zu querende Bordsteinkanten erfordern Konzentration im Spiel von Licht und Schatten. Es läuft gut, den 3. km absolviere ich erstaunlicherweise gar im 5:01'er Schnitt. Was aber auch damit zusammenhängt, dass ich keine Zeit habe, auf die Uhr zu schauen und nur nach Körpergefühl renne. Etwas schwierig ist es gelegentlich mit den Kindern. Manche Jungs sprinten in einem Affenzahn. Doch dann springen sie unvermutet wie die Jojos hin und her oder bleiben gar unvermittelt stehen, Sprit aus.
Die ersten gehenden Läufer sah ich gar bereits bei km 2. 

Kurz vor dem Ziel liegen 2 Begegnungsabschnitte und ich kann mir ein Bild machen, dass viele  hinter mir liegen (natürlich aber auch einige vor mir), hui!
In der zweiten Runde ist das Feld dann gut auseinander gezogen. 
Plötzlich läuft ein Herr in grün-schwarz neben mir. Es ergibt sich eine stumme Laufgemeinschaft. Seine Versuche sich abzusetzen, kontere ich zwar nicht direkt, aber ganz die Kraft zum schnelleren Tempo scheint er auch nicht zu haben. So laufen wir im Gespann durch den Abend. 500m vor dem 2. Zieldurchlauf plötzlich will er es wissen und zieht an. Das ist mir dann doch ein Zacken zu viel (Km 6 und 7 laufe ich mit 5:05 bzw. 5:02), doch abschütteln lasse ich mich nicht. Vielleicht will er ja beim 2. Durchlauf raus, während ich mit den Kräften haushalten möchte? 100 m vor dem Ziel lauert eine gemeine Spitzkehre, in der man richtig Schwung verliert. Der Grün-schwarze gibt alles ... und rennt in die Spur zur 3. Runde. Gerade verabschiede ich mich innerlich von ihm, da biegt er doch noch zum Ausgang ab, zeigt mir aber noch den erhobenen Daumen und klatscht. Nette Geste, aber nun bin ich dann für den letzten Teil ziemlich allein. Denn wie ich erst später sehe, wird die Hälfte der Teilnehmenden nur eine bzw. zwei Runden mitlaufen.
Ich sehe gerade noch den Sieger Richtung Zieleinlauf stürmen. Uff, Überrundung erfolgreich abgewehrt 😂.

Von hinten zieht eine junge Läuferin vorbei, meinerseits kann ich einige Überrundungen vollenden und mich langsam an einen anderen Läufer in Sichtweite vor mir heranarbeiten. 
Ansonsten sind nun auch schon einige Zuschauer heimgegangen. Andere hingegen laufen zur Höchstform in der Disziplin Anfeuern auf. Deren "Muskelkater" wird wohl "Heiserkeit" heißen.

Dass hinter mir lange nichts mehr kommt merke ich, wenn ich über Straßeneinmündungen renne. Denn die sehr zahlreichen Streckenposten lassen nach mir jeweils Autos passieren (Der Lauf zirkelt um ein verkehrsmäßig ziemlich frequentiertes Wohngebiet, die Anwohner wurden zwar vorab informiert über die Sperrungen, nicht jedoch Besucher und Ortsunkundige). Das nimmt mir ein wenig die Anstrengung, denn war die erste Runde locker, ließ die zweite Runde schon erkennen, dass ein flott gelaufener Zehner fordernd ist. Und die dritte Runde nun heißt "beißen". Doch das gelingt recht gut.


Ich kann einige, deren Kräfte verfrüht zur Neige gehen, überholen und noch einen begrenzten )innerlich als solchen empfundenen) Sprint ansetzen. Dann geht im schön illuminierten Ziel ein prima Abendlauf zu Ende. 
Alles sehr gut organisiert, gute Stimmung. Da kommt man gern wieder!

Im Ziel greife ich zum Sportgetränk einer Kölsch-Brauerei, das mir leider gar nicht bekommt, und mache mich auf den "anstrengenden" Heimweg um 4 Ecken und  3 Straßen weiter.


Interessant: In der Startnummer ist ein Code enthalten. Scannt man den ein, erhält man seine Urkunde, bereits während noch gelaufen wird.
Doch der Service ist zu flott. Später werde ich nach 4 Plätze weiter hinten landen. Aber immerhin noch ziemlich weit vorn mit einer prima 52'er-Zeit.😀





Und seltsam, als Zwischenschritt beim Download kommt folgende Anzeige:

Bemerkenswert. Aber ist das angebracht (Zumal veraltet, vgl. Datum)?









