Montag, 4. Juli 2022

Herrliche Aussichten

Herrliche Aussicht/en, URLAUB!😁 

Auch meine Laufuhr braucht Erholung, war doch ihr Akku unbemerkt auf null gesunken, so dass ein erster kleiner Lauf nüchtern am frühen Morgen (Kirchhügel des Nachbarorts bezwungen) ohne digitale Dokumentation stattfinden musste.
Für den langen Sonntagslauf war die Uhr dann fit.
Wegen der Wärme wählten wir den Weg entlang der Aare, in der Hoffnung auf kühle Luft und Schatten. Das gab es beides, aber auch sonnige Passagen, die jedesmal das Gefühl vermittelten, gegen eine Hitzewand zu laufen, uff.


Von der neben uns fließenden Aare Juchzen und Schreien. Das "Bööteln" hat Hochkonjunktur. Da könnte man fast neidisch werden, wie die sich dort gemütlich schaukeln lassen. Aber he, wir sind schließlich Sportler, alles zu seiner Zeit!




Aus der Ferne grüßen Eiger, Mönch und Jungfrau (etwas schwer erkennbar, genau über dem Fluss), und während rechts neben uns die Böötler ihren Spaß haben, brettern links die Automobilisten ihrem Sonntagsvergnügen entgegen. Schlussendlich dürfen wir uns 20 km zugute halten.


Extra-Hundespur mit pfotenfreundlichem Belag.

Am Abend kommen wir noch gern einer lokalen "Spezial-Einladung" nach: Wir fanden in unserem Briefkasten Bons für Getränk und Essen der dörflichen Chilbi. Oh, dachten wir, das ist aber großzügig! Unsere Vermieter klärten uns auf: Es ist eine Art Schmerzensgeld in Naturalien, denn der Festplatz auf einer Obstwiese ist sehr nah, und so werden wir 3 Abende mit musikalischer Darbietung versorgt.
Wir müssen dazu noch nicht einmal die Fenster öffnen. 
Allerdings waren der erste und dritte Abend sehr moderat, akustische Volksmusik, auch mal eine nette Abwechslung. Der Samstag allerdings fand mittels Band und Verstärkeranlage statt. Das Repertoire reichte von Schlager über Elvis bis zu "An Tagen wie diesen", gegen 2 Uhr als Abschlusslied. Aber da war ich schon längst gut eingeschlafen und im Reich der Urlaubsträume und nur Chris konnte das berichten. 😄😆
Jedenfalls ließen wir es uns am Sonntag, nach besagten 20 km, dann gut schmecken. Ein schöner familiärer Festplatz mit Blick auf  die Berge. Zum Tanzboden würden ja Trachten passen. Leider sahen wir keine. Vielleicht kommt das jeweils erst Abends, wenn auch die Musik aufspielt. Aber da wollten die Sportlerbeine hochliegen...



Sonntag, 26. Juni 2022

Regeneration und lustige Lola

Die Woche wollte ich noch ein wenig im Zeichen der Regeneration nach dem Hitzeabenteuer an der Ahr gestalten, also kein volles Laufprogramm. Höhenmeter habe ich dennoch gesammelt, bei einer hausinternen Aufräum- und Säuberungsaktion auf dem Dachboden, die gefühlte endlose Treppenstufen auf- und abwärts bedeutete.

Gestern ging es in den noch kühlen Morgenstunden zu meiner inzwischen schon gewohnheitsmäßigen Berglaufrunde. Ich wurde angenehm überrascht. Erstens, weil morgens die Steigung im Schatten liegt. Und zweitens, weil es prima lief. Ich merke doch als Flachländerin, dass es etwas bringt, regelmäßig diesen Steigungs-km zu machen.

Dabei konnte ich auch gleich noch nachschauen, was aus der Brandstelle auf der ruhigen Fischbachhöhe geworden ist.

Die Stadt hat die Hinterlassenschaft weitgehend abgeräumt. Und, sehr erfreulich, die angebrannten Bäume treiben wieder aus! Ich finde es schön, dass die Natur so schnell nicht klein beigibt. Bleibt zu hoffen, dass diesen Sommer genügend Regen fällt, damit die Regeneration gut voranschreitet.




Heute war nur stumpfes Rundendrehen auf meiner Hausrunde angesagt. Da ich gestern eine Hundebegegnung der doofen Art hatte (95% meiner Hundebegegnungen sind allerdings positiv), erinnere ich mich umso lieber an meine süßeste Begegnung, mit Lola, die ich vor einigen Wochen auf meiner heute gelaufenen Route hatte:

Ich sehe ca. 20 vor mir ein junges Paar im eifrigen Dialog miteinander und einen gelangweilt ohne Leine hinterhertrottenden Mops oder französische Bulldogge (kann ich nicht immer sicher auseinander halten). Plötzlich scheint mich der Hund wahrzunehmen. Bleibt stehen, schaut abwechselnd zu seinen Menschen (Soll ich weiter hinter den Langweilern her?) und zu mir (Aaaah, Spielpartnerin?). 

Seinen Entschluss sehe ich ihm genau an. Er erwartet mich an seinem Standort.

Da er auch irgendwie so friedlich wirkt, nähere ich mich neugierig, aber auch vorsichtig. Seine Menschen entfernen sich weiter. Der Hund merkt, dass ich ihn auch bemerkt habe. Und schon geht die Party los. Heidewitzka, nur mal kurz geschnuppert und erste Umarmung meines Unterschenkels (Schön dass du da bist!), dann kleine Temporunde um mich herum (Schau mal, ich bin auch flott!) und Jojo-Hopser (Spiiiiiel mit mir!).

Ich versuche zunächst noch, einfach einen Schlenker zu machen. Zwecklos. Das kleine Kraftpaket ist wieselflink und bremst mich immer wieder aus. Voran komme ich so nicht mehr, doch der Blick zu den Gassigängern zeigt, wie einnehmend deren Gespräch immer noch ist, sie bemerken nichts. Obwohl es eine spaßige Nummer ist, möchte ich dennoch weiter laufen. Also rufe ich den beiden zu, ob sie bitte ihren Hund abrufen könnten. Sie drehen sich erstaunt und betreten zugleich um. "Loooooola, hierhinnnn! Loooola!" 

Hat da wer gerufen? Niemand, der für Lola Relavanz entfalten könnte. Sie erfreut sich weiterhin an ihrer wilden Animationsaktion. "Kommstduwohlhierhinaberdalli!" Na so einfach will sie es ihren beiden aber nicht machen. Die sollen ruhig mal merken, dass man so einen Wonneproppen nicht einfach ignoriert. Sie haben inzwischen kehrt gemacht und kommen auf Hund und Läuferin zu, versuchen es mit Körpersprache. Der Zeigefinger deutet stramm auf Herrchens Füße "Hierhinnnn!". Fruchten tut es nichts.

Lola weiß um ihre Chance, denn nun hat sie ja die Aufmerksamkeit von gleich drei Spielgefährten! Heißa, das gefällt ihr! Munter hopst und hüpft sie um uns herum, immer mit genau so viel Abstand, dass man sie gerade nicht am Halsband greifen kann. Hier ein Wuff, da ein Schnaufer, ja, Geräusche kann sie auch. Frauchen versucht es nun mit Nachlaufen. Suuuuper-Hundespiel! Lola läuft einfach schneller ihren Kreis. 

Am Ende schaffen es Herrchen und Frauchen mit vereinter Taktik, ihre lustige Lola zu greifen und anzuleinen. Sie entschuldigen sich wiederholt (gar nicht nötig, war doch spaßig) und ziehen mit Lola von dannen.

Ich meine, die kleine Knautschnase hätte mir sogar noch zugelächelt... Leider habe ich das Trio seither nicht wieder getroffen, würde mich aber sehr freuen, wenn dieser Fall einträte.

Sonntag, 19. Juni 2022

Ahrtahon 2022 (Halbmarathon)

Endlich wieder Ahrathon! Nach den pandemiebedingten Ausfällen von 2021 und 2021 und zudem der Flutkatastrophe 2021 sollte es wieder munter zugehen an der Ahr.

7 km der Strecke wurden notgedrungen verlegt, da die alte Route immer noch nicht wieder laufbar ist. Wir werden das später noch selber sehen. Nun also nicht Treffpunkt am Ahrufer beim Dahliengarten sondern am Fuß der Weinberge. Wir sind gegen 9 Uhr vor Ort und bekommen gerade den Start des ersten Halbmarathonfelds mit. Mir fallen darunter einige Startnummern auf, die eigentlich zu unserem Startblock gehören. Zu spät komme ich drauf, dass das keine so schlechte Idee ist, angesichts der Temperaturen möglichst früh das Rennen anzugehen. Es ist schon mehr als 25° und wir sind erst in einer Stunde  dran. Aber so können wir wenigstens noch die vielen lustigen Kostümierungen des Kostüm-Halbmarathons bewundern (eigene Wertung), die auch noch vor uns starten. Bein einigen Bekleidungen  mache ich mir angesichts der Hitze echt Sorgen...



Die Weinkönigin erläutert die unterwegs verfügbaren Weine

Man wird mit prima Musik unterhalten, von Rock bis Pop. 10.10 Uhr dürfen wir endlich los. Die Strecke ist bestens gekennzeichnet. Da noch kurz vorher ca. 1/3 der Schilder gestohlen wurden, musste der Veranstalter alles nochmals nacharbeiten. 


Sofort geht es aufwärts und es wird unverkennbar, dass das heute ... nicht einfach wird. Jeder Quadratzentimeter Schatten wird dankbar ausgenutzt.






Etwa bei km 3 stoßen wir wieder auf die alte Streckenführung. Früher war dieser Punkt schon km 13,5. Aber der Verpflegungsposten hier wird an gleicher Stelle von gleichem Winzer mit gleichem guten Angebot bestückt. Keine Ahnung, wie heiß es ist, aber alles fühlt sich nach Backofen an. Ich verzichte lieber auf Wein und gönne mir Wasser, innerlich wie äußerlich, und einen halben Spaghettiwickel. Mir scheint, auch viele andere Läufer sind diesmal zurückhaltend beim Rebensaft.



 

Gute Livemusik, lateinamerikanisch, die Combo liefert ein stimmungsvolles "Besame mucho" ab.

Gestärkt geht's weiter. Nun wieder der prallen Sonne ausgesetzt, durch den Weinberg. Ich spüre zunehmend, der Tag wird kein leichter sein.

Wie früher biegen wir dann ab nach Ahrweiler hinein, bei km 6,3 wartet erfreulicherweise der nächste VP. WASSER und Rasensprengerdusche! Kein Wein für mich. Bei einigen Herren fallen die Hüllen bis auf das Notwendigste, gut nachvollziehbar. Aber manch Kostümierter hat seinen Stolz und hält tapfer durch, zum Beispiel hier rechts der Mann im türkisfarbenen Kleid aus Nicki(!)stoff. Wir suchen uns ein schattiges Plätzchen.





Ab nun folgen altbekannte Passagen, die durch die immer noch deutlich sichtbaren Flutfolgen niemand unberührt lassen. Viele Handwerkerfahrzeuge und Schuttcontainer sehen wir. Auf den ersten Blick sieht es recht aufgeräumt aus, doch wenn man genau schaut, scheint eine große Zahl der Häuser noch nicht wieder bewohnt. Bei einem Fachwerkhaus kann ich durch offene Fenster hineinschauen und sehe auf Rohbau zurückversetzte Wände, Trocknungsgeräte. Was haben die Menschen hier nur mitgemacht! Aber trotzdem, der Ort ist geschmückt, es findet ein Volksfest statt.






Wir erreichen die Ahr und sind ziemlich schockiert. Denn hier kann man immer noch deutlich erahnen, was passiert ist. Leider habe ich keine Vergleichsbilder, aber das alte Ufer war sehr grün, mit Bäumen und Sträuchern teils dicht bewachsen, man lief sehr schattig.





Der Marathonführende überholt uns, wir auf km 8, er bei ca. 30.
Vor dem gelben Haus hinter mir saß eine muntere Seniorengruppe und bot jedem Läufer eine Dusche mit Gartenschlauch an. Nehme ich gern mit, wie zuvor auch schon in Ahrweiler. Klatschnass läuft es sich ein wenig besser.


Km 9, unser Lieblingswinzer. Obwohl auch sein Gut sehr unter der Flut litt, bietet er wie immer sehr reichlich Nahrung und Getränke an. Hier ist das Wasser weniger kalt und lässt sich für mich besser trinken, auf Wein verzichte ich lieber weiter. Und ein Schattenpäuschen muss auch sein.



Ab hier wird unser Lauf, ich muss es einräumen, mehr zum Kampfwandern. Ich kann mich nicht überwinden, die noch ebene Strecke vor dem gleich folgenden altbekannten zähen Anstieg zu laufen. Also marschieren wir. Wie sehr viele andere auch. 
Aber es gibt auch noch einige emsige Unverdrossene laufend zu bewundern. Einmal überholen mich am Anstieg (!) zwei munter plaudernde Herren, geführte Exkursion in ein Weingebiet ist das Thema. Wie schaffen die das?! Es müssen inzwischen über 30° sein.








Endlich erreichen wir eine Waldpassage! Die hatte ich herbeigesehnt. Es tut auch gut, den Schatten nutzen zu können. Aber meine Lauffähigkeit ist für heute dahin. Die Beine fühlen sich immer schwerer an. Die hier moderaten Anstiege kosten mich selbst gehend unendlich  Kraft. Es fühlt sich an, wie Wassergymnastik in p...warmem Wasser.
Ziemlich erschöpft erreiche ich den VP beim ehemaligen Regierungsbunker, km 11,7. Es ist nur noch eine Bank in der Sonne frei. Egal. Setzen. Wasser. Und von meinem Lieblingswein, dem Weißburgunder feinherb aus Mayschoss, der hier immer eisgekühlt gereicht wird, gönne ich mir 3 Schluck, tut gut.  Chris wählt einen Blanc de Noir.
Es läuft Musik, "Waaaahnsinn, Hölle Hölle, Hölle". Besser hat noch selten ein Lied die Situation beschrieben.
Ich nehme mir noch einen vollen Wasserbecher mit, den ich schluckweise bis zum nächsten VP leere.


Bis zu diesem sind nur 2 km. Ich ersehne ihn dringend. Wasser und ein Käsewürfel, das reicht mir. Und dann ein wenig im Schatten sitzen und dem beiden ausgezeichneten Gitarreros lauschen. Ach, hier könnte man länger verweilen.



Es folgt wieder ein Abschnitt der Marke Läufergrill. Bewegung wie im Pizzaofen. Ätzend.
Ich schleppe mich dahin, kämpfe mich einen Hügel hoch, muss oben wieder Sitzpause machen. Zwei ältere Damen haben einen improvisierten Freiwilligennotfallwasserposten installiert. Dankbar nehmen wir sonnenwarmes Wasser.


Und dann neigt sich unser Lauf vorzeitig dem Ende zu. 
Bei km 17,3 lotsen uns wieder freundliche Polizisten über eine Bundesstraße. Gleich dahinter ein kleiner Parkplatz mit schattenspendenden Bäumen. Es würde wieder ein Anstieg folgen, der beeindruckend wirkte von Weitem. Ich möchte den Schatten für eine kurze Pause nutzen, lehne mich an eine Leitplanke an. Tja, und dann wird mir übel, schwindelig, schwummerig. Bevor mich das Schicksal zu Boden haut, suche ich selbigen dann lieber geordnet auf, nutze die Leitplanke, die Füße hochzulegen. Nach einer Weile geht es wieder. Ich rappele mich auf. 
Kein so guter Gedanke. 
Aber es wären doch nur noch 4 km! Das muss doch zu schaffen sein! Also horizontal wäre es zu schaffen gewesen. So gemein!
Doch die letzten 30 Höhenmeter ringen mir zuviel Respekt ab, obwohl wir die anderen 562 Höhenmeter ja bereits geschafft haben. Wir entscheiden, ich bleibe hier und Chris holt das Auto. Die Uhr stoppe ich bei 3:19 und km 17,3.

Kaum ist er meinem Blick entschwunden, muss ich mich wieder auf den Boden legen, es geht nicht anders. Läufer kommen an mir vorbei, die meisten schlurfend, leidend. Viele bieten Hilfe an, aber die ist ja schon organisiert. Ein weiterer Versuch aufzustehen, misslingt. Ok, bleibe ich also liegen. Das wirkt einladend auf andere, die sich auch mal hier ausruhen, aber dann alle weitermarschieren können.
Plötzlich ein Ruf "Ah, der Rettungswagen kommt" Wie bitte !? Schon steht das rot-weiße Gefährt neben mir. Aber während ich dem Sanitäter erkläre, dass ich ihn nicht brauche, kommt ein anderer Läufer und meldet, der Patient läge weiter oben im Weinberg. Die Sanitäter fahren dorthin.
Einer der Polizisten erkundigt sich nach meinem Befinden und bietet jederzeitige Hilfe an.  
Aber eigentlich müsste Chris ja nach 30 Minuten da sein. Was ich nicht weiß, er verläuft sich und braucht eine Stunde.
Die verbringe ich eben "gemütlich" auf dem Asphalt, kann einigen Marathonis auf ihrer zweiten Runde zusehen, die sie zackig laufend absolvieren.
Beim Versuch, meine Perspektive fotografisch festzuhalten (hinter Laub hervorblitzende Sonne), versagt sogar meine Kamera...


Das war dann der Ahrathon für uns. Ein hart erkämpftes DNF. Shit happens. 
Aber ist das nicht wie eine Heldennarbe auf der Läuferhaut...?
Und vermutlich haben noch viele andere heute den Lauf nicht beenden können. Also auch in dieser Hinsicht eine Art Gruppenerlebnis.
Ein wenig schade ist es, weil die diesjährige Medaille mit der letzten (2019) und den folgenden dreien zusammensteckbar wäre und ein großes Motiv ergibt. Aber nun ist es, wie es ist, et kütt wie et kütt.
Nächstes Jahr sehen wir uns wieder an der Ahr!

Temperaturanzeige im Auto auf der Rückfahrt

Nachtrag: Inzwischen sind die Ergebnisse aufgeschaltet. DNFs werden  nicht angezeigt, aber von knapp 1.000 Gemeldeten in Halb- und Vollmarathon führen die Listen nur rd. 2/3. Viele mögen auch erst gar nicht angereist sein, angesichts der Temperaturen.