Sonntag, 26. Juli 2026

6-Stunden-Lauf Bönen 2026

Es war wieder soweit, der 6-Stunden-Lauf der Lauffreunde Bönen ging in seine 7. Auflage. Da wir diese Veranstaltung vom letzten Jahr in allerbester Erinnerung hatten, zog es uns hin, selbst wenn mit sehr warmem Sommerwetter zu rechnen war.

Die Befürchtung hinsichtlich des Wetters war sehr berechtigt. Das Thermometer stieg sehr bald gegen 29°. Auch meine zweite Vorahnung trat ein. Dass meine  -sagen wir mal sehr sporadische- Vorbereitung nicht zu einem berauschenden Ergebnis führen würde. Aber damit hadere ich nicht.

Kurz nach 6 Uhr ging es Richtung Ruhrpott. Am Förderturm erwartete man die gut 150 Teilnehmer mit Frühstück in normaler und veganer Version. Das nenne ich Gastfreundschaft!



Am Verpflegungspunkt am Fuß des Turms, den man auf dem 1,34 km umfassenden Rundkurs ziemlich oft durchläuft, standen die wiederverwertbaren Trinkbecher sortiert nach Startnummern bereit. Endlich mal nicht die sonst üblichen Wegwerfbecher. Dicker Pluspunkt.


Wir hatten einen guten Parkplatz gleich bei Start/Ziel gefunden, sehr komfortabel und so konnten wir die Zeit bis zum Start ohne Stress zum Plaudern und zu letzten Vorbereitungen nutzen.
Entspannt ging es dann auf die erste Runde, bei der das Feld naturgemäß noch zusammen läuft. Dabei bekam man die herrschende Dürre schon deutlich zu spüren. 150 Fußpaare wirbeln ganz schön Staub auf.


Die erste Runde wurde zudem von freundlichen Cheerleadern animiert.



Der Kurs ist im Prinzip flach. Rechnerisch ergeben sich gemäß meiner Aufzeichnung 3,7 Höhenmeter pro km. Die verteilen sich pro Runde auf einen kürzeren und eine längeren Anstieg. Normalerweise kaum der Rede wert, aber Langläufer wissen, irgendwie fühlt sich das von Runde zu Runde steiler an... 


Mein Tagesziel ist einfach umschrieben:
1. Langsam angehen
2. Langsam weiterlaufen
3. Gehen ist keine Schande.
Unterstützt wird dies durch Kreislaufprobleme schon beim Frühstück daheim. Nicht so gravierend, im früheren Leben wäre ich damit noch ins Büro gegangen, also kann man ja mal nach Bönen fahren und schauen.
In der ersten Runde dürfen wir uns noch frischer Luft erfreuen. Aber schon nach spätestens einem Viertelstündchen wird klar, was uns heute bevorsteht.
Ich kann mich ganz gut einsortieren. Wie nicht anders zu erwarten, überrundet mich Oliver recht bald und im weiteren Verlauf des Öfteren. Ich sortiere mich meinerseits immer  mal hinter langsamen Läufern ein, Motto: Keine Experimente. Und an den beiden Anstiegen wird kraftsparend gegangen.



Immer wieder fallen mir Läufer mit einem Plüsch-Grobi, dem Krümelmonster aus der Sesamstraße auf. Ein kleiner Jungen, der ihn gerade trägt, erklärt mir den Hintergrund. Der Grobi ist mit einem früheren Vereinstrainer verknüpft. In Erinnerung an ihn tragen Vereinsmitglieder abwechselnd also das blaue Plüschmonster 6 Stunden lang über die Strecke, jeder bis zu 3 Runden. Grobi hat seine eigene Startnummer und wird am Ende 36 km erreichen, Platz 1 in seiner eigenen Kategorie. 😀


Ich trippele wie es so passt. Am liebsten die Passage nach dem längeren Anstieg, weil man danach schön abwärts rollend laufen kann. Doch bald beuge ich mich dem Wetter, die Gehanteile werden mehr. Auch wenn Wind erfreulicherweise an einigen Stellen ein wenig Erfrischung bietet. Ab km 15 marschiere ich nur noch, das ist ok so.


