Freitag, 15. November 2019

Hart an der Grenze

Da hinten liegt die Grenze. Nicht nur die zwischen Berner Oberland und Emmental, sondern heute auch die zwischen Schnee und Nicht-Schnee.
Das reizt doch herauszufinden, ob ich bis ins Weisse gelange, über die Schneefallgrenze...
Immerhin, ich kann wählen. Nicht weit weg wohl aber höher, auf der Kleinen Scheidegg, dem Ziel des Jungfrau Marathons, bestand gestern keine Wahl mehr. Rd. 200 Touristen und Berufstätige konnten abends wegen Schneesturms nicht mehr per Bahn zu Tale gelangen. Sie mussten behelfsmässig für die Nacht untergebracht werden.

Und wahrlich, nach 4,5 km stehe ich im halbwegs weissen Schnee. Zwar eher nass-feucht, aber immerhin, der Winter übt schonmal und macht Appetit auf weisse Weihnachten. Ich bin gespannt, ob sich dieses Jahr die Hoffnung erfüllt!
Etwas über der Grenze ist es für meine On Cloud Surfer. Im Sommer ein wunderbar leichter Schuh, frieren doch nun schnell die Zehen und auch ohne Regen oder Schnee von oben werden die Füsse bald nass, weil die Feuchte der Strasse auch so Zugang findet.

Der Himmel sieht zwar nach weiteren Schneefällen aus, aber laut Wetterbericht soll dem nicht so sein.
Bei mir läufts richtig gut. Angesichts des 1° musste ich mich zwar überwinden. Doch wie so oft, ist man einmal unterwegs, kommt Freude auf! Ich fühle mich in richtig guter Form. Was erfreut und ein wenig ärgert. Das hätte richtig Spass gemacht, letzte Woche beim Martinslauf in meinem Wohnort. Doch leider, der wurde kurzfristig auf den Donnerstag vorverlegt, genau auf den Tag, an dem ich auf Dienstreise weilte. Als ich am Abend meinen Koffer von der Bahnstation nach Hause rollte, kamen mir die letzten Läufer auf ihrem Heimweg entgegen. Das tat echt ein wenig weh...
Heute verpasse ich den Lichterlauf im Nachbarort, Familienfeier. Nun ja, nächstes Jahr findet der Lauf hoffentlich auch noch statt.

In flottem 6-er Schnitt laufe ich an einer rein biologischen Einschlafhilfe vorbei...







Man kann sogar wählen, ob man schwarze oder weisse oder schwarz-weisse Schäflein zählen möchte...😏

... 😴





Samstag, 9. November 2019

Leerzeit

Nach dem Marathon ist nicht vor dem Marathon. In den Tagen nach Frankfurt  schwebte ich erstmal ein wenig vor mich hin. Wie immer, am Montag nach dem Lauf ein gemütlicher Bummel durch die Stadt, diese und jene Ecke wiedererkannt vom Lauf, und ach, da ist sie, die blaue Linie! Irgendwann kratze ich von so einer mal ein paar Partikel ab und konserviere sie 😉.
Daheim konnte ich den Lauf nochmal erleben, hatte ich doch die TV-Übertragung aufgenommen. Also nochmals vom Sessel aus auf durch die Straßenschluchten und durch die ländlicheren Vororte gerannt.
Im Büro trug ich insofern zur Erheiterung bei, als dass ich in Frankfurt einen männlichen Kollegen um 5 Minuten geschlagen habe, ohne ihn auf der Strecke je zu sehen. Dabei muss ich ihn überholt haben auf den letzten Kilometern.

Seither habe ich mir Müßiggang erlaubt. Trainingsleere quasi. Abgesehen von 2 kürzeren Läufen am vergangenen Wochenende. Und heute einem 11er, der sich zwar gut lief, aber einen zu hohen Puls erzeugte.
Ein Infekt im Anzug? Ich werde es sehen.
Jedenfalls tut es gut, sich an der nun mit 7° frischen Luft zu bewegen. Auf Anhieb gelang mir auch die rechte Bekleidung. Zu den Jahreszeitenwechseln habe ich da manchmal so meine Problemchen. Öfter zu warm angezogen, gelegentlich zu kalt. Aber heute passte es.

