Sonntag, 13. Oktober 2019

Sport around the Clock

Noch mehr Sport an einem Wochenende geht kaum! Der Samstag startet um 8 Uhr mit dem Sub-2-Stunden Marathonprojekt von Eliud Kipchoge. Gebannt hängen wir vor dem Bildschirm und verfolgen den Lauf in Wien. Auch wenn seine Zeit nicht als offizieller Weltrekord gewertet wird, auch wenn die Bedingungen  künstlich waren - die 42,195 km musste auch er auf eigenen Beinen laufen. Und, wie der Kommentator nicht müde wird zu betonen, quasi 422 mal 100 m in 17 Sekunden hintereinander - kann man sich als Normalläufer kaum vorstellen.
Solcherart beschwingt starte ich auf eine längere Runde durch Manheim, bis in den Hambacher Forst und fast an die Grubenkante. Wunderbare Laufbedingungen.







Am Abend verfolgen wir den Start des Ironman in Hawaii und den sich anschließenden spannenden Wettkampf bis zum Zieleinlauf von Frodo, Kienle und Haug. Bei mir allerdings unterbrochenen von einzelnen Schlafattacken.
Danach schließt sich fast nahtlos die Formel 1-Übertragung aus Japan an.
Unsere Zeit reicht genau bis zum Rennende gegen 9 Uhr, denn schon müssen wir zum Bahnhof, um uns auf den Weg zum Köln-Marathon zu machen.

Keine eigene Teilnahme, aber Support für 2 Teilnehmer.
Damit wir uns finden, habe ich aus 2 schweizer Fähnlein und einem orangefarbenen Stoffband ein Winkewerkzeug gebastelt. Und während wir so bei km 1 warten, erfahren wir ungeahnte Reaktionen. Schon recht bald findet ein erstes "Merci" an unser Ohr. Und immer wieder ruft man uns ein "Hopp Schwiiz" zu oder grinst uns an. Dank der Fähnlein erkennt uns Mitblogger Vloggy, ein "echter" Schweizer. Erstmals treffen wir uns persönlich, wenn auch weitere Kommunikation an diesem Tag notgedrungen keinen Raum findet.

Unsere zweite Station liegt bei km 14. Und hier kommt sie auch schon, die muntere Helge, die erstmals einen Marathon isoliert läuft, also außerhalb eines Triathlons!
Das Wetter ist bestens, für Läufer und Zuschauer. Und einmal mehr ist das Beobachten vom Streckenrand fast spannender, als selber zu rennen: Die Verkleidungen, die munteren, später teils leidenden Gesichter, der Mann, der ein Alphorn dabei hat, ein älteres Paar in Ganzkörperkostümen als Tom & Jerry, die asiatische Seniorin, die ruhig trippelnd vor den Besenbussen läuft, bewundernswerte Teilnehmer wie die kleine Gruppe, die einen Rollstuhlfahrer schiebt oder auch einige sich selbst fortbewegende Rollstuhlfahrer, und und und...
Man kann gar nicht alle Eindrücke festhalten, die sich bieten.

Kurz vor km 24, Helge aufgedreht und munter, beneidenswert, während andere schon sichtlich Anstrengungen erleiden.
Plötzlich nennt jemand meinen Namen. Vloggys Partnerin steht uns genau gegenüber und erkennt mich an den Fähnlein. Ein kleiner Schwatz, ist doch toll, wie Sport Kontakte schafft!
Helge hat einen Kaffee für km 28 (!) bestellt.  Da der nicht weit weg ist, sputen wir uns, beschaffen das gewünschte Getränk im nächsten Café und eilen zum Übergabepunkt...



... wo der Becher dankbar entgegen genommen wird und anscheinend für die weiterhin ungebrochene Lauflust sorgt.












Auch Vloggy naht und wird seinerseits versorgt. Seine Uhr hat ihn im Stich gelassen, er muss ohne diese technische Unterstützung laufen. Doch er wird sich davon nicht beirren lassen und finishen. Saggstark!







Wir begeben uns nun zu viert zum nächsten Treffpunkt bei km 39. Inzwischen kennt man uns schon aus dem Feld heraus. Als wir hören "Ach da sind ja die Schweizer wieder" macht uns das fast ein wenig stolz. Ansonsten versuchen wir, den Läufer*innen auf ihren letzten Metern noch einen Schub mit auf den Weg zu geben. Manche Krämpfe beobachten wir und mühsame Bewegungen, in sich Gekehrte, wie auch solche, die schon Zielluft schnuppern und in deren Gesichter sich ein Lächeln schleicht. Ach wie kann man das alles nachvollziehen!
Helge naht immer noch munter.

Wir ziehen weiter Richtung Ziel und schon bald können wir sie in Empfang nehmen, mit der neuen Medaille der Köln, einer Holzplakette am Lederband. Während mancher schlapp und gezeichnet von den Strapazen aus dem Nachzielbereich schlurft, wirkt Helge fit wie ein Eichhörnchen. Sie fühlt sich kaum erschöpft. Wenn das mir mal so ergehen würde..., beneidenswert!!!
Zwar hat sie die neue Zeit von Kipchoge um mehr als 2 Stunden verpasst, dafür aber konnte sie auch entsprechend länger den Lauf genießen.
Zusammen spazieren wir noch gemütlich über die Deutzer Brücke, die irgendwann einmal vor lauter Schlössern nicht mehr zu sehen sein wird, zum Hotel und lassen das Erlebte bei Kaffe und Kuchen ausklingen. Ein toller Tag, für Helge wie auch für uns.
Und am muntersten von uns vieren ist ... Helge!



Freitag, 4. Oktober 2019

Kölsch-Prinzip


Kölsch und Laufausrüstung - das erscheint als gewagter Vergleich, aber begründbar:
Kölschkonsum im Brauhaus, also in einem hiesigen guten traditionellen Haus, bedeutet im Vergleich zu anderen Lokalitäten der Republik, dass man beim Köbes (so heißen hier die Kellner) nicht EIN Bier bestellt, sondern ein Abonement abschließt.
Die Servicekraft kredenzt unaufgefordert immer ein frisches Kölsch, sobald der Pegel im Glas des Gastes zur Neige geht.
Der Vorteil liegt selbst für mich als nicht wirklicher Biertrinkerin auf der Hand. Man hat immer eine frische Gerstenkaltschale und nicht schlimmstenfalls schale Reste eines Bierliters vor sich stehen. Ok, manche Köbesse legen "zur Neige gehen" großzügig aus und sind manchmal übereifrig...
Die Kündigung des Abos ist simpel: Man lege einfach den Bierdeckel aufs Glas.

Bei Laufuhren ging ich bisher aber vom klassischen Kauf aus, ergänzt um eventuelle Garantieleistungen. So kaufte ich mir 2014 meine V800, damals frisch auf dem Markt. Und fortan war sie meine treue Begleiterin. Bis sie 2017 erstmals zickte, sich weigerte, ihre Daten ins Netz an Polar Flow zu übertragen, wo man seine Läufe sammeln und auswerten kann.
Also ab zum Service. Nach kurzer Zeit kam sie zurück, bzw. genauer gesagt: Es kam eine flammneue Uhr, einfach so, kostenlos. Fand ich prima.

2019 nun zickte auch diese mit ähnlichen Macken. Sie wollte sich nicht mehr mit dem Laptop verbinden und verweigerte zudem das Aufladen des Akkus. Der Service riet als Selbsthilfe zum Reset, was leider erfolglos blieb. Ich erhielt einen Retourengutschein zum kostenlosen Einsenden.

Wenige Tage später kam meine Uhr zurück. Es war diesmal wirklich meine alte Uhr aus 2017, doch ergänzt um ein nagelneues USB-Kabel.  Kosten: keine.
Das nenne ich doch mal richtig nett.
Also entweder ist Polar im Herzen kölsch, oder die Jungs und Mädels dort haben sich das Kölsch-Prinzip zu eigen gemacht.

Da trabe ich doch gleich wieder beschwingter durch die herbstliche Landschaft. Sonntag 27 km bei wider Erwarten fast trockener Witterung. Und unter der Woche gemütlich stundenweise.
Leider wurde mir ein anderes gerade entstehendes Abo entzogen. Nachdem ich letztes Jahr die Premiere des Martinslaufs in meinem Ortsteil sehr genossen hatte und mich schon auf die zweite Austragung in 4 Wochen freute, nun eine ärgerliche Botschaft des Veranstalters: Man müsse den Lauf um einen Tag vorverlegen auf Donnerstag. So ein Ärger, da sitze ich wegen einer Dienstreise in der Bahn und habe keine Chance zur Teilnahme 😣, schade.

Samstag, 28. September 2019

7 Meilen von Zons (Zonser Nachtlauf) 11,263 km

Auch dieses Jahr klappts terminlich beim Zonser Nachtlauf mit seinem speziellen Flair. 10 km im Dunkeln beim Schein zahlreicher Fackeln und Lichter.
Die Nachmeldung ist schnell erledigt und auch das Privileg eines Privatparkplatzes relativ nahe am Start-/Zielgelände dürfen wir erneut nutzen. Viele der anderen 1600 Teilnehmer (inkl. 5-km-Lauf) werden zum Parken auf Felder gelotst.
Ich habe meinen Chauffeur, Taschenträger, Startmotivator und Zielfotograf dabei, mit anderen Worten Chris, der läuferisch aussetzt. Nette Begebenheit beim Warten in der Sporthalle: Aus dunkelheitsbedingten Gründen habe ich das grellste Laufshirt meines Bestands gewählt, das neongrüne vom Syltlauf. Genau darauf spricht mich eine ältere Läuferin an, weil sie seit langem jedes Jahr auf Sylt dabei wäre. Auch für 2020 ist sie schon gemeldet, na dann sehen wir uns hoffentlich dort!😁
Beim Einlaufen beginnt leichter Nieselregen, der dank 17° nicht wirklich stört und auch bald wieder aufhört. Interessante Durchsage für Läufer: Die Herren mögen doch bitte die Toiletten nutzen, statt ihrem Bedürfnis draußen nachzukommen, dies würde sonst die erneute Erlaubnis der Nutzung der Anlage im nächsten Jahr gefährden...
In der Startaufstellung drängelt sich alles eng zusammen, jeder will vorne sein. Im Geiste notiere ich auf meiner To-do-Liste für 2020 eine Nasenklammer, denn die Gerüche sind teils echt nervig und sollen hier nicht näher beschrieben werden.

Punkt 20 Uhr gehts los. Die ersten 200m gilt es, sich freizulaufen. Denn dann kommt schon ein Teilstück, das maximal 2,50m Breite hat, viel zu schmal eigentlich für die rd. 1100 Teilnehmer des Laufs. Doch schon nach 500m wird es besser, es geht zwischen den Kartoffeläckern nach Stürzelberg, wo uns ein erster dörflicher Hotspot mit Fackeln und Applaus erwartet.
Es schließen sich 1,5 km gegen den böigen Wind an. Der zudem landwirtschaftliche Gerüche heranweht, irgendwo in der Nähe muss intensive Kuhhaltung betrieben werden! Es läuft sich gut und inzwischen habe ich reichlich Platz um mich herum.




Dann erreichen wir den Rand von Zons. Die Bewohner der Neubausiedlung haben sich wieder viel Mühe gegeben mit Lichtern, Laternen und vielen Reihen von Teelichtern in Altgläsern. Kuhglocken, Applaus und Anfeuerungen von zahlreichen Grüppchen und Partynestern gibts obendrein. Allein diese Stimmung lohnt schon die Teilnahme, schade, dass sich das fotografisch nicht festhalten lässt! Kurz sehe ich eine Läuferin mit Baby-Jogger vor mir, kann sie jedoch nicht einholen. Oh weh, hoffentlich ist das Kind gut gepolstert, schließlich überlaufen wir auch Kopfsteinpflaster, Naturwege und löcherigen Asphalt!


Mit Laufhalbzeit nähern uns dem alten Stadtkern der mittelalterlichen Zollfeste (Link). Deren Stadtmauer wir einmal umrunden und zudem den Kern kurz queren. Wirklich malerisch ist es. Wer im TV die Serie "Sankt Maik" schaut, wird manche Ecken wiedererkennen. Doch dafür ist heute keine Zeit. Ruckzuck sind wir durch und es geht für 3 km auf das letzte Teilstück, die Zonser Heide.







Ich bin froh, dass es gut läuft, macht mir doch seit Tagen eine Bandscheibe etwas Ärger. Beim Einlaufen horchte ich daher sehr in mich hinein, doch es fühlte sich ok an und jetzt beim Lauf ist nichts zu spüren. Was ich hingegen verspüre sind langsam aber sicher schwere Beine. Ein Stück laufen wir entlang einer Landstraße schon wieder mit Gegenwind. Doch dann geht es auf die letzten 2 km wieder über Feld. Schon bläst der Wind Sambarhythmen heran, eine muntere Kapelle begrüßt uns am Waldesrand und schickt uns trommelnd auf den letzten Kilometer.


Das allerletzte Stück führt außen um den Sportplatz herum. Ich kann noch einige Körner zusammenkratzen und die Beine setzen zum Spurt an. Eine enge 180°-Kurve führt auf die Tartanbahn und zum Ziel.


Chris erwischt mich auf den letzten Metern.
Für jede Dame gibt es eine Rose.
Herren gehen leer aus, gelebtes Gender. 😋
Meine Zeit war mit 1:02 zwar gegenüber einer sub 1 vor 3 Jahren etwas lahm, aber das tut der Freude keinen Abbruch. Im ersten Fünftel der 26 Teilnehmerinnen meiner AK und im ersten Viertel aller Damen, das stellt doch zufrieden. Und um mehr sollte es auch nicht gehen. Und immerhin habe ich die 10-km-Teilstrecke 7 Sekunden schneller als am Wochenende zuvor erledigt. 😆
Zons, immer wieder ein stimmungsvoller und lohnenswerter Lauf!



Sonntag, 22. September 2019

Bedburger Citylauf 2019 (10 km)

Welch ein wunderschöner Spätsommertag! Da macht die Gartenarbeit (mit Spitzhacke und Spaten, 2 Dutzend Pflänzlein wollen in den immer noch trockenen Boden) ansatzweise Spaß.
Der Hauptspaß des Tages folgt am späteren Nachmittag. Erstmals nehmen wir am Citylauf in Bedburg teil, wo ich kürzlich erst ausführlich Gegenwart und Vergangenheit verglich, und die Kornbank entdeckte (Link).
Wir haben uns für den 10-km-Hauptlauf entschieden, 5 Runden à 2 km durch die dafür gesperrte Innenstadt.

Was, da es hier sehr ruhig zugeht, keinen stört und uns Läufern viel Platz beschert.
Der Start liegt am Marktplatz, im Schatten des Rathauses. Eine nette familiäre Angelegenheit mit knapp 170 Teilnehmer*innen für den Zehner, diverse Unterdistanzen laufen schon den Nachmittag über.
Auch Lauffreund Walter sehen wir wieder. Ihn konnte ich ja im Frühjahr in Rodenkirchen hinter mir lassen (Link). Ob es diesmal wieder klappt? Er baut schonmal vor und verweist auf eine Lungeninsuffizienz, die er mit seinem Asthmaspray kompensiert.
Es ist knapp über 20°, dazu kräftiger Wind. Bei unserer Einlaufrunde gegen den Streckenverlauf sehen wir die, die es zu schlagen gilt: Zwei junge Burschen dunkler Hautfarbe, die gazellengleich über den Asphalt pflügen.

Direkt nach dem Start setzt sich Chris nach vorne ab. Auf der einmalig zu durchlaufenden kleinen Extraschleife kann ich ihn noch kurz sehen, und dann ist er weg.
Auch Walter schiebt sich bald langsam an mir vorbei. Nach einem kleinen Wohngebiet geht es kurz durch ein Wäldchen, es folgt eine Umgehungsstraße, bevor wir dann schon bald wieder auf die Einkaufsstraße einbiegen und den Marktplatz zum ersten Mal durchlaufen.
Puh, schnell wird mir klar, was so ein Zehner doch für eine Hetzerei ist!
Dass es auch zackig-schnell geht, sehe ich bei km 2,8, als der Führende an mir vorbeisprintet. Es ist natürlich einer der beiden Burschen, die wir zuvor schon als schnell einschätzten.

Eigentlich gar nicht so schlecht, dieser 2-km-Rundkurs. Man hat rasch ein Gefühl dafür, was man schon geschafft hat. Dafür verliere ich aber genauso schnell die Orientierung, auf welcher der 5 Runden ich bin. Ich schwöre, im normalen Leben kann ich bis 5 zählen!!!
Gottseidank habe ich doch noch eine Uhr am Arm. Meine Polar weilt derzeit im Service wegen fortgesetzter Verweigerung, sich mit dem Netz zu verbinden und zu laden. Eigentlich wollte ich zur Abwechslung ganz ohne Uhr laufen, doch nun bin ich froh, dass Chris mir seine alte Garmin noch rasch aufgeladen hat, so dass ich anhand der Zeit meine Runden nachhalten kann.
Immer wieder kommen inzwischen von hinten Cracks angerauscht. Manche allerdings mit Geräuschen von Schnaufen bis Stöhnen, dass man sich fast Sorgen machen muss. Doch es stehen genügend Posten und auch Sanis an der Strecke, zudem ist gleich bei Start/Ziel das Krankenhaus. Überhaupt sind die Posten hier ausnehmend freundlich und feuern uns auf jeder Runde an!
Bei meiner 3. Zielpassage finisht knapp hinter mir der Sieger mit einer 34'er Zeit. Hm, den habe ich dann doch ziehen lassen müssen. 😵 Dafür ist Walter aber immer noch ca. 30 m vor mir in Sicht. Und ich überhole meinerseits immer wieder einzelne vor mir. Auch einen jungen Mann in Zehensteglaufsandalen, wie sie Volker gern trägt. Ein eigenartiges Geräusch macht er damit.
Endlich geht es auf die letzte Runde! Walter kommt näher, bzw. ich ihm, da er langsamer wird. Hei, das gibt nochmal Schwung. Langsam kann ich aufholen. In der vorletzten Kurve schaut er sich um. Doch was er sieht, gibt auch ihm nochmals einen Push und ich rackere mich vergebens ab, komme nicht mehr näher heran. Ein Stück ringe ich mit einem älteren Herrn, doch auch der kann noch eine Rakete auf der Zielschleife zünden.

Mit genau 55 Minuten laufe ich ein.
Chris ist mit einem 49'er Finish schon wieder in "alten Zeiten" angekommen.
Doch dafür darf ich mich mit dem obersten Podestplatz meiner AK schmücken, hüstel, von 2 Platzierten in dieser Klasse.

Ein schöner Ausklang des Laufsommers war es!
Schon liegen bunte Blätter auf den Straßen. Auf geht es in die Zeit der Herbstläufe durch raschelndes Laub unter den Laufsohlen!

Sonntag, 15. September 2019

Sauser und Nicht-Sauser

Man muss sich seine Herausforderungen suchen. Anstatt immer nur um den heimischen Pudding zu traben, entstand der Wunsch, doch die Ahrathonstrecke einmal mehr abseits des Rennens zu belaufen. Heidrun wollte es wissen, Rückenpatient Chris auch.
Ich verband das Angenehme mit dem Angenehmen und regte einen Stopp beim Winzer an, der jeweils den ersten Verpflegungspunkt des Laufs allerbestens mit Weinen und Snacks ausstattet. So füllen wir erst ein wenig die Leere des Kofferraums mit Grau- und Weißburgunder sowie Blanc de Noir. Chris votiert zudem für ein Fläschlein Sauser, der bei der Verkostung mit perlendem Aroma zu überzeugen weiß.

Solchermaßen "aufgelockert" (Chris und ich, Heidrun muss ja fahren), parken wir das Auto kurz hinter dem Originalstart und traben los.

Das Wetter strahlend schön, was zahlreiche Wanderfreund*innen ebenfalls zu einer Tour auf dem Rotweinwanderweg nutzen.
Im Tal, am schattigen Ufer der Ahr läuft es sich wunderbar. Kühle Luft erfrischt das Läuferherz.
Doch bald geht es hinauf in die Weinberge. Die Sonne knallt herab und wir merken, was wir uns da vorgenommen haben...



Wir sind froh über jede Schattenpassage. Manche Wanderer beäugen unseren Sportdrang. Und bald haben Heidrun und ich deutlich das Gefühl, das ist heute nicht der allerbeste Tag in unserem läuferischen Tun. Ja ich bin nicht unfroh, das sie nicht wie sonst auf die Tube drückt.
Nur der lange trainingsabstinente Rückenpatient enteilt immer wieder, um uns dann an markanten Punkten, Kreuzungen und Wegegabelungen wieder zu erwarten.





Unterwegs erinnern wir uns immer wieder an Dinge während der Laufteilnahmen. Wo wir mal auf XY gewartet haben, wo immer die gute Livemusik gespielt wird, wo es welche Beobachtungen gab. Ganz besonders gedenken wir der legendären Spaghettiröllchen am letzten Verpflegungspunkt in den Weinbergen😋


Vergleichsbild, der Spahettiröllchen-Verpflegungspunkt an gleicher Stelle
Die letzten gemeinen Anstiege zehren. Aber gekniffen wird nicht. Nur die allerletzte Schleife durch den Kurpark fällt aus, da der Park nur gegen Eintritt zu queren wäre. So erklärt sich, dass wir nicht ganz auf 21,1 km kommen, aber dass es 20,8 km sind, ist dafür eigentlich wieder zuviel. Egal.
Wir genießen also noch ein wenig die Flachpassage entlang der Ahr, bevor wir die Fußgängerbrücke zum Dahliengarten mit dem Start-/Zielgelände wählen und uns kurz darauf wie die müden Krieger zum Auto bewegen. Die in Heidruns Kühltasche deponierten wunderbar erfrischenden Getränke hauchen uns wieder Lebensgeister ein.



So ganz zufrieden sind Heidrun und ich nicht mit unserer Performance. Die warme Witterung und ihr Trainingsrückstand erklären da manches.
Ich persönlich hege die Vermutung, dass uns unterwegs einfach der ganz besondere rote oder weiße "Antriebsstoff" der Verpflegungspunkte fehlte. Nach langjähriger Teilnahme ist der Körper wahrscheinlich darauf konditioniert, dass solches auf dieser Strecke kredenzt wird. Einfach nur Wasser aus der Flasche reicht ihm an diesem Ort nicht. Dennoch, es war ein schöner Frühherbsttag, den wir genießen durften.

Die Fachberatung des Winzers bezüglich des Sausers (= Federweißer) und seiner Haltbarkeit ermuntert uns, sofort daheim mir seiner Vernichtung zu beginnen. Denn prickelnder wird er nicht mehr.
Zwar riecht der Trank etwas hefe-artig und daher nicht ganz appetitanregend, doch hat man ihn einmal auf der Zunge, wandelt sich der Eindruck, der Geschmack erinnert an prickelnde Limonade mit Sektkomponente.
Und mit jedem Schluck, der uns das mundende Tröpfchen in die Blutbahn sausen lässt, wird unser kleiner Lauf schön und schöner.
Zwar waren wir nicht gerade die Sauser im Weinberg, doch gegen einen Sauser im Glas gibt es nichts einzuwenden. 😁
Prösterchen allerseits!