Mein Ziel ist ein Halber. Ich erreiche es auf der kleinen "Anhöhe", nach der man ein Stück abwärts rollen kann. Freudig überlaufe ich meine virtuelle persönliche Ziellinie und sehe dem Zugriff am Buffet entgegen. Meine Zeit ist zu vernachlässigen. Fast 3 Stunden 😅
Dieses wurde dem Veranstaltungsverlauf entsprechend durchgängig weiter befüllt. Gerade wird der Grill angeworfen und bis eine gute Röstbratwurst fertig  ist, greife ich bei Porridge mit Mandelmilch und Roter Grütze zu, nach der Wurst noch einen Schokokuss. Kuchen, Melone und Trauen munden auch. Eine sagenhafte Verpflegung wird hier angeboten, riesengroßes Lob!

Unser Auto steht nah geparkt, mit dem Heck zur Strecke. Ich öffne die Klappe und mache es mir im schattigen Kofferraum gemütlich, kann so den Läufern bei ihrem zunehmend angestrengten Tun zusehen. Die Augen fallen mir auch mal kurz zu. Eine Stunde vor Schluss mache ich mich nochmals auf zu einer Runde. Die aber dank der nun herrschenden Hitze nicht spaßig ist. Inzwischen haben zudem die Rettungssanitäter zu tun. Mehrere Transporte gehen Richtung Krankenhaus. Und da die nummerierten Becher bei Abgabe der Startnummern rasch abgeräumt werden, kann man erkennen, dass wohl die Hälfte des Feldes bereits den Lauf für sich beendet hat.
Ich bewundere, alle die sich nun immer noch durchgängig bewegen. Der spätere Sieger fällt mir jedesmal durch locker-flockiges ungebremstes Rennen auf. Er wird 75 km hinlegen. Die beste Frau erreicht 70 km, wow!


Chris schafft knapp 51 km, Heidrun 45 und Oliver wird selbst berichten.
Im Tausch gegen die Startnummer erhält jeder seine Medaille. Die ich in meinem Fall eher als Erinnerung betrachte, statt als Anerkennung eines 6-Stunden-Rennens, das ich ja nur zu wenig mehr als der Hälfte der Zeit bestritten habe.
Meine Polar gibt mir die Note "excellent" für den Lauf, nun ja, da sieht man mal wieder die Grenzen der Technik! 😂

Mittwoch, 22. Juli 2026

Moldau, Malen, Menschenmassen

Es sollte hier (auch) ums Laufen gehen. Denn ich hatte meine Laufausrüstung, kleine Garnitur, mit eingepackt für eine Reise nach Prag. In der Stadt, in der ich schon zwei Marathonerfahrungen sammeln konnte (2016 und 2017), sollte diesmal allerdings Urban Sketching im Mittelpunkt stehen und laufen nur am Rande ergänzend stattfinden.

Urban Sketching ist eine spezielle Disziplin des Malens/Zeichnens, in der es nicht um akkurate Darstellung daheim in Ruhe an Tisch oder Staffelei geht, sondern um das spontane Festhalten von Momenten draußen vor Ort. Also eine ganz andere Art der Herausforderung.

Um es vorweg zu nehmen, der Kurs bei Jens Hübner, einem renommierten Autor und Dozenten war spannend, fordernd und intensiv.
So wurden schon am ersten Abend Sketchbook und Zeichenstift ausgepackt, während die anderen noch die Speisekarte studierten.


Zudem war es warm bis heiß in der goldenen Stadt. Kurzum, statt zu laufen, nahmen dann doch andere Dinge meine Zeit in Anspruch. 😐 Aber das war ja auch der primäre Zweck der Reise.