Ansonsten laufe ich aber derzeit immerhin virtuell. Ich lese gerade das Buch von Philip Pflieger "Laufen am Limit". Wem der Name nicht gleich etwas sagt: Das ist der Läufer, der 2017 beim Berlin Marathon bei km 39 kollabierte und einem Passanten quasi in die Arme fiel. Zu lesen gibt es weder Trainingspläne noch Motivationscoaching oder dramatische Enthüllungen. Man erfährt einfach, wie er zum Laufsport kam und welche Mühen er auf sich nimmt, um seinen Sport zu leben, das Beste aus seinem Potenzial zu machen und wie er trotz einiger Rückschläge immer wieder aufs Neue Anlauf nimmt. Man liest von Erfahrungen, Erlebnissen, Ansichten und dem Druck, dem Sportler wie er ausgesetzt sind. Lesenswert!

Und angesichts des historischen Datums heute (30 Jahre Mauerfall) habe ich ganz tief im Regal gegraben und ein paar Vinylschätzchen aus der DDR hervorgekramt. Ich habe dort zwar nicht gelebt, hatte aber enge Kontakte. Ja, da kommt ein wenig Melancholie auf...
Lange nicht mehr gehört hatte ich dieses Lied auf einer schwarzen Scheibe von 1979 (das Video ist jünger) und bin überrascht, dass Holger Biege damals schon einen solchen Text verfasst hatte: Link😳
Und dann muss noch ein anderer persönlicher Klassiker aus dem Jahr 1977 auf den Plattenteller: City, Am Fenster, Langversion (das eigentliche Lied beginnt bei Minute 7). Da schmelze ich jedesmal, immer noch wunderbar! 😀

Ein interessantes Erlebnis hatte ich heute auch:
Ein bildschöner Husky kommt mir entgegen, an der Leine zieht er sein betagtes Frauchen hinter sich her. Kaum sieht er mich nahen, nimmt er eine stramme Haltung an. Frauchen zieht die Leine kurz und bugsiert ihn an den Rand eines Feldes. Normalerweise für mich das Zeichen, vorsichtig zu sein und einen mögichst großen Bogen zu laufen. Doch dies hier geht anders aus. Als ich etwa auf der Höhe von Hund und Frauchen bin, macht er einen gaaaanz langen Hals in die Luft, wirft den Kopf in den Nacken und stimmt ein kräftiges Heulen an.
Ja bin ich für den etwa der aufgehende Vollmond...?


Dienstag, 29. Oktober 2019

Frankfurt Marathon 2019

Irgendwie brauchte ich noch eine Herausforderung...
Der leider wieder magenverkorkste Marathon in Weimar  verlangte doch nach Kompensation. Die war zwar theoretisch auch schon beim locker gelaufenen Marathon in Monschau gegeben, aber den lief ich ja nur in der offiziell angebotenen Genussvariante.
Also habe ich mal trainiert als ob, und entschied mich dann recht kurz vorher für Frankfurt.



Anreise Samstag, entspannte Abholung der Startnummer in der Messe und abends, hm, lecker, Grüne Soße - DAS MUSS in Frankfurt!

War mein Kopf die Tage vorher fast verdächtig entspannt, setzte dann des nachts ein umso dolleres Gedankenkarussell ein. Warum
bin ich hier? Was soll das? Ich könnte den Tag ganz entspannt verbringen, stattdessen dann wieder diese Plackerei. Zumal des Wetter im Laufe des Tages schlechter werden sollte. Und wenn der Magen wieder...? Bin ich eigentlich blöde... Reicht doch, am Streckenrand zuzuschauen... ICHWILLNACHHAUSE.

Tolle Basis. Entsprechend unlustig steige ich am Morgen aus dem Bett, und falle gleich wieder aus akuter Demotivation hinein. Irgendwann siegt dann doch das Selbstwertgefühl. Ich will ja wieder in den Spiegel schauen können.
Also überwinde ich mich und wir schlappen los durch einen ungemütlichen Morgen. Unser Hotel liegt sehr verkehrsgünstig und ruhig im Bahnhofsviertel. Was bedeutet, dass unser Weg vorbei an ziemlich vielen Gestalten am Rande der menschlichen Gesellschaft, bzw. überwiegend schon jenseits dieses Randes führt. Tief einatmen sollte man besser auch nicht.
Uuuaaah.

Doch je näher wir in wenigen Minuten dem Start kommen, umso eher verflüchtigen sich meine Selbstzermürbungsanfälle. Es gelingt mir zumindest, halbwegs Einklang mit mir selber herzustellen.
Dazu trägt auch bei zu wissen, dass die anderen 14.000 (zzgl. 2000 Staffeln) sich ja auch der Herausforderung stellen...