Meine kleine Fotoaktion für das Eingangsbild erfolgt unter erschwerten Bedingungen: Miez Sofia findet auch Gefallen am Weckmann.
Doch der ist schon für mein Frühstück fest eingeplant! Da muss die Miez leider zurückstehen.

Sonntag, 4. November 2018

Hornkuh-Initiative

Wäre ich Staatsangehörige der schweizerischen Eidgenossenschaft, dürfte ich ca. zweimal jährlich an Volksabstimmungen teilnehmen.
Ich finde das eine gute Sache, denn das macht es doch der Politik leichter, wenn sie weiß, was das Volk wünscht. (Mitlesende Politiker würden an dieser Stelle vielleicht das Gegenteil behaupten).
So durfte das schweizer Stimmvolk beispielsweise schon über Mindestlohn abstimmen (abgelehnt), die Anschaffung neuer Kampfjets (sog. Gripen, abgelehnt), Deckelung von Managergehältern (abgelehnt), Schengen (angenommen) und viele spannende Dinge mehr. Ja es gibt hier sogar Gemeinden, die haben keinen eigenen Gemeinderat, sondern die Einwohner stimmen jeweils selber ab. Aus Sicht einer deutschen Kommunalbeamtin ein Ding der Unmöglichkeit! Hier funktionierts.

Meinen langen Lauf konnte ich zu echten Feldstudien nutzen. Denn ein neues Abstimmungsthema steht im November 2018 an:
Kühe und deren Haltung.







Auch wenn ich in einem Dorf aufgewachsen bin, sind mir nicht alle Details aus dem Leben der Kuh bekannt. Zwar war mir bewusst, dass es Kühe mit und Kühe ohne Hörner gibt. Doch dachte ich, das seien halt verschiedene Rassen. Erst später erfuhr ich, dass das Menschenwerk ist.





Schaut man bewusst hin, so finde ich, sehen doch Kühe MIT Hörnern auch viel imposanter aus. Und liegt da nicht auch mehr Zufriedenheit im Blick...?









Aus Menschensicht mag es Vor- und Nachteile geben und wirklich lebensnotwendig mögen die Hörner ja vielleicht nicht sein.










Würde man das Argument auf den Menschen anwenden, kämen mir spontan manche Dinge in den Sinn ... lieber nicht zu Ende denken.

Also allerhand Denkstoff. Wer nachlesen will, findet HIER die offizielle Webseite zur Hornkuh-Inititaive mit einem guten Erklärvideo.
Übrigens in sehr verständlicher Sprache dargestellt, unter erfreulichem Verzicht auf Behördensprech.
Tja, gar nicht so einfach, die Sache. Man darf sehr gespannt sein, wie das Volk abstimmt.
Interessanterweise sehe ich bei meinem Lauf deutlich mehr behornte als unbehornte Kühe.

Wäre auch sehr interessant, was Volksabstimmungen ergeben würden, gäbe es sie in Deutschland.
Wäre Berlin Bundeshauptstadt geworden?
Gäbe es allgemeine Tempolimits auf Autobahnen?
Hätten wir den Euro?

Manches Gesetz könnte vielleicht anders aussehen.
Doch, wie mir in der Schweiz schon gelegentlich gesagt wurde, wir Deutschen wählen ja alle 4 Jahre und lassen dann die Politiker machen, was sie für richtig halten. Ohne sie weiter beeinflussen zu können. Aus schweizer Sicht wohl gewöhnungsbedürftig.
Vielleicht heißt es daher ja auch am Wahlsonntag, man gibt seine Stimme ab...?
Da unterscheiden sich beide Länder nicht nur landschaftlich voneinander.
14,5 km in frischer Herbstluft machen auf alle Fälle Spaß.
Den Anteil der Hornkühe und Ohnehornkühe werde ich mal im Auge behalten.
🐄🐐



Sonntag, 28. Oktober 2018

Windige Sachen

Meine "Wetterfahne" zeigt strammen Wind aus Nord-Ost an, dazu 7°. Das bringt frau an die in Herbst und Frühjahr immer wieder zu klärende existenzielle läuferische Grundfrage:
"WAS ZIEHE ICH AN?!"
2 Lagen oder 3?
3/4- oder Longtight?
Handschuhe?
Nicht, dass mein Schrank leer wäre, aber die rechte Wahl bestimmt letztendlich ja auch den Laufspaß mit.
Heute erweisen sich lange Wintertight, 3 Lagen am Oberkörper, Handschuhe als gute Wahl. Dazu die zweite Nutzung eines im März nach dem Syltlauf erworbenen Accessoires:

Eine Windschutzbrille, aus leichtem Kunststoff, die von vorne und auch seitlich die Augen prima schützt. Das waren sehr gut angelegte 12 EUR im Brillenkettenladen! Danke nochmals für den Tipp, Heidrun 👀!







