Samstag, 15. Juni 2019

Ahrathon 2019 (Halbmarathon)

Wenn Piraten, Elfen, Einhörner, Indianer, Sträflinge und anderes sonderliches Volk in Scharen auftreten, dann ist Karneval oder Ahrathon. Karneval war schon, bleibt die andere Alternative.
Unser traditioneller Lauf im Juni, meine 8. Teilnahme inzwischen, ich darf konstatieren, bei jeder Austragung dabei gewesen zu sein.





Kurz vor dem Startschuss der ersten Starter, den Marathonis, geht zunächst einmal dem Startbogen die Luft aus... Anscheinend ein Technikdefekt, denn der Zielbogen weiter hinten sackt auch in sich zusammen. Nach einigen Minuten ist die Ursache gefunden und behoben. Nach den Marathonis werden die schnellen Halbmarathonis, dann 2 Kostüm-Halbmarathongruppen und dann 3 weitere Halbmarathongruppen auf die Strecke geschickt. Alle weit zeitversetzt, um Übervölkerung der Wege zu vermeiden.


Ich erwische noch Chris bei seinem Start (schnelle Halbmarathonis) und habe dann eine Stunde Wartezeit, bevor auch ich im ersten der drei "Normalo"-Halbmarathonblocks starten darf.










Die Luft fühlt sich schwülwarm an, Erinnerungen an den Hitzelauf in Duisburg werden wach. Doch nach wenigen Kilometern werden die Wolken dichter und geben Schatten. Zudem herrscht teils kräftiger Wind, der Kühlung bringt.
Bald naht der erste Verpflegungspunkt.
Nicht zu verfehlen, denn zahlreiche Kostümläufer sind hier schon hängen geblieben. Sie starteten 30 Minuten vor mir...
Aber eigentlich kein Wunder, es werden immerhin 6 Weine für die Läufer angeboten, dazu Häppchen. Ich gönne mir eine kleine Weißwein-Cuvé. Mh, ja, lecker.😀


Man beachte den Schneeman...



Doch allzu lange möchte ich nicht verweilen. Es wartet der erste kräftige Anstieg, den ich überwiegend laufend absolviere. Jedoch nicht, ohne die beeindruckende Aussicht wieder und wieder zu bewundern, und die Vielfalt der Kostümierungen.
Und hach, es läuft sich herrrrrlich, die Kiesel knirschen unter den Schuhen.









Dieses Jahr gibt es Neuerungen. Die Marathonis laufen nicht mehr die Halbmarathonrunde doppelt, sondern verlassen die Runde bei km 8, laufen ca. 21 Extra-Km, und stoßen dann wieder zur Runde dazu.
Zudem wurde VP 2 verlegt. Zum Parkplatz des Regierungsbunkers ("Ausweichsitz der Verfassungsorgane des Bundes (AdVB) im Krisen- und Verteidigungsfall zur Wahrung derer Funktionstüchtigkeit"), den ich so erstmals kennenlerne.
Dort hat sich ebenfalls ein munteres Völkchen versammelt. Noch mehr Kostümierte, die noch munterer drauf sind. Ich gönne mir ein paar Schluck Roten, doch dann erspähen meine Augen den köstlichen Weißburgunder Feinherb, an den ich vorletztes Jahr mein Herz verlor. Die Flaschen warten perfekt gekühlt zwischen Eiswürfeln auf Verzehr. Ich KANN nicht widerstehen und lasse mir ein Gläschen -halb-einschenken, jammjamm!





Inzischen sind meine Beine super-locker, etwa eine Folge der 3 aber wirklich nur gering zu Verkostungszwecken gefüllten Gläslein...?

VP 3 macht schon akkustisch aus der Ferne auf sich aufmerksam. Hier wird live gespielt. Ich belasse es bei Wasser.
Ein Wanderer spricht mich an, erkundigt sich, ob hier auch der Halbmarathon vorbei käme, und wann denn. Ein wenig muss ich mich ernst halten, erkläre ihm, dass die hier gerade ALLE Halbmarathon sind... Seinem Blick ist anzusehen: DAS soll laufen sein??
Ich verweile ein wenig, im Genuss aufgehend, im akkustischen Genuss. Gerade wird ein Lied gespielt, dass mich viele Jahre zurück katapultiert. Das waren noch Zeiten: Link. Ich könnte glatt schmelzen, lasse ein wenig den Blick über das Tal schweifen, aber dann reiße ich mich doch los, frisch beschwingt, "with my head up in the clouds"...







Auf gehts zu VP 4, vorbei an wehenden Schottenröcken und Tütüs an Männerbeinen und weiteren lustigen Gestalten.
Dieser VP ist bei Kennern bekannt für seine äußerst schmackhaften Spaghettiröllchen. Kaum erspähe ich sie auf dem Tisch, höre ich hinter mir eine Stimme "Gibt es hier nicht die legendären Spaghettiröllchen?" Ja, und sie schmecken auch dieses Jahr wieder köstlich, wie ich mich überzeugen kann.






Das Musikangebot ist wiederum live, mehr in Richtung Jazz. Ich nehme mir ein Wasser und ein Glas leckeren Weißwein, schaue nochmals übers Tal, lasse mich vom Wind kühlen und genieße den Moment. Ach wie schön kann laufen sein!



Die Kurve meiner Lauflaune steigt ständig nach oben. Tun die hier etwas Glückshormone in ihren Wein? Sanft geht es abwärts. Ich überhole ständig, bevor ich dann meinerseits von zwei Baströckchen mit männlichen Inhalten passiert werde. Und dann, leider viel zu früh, folgt schon Ahrweiler, wo wie immer freundlichen Polizisten für jeden Läufer den Verkehr anhalten.






VP 5. Nochmal viel Stimmung, leckerer Wein, Kuchen und Livemusik. Hatte ich schon erwähnt, wieviel Spaß laufen macht?




Es geht ein wenig durch die Ahrweiler Gässchen, wo man momentan anscheinend Straßensanierung betreibt, an der Stadtmauer entlang und durch das Stadttor hinaus, dank freundlicher Polizisten sicher über die Straße geleitet, entlang der Ahr zum VP 6, der seine erfrischenden Obstspieße bereithält.





Ich sollte noch erwähnen, dass ich schon seit km 18 nicht mehr ich selbst bin. Meine Beine haben die Kontrolle übernommen und der Rest ist eigentlich nur Passagier auf einem nicht enden wollenden Schlussspurt. Ich renne locker flockig, deutlich unter 6 Min/km, und überhole und überhole. Zwei identisch gekleideten männlichen Pippi Langstrumpfs (sogar die Kniestrümpfe sind einheitlich links hochgezogen und rechts runtergelassen) kann ich gerade noch zurufen, ob ich denn schon doppelt sehe, da bin ich auch schon an ihnen vorbei.
Hinein in den schattigen Kurpark, wo ich 3 laufende Schokolinsen überhole.
Ich fliege dem Ziel durch das Spalier der Cheerleader entgegen, wo Chris mich schon erwartet und ein kleines Finishervideo dreht.




Ne wat wor dat schööön, so drückt man es gern im Rheinland aus. Prima Stimmung, die VPs deutlich besser organisiert als 2018. Selbst das Wetter passt.
Chris hat eine 1:57, er lief auf Zeit. Meine Uhr zeigt 2:20, wobei wohl wegen der Autostoppfunktion bei zu langem Stehenbleiben einzelne Minütchen draufkommen dürften (Es werden 2:37:10). Aber das stört wenig, ich war auf Genuss aus, und den hatte ich. 😄
Da ertragen wir auch, dass der Wein im Ziel wieder arg nah in Richtung Essig geht. Aber wer es gern herb bis sauer hat, wird des mögen.
Und dass es im Hotelcafé direkt am Zieleinlauf leider nur Kaffee pur und kein einziges Stückchen Kuchen gibt (Begründung des Kellners: Das Wetter...)
Doch das tut dem wunderschönen Lauf heute keinen Abbruch. Im Gegenteil, wir freuen uns auf den 13.6.2020!

Mittwoch, 12. Juni 2019

Marathonspätfolgen

Man könnte das jetzt auch "Spätzündung" nennen...
Als wir zum Marathon 2018 in Salzburg weilten, wollte natürlich auch die Stadt erkundet sein. So stießen wir auf eine besondere Art Kunst, läuft unter den Bezeichnungen "Urban Knitting", "Yarn Bombing" oder auch "Guerilla Knitting".







Der Umgang mit Nadeln und Garn ist mir ein in Jahrzehnten sehr lieb gewonnener, kein Wunder also, dass mich die Erinnerung an das Gesehene nicht mehr losließ.
Der Gedanke hatte sich festgesetzt,
reifte in meinem Kopf vor sich hin,
verwob sich immer fester mit den Synapsen
und brachte endlich das für mich tragende Projekt hervor!
Ich stieß auf eine Grafik eines französischen Künstlers, und genau diese wollte nun mit Nadel und Faden vom Papier an den Baum vorm Küchenfenster.


Das dortige städtische Beet versuche ich schon länger vom langjährigen Vernachlässigungsprozess durch den örtlichen Bauhof (ja auch hier muss gespart werden) zu erlösen und kann schon leidliche Verbesserungen konstatieren.
Wäre das nicht ein geeignetes Objekt?












Gedacht - gehäkelt - montiert.
Zur Freude der Nachbarn liebkost da nun ein struppiger Kerl den vom dichten Efeu befreiten Stamm.
Bin mal gespannt, wie er sich da so hält.

Wer hätte das gedacht,
da fährt man nach Salzburg zum laufen,
und am Ende umarmt einer daheim den Baum. 😊