Schon auf den allerersten Kilometern wird mir schwindelig - im übertragenen Sinne. Der Kurs führt im Zickzack durch die Frankfurter Innenstadt, viele Stellen kommen mir bekannt vor, aber die Orientierung habe ich rasch verloren. Gefühlt wird jeder Wolkenkratzer einmal umrundet. Zudem sieht man mal auf der Gegenfahrbahn, mal an Querstraßen immer wieder Läufer. Ein unglaubliches Gewusel.





An der Oper ist einer der Hot Spots aufgebaut. Auf einer Großbildleinwand kann man sich selber zuwinken - ha, ich erkenne mich auch kurz:




Und schon gehts auf einen weiteren Schwenk durch so enge Straßen, dass meine Uhr auch orientierungslos wird und mir dauernd unglaubwürdige Zeiten signalisiert. Vierer-Schnitt renne ich garantiert nicht. Im Gegenteil, ich laufe nicht nach Uhr sondern so, dass ich mich wohl fühle.


Jedenfalls würde ich auch kein solches Accessoire, wie dieser Kick-Boxer mitführen, einen echten (!) Baumstamm. Er wuchtet ihn immer wieder von einer auf die andere Schulter und ruft dabei den Läufern und Zuschauern aufmunternde Dinge zu:


Wir passieren das Eschenheimer Tor. Übrigens wohnte und wirkte in dem heute bescheiden anmutenden, vor 60 Jahren aber sehr modernen Haus in der Bildmitte (gleich hinter den 4 Fenstern über der Telefonnummer) einst die verruchteste und skandalumwittertste Frau der jungen Wirtschaftswunderrepublik, Wikipedia erzählt mehr.


Weiter gehts, nochmals entlang der Oper, wo der Hessische Rundfunk sein Liveübertragungsareal platziert hat. Direkt neben uns Läufern sitzen die Moderatoren, Dieter Baumann und Jan Frodeno (im weißen Shirt). Gerade als ich vorbeikomme, drehen sie ihre Köpfe zu uns. Ich reiße meine Hand mit dem Fotoapparat hoch und Jan Frodeno lächelt mir zu! Echt, wirklich!!! Wenn das mal kein motivatorischer Mega-Push ist!


Leider verwackelt, aber erinnerungswürdig
Solcherart unterstützt läuft es sich beschwingt weiter. Wir verlassen die City, queren den Main, erntern Sachsenhausen und laufen nun ab km 14 auf einen langen Streckenabschnitt in die Umgegend, erst nach km 36 werden wir wieder die Innenstadt erreichen.



Längst ist mir warm geworden, meine Windbreakerjacke habe ich um die Hüfte geschlungen. Wahrscheinlich deswegen erkennt mein Mann mich nicht, als ich an ihm vorbeirenne (ist jedenfalls seine Männerausrede...).
Irgendwo in den zwanziger Kilometern erhasche ich einen Blick auf den ebenfalls laufenden Mann mit dem Hammer. Um ihm zumindest einen Angriff zu erschweren, nehme ich zur Streckenhälfte eine Salztablette, Muskelkrämpfe bleiben mir jedenfalls erspart.
Auch lauere ich auf Freund Magen, der sich ja meist auch etwa zu diesem Punkt von Marathons bemerkbar macht. Aber, vorsichtige Freude kommt auf, er bleibt friedlich.


Was nicht friedlich bleibt, ist das Wetter. Nach einem ersten kurzen Nieseln setzt plätschernder Regen ein. Dazu Wind. Und die Temperatur fällt, wie angekündigt. Immerhin, auch auf diesen langen Kilometern außerhalb der City gibt man sich viel Mühe mit uns Läufern. Viele Musikpunkte auch hier, viele kleine private Partygesellschaften, Gasthäuser mit Outdoorangeboten wie Grillgut und Getränke. Bei schönem Wetter muss das toll sein. Und auf einer Großbildleinwand dürfen wir schon optisch Zielluft aus der Festhalle schnuppern. Es zieht sich zwar, aber langweilig ist es nicht.