Daher hier eher ein paar optische Eindrücke.
Sketcher erkennt man daran, dass sie minimalistisch ausgerüstet irgendwo mittendrin sitzen und ihre Linien und Farben zu Papier bringen.

Am Veitsdom

Prager Burg


Unter der Most Legli

Vorneweg immer unser Dozent, der geduldig demonstrierte, unterstützte und Fragen beantwortete. Gemeinsam ertrugen wir zahllose Touristen, die uns interessiert bis amüsiert beobachteten. Sogar Polizei und Müllabfuhr schauten zu. Zudem zieren wir nun unzählige Fotos und Selfies wohl vor allem im asiatischen Raum. 😆 Hätten wir einen Euro pro Foto verlangt, das Abendessen wäre gut gesponsert gewesen.😂


Der Härtetest fand auf der Karlsbrücke statt. Früh am Morgen malerisch, ...


... von Stunde zu Stunde voller...




Doch wacker positionierten wir uns mittig und gaben unser bestes!


Wir widmeten uns vielfältigen Herausforderungen. Dieses hier war mein persönliches Antipathie-Motiv, der "Rotating Head" von David Czerny. Das Ding dreht sich asymetrisch immer zur vollen Stunde (Video, weiter Skulpturen des Künstlers hier). Und dann hat der Kopf auch noch unzählige Reflexe. 😬


Irgendwie habe ich trotz viel innerer Verzweiflung doch noch was zu Papier gebracht.😏


Andere Motive lagen mir mehr. Von Vorteil ist es zudem, dass man im Gegensatz zur Fotografie ja Unliebsames locker ausblenden und sich auf das Wesentliche konzentrieren kann. Wie sang so schön unsere Kindheitsheldin  Pipi Langstrumpf "Ich mach' mir die Welt wisiwisiwiesie mir gefällt, lalala." 


Ganz recht, das Grün ist zu kräftig...

Die 5 Workshoptage vergingen im Flug, der Dozent hat einen unglaublichen Erfahrungsschatz den er geduldig offenbarte.
Am letzten Tag kam noch eine Überraschung dazu. Eine weitere deutsche Urban-Sketching-Gruppe mit dem Gris begann ihren Kurs. Beide Dozenten sind freundschaftlich verbunden und so wurde für eine Stunde der Dozent getauscht. Das ist ungefähr so, als hätte man einen Workshop mit Haile Gebrselassie gebucht, und dann kommt Eliud Kipchoge um die Ecke und gibt auch noch ein Stündchen! Klasse. 😀

Ich habe viel gelernt, auch wenn mir diese Art des Zeichnens derzeit nur bedingt gelingt. Was sich aber hoffentlich ändern wird.


Auch sonst gab es Interessantes zu sehen und zu erleben. Bienen-TV im Hotel zum Beispiel. Die Stöcke stehen auf dem Dach des Gebäudes, man kann sie von Weitem sehen, aber Großaufnahme ist natürlich ein Schmankerl.

Fassadenanstrich auf tschechisch:

Der Robbi im Frühstücksraum, bringt für die Kellner das benutzte Geschirr in die Küche. Fährt autonom mit munterem Gesichtsausdruck obendrein.


Nette Überraschung des Hotels:


Und dann noch eine tierische Begegnung im Park Legii an der Moldau. Ein Nutria schwamm in Ufernähe. Kaum holte ich mein Butterbrot aus der Tasche und nahm den ersten Bissen war es für diesen Spezialisten klar, HIN! Gezielt enterte er das Ufer und watschelte zu mir. Als ein bittender Blick nicht reichte, machte das Kerlchen auch noch Männchen. Dennoch zog ich es vor, mein Mahl nicht zu teilen. Sicher erweichen sich bei dieser Taktik andere Touristenherzen.

