Das wurde aber sowas von Zeit! Im letzten Jahr kam das ElliptiGo so gar nicht zum Zuge. Entweder Regen oder Wind oder keine Zeit, immer war was. Am Ende ging Elli die Luft aus, nachhaltig. Also stand eine Frühjahrskur an, frische Schläuche und Bereifung, Inspektion.
Und endlich, heute stimmte alles, los geht es mit dem munteren Strampeln. Anfangs muss ich mich wahrhaftig wieder eingewöhnen, der 5. Gang ist mir zu lasch, der 6. dann aber gleich zu fordernd. Nach einer Weile läuft's rund. Eine eigentlich angepeilte Straße am Rand des Tagebaus ist leider für Fahrräder gesperrt. Gern würde ich hier nochmals einen Blick auf meinen Weg 2023 zur Grabungsarbeit werfen. Aber da diese Straße schmal ist und hier gern gerast wird, verzichte ich lieber.
Also heißt es einen großen Umweg zu machen und einen anderen Weg nach Manheim zu nehmen.
Aber erst noch rolle ich bei einem "alten Bekannten" vorbei. Ein abseits gelegenes Wohngrundstück wird tierisch bewacht. Wie immer stürmt sofort der Berner Sennenhund heran und verbellt mich nach Strich und Faden. Die zweite Stimme dazu liefert ein Appenzeller. Beide haben zwischen Zaun und Sträuchern schon einen festen Hunde-Trampelpfad erlaufen, während sie ihrem Job nachgehen. Und jedesmal schicke ich ein Stoßgebet zum Himmel, dass dieser Zaun bitte keine Lücke habe. Aber diesmal stoppe ich, möchte ein Foto machen. Das hatte sich der Berner nicht so gedacht. Völlig irritiert verstummt er, geht ein Stück zurück und trollt sich. Sein Kumpel hielt gleich Abstand.
Gleich nebenan ist ein größerer Reiterhof, vor dem eine kleine gepflegte Kapelle steht. Na das bietet sich doch an, diese gleich "mitzunehmen". Sie ist sogar geöffnet, innen sehr gut unterhalten und dekoriert.
Und dann erreiche ich endlich Manheim. Früher genannt "das sterbende Dorf", weil die Bewohner tagebaubedingt umgesiedelt wurden. Allerdings hielten immer noch einige wackere Gallier die Stellung. Inzwischen, so muss man wohl sagen, ist es "das gestorbene Dorf". Es sieht nur noch schrecklich aus.
Immerhin, ich kann die Kirche meiner kleinen bloggerischen Kirchensammlung hinzufügen. Sie soll auch weiter stehen bleiben und irgendwie genutzt werden. Leider wurde sie innen komplett leergeräumt, selbst die Fenster wurden ausgebaut. So müsste dann erst einmal Geld her, ums eine Nutzung überhaupt zu ermöglichen.
Ich rolle ein wenig durch den Ort, soweit das noch geht. Denn es wurde zwar weiter abgerissen, aber auch etwas neues hinzugefügt. Wo Berlin früher eine Mauer hatte, hat Manheim jetzt einen Wall. Der läuft quer durch das Gelände und markiert die nun verbotene Zone:
Aber eine der beiden Bushaltestellen, die im Tatort "Abbruchkante" vorkamen, ist noch vorhanden.
| Quelle: https://www.ardmediathek.de/video/tatort/abbruchkante-2023/wdr/Y3JpZDovL3dkci5kZS9CZWl0cmFnLXNvcGhvcmEtZGY1NTkwODMtZDhkMC00ZjA4LTkzZTEtNGZkOGUxYzFhMDIz |
| Quelle: https://www.ardmediathek.de/video/tatort/abbruchkante-2023/wdr/Y3JpZDovL3dkci5kZS9CZWl0cmFnLXNvcGhvcmEtZGY1NTkwODMtZDhkMC00ZjA4LTkzZTEtNGZkOGUxYzFhMDIz |
Bei inzwischen 26° rollere ich noch ein wenig herum. Das ist ja Vorteil und Nachteil des ElliptiGo zugleich. Sobald man rollt, hat man herrliche Luftkühlung, die Hitze ist kaum spürbar. Aber sobald man steht ... puh!
Ein Haus ist noch immer bewohnt. Blumen vor der Haustür und die Mülltonnen ordnungsgemäß am Straßenrand:
Trotz aller Zerstörung in Manheim, es gibt eine unglaubliche Ruhe zu erleben. Nur ein paar Vögel zwitschern, kein Autobrummen stört. Rehe oder Hasen habe ich diesmal nicht gesehen. Aber sie hätten auch gute Tarnung durch die wildwuchernde Natur. Und sicher können sie nicht die Verbotsschilder auf dem Wall lesen, tummeln sich vielleicht dahinter. Nächstes Mal nehme ich ein Picknick mit. Sonnenuntergang an der Abbruchkante, wer hat das schon?