Wegen des Regens muss ich meine Kamera verstauen. Ich sehne den Punkt herbei, an dem wir den Main wieder passieren. Ich wähne mich am Wendepunkt dieser endlosen Schleife, sehe von der Mainbrücke aus weit entfernt die Skyline.
Was? So weit müssen wir noch?!
Und es kommt noch schlimmer, denn hinter der Brücke führt die Strecke nicht etwa dorthin, sondern immer noch weiter weg von der City! Habe ich das so bestellt?
Missmutig trotte ich weiter.
War mein Magen zwar heute ohne Krämpfe, so ist er dennoch nicht willens, die Gels zu konsumieren, die ich geplant hatte. Mehr als 2 schaffe ich nicht, was natürlich der Leistung abträglich ist. Ich teste das angebotene Iso. Es mundet und die perlende Frische tut gut. Leider wird sie durch Kohlensäure erzeugt, und die muss erst immer wieder raus aus dem Bauch. Also Gehpausen... 😑

Allerdings - anderen geht es auch nicht besser. Wie ich erst später erfahre, werde ich sogar einen Olympiasieger hinter mir lassen, jawoll! Und der kann auf diesem Abschnitt schon nur noch gehen. Eine wunderbare kleine Reportage zu Julius Brink (Goldmedaille Beach Volleyball 2012) und warum er unterwegs in einer Tankstelle shoppen geht, gibt es hier: Link.

Eines muss man den Frankfurtern lassen: Sie tun alles, um uns Läufer zu motivieren. Ist es nicht herzig, wie sich diese kleine Kapelle wetterfest postiert hat und uns mit Abba-Klängen anfeuert?


Der Vorteil mit einigen Marathons in den Beinen ist ja, dass sich die Distanz etwas relativiert. Nach den zwanziger Kilometern kommen nur noch die dreißiger, und wenn man die hat, ist man ja quasi schon fast da....
Quasi.
In der Praxis muss man sich dieses Mantra einfach wie einen Kaugummi im Mund herumgehen lassen.
In Frankfurt baut es auf, wenn man sich dann endlich wieder dem Stadtbereich nähert. Da ist dann auch der Regen langsam egal. Klatschnass bis auf die Haut ist ja auch ein läuferisches Attribut.

Irgendwo bei km 36 erspäht mich mein Mann. Ist ja auch einfach, denn ich habe meine blaue Jacke wieder an... 😋 Kurz zuvor hatte ich einen Cola-Stand entdeckt, eine lokale Sorte, die wunderbar schmeckt und mir wieder neuen Schwung gibt. Mein Mann läuft kurz ein wenig mit. Bis zur seitlichen Partie der Festhalle, wo das Ziel sein wird. Ich sehe viele Läufer mit ihren Medaillen dort. Das Ziel ist nahe!
Chris ruft mir noch zu, ich müsse jetzt nur nochmals eine kurze Schleife in die City...


Joo, aber "kurz" ist relativ. Besonders, wenn man schon die ganzen Kilometer in den Beinen hat. Noch eine Kurve, und noch eine, nochmal die Hauptwache, und nochmal die Oper (Jan Frodeno ist längst nach Hause wie der ganze Rest vom Hessischen Rundfunk) und nochmal die Fressgass...
Man ergibt sich einfach nur noch in sein Schicksal und vertraut auf die Richtigkeit der Streckenführung... und nimmt dankbar zur Kenntnis, dass auch noch viele Zuschauer ausharren.
Plötzlich erkenne ich, nur noch einmal rechts, noch ein km, und dann der Linksschwenk in die Festhalle.
Der Zieleinlauf ist wirklich atemberaubend und Gänsehautfeeling pur (nur schade, dass man dafür 42,1 km rennen muss...). Mit 4:53 darf ich mich in die Ergebnislisten eintragen.



Die Kamera schaffts nicht ganz...



Trotz des sanften Drucks, nach hinten hinauszugehen, nehme ich mir ein, zwei Minuten, um zu verschnaufen und das alles kurz auf mich einwirken zu lassen.


Draußen wird umfangreiche Verpflegung angeboten. Chris erwartet mich am zuvor vereinbarten Treffpunkt. Ich bin nicht so k.o. wie sonst schonmal erlebt und dränge, bevor ich dann ganz auskühle, auf raschen Rückweg. Die Anziehungskraft einer heißen Dusche ist verdammt verlockend...

Frankfurt also. War schöner, als ich zuvor vermutet hatte. Vor allem, die viele Musik, die ganze Stimmung trotz des miesen Wetters, die gute Organisation, all das verdient viel Lob.
Mein erstes Jahr zudem mit 3 Marathons 😁
Wer hat da eigentlich den falschen Film bei mir eingelegt in der Nacht zuvor...?