Da kamen die Laufschuhe doch noch zum Einsatz








Samstag, 11. Juli 2026

Wasser marsch - demnächst

Neuere Medienberichte über die eingeleitete Umgestaltung des Tagenbaus Hambach zu einem Erholungssee veranlassen mich, eine ElliptiGo-Tour in diese Richtung anzugehen. Bei bis zu 29° mittags ohnehin die einzige Sportoption für mich, die dank Fahrtwind zu ein wenig Abkühlung führt.

Die Tageszeitung berichtete über Pläne, wonach bereits in 6 Jahren der spätere "Hafenbalkon" des Tagebausees "erlebbar" würde. Näheres hier: Link. Man habe bereits begonnen, die dafür notwendigen Landmassen anzuschütten. Na da muss ich doch mal nachschauen! Und wirklich, wenn man genau hinschaut erkennt man vor dem Aussichtspunkt Forum :terra nova eine Art Terrasse aus hell-beigem Sand (Bildmitte hinter den 3 markanten Bäumen).







 Ich rolle noch einen weiteren kleinen Aussichtpunkt an. 

Stairway to ... Aussicht
Erkennbar, zwei Absetzer haben mit einer Anschüttung begonnen (in den Fotos die wallartigen Sand-/Kieshügel jeweils im Vordergrund)

Na dann kann ich ja bis 2032 öfter nachschauen, wie weit man ist. Und schon 2040 soll der See den halben Wasserstand erreicht haben (endgültige Füllhöhe: 2070, Link). Heureka.

Woher das Wasser kommen soll, wird auch schon sichtbar. Eine rund 40 km lange Pipeline soll demnächst pro Sekunde bis zu18 m³ Rheinwasser einspeisen. Was den Rhein aber nur 0,4 - 2,4 cm Wasserstandshöhe kosten soll: Link 

Solch eine Pipeline fällt natürlich nicht vom Himmel. In meinem sportlichen Einzugsbereich wird dazu der Speedway für 2 Jahre gesperrt. Der Speedway, der Inlineskatern, Radfahrern Läufern und Wanderern in den letzten Jahren ans Herz gewachsen ist und den ich in meinem zweiten Post hier 2013 vorstellte: Link. So sah es beispielsweise 2016 noch dort aus:


Heute so:





Rohre mit Durchmessern bis zu 2,20 m werden zu einer "zweispurigen" Pipeline verlegt. Ich hoffe mal, das geht zügig voran, auf dass das alte Sportareal bald wieder hergestellt sei.
Und fast schon schräg romantisch: Als ich zur Baustelle rolle, quert ganz gemütlich vor mir ein Reh den Radweg. Vorsichtig und möglichst ohne Lärm und hektische Bewegungen halte ich und kann sogar ein Foto machen:


Auf dem Rückweg mach ich noch Station an einem Radgeschäft. Elli ärgert mich ein wenig durch immer wieder ungewollte Gangwechsel. Der Händler, bei dem ich sie kaufte und erst kürzlich zur Inspektion brachte, scheint dies nicht im Griff zu haben. Da ist nun doch mal eine Zweitmeinung sinnvoll.
Demnächst geht es dorthin zum Termin. 
Doch zunächst wird mein Rückweg durch strammen Gegenwind "versüßt", nach insgesamt 27 km rolle ich daher ziemlich platt daheim ein.

Dienstag, 7. Juli 2026

Begegnungen

Tja, beim Laufen trifft man auch Leute. Das kann mal so und mal anders sein. Zwei Beispiele:

Vorgestern, es ist sehr windig, wodurch die Temperatur halbwegs erträglich ist. Auf dem Heimweg begegnet mir ein Mann mit 2 Kindern im Grundschulalter und Hund. Ich kann nicht anders und spreche ihn an. Er trägt nämlich auf dem Rücken einen Flugdrachen! Das es so etwas noch gibt! Genau das sage ich auch zu ihm. Und dass doch heute wohl eher Väter mit Drohnen punkten können. Er meint, dass der Wind dafür perfekt sei und seine Kinder und er damit Riesenspaß hätten. Hatte ich auch, vor 60 (hüstel) Jahren, als mein Vater mir einen Drachen baute, Sperrholzgestänge mit Buntpapier bezogen, am Ende eine Schwanzschnur zum Austarieren. Ach war das schön, wenn wir den zusammen über einem Stoppelfeld steigen ließen.....

