Sonntag, 16. Februar 2020

Nase voll

Ja, das gibt es auch noch, diese typische "Winterzutat". Auch wenn wir dafür ein wenig reisen mussten und der Schnee sich selbst in der Schweiz rar macht!
Blauer Himmel zog mich richtig vor die Tür und für flotte 6 km wählte ich die Route über den Aussichtspunkt hinter dem Dorf.
Herrliches Panorama...! Nur die 120 Höhenmeter schafften mich etwas.
Dazu gabs voll auf die Nase: Frische Luft, Düfte nach Erde, nach Landwirtschaft, nach Kuh und Pferd. Hach, da ist man wirklich mitten drin im Urlaub!






















Wir liegen knapp unter der Grenze, wo Schnee sich etwas hält. Was aber dennoch bedeutete, morgens nach der Ankunft das Auto von einer matschig-weißen Masse befreien zu müssen, will man sich damit fortbewegen...



















Gleich am Tag unserer Ankunft stand eine geführte Wanderung am Murtensee über 13 km an. Leicht welliges Terrain, dennoch war ich am Abend völlig kaputt. Ob es an der Luftveränderung lag, oder an den vielen historischen Facts, die unserer Guide uns erzählte, insbesondere zur Schlacht um Murten, als Karl der Kühne von den Eidgenossen auf die Mütze bekam und auf dessen Spuren wir wandeln, oder an der Nahrung...?
Es gab nämlich eine sehr witzige Mittagsverpflegung:




Käsefondü aus einem großen Kessel im Freien, vom Käser selber angerichtet, bei herrlichem Vorfrühlingswetter, saulecker! Gottseidank ging es danach nur noch hügelabwärts.


Heute noch ein langer Lauf über 22 km. Einfach mal am sonstigen Wendepunkt, der Eishockeyfläche, geradeaus weiter. Vorteil: Ebene Straße, Nachteil: Kein Radweg, dazu Autos. Mit etwas Umsicht ließ sich das bewerkstelligen. Ich entdecke einen (weiteren) Bauernhof, der Alpkäse aus dem entfernteren Diemtigtal anbietet. Angesichts der Entfernung dorthin müssen die Kühe sicherlich per LKW verfrachtet werden. Davon muss eine Kostprobe beschafft werden!
Fand ich mich anfangs meiner Tour zu warm angezogen, ändert sich das, je weiter ich in dieses Tal komme. Der Wind nimmt anscheinend Kälte von den Schneefeldern auf und zunehmend bildet sich eine Atemwolke. Es scheint ein "Kälteloch" zu sein und ich bin froh über die dann doch passende Sportkleidung.
Ich laufe, soweit die Straße halbwegs flach bleibt. Am Talende schraubt sie sich dann zum Schallenbergpass hinauf, hinter dem definitiv das Emmental beginnt.
Aber solch eine Höhentour stand nicht auf meinem Programm...


Sonntag, 9. Februar 2020

Gerade nichts am laufen


Jetzt postet sie auch noch Essen...
Nun ja, etwas läuferisches gäbe es freilich auch nicht zu berichten. Erst keine Zeit, dann kam ein Erkältungsintermezzo dazu, das nun schon wieder in "keine Zeit" mündet - Dienstreise. Ein kleines Läufchen über 5 km klappte trotzdem noch, und tat gut.
Das Bild hat dennoch mit Laufen zu tun. Es handelt sich um ein köstliches vietnamesisches Mahl. Das allererste dieser Art hatte ich am Rande des Marathons in Weimar und so nutzte ich hocherfreut die Gelegenheit eines Lokals dieser Geschmacksrichtung gleich beim Hotel. Habe ich mir auch verdient, wie ich finde. Stundenlange Bahnfahrt mit Triefnase hat doch Kompensation verdient!

Zumal ich auch noch 2 Tage zu spät für eine Teilnahme am örtlichen Opernball ankam! Zu gerne hätte ich doch einmal im Walzertakt geschwoft... Aber - um ehrlich zu sein- das wäre wohl auch ohnehin den Bazillen zum Opfer gefallen.




Immerhin komme ich trotz der heranrückenden "stürmischen Sabine" gut und sogar auf die Minute pünktlich an.

Kurz kann ich mich noch am immer wieder schönen Anblick der Frauenkirche erfreuen. Ab morgen wird es dann nur noch arbeitsam, ist ja keine Vergnügungsfahrt...
Aber dann wird wieder gerannt!

Sonntag, 2. Februar 2020

In Schleifen zur Via Belgica

Mein Plan sah einen Lauf nach Horrem vor, und dann vielleicht im Windschutz der dortigen Häuser ein paar Runden zu drehen. Doch kaum trat ich vors Haus, fand ich das zu profan. Erst noch eine Schleife durch mein Viertel vorschalten.
Nach deren Absolvierung mochte ich immer noch nicht zur geplanten Strecke, erst noch eine weitere Schleife im Nachbarviertel einschieben.
Kaum war diese wiederum begonnen, wirkten die gute Luft und die milde Temperatur regelrecht beflügelnd, zack, zogen die Beine von selber in eine ganz andere Richtung. Und dann kam auch noch die Sonne hinter den zunächst dunklen Wolken hervor! Wie von selber geht es nord-westwärts nach Thorr.
Kürzlich las ich etwas von der Markierung einer früheren römischen Siedlung in Elsdorf, dem überübernächsten Ort westlich.
Wo die dorthin führende römische Straße verlief, ist mir bekannt. Also auf zu einer von mir bisher läuferisch völlig ignorierten Strecke.


Nicht ohne zuvor die wunderbare Wirkung des Sonnenlichts auf die Landschaft zu würdigen. Könnte das nicht eine englische Parklandschaft sein...? Naja, fast wenigstens.







Im nächsten Dorf, Grouven, fällt mir auf, dass ich hier seit gut 40 Jahren nicht war, obwohl es nur 7 km von daheim ist. Liegt halt etwas abseits.
Nach einer Führung in einem lokalen Heimatmuseum zum Thema Ritterburgen weiß ich nun, dass dieses Gebäude aus dem 15 Jahrhundert stammt, einst ein Rittersitz war, doch seither leider einige Umbauten bis zur völligen Verhässlichung erleiden musste. Inzwischen unbewohnt.


Hinter Grouven erkennt man deutlich die typische römische Straße, schnurgerade in die Landschaft gepflügt. Dies ist die Via Belgica. Früher verband sie Köln mit der Atlantikküste. Und hier hat sich für ein paar Kilometer ihr Verlauf gut erkennbar erhalten, bevor er von der im Bild erkennbaren Sophienhöhe, der Abraumaufschüttung aus dem Tagebau, unterbrochen wird.
War der Wetterbericht für den Samstag sehr zuverlässig, weil der morgendliche Regen zum Nachmittag hin aufhörte, setzt sich der Wahrheitsgehalt der Prognose nun spürbar fort: Die angekündigten Sturmböen bis Windstärke 8 laufen sich warm und kommen mir genau von vorn entgegen. Da kann ich doch schon einmal für Sylt trainieren...


Zudem hatte ich mir in den Kopf gesetzt, die Fundstelle der Römersiedlung am nächsten Ortseingang noch zu finden, und das gelingt. Allerdings ist außer einer Infostele zum "Vicus Elsdorf" nichts zu sehen. Aber wenigstens kann ich auf diesem Wege meine Bildung zur lokalen Historie ein wenig erweitern.




Ein weiterer Grund für meinen Lauf dem Wind entgegen war, dass ich dann für den Rückweg entsprechenden Schub von hinten haben werde. Und den genieße ich auf den weiteren Kilometern des langen Wochenendlaufs. Nach 18,6 km komme ich in der Dämmerung angenehm ermattet wieder daheim an.

Donnerstag, 30. Januar 2020

Bewegung mit und ohne Wind

Vom Winde verweht waren meine Laufambitionen am Dienstag und Mittwoch. Also, ähm, erst war gewisse Laufunlust da, und dann kam auch noch Sturm dazu.
Gerade befand ich mich im engen Disput mit dem inneren Schweinehund, als es draußen immer wieder rumpelte, diverse Mülltonnen vom Sturm herumgeweht wurden.
Da konnte der gesunde Läufermenschenverstand ja nur von Outdoor-Akrivitäten abraten!
Gleiches galt Mittwoch.
Heute abnehmende Luftbewegungen bei leicht steigenden Temperaturen, also trabe ich in der Mittagspause los. Mein Laufgefühl ist anfangs wie die Landschaft, öd und leer, just doing the job. Also einfach stumpf laufen und laufen.


















Nach 2/3 meiner 12-km-Runde stellt sich dann doch das gute alte Gefühl ein. Schön anzusehen, wie sich das Schilfgras (oder was immer da im Bachbett wuchert) im Wind bewegt. Ab da bewege ich mich dann wieder motivierter. Am schönsten ist es immer, ins Haus zu kommen, wo es warm ist, und das gute Gefühl zu genießen, für heute etwas getan zu haben!


Sonntag, 26. Januar 2020

Betrachtungen vom Rande

Sonnenstrahlen und milde Temperaturen - verlockendes Laufwetter!
Mein Ziel ist klar: Nachdem die Medien kürzlich berichteten, dass der umkämpfte Hambacher Forst ("Hambi") bleiben soll, will ich doch mal schauen, wie es aktuell dort aussieht...
Denn: Die Dörfer Manheim und Morschenich sollen dennoch weiter wie geplant abgerissen werden.
Zur Orientierung meine heutige Laufkarte. Die beiden Dörfer blau umkreist, meine Route die rote Linie von rechts. Hambi in der Mitte. Allerdings ist das Netz nicht ganz aktuell, der Wald ist deutlich weiter reduziert. Da, wo meine Lauflinie einen kleinen "Blinddarm" nach links bildet, liegt aktuell die von Nordwest kommende Kante. Der unübersehbareTagebau war früher zu weiten Teilen Wald.

Quelle: Flow Polar mit OpenStreetMap






















Zunächst streife ich noch einen Hof, der abseits im Feld zwischen Manheim un dem Tagebau lag. Von weitem erkennbar, dass inzwischen hier ebenfalls der Abriss läuft. Erst im Herbst 2019 zogen die Bewohner aus.



Weiter geradeaus in den Hambacher Forst. Links noch dichter Wald, rechts die Tagebaukante.























An dieser Stelle also soll es nicht mehr weitergehen. Den Rand betrachte ich daher genauer.


Von hier kehre ich um und laufe noch ein wenig durch Manheim. Die folgenden Bilder zeigen ein Dorf, das einmal dicht besiedelt war. Man kann es kaum glauben. Die Orientierung fällt mir schwer, denn markante Punkte waren immer Gebäude, aber die fehlen nun, Straßenschilder ebenfalls.











Das ehemalige Dorfzentrum






Der ehemalige Friedhof

In der Woche fühlten sich zwei kürzere flotte Läufe gut an. Doch fällt mir heute der Sport schwer. Ich kann kaum glauben, dass ich eine Woche zuvor einen ungeplant guten Halbmarathon absolvierte. Aber vielleicht deswegen, in meinem Alter -hüstel- dauert Regeneration wohl länger...
Nach 19 km schleiche ich geschafft durch die Haustür. Eigentlich sollten es 22 werden. Chris hingegen spult die 27 km, die er sich vorgenommen hatte, einfach so ab. Als wenn er nicht etwa auch den Halbmarathon mitlief...
Wenn ich nicht wüsste, dass auch solche Lauftage normal sind und meine Laufwelt bald sicher wieder anders aussieht, würde das auf die Stimmung drücken.
Aber so bleibt es eine Betrachtung am Rande.
Und dass man nie die Zuversicht aufgeben soll, zeigt ein letzter kleiner Eindruck aus Manheim: