Montag, 20. April 2026

Blick in die rheinische Zukunft

Schönerer Frühling geht nicht. Es grünt und blüht, die Vögel zwitschern, die Sonne scheint, moderate Lauftemperaturen. Für einen etwas längeren Lauf zieht es mich zum Grubenrand, mal sehen, was sich dort so getan hat...

Also auf gen Westen, immer dem -noch- zaghaften Wind entgegen.



Das letzte Teilstück ist inzwischen gut bewachsen. Die sonst hier grasenden Biorinder sind gerade nicht zugegen, aber an Bienenstöcken brummt es emsig. Und immer grüßt von Ferne die Sophienhöhe, die Abraumhalde des Tagebaus, inzwischen auch begrünt und mit über 70 km Wanderwegen ausgestattet.



Am Ziel angekommen, erklimme ich den Wall. Ein eigentlich unerlaubter Aussichtspunkt, jedoch vielfach frequentiert, vor allem dank offroad-Parkfläche direkt davor.

Man sieht gut, dass hier die Böschung nun befestigt wird und bewachsen soll, der Tagebau sich an dieser Stelle also nicht mehr weiter ausbreiten wird.

Allzugern würde ich noch ca. 500 m weiter laufen, zu der Stelle, wo die grüne Böschung nach links verschwenkt und ein Teil eines Baggers zu sehen ist. Dort war mein Weg zur "Arbeit", zur archäologischen Grabung, an der ich im Sommer 2023 als Ehrenamtlerin mitbuddeln durfte. Das damalige Areal ist längst verschwunden. Es lag im folgenden Foto rechts der Bildmitte, mitten im Nirgendwo.
Doch auf der Straße zu laufen ist mir zu gefährlich. Leitplanken auf beiden Seiten des Asphalts und flotte Fahrer lassen für Läufer wenig Raum.

Wie immer passt der Tagebau nicht komplett aufs Bild.
Hier soll der größte See in NRW, entstehen. Die Vorbereitungen haben begonnen, eine Pipeline, die 40 km weiter östlich den Rhein anzapft, wird gerade gebaut. Ab 2030 soll das Wasser hierher fließen. 18.000 Liter pro Sekunde. Über mehrere Jahrzehnte. Der WDR berichtete jüngst.
Interessant am Rande: RWE hat zwar die Genehmigung, das Rheinwasser zu entnehmen, nicht jedoch, dasselbe auch in den Tagebau einzuleiten. Und neulich las ich in einem Nebensatz, dass auch gar nicht klar ist, ob die Grube das Wasser hält, oder ob es nicht versickert. Nun denn, dann müsste man eben noch etwas Teichfolie beschaffen und den See abdichten.
Es wird spannend, wenn auch aus Altersgründen ohne mich (zumindest in der Spätphase der See-Werdung).





Ich hatte mir überlegt, auf dem Rückweg gleich noch eine weitere Kirche "mitzunehmen". (Das Thema reizt ja doch...) Was umso erfreulicher wird, als der Wind inzwischen zwar aufgefrischt hat, aber ich er mich ab nun von hinten unterstützen wird. Über Pferdekoppeln hinweg grüßt schon der Turm.


Doch leider auch wieder ein kleines Problem, das Gebäude zur Gänze aufs Bild zu bekommen.


Immerhin wird mir Recherche erspart, ein paar paar historische Angaben finden sich neben dem Eingang.


Da die Sonne gerade so schön strahlt, halte ich noch ein paar Eindrücke fest. Gern hätte ich auch einen Blick hinein geworfen, doch das rustikale Portal ist leider verschlossen.




Schöne 13 km waren's. Zwar ging der Puls trotz moderatem Tempo manchmal in's Dunkelrot. Aber mich jagt ja niemand, ein paar Gehschritte eingestreut und schon ist alles wieder ok. Vielleicht spinnt ja auch die Pulsuhr gerade mal wieder. Spaßeshalber hatte ich sie mal einige Tage en bloc getragen, um Schlaf- und sonstige Bewegungsdaten zu erfassen. Ich muss sagen, das ist nicht gerade ihre Stärke. Da werden zwar toll bunt aufbereitete Daten präsentiert, die aber teils klar unstimmig sind. Egal. Ein Onkel hatte mal den netten Spruch "Was stört es den Mond, wenn ihn ein Hund anbellt".


Montag, 6. April 2026

Von Ostern und Weihnachten, Formel 1, Kirchen, Musik und Dessous

Meine Osterlaufrunde ergibt sich quasi automatisch. Was bietet sich mehr an, als zu Ostern mal beim Weihnachtsbaum im Walde vorbeizuschauen? Und unterwegs gleich eine Anregung von Doris aufzugreifen, laufend Kirchen in umliegenden Nachbarorten zu besuchen.