Heute eine eher unschöne Begegnung.
Ich plane meine Standardrunde viermal im Kreis an der Hühnerweide vorbei. Noch sind Wolken am Himmel, doch die wird der Wind wohl bald wegpusten. Da ich am Vortag eine Gesichtsbehandlung hatte, sollte ich heute keine Sonne abbekommen. Also kann ich bei dieser Route recht einfach abkürzen, falls die Sonne durchkäme.
Auf einer der Bänke vor der Weide sitzt ein junger Mann, gepflegtes Äußeres, um die 20, daddelt auf seinem Handy. Und, auch das gehört zur Beschreibung, dunkler Teint und schwarzes welliges Haupthaar.

Ich habe mich der Wärme wegen luftig angezogen. Lauftop und flatterige Laufshorts. Der junge Mann sieht mich kommen und schaut auf. Und dann glotzt er. Nun denn, ich denke, der wird gleich wieder auf sein Handy gucken. Nein, tut er nicht. Aus dem Glotzen wird ein Starren.
Ja was sieht er denn? Temperaturangepasste Laufkleidung, textilfreie Oberarme und Schulter, textilfreie Beine bis 2 Handbreit über dem Knie. Kein Bauchfrei. 
Seine Mimik steigert sich, die Augenbrauen ziehen sich zusammen, sein Gesicht nimmt einen drohenden Ausdruck an, als wolle er mich gleich abstrafen für mein unzüchtiges Tun. Ich fixiere ihn meinerseits, muss dazu den Kopf drehen, da ich gerade an ihm vorbeilaufe. Umso unverhohlener starrt er mich seinerseits weiter an, wenn Blicke töten könnten...

Dann bin ich vorbei. Das ganze war zwar nur kurz, ärgert mich aber maßlos. Was bildet der sich ein? Ich laufe hier nur, in dazu temperaturangepasster Kleidung. Ich darf das, niemand hat das zu verurteilen.
Und dann meine Gretchenfrage: Will ich nun noch dreimal an dieser Stelle vorbeilaufen? Oder dem Typ durch andere Streckenwahl aus dem Weg gehen? Kneifen, einknicken? Nein.
Ich setze meinen Lauf um wie geplant. Wo sind wir denn hier? Und wenn der immer noch da sitzt? Vielleicht spreche ich ihn an und frage, was sein Problem ist. Wäre mal eine Variante. Ich habe 2 km Zeit, mich zu wappnen.
Aber er ist dann weg. Auf der Bank sitz ein älterer Mann (der Vollständigkeit halber: Hellhäutig und graues Haar) und sieht den Hühnern bei ihrem Tun auf der Weide zu. Ihm laufe ich eher störend durchs Bild.

Um es klar auszudrücken: Wir leben in einem Land, in dem jeder anschauen darf, was er mag. Aber wie es so schön heißt, der Ton macht die Musik und so gibt es auch zwischen schauen, glotzen, starren durchaus Unterschiede. Finde ich.
Wenn ich mich in einem anderen Kulturkreis bewege, passe ich mich dort an, verhalte mich entsprechend und erwarte nicht, meine Regeln anderen aufzudrücken.