Sonntag, 20. Oktober 2019

Memories of Amsterdam

Am Morgen geraten wir völlig unerwartet in die Live-Übertragung des Amsterdam-Marathons. Oh weh, da werden Erinnerungen wach...

Amsterdam war mein 4. Marathon, aber mein erster, in dem es mir so richtig richtig schlecht erging. Mit Krämpfen in den Beinen schleppte ich mich am Ende ins Ziel. So sehe ich die TV-Bilder mit gemischten Gefühlen. Erkenne nur wenige Punkte der Strecke wieder, der Geist  will das gar nicht wieder hervorkramen. Nur gegen Ende des Laufs erkenne ich viele Passagen, werden die Erinnerungen wieder sehr konkret. Für die letzten 4-5 km kann ich für viele Stellen ganz genau sagen, wie es mir dort erging und was ich fühlte. Beispielsweise am Tor des Vondel-Parks, als mein Magen ganz böse Karrussell fuhr. Oder die letzten beiden Kurven vor dem Stadion, wo die anderen erfreut zum letzten Spurt ansetzten und ich nur schlurfen konnte. Kommt mir vor, als sei das mindestens 10 Jahre her, war aber 2014...
Dennoch, auch das gehört dazu, ich habe daraus gelernt.
Erstens, dass Salz während des Laufs mir Krämpfe erspart.
Zweitens, dass der Körper eben doch Grenzen hat, die der Kopf akzeptieren muss, jedenfalls bei mir.
Drittens, dass man auch mit solch einem Erlebnis umgehen muss.
Wenn mir damals jemand gesagt hätte, dass ich noch eine Reihe weiterer Marathons laufen würde - ich hätte dagegen gehalten. Zumindest am Tag der Schmach. Doch schon am nächsten Tag erwachte der innere Widerstand gegen dieses Schicksal. (Hier der Post von damals).

Heute, beim Zuschauen, ist es ein spannendes Rennen, bei dem die Jugend die "alten Hasen und Häsinnen" alt aussehen lässt. Auch die "alten Kämpen" müssen hinnehmen, dass es für sie nicht nach Plan lief, allerdings auf seeeehr hohem Niveau.

Solcherart beschwingt startet es sich trotz Regenwetters gut zu einer Sonntagsrunde.
Chris läuft mit. Seit seinem Kartunfall im Sommer musste er ja eine Weile kürzer treten, darf und soll sogar nach ärztlichem Rat nun wieder laufen. War schon verrückt, dass erst Wochen nach dem Unfall im MRT festgestellt wurde, dass 2 Wirbel gebrochen waren. Da das aber eben nicht gleich erkannt wurde, ist der eine schon von selber verheilt, und der andere auf gutem Wege. Jedenfalls fühlt sich Chris beim Laufen gut und tobt sich wieder gern aus.
Aus dem leichten Regen wird ein richtiger Schauer Aber das macht nichts, wenn man einmal unterwegs ist. Mein Lauftag ist es allerdings ist es dennoch nicht. Ich fühle mich bald schlapp und der Puls ist auch höher als sonst, bei mir öfter ein Zeichen, dass ein Infekt im Anzug ist.
Na schaun mer mal.

Sonntag, 13. Oktober 2019

Sport around the Clock

Noch mehr Sport an einem Wochenende geht kaum! Der Samstag startet um 8 Uhr mit dem Sub-2-Stunden Marathonprojekt von Eliud Kipchoge. Gebannt hängen wir vor dem Bildschirm und verfolgen den Lauf in Wien. Auch wenn seine Zeit nicht als offizieller Weltrekord gewertet wird, auch wenn die Bedingungen  künstlich waren - die 42,195 km musste auch er auf eigenen Beinen laufen. Und, wie der Kommentator nicht müde wird zu betonen, quasi 422 mal 100 m in 17 Sekunden hintereinander - kann man sich als Normalläufer kaum vorstellen.
Solcherart beschwingt starte ich auf eine längere Runde durch Manheim, bis in den Hambacher Forst und fast an die Grubenkante. Wunderbare Laufbedingungen.







Am Abend verfolgen wir den Start des Ironman in Hawaii und den sich anschließenden spannenden Wettkampf bis zum Zieleinlauf von Frodo, Kienle und Haug. Bei mir allerdings unterbrochenen von einzelnen Schlafattacken.
Danach schließt sich fast nahtlos die Formel 1-Übertragung aus Japan an.
Unsere Zeit reicht genau bis zum Rennende gegen 9 Uhr, denn schon müssen wir zum Bahnhof, um uns auf den Weg zum Köln-Marathon zu machen.