Bei ihr gefallen mir immer die hübschen alpenländischen Kirchlein. Aber hier im Rheinland... nun ja, die Geschmäcker sind verschieden.


Ich fange dann mal an mit der Kirche wenige 100 m von daheim entfernt. Et voilà, St. Ulrich, 15. Jahrhundert:


Man beachte das Nachbarhaus zur Linken. Hinter dem weißen Bogen befand sich einst ein Geschäft. Im öffentlichen Archiv gibt es dazu ein Foto:

Ein Miederwarengeschäft gleich neben einer katholischen Kirche! Uiuiui, was mag da wohl der Pfarrer gesagt haben...?

Weiter zum nächsten Stadtteil, Horrem. Zunächst Kirche Christus König von 1931:


Dann weiter zur Kirche St. Clemens, Turm aus dem 12. Jh, Kirche in mehreren Jahrhunderten schrittweise erweitert. Sie ziert sich ein wenig, liegt auf einem Hügel, will aber nicht komplett aufs Bild.



 
Und wenn ich schon hier bin, kann ich noch die paar Schritte zur Gruft gehen. Hier liegt einer der bekanntesten Söhne der Stadt, Wolfgang Graf Berghe von Trips, Formel 1-Rennfahrer. Leider 1961 in Monza tödlich verunglückt. Er war nahe daran, den Weltmeistertitel zu holen, rangierte am Ende der Saison nur einen Punkt hinter Phil Hill, der den Titel errang.


An der Stelle kommt mir Musik in den Sinn. Ich muss hier etwas ausholen:
Der Musiker Chris Rea ("Driving home for Christmas") war schon immer Fan von historischen Rennwagen und auch von Wolfgang Graf Berghe von Trips. Was kaum bekannt ist, er produzierte 1996 den Film "La Passione" mit autobiografischen Zügen und vielen Sequenzen zum "Renngrafen". Und natürlich mit viel Musik, wunderbare Anklänge an die Epoche von Trips', aber auch Rea-typische Sounds. Für diesen Film ließ er den Ferrari nachbauen, den von Trips fuhr, einen "Sharknose" (Ferrari F 156), denn es gibt kein authentisches Exemplar mehr. 
>>> Nachtrag: Eine interessante Reportage zum Film und Hintergründen der Entstehung, mit Fotos hier: Link
Bei einem Konzert, das er in Köln gab, erfuhr er, wie nah er dem Heimatort seines Idols war und nahm sich die Zeit, hinzufahren, tauchte dort im kleinen, von einem Verein geführten Museum auf, war begeistert. Schlussendlich stellte er seinen nachgebauten Sharknose dem Museum als Leihgabe zur Verfügung. Ich habe ihn noch gesehen, den roten Renner dort. 
Aber leider drehte die Welt sich weiter. Das Museum kam in Probleme, Sponsoren, Räumlichkeiten kamen abhanden. Und auch der Ferrari wurde zurück nach England geholt.

Und nun, der Weihnachtsbaum wartet. Daaaa hinten!



Wie schon fast erwartet, es leuchtet mir etwas entgegen, ein paar Ostereier, in Gesellschaft zweier Weihnachtskugeln. Herrlich!


Auf dem Rückweg kommt mir noch eine Kirche in den Sinn, die ich "mitnehmen" könnte. St. Cyriakus, 18. Jh.


Es könnte noch Aprilwetter werden...

Und so neigt sich Ostern 2026 den Ende zu. Die munteren Osterhasen haben sich eine Runde Schlaf verdient... Vielleicht träumt dieser hier von Weihnachten, von Autorennen oder Musik...?

Sonntag, 29. März 2026

Auf der Suche nach dem grünen Zweig

Ja wo ist er denn, dieser grüne Zweig...?

Läuferisch komme ich irgendwie nicht in die Gänge. Einerseits von den Kilometern her, bis Ende März werden es nur knapp 270 sein. Aber was mich mehr nervt, dass es nur Plackerei ist, kein gutes altes Laufgefühl.

Keine Ahnung, woran das liegt. Ok, erst die Daumenverletzung, dann ein doofer Infekt bremsten mich vorübergehend aus. Ich laufe 3x pro Woche meist 10 km. Da sollte sich doch langsam wieder eine gewisse Fitness einstellen.😒 Dennoch klassifizierte meine Polar mein Training in den letzten 2 Wochen als durchgehend "überfordernd". Zur Krönung entsprach dies genau meinem Laufgefühl. Keine Power, Puls zu hoch.

Ein wenig hilft es, mit anderen zu laufen, zum Beispiel freitags in einer Dreierrunde. 


Eine wunderbare Erfahrung, wenn man sich dann bei Regen, Wind und Kälte am Treffpunkt einfindet und alle sich einig sind, dass man ohne den gemeinsamen Termin auf dem heimischen Sofa geblieben wäre! Praktisch auch, wenn man so ein wenig mehr gefordert wird, als man sich selber gegönnt hätte. Man weiß ja, Besserung der Fitness erfordert das Setzen von Reizen... soweit die Theorie.
Setzt man aber die Reize zum falschen Zeitpunkt, geht es statt aufwärts eher abwärts.
Vielleicht liegt es daran?
Oder an diesem und jenen, was man so durchzuziehen hat. Handwerker und deren Kommunikationsverhalten oder Behördenkram beispielsweise.
Sorgen machte auch unser Kater, der eine Zahnsanierung brauchte, erst 4 Jahre und nun schon 8 Zähne raus. Wenigstens sind die vorderen erhalten, er könnte also noch lückenlos lächeln, wenn er wollte. Derzeit müssen wir ihm täglich das Mäulchen spülen. Wozu er natürlich keine Lust hat und bei Mensch und Tier bei der Prozedur die Nerven strapaziert werden. Immerhin hat er sich schon gut erholt und sein Appetit ist prima. Besser als vor 2 Jahren, als er gleich anschließend nach der ersten Zahnsanierung FIP entwickelte, eine tödliche Krankheit, die man allerdings mit viel Aufwand in den Griff bekommen kann. 

Heute habe ich bewusst wie ganz am Anfang trainiert, 10 km immer schön nach Puls. Der dann auch brav unter 135 blieb. Dass damit die Pace  bei 6:45 Min/km lag, stört mich derzeit nicht. Ausdauertraining statt Tempo ist mein Ziel.
Ich bin jedenfalls froh, zu keinem Lauf angemeldet zu sein, da würde mir diese Situation doch arg Kopfweh machen. Aber so, laufe ich eben vor mich hin bis es besser wird.

Ein anderes Ziel konnte ich allerdings erreichen. Vor vielen Jahren las ich einmal von einem Künstler, der WÄHREND des New York Marathons als Teilnehmer kleine Skizzen machte. Das war 2011, da stand mir mein erster Marathon erst noch bevor! Ich fand seine Aktion schon damals klasse. Nun stieß ich endlich auf die komplette Bildersammlung im Netz! Köstlich anzuschauen, beginnend mit den Sorgen eines Läufers mit dem Klingeln des Weckers, über Gedanken in der Startaufstellung, einem Bananendrama unterwegs und netten Beobachtungen in der Läuferschar. Aus meiner zwischenzeitlichen Erfahrung zum Thema zeichnen kann ich angesichts der vom Künstler gewählten Kombination aus laufen UND zeichnen nur den Hut ziehen! Wen interessiert da seine Zeit von etwas über 6 Stunden, geschenkt.

Ein kurzer Erläuterungstext: Link, (allerdings funktioniert der dortige Link zu den Skizzen nicht mehr) Aktuell stehen die gesammelten New-Yorker-Marathon-Werke hier: Link, sehenswert!

Donnerstag, 5. März 2026

Und zack

... ist der Februar vorbei, ohne dass es hier Bemerkenswertes zu berichten gab. Oder anders formuliert: Ohne dass ich mich dazu aufraffen konnte. Denn natürlich gab es dies und das. Obwohl das Schietwetter die Lauflust arg dämpfte, kamen doch noch knapp über 100 Lauf-km zusammen. Wundert mich rückwirkend fast selbst. Natürlich hatte ich da mehr geplant, doch warf mich auch noch ein Infekt 10 Tage aus der Bahn. Ausgerechnet, als der Frühling das Land erfasste. Das war ärgerlich. Aber nicht zu ändern.

Ärgerlich war auch, dass für mich der Skiurlaub ausfallen musste, wegen Daumen. Natürlich mag die spontan mitdenkende Leserschaft sagen, man fährt doch nicht mit dem Daumen! Richtig. Aber selbst die Weltklasse im alpinen Skizirkus führt Stöcke mit sich. Und dieselben müssen gehalten und mit Kraft eingesetzt werden. Et voilà, da kommt der Daumen ins Spiel. Zwar ist der Knochenbruch verheilt, doch nun ist das Gelenk etwas versteift. Zudem harrt der Daumennagel in den kommenden Wochen seines natürlichen Auswachsens. Bis dahin mag er keine schroffen Kontakte. Also habe ich eine kleine Kollektion an Däumlingen gestrickt (siehe Foto), eine  Sommerkollektion wird folgen.

Der ausfallende Skiurlaub eröffnete dann die zeitlichen Möglichkeiten, sich mit einigen Handwerkerprojekten auseinander zu setzen, die teils ohnehin dringlich sind. Wenn sich ein Loch in einem Wasserrohr bildet, und es zu tropfen beginnt, wäre es ungemein beruhigend, wenn selbiges zeitnah gestopft wird. Da merkt man, dass das Nachrichtenthema der fehlenden Fachkräfte sich im eigenen Alltag manifestiert und die Dinge nicht gerade erleichtert. Gab es zu dieser Thematik nicht ein nettes Lied, gemünzt auf einen Eimer, oh Henry? 😏: Link

Unsere Katerbrüder wollten auch nicht zurückstehen und haben uns durch plötzliches und nicht restlos  erklärliches aggressives Verhalten zusätzliche Sorgen bereitet. Wenigstens das scheint inzwischen behoben.

Also auf zu einem ersten Testlauf in der schönen Frühlingsluft.



Selbst an der altbekannten Strecke findet sich doch immer mal was neues. Man kennt ja die Suchzettel zu entlaufenen Katzen. Da leide ich jedesmal mit und hoffe, dass die Fellnase wieder heil nach Hause findet. Aktuell wird jedoch anderes vermisst:


Nun hoffe ich einfach mal, dass es wieder aufwärts geht mit Lauferei und Kondition.

PS: Einen kleinen am Rande mit der Lauferei verbunden Anhang möchte ich hier noch einfügen. Der liebe Manfred verbindet seine Trainingseinheiten mit spannenden Erkenntnissen zum Leben der Bäume, beispielsweise hier. Daran fühlte ich mich erinnert, als ich dieser Tage ein paar Bilder eines letztjährigen Kulturkurzurlaubs in Berlin sichtete. Sie stammen vom jüdischen Friedhof an der Schönhauser Allee, Link
Leider sind die hier gezeigten Bäume so tot wie die Verstorbenen um sie herum. Mir gefiel allerdings, dass man sie als quasi ihr eigenes Denkmal stehen lässt. 





Montag, 2. Februar 2026

Muskelkater und Maßanfertigungen

So langsam komme ich wieder ins Laufen. Immer schön vorsichtig, um ja nicht auf den Daumen zu fallen. Auch wenn das Wetter teils nicht gerade motivierend ist, es tut schon gut, den Kreislauf mal anzukurbeln und den Schlendrian abzuschütteln. Bislang beschränkte ich mich auf die nach Wunsch mehrfach zu belaufende 2-km-Runde auf dem Acker hinter unserem Viertel, praktisch, wenn man merkt, dass die Kondition es noch nicht hergibt. 

Aber ich möchte doch wieder auf meine längeren Standardrunden gehen. Also am Sonntag auf zum Wegekreuz, das immer wieder gut für seltsame Fundstücke ist, zum Beispiel freundliche Briefe oder Schlüssel (Link). Was mag es wohl diesmal sein...? Abgeräumt war es, bis auf ein paar Centmünzen. 11km darf ich mir nachher gutschreiben, es wird langsam wieder.




Ansonsten habe ich Muskelkater wo ich ihn nie erwartet hätte. In der rechten Hand. Weil wegen des lädierten Daumens Bewegungen, wenn nicht links, so doch irgendwie anders stattfinden müssen. Beispielsweise Reißverschluss-schließen mit Mittel- und Zeigefinger, wenn die linke Hand nicht hinkommt. Oder Greifen: Statt pinzettenartig mit Kuppen von Zeigefinger und Daumen nun mit Druck des Zeigefingers auf den Daumenballen.
Keinen Muskelkater brauche ich hingegen beim Skifahren zu fürchten. Das gebuchte Zimmer im Berggasthaus wird Chris kommende Woche ohne mich beziehen müssen, da ich einen Skistock nicht kraftvoll genug nutzen könnte. 😒😖
Und wenn auch Schreiben wegen des weiterhin druckempfindlichen Daumens nur kurz möglich ist, so kann ich doch immerhin den Aquarellpinsel zum Einsatz bringen, da kommt es ja nicht so auf Details an. 




Ein Termin beim Doc bestätigte mich immerhin im Gefühl, dass der Bruch des oberen Daumenknochens inzwischen ganz gut geheilt ist. Also Schiene adé! Allerdings, Deformierung, Verfärbung und Druckempfindlichkeit werden mich noch länger begleiten. Wie gut, dass ich mich schon mit persönlichen Maßanfertigungen befasst habe. Stricken geht erfreulicherweise in beschränkten Maß. Der Arzt war entzückt und meinte, das sollte ich mir patentieren lassen. 😄
So kann ich mir und meinen Mitmenschen den optisch wenig gediegenen Anblick ersparen und auch dem Daumen ein wenig Schutz angedeihen lassen.