Montag, 15. August 2022

Monschau-Marathon 2022 (Genussmarathon)

Mein 5. Monschau-Marathon! Und diesmal sogar mit besonderem Touch: Da Catrina und Kai (er läuft mit Chris als Zweier-Staffel) aus der Schweiz angereist sind, gönnen wir uns auch zwei Übernachtungen im schönen Monschau. Zwar hätten wir nur weniger als eine Stunde Anfahrt, aber das Verweilen vor Ort bringt noch mehr Kurzurlaubsatmosphäre und trägt sehr zur Entschleunigung des Wochenendes bei.

Und wir können etwas länger schlafen, immerhin bis 4:30 Uhr, da es nur 15 Minuten zum Start sind.

Theoretisch hätte ich auch gut geruht, bin sehr früh eingeschlafen. Doch dann - ich werde plötzlich wach, das Zimmer hell erleuchtet und Chris in voller Laufausrüstung inklusive Trinkrucksack im Raum stehend. Himmelherrgott, habe ich verschlafen?! Schlagartig bin ich hellwach. Aber falscher Alarm, er wollte seinem Staffelpartner Kai nur rasch zwecks besserer Erkennung am Wechselpunkt sein optisches Erscheinungsbild am nächsten Morgen dokumentieren, da die beiden sich am Start nicht sehen werden. Danach ist dann doch nicht mehr viel mit Schlaf.

So stehen Catrina und ich um 6:15 Uhr an der Startlinie des Genuss-Marathons, bei frischen 13°. "Genuss" bedeutet, dass es nur eine Zieleinlaufliste mit Zeit, aber kein Ranking geben wird. Zudem startet dieser Lauf knapp 2 Stunden vor dem "richtigen" Marathon - ein großer Vorteil in diesem Hitzesommer bei dem Profil mit gut 700 Höhenmetern! Chris wird später um 8 Uhr als erster Läufer seiner Zweierstaffel auf die Strecke gehen. Doch zunächst gibt es noch den Start des 56-km-Ultras zu schauen. Der Start des neuen 70-km-Laufs war bereits um 5 Uhr.


Vollmond über der Kirche

Und dann folgt für Catrina und mich auf der Startschuss


Nachdem wir erfolgreich einen Unfall mit den Stöcken der ebenfalls mit-genießenden Nordic-Walker/innen vermeiden konnten, laufen wir in einen Bilderbuchmorgen à la Eifel hinein. Schon bei km 4 sind wir in der malerischen Altstadt. Catrina wollte eigentlich maßvoll laufen, da dies für sie ein Vorbereitungslauf für einen weiteren Marathon sein soll. Aber wie das so ist mit Vorsätzen... Schnell kommt sie in Schwung, immer mehr. Bald nach km 5 sehe ich nichts mehr von ihr.



Dafür habe ich wieder das Glück, vor Widdau (ca. bei km 9) in die Morgensonne laufen zu können.
Wunderwunderschön!





In Widdau greife ich wie bei fast allen der zahlreichen Verpflegungspunkte zu. Eigentlich braucht es kein eigenes Wasser. Ich habe dennoch welches dabei, das mir zweimal sehr hilft, als sich ein Insekt in meinen Mund verirrt. Die Temperatur ist inzwischen im sehr angenehmen Bereich angekommen, mehr als 13°, aber noch lange keine 20°.
Es folgt im Holderbachtal der erste gemeine, langgezogene Anstieg. Da ich mich nicht verausgaben möchte, gehe ich diesen, wie auch manch andere Passage später.
Kurz nach km 13 überholt mich der führende K-70-Mann, der allerdings hier schon ca. bei seinem km 31 oder 32 läuft, bedingt durch eine Zusatzschleife gleich nach dem Start. Frisch und kraftvoll läuft er, beneidenswert. Doch schon 2 oder 3 Minuten später folgt die erste K-70-Frau, Donnerwetter!
Kurz nach km 18 verlasse ich den Wald und gelange auf ein Eifelhöhenplateau: Oh, hier spürt man nun doch die zunehmend kräftigere Sonne! Das kann ja heiter werden... Mein Lauf wird etwas schwer. Doch die Vorfreude auf die HM-Marke motiviert wieder. Dort, am Brather Hof, wird später Chris auf Kai wechseln. Ich tanke auf mit Gel, Salz und Getränk. 



Der K-56-Führende rauscht vorbei


Nach dem Brather Hof rollt es erst einmal wieder abwärts, in das waldige Perlbachtal. Der Laufspaß flackert wieder auf. Bis dann die Anstiege nach Gut Heistert folgen, mit dem besonders gemeinen felsigen Trailabschnitt. Au weia sind meine Beine schwer...



Bei km 28 offeriert Peter Borsdorff mit seiner Crew wieder einen reich bestückten Verpflegungspunkt und sammelt Spenden für seine Running-for-kids-Projekte: Link. Dafür schießt er Fotos, die er den Teilnehmenden kostenlos zur Verfügung stellt. Prima Sache.

Dann folgt Kalterherberg. Auch wenn die großen Zuschauermassen bei diesem Lauf fehlen, immer wieder einmal trifft man unterwegs auf viele freundliche und oft applaudierende Menschen an der Strecke und kleine stationäre Laufbeobachtungsgrüppchen auf Campingstühlen. Teils stellen sie auch private Getränke für die Läufer/innen bereit. In Kalterherberg nimmt die Feuerwehr den Lauf als Gelegenheit zu einer Art kleinem Fest. Die blank gewienerten roten Autos stehen vor den Garagen und eine Wasserbrause wurde für die Läuferschar an der Straße installiert, super!


Es folgt ein kleiner Waldweg zur Norbertuskapelle. Ich bin sehr neugierig, wie wir nun alle hier über die Rur gelangen, da ja die Brücke derzeit neu gebaut wird.
Ich komme gerade recht und kann erleben, wie das Führungsfahrzeug für den Marathon sich anschickt, durch die Furt zu fahren. Der Speaker an Bord macht dem Fahrer und sich verbal Mut. Der Fahrer habe versichert, man komme heil durch den Rest-Fluss und habe das auch geübt. Der rangiert derweil sein Gefährt genau im rechten Winkel zur sehr schrägen Rampe und lenkt dann beherzt hinab.
Unter Applaus der Zuschauer gelingt das Manöver. Wir Läufer dürfen wieder über den Behelfssteg.



Man beachte die Rettungsringe!
Hinter dem Führungsfahrzeug liefern sich gerade die beiden Marathon-Führenden einen packenden Zweikampf. Wo ich das Leyloch gehend absolviere (das Ding wird einfach nicht flacher...), stürmen die beiden bergauf. Der Zweite wird nachher der Sieger in 2:51 Std. sein.
Beim Leyloch gelangen dann auch die K-70'er nach ihrer zweiten Extraschleife wieder auf die Strecke für alle. Zu meiner großen Überraschung kommt als erste die Frau und dann der zunächst führende Mann. Die Dame wird sogar später Gesamtsiegerin in 5:52 Std, der Herr folgt erst rund 12 Minuten nach ihr!
Meine Getränkewahl an den Verpflegungsposten habe ich nun auf erfrischende Cola umgestellt. Und hat man einmal das Leyloch absolviert, kommen keine größeren Herausforderungen mehr auf den letzten 6 km, bis auf die stärker werdende Wärme. Der Tag wird später auch in Monschau die 30° erreichen.
Es folgt ein Highlight des Laufs - das Honigzelt in Mützenich. Vermutlich ziemlich einzigartig bei Marathons. Hier herrscht eine Stimmung wie im Ziel, jeder wird laut begrüßt. Wie immer tun ein Löffel Honig und nochmals Cola sehr gut. 
Danke für diese Aufmunterung für den Schlusssprint!


Der letzte kurze Anstieg, dann weht der Wind schon Töne des echten Ziels herüber. Ein sehr schönes Gefühl, es wieder geschafft zu haben, ohne Magenprobleme, nur mit Bleibeinen. Egal, 5:15 Std und im vorderen Drittel der Genussläuferinnen erstaunen mich sogar, ich wähnte mich weiter hinten (im echten Marathon hätte ich das Feld allerdings sehr von hinten abgerundet).



Immerhin kann ich nochmals soviel Schwung aufbauen, dass die obligatorische Rosenübergabe nur ganz knapp funktioniert.



Catrina (leider habe ich kein Bild von ihrem Zieleinlauf) liefert ein erstklassiges Ergebnis ab, das wird sie natürlich selbst berichten.
Die beiden Herren erstreiten den 3. Platz der Herrenzweierstaffeln in 3:58 Std.
Auch unsere Lauffreunde hatten prima Resultate: Marion zweite Dame auf 56 km in 5:37, Anja ganz knapp 4. Dame auf 70 km in 7:03 und Wolfgang mit 5:19 auf 56 km, super gemacht!

V.l.n.r. Marion, Anja, Kai, Catrina, ich, Chris, Wolfgang

Und sonst so? Wir hatten ein ausgiebiges MoMa-Wochenende und konnten auch die Stadt ein wenig intensiver durchstreifen. Und zu essen gab es auch genug.😉
Ach nee, wat wor dat schön!

Pasta-Party




































Sonntag, 7. August 2022

Tapering-Trudelei

Seit dem langen Lauf in Monschau will das Blei nicht aus meinen Beinen weichen. Gottseidank ist ja nun Tapering angesagt, also 3 kurze Läuflein in der Woche, nur heute sollte es nochmals etwas länger werden.

Da ich zuvor noch schnell eine Ladung Holundergelee zubereiten möchte, was doch bei der Beerenvorbereitung recht zeitaufwändig ist, komme ich erste gegen Mittag los. Nicht die allerbeste Taktik im Sommer. Daher soll es direkt Richtung Wald gehen. 

Auf dem Weg dorthin gelingt mir einmal ein Foto eines Graureihers. Endlich einer dieses Spezies, der brav stillhält, bis er abgelichtet ist. Man sieht sie oft hier, doch entweder weit weg, oder sie ziehen ab, wenn man sie zu intensiv beäugt.



Immer wieder toll, wie man körperlich den Temperaturunterschied beim Eintauchen in den schattigen Forst spürt. Und eine weitere Steigerung der Kühle setzt im Tunnel einer stillgelegten Eisenbahnstrecke ein. Eigentlich sollte man doch einmal schauen, was oben auf dem Damm noch erkennbar ist. Ich starte den Versuch der Ersteigung, doch ist der Untergrund sehr steil und sehr rutschig. Wäre ein Fall für Trailschuhe, also lasse ich es.

Auch bei einem weiteren Relikt der Bahn ist kein Aufstieg machbar, na dann laufe ich eben horizontal weiter. Mir fallen Reitwege auf, die anscheinend frisch mit Sand bestreut sind. 


Ursprünglich hatte ich vor, im Wald meine Runden zu drehen, aber dann kommt mir ein anderer Gedanke, obwohl ich das Kalenderblatt des Tages erst hinterher lese.


Kurzentschlossen nehme ich Kurs zu meinen Dezemberfreund. Will doch mal sehen, ob da was an ihm glitzert, ein kleiner Rest vielleicht? Beim Ablaufen des Weges überkommt mich schon leichte Sorge. Ich sehe ihn nicht wie sonst schon von weitem mit seinem frischen Grün leuchten. Hat man ihn etwa...? Aber eigentlich kein Grund zum Wundern, hier ist ja Laubwald und nun tragen eben alle anderen Bäume auch ihr Grün. 
Und da ist er dann! Wieder ein Stück gewachsen, ein schöner Anblick, da kommt schon ein wenig Vorfreude auf. In 4 Monaten sind wir ja auch schon mitten im Advent!

Finde die Unterschiede ;-)
Auf dem Rückweg einmal mehr ein Anblick der unerfreulichen Art. Auf einem Skaterplatz Kleidung und anderer Müll aus einem geplünderten Altkleidercontainer des Parkplatzes nebenan.


Das wird mit dem obenauf drapierten Spruch auch nicht besser.


Nach 15 km bin ich zurück. Hätten eigentlich 20 werden sollen, aber meine Beine sollen vor dem nächsten Wochenende noch ein wenig Chance zur Regeneration erhalten.