Mein Weg führt läuferisch heute nach Westen, Richtung Tagebaukante. Dabei erlebe ich Hundertschaften, die laut schreiend ihrem Weg folgen. Leider fotografisch sehr schwer festzuhalten, ziehen beeindruckende Vogelschwärme über mich hinweg. Wahrscheinlich nutzen sie den perfekten Wind aus Nord-Ost für ihren Flug nach Süd-West. Ein Kranichschwarm zeigt, wie er sich durch Ausnutzung von Thermik in vielen Kreisen in immer beeindruckendere Höhen schrauben und dann kraftsparend weiterfliegen kann.





Vorbei an einem gerade abgerissenen Gutshof und einer fast kitschig-idyllisch grasenden Schafherde gelange ich nach Manheim, das aktuell wieder in die Schlagzeilen gerät (Beispiel, Beispiel)



Wie mag es dort nach den Besetzungen der jüngsten Tage aussehen? Am Ortsrand begegnen mir ein paar müde Aktivisten, auf dem Rückweg zu ihrem Camp oder Auto. Ansonsten einige Schaulustige, anhand der Autokennzeichen mit längeren Anreisen, die durch das tote Dorf rollen. Keine Polizei, keine Vermummten. Hier einfach ein paar Eindrücke...

Nach fast getaner Abbruch-Arbeit.




Die Post liefert gnadenlos




Hier will noch jemand Weihnachten im alten Dorf verbringen

Küche seit Jahren dauerhaft geschlossen.
Ein besonders trauriges Kapitel, eine Futterstation für die herrenlosen Katzen. Entweder wurden sie von ihren Besitzern zurückgelassen, oder sie fühlten sich in Manheim-neu einfach nicht wohl und liefen die wenigen km einfach wieder zum gewohnten Ort. 


Mir kommt die Idee, statt mich übers Feld dem Wind nun entgegenstemmen zu müssen, doch einfach durch den Bürgewald zurückzulaufen, dort habe ich wenigstens Windschutz. Und auch wunderschöne Herbstfarben, wie ich erfreut bemerke. Die knatternden Motoren der Karts im Erftlandring und ihre Auspuffdüfte lasse ich dabei rasch hinter mir.












Mitten im Wald, ein Arrangement aus Ästen, Landart?



Hinter dem Wald erwarten mich dann doch noch 4,5 ziemlich Gegenwind-geprägte km. Mitleidig schauen mir 2 Polizisten zu, die in ihrem Streifenwagen die Autobahnausfahrt bewachen. Wohl, falls plötzlich wieder eine Sperrung nötig würde wie am Vortrag.
Doch trotz dieser Anstrengung zum Ende haben die 16 km richtig Spaß gemacht.
Müsste immer so locker laufen. 👍

Sonntag, 21. Oktober 2018

Süffisante Krönung

Gibt es für einen Herbstlauf etwas schöneres, als zwischen goldgrüngelb leuchtenden Weinstöcken zu traben?
Schon vor Längerem von Heidrun  und mir ins Auge gefasst, machen wir uns also auf ins Tal der Ahr, um nochmals die Strecke des Ahrathons (Halbmarathon) unter die Schuhsohlen zu nehmen.


Das Wetter meint es allerbestens mit uns. Wir tätigen noch Einkäufe am Verpflegungspunkt 1 und starten daher nicht vom Originalstart, sondern von einer anderen Stelle der Strecke, kurz vor den ersten Anstiegen in die Weinberge.































Am Himmel zarte Wolkenformationen, leicht böiger Wind, knappe 15°. Passt.
Gleich nach beim ersten Anstieg erhalten wir Szenenapplaus. Huch, dabei machen wir's doch wirklich gemütlich...
Schließlich will man doch die wunderbare Gegend genießen (ich) bzw. die Bodenstrukturen bemustern (Heidrun).







Minimale Unsicherheiten in der Rekonstruktion der Originalstrecke können wir im Teamwork überwinden (Nach nun 9-maliger Teilnahme sollte das eigentlich sitzen, oder nahmen wir da wirklich jeweils so viel Alkohol zu uns...?).
Zwar sind viele Rotweinwanderwegwanderer unterwegs, aber schlussendlich weniger, als zu befürchten war.



























Auch beim sonstigen Start-/Zielgelände (linkes Ufer) eher Leere. Hier legen wir unseren Wendepunkt und haben nur noch wenige Kilometer bis zum Auto vor uns.







A propos: Dort haben wir bereits den zuvor erstandenen Stoff deponiert, der uns die schönen erlaufenen optischen Herbsteindrücke in den nächsten Monaten noch "süffisant" krönen wird!
Prösterchen!
🍷