Keine eigene Teilnahme, aber Support für 2 Teilnehmer.
Damit wir uns finden, habe ich aus 2 schweizer Fähnlein und einem orangefarbenen Stoffband ein Winkewerkzeug gebastelt. Und während wir so bei km 1 warten, erfahren wir ungeahnte Reaktionen. Schon recht bald findet ein erstes "Merci" an unsere Ohren. Und immer wieder ruft man uns ein "Hopp Schwiiz" zu oder grinst uns an. Dank der Fähnlein erkennt uns Mitblogger Vloggy, ein "echter" Schweizer. Erstmals treffen wir uns persönlich, wenn auch weitere Kommunikation an diesem Tag notgedrungen keinen Raum findet.

Unsere zweite Station liegt bei km 14. Und hier kommt sie auch schon, die muntere Helge, die erstmals einen Marathon isoliert läuft, also außerhalb eines Triathlons!
Das Wetter ist bestens, für Läufer und Zuschauer. Und einmal mehr ist das Beobachten vom Streckenrand fast spannender, als selber zu rennen: Die Verkleidungen, die munteren, später teils leidenden Gesichter, der Mann, der ein Alphorn dabei hat, ein älteres Paar in Ganzkörperkostümen als Tom & Jerry, die asiatische Seniorin, die ruhig trippelnd vor den Besenbussen läuft, bewundernswerte Teilnehmer wie die kleine Gruppe, die einen Rollstuhlfahrer schiebt oder auch einige sich selbst fortbewegende Rollstuhlfahrer, und und und...
Man kann gar nicht alle Eindrücke festhalten, die sich bieten.

Kurz vor km 24, Helge aufgedreht und munter, beneidenswert, während andere schon sichtlich Anstrengungen erleiden.
Plötzlich nennt jemand meinen Namen. Vloggys Partnerin steht uns genau gegenüber und erkennt mich an den Fähnlein. Ein kleiner Schwatz, ist doch toll, wie Sport Kontakte schafft!
Helge hat einen Kaffee für km 28 (!) bestellt.  Da der nicht weit weg ist, sputen wir uns, beschaffen das gewünschte Getränk im nächsten Café und eilen zum Übergabepunkt...



... wo der Becher dankbar entgegen genommen wird und anscheinend für die weiterhin ungebrochene Lauflust sorgt.












Auch Vloggy naht und wird seinerseits versorgt. Seine Uhr hat ihn im Stich gelassen, er muss ohne diese technische Unterstützung laufen. Doch er wird sich davon nicht beirren lassen und finishen. Saggstark!







Wir begeben uns nun zu viert zum nächsten Treffpunkt bei km 39. Inzwischen kennt man uns schon aus dem Feld heraus. Als wir hören "Ach da sind ja die Schweizer wieder" macht uns das fast ein wenig stolz. Ansonsten versuchen wir, den Läufer*innen auf ihren letzten Metern noch einen Schub mit auf den Weg zu geben. Manche Krämpfe beobachten wir und mühsame Bewegungen, in sich Gekehrte, wie auch solche, die schon Zielluft schnuppern und in deren Gesichter sich ein Lächeln schleicht. Ach wie kann man das alles nachvollziehen!
Helge naht immer noch munter.

Wir ziehen weiter Richtung Ziel und schon bald können wir sie in Empfang nehmen, mit der neuen Medaille in Köln, einer Holzplakette am Lederband. Während mancher schlapp und gezeichnet von den Strapazen aus dem Nachzielbereich schlurft, wirkt Helge fit wie ein Eichhörnchen. Sie fühlt sich kaum erschöpft. Wenn das mir mal so ergehen würde..., beneidenswert!!!
Zwar hat sie die neue Zeit von Kipchoge um mehr als 2 Stunden verpasst, dafür aber konnte sie auch entsprechend länger den Lauf genießen.
Zusammen spazieren wir noch gemütlich über die Deutzer Brücke, die irgendwann einmal vor lauter Schlössern nicht mehr zu sehen sein wird, zum Hotel und lassen das Erlebte bei Kaffee und Kuchen ausklingen. Ein toller Tag, für Helge wie auch für uns.
Am muntersten von uns vieren ist dabei übrigens... Helge!