Und auch möchte ich klarstellen, dass es ebenfalls doofe Begegnungen mit Deutschen gibt. Ich erinnere mich, vor Jahren waren wir am Nürburgring unterwegs, bewegten uns zu Fuß über Wiesen mit campierenden, feiernden Fans. Ich trug eine Spiegelreflexkamera in der Hand (uiui, so lang ist das her...). Wir passierten eine trinkfeste Truppe. Einer schaute mich an und brachte ein "Willste mal wat Schönes fotojrafieren?" heraus, wobei er sich und seinen Bierbauch in Positur stellte. Ich hatte einen denkschnellen Moment, schaute ihn von oben bis unten an und antwortete "Hast du nicht von was SCHÖNEM gesprochen?". Seine Kumpels lachten sich schlapp, der Moment war erledigt und ich hatte keinen Reflex, lange darüber nachzudenken.

Aber diese Begegnung heute... 
Dann kommt auch noch die Sonne raus und ich muss abkürzen, um in den Schatten zu kommen. Immerhin hat das Erlebnis zu einem dann flotten Tempolauf geführt.
Brauche ich aber nicht öfter auf diese Art.

Donnerstag, 2. Juli 2026

Special Date für Elli

Endlich hat es geklappt, eine Verabredung für und mit meiner Stehradfreundin Elli.

Lange geplant, aber immer war was anderes. Und die Möglichkeiten dieses Dates sind sehr rar. Nur an wenigen einzelnen Tagen im Jahr und nur für ein Stündlein, auf Wochenmärkten, publikumsträchtigen anderen Veranstaltungen, vor Rathäusern verteilt im ganzen Kreisgebiet.

Vorbereitung muss auch noch sein. Formular ausfüllen, Eigentumsbeleg heraussuchen, Rahmennummer identifizieren.
Dabei trifft mich ein Schock. Ellis Rahmennummer finde ich, aber im Kaufvertrag steht eine völlig andere, kein Zahlendreher möglich! Und jetzt?! Ist Elli etwa illegal? Fliegt da etwas auf beim Date? Ich maile den Fachhändler des Erwerbs an. Wie fast erwartet, keine Reaktion. Öffnet sowieso nur noch auf Verabredung und steht wohl vor der Schließung.

Nun denn, ich mache mich dennoch auf, in der Nachbarstadt zur einstündigen Meet-and-Greet-Möglichkeit mit ...


Man bietet hier die Möglichkeit, sein Fahrrad kostenlos registrieren und mit einem Kennzeichenaufkleber versehen zu lassen. Ziel ist die schnellere Auffindung bzw. Identifizierung bei Diebstahl und durch den Aufkleber (haftet fest wie ein Siegel auf dem KFZ-Nummernschild) auch Abschreckung.

So finde ich mich wieder zwischen einem knappen Dutzend anderer Radler und 3 Beamt/innen in zivil vor deren Kleinbus. Die Diskrepanz zwischen Rahmennummer im Vertrag und in echt fällt nicht ins Auge, da sie erst gar nicht kontrolliert wird. Spannender ist die Frage, wieviel Zoll die Räder hätten. Ich weiß es nicht. Die Ordnungshüter schätzen sie auf 20, der vorhandene Zollstock kommt nicht zum Einsatz.
Aber nun, Rahmenhöhe? Kopfkratzen. "Dat Ding hat ja keene Saddel!" konstatiert ein muffeliger Beamter. Ja ganz recht, Elli hat keinen Sattel, aber die Bezeichnung "dat Ding" finde ich nun ziemlich beleidigend. Da also unklar ist, wo der Rahmen oben endet, bleibt diese Rubrik im Formular offen.
Und schon befestigt eine freundlichere Beamtin Ellis Kennzeichen an normierter Stelle: in Fahrtrichtung links und möglichst hoch, so dass die Polizei nötigenfalls beim Vorbeifahren erkennen könnte, dass hier ein amtlich registriertes Gefährt unterwegs ist.


Ansonsten waren die Tage notgedrungen sportlich hitzefrei. Bei teils 39° endet bei mir so ziemlich jede Aktivität. Ich bin froh um die vor wenigen Jahren eingebaute Klimaanlage. Damit gelingt es wenigstens, die obere Etage leidlich zu kühlen.

Aber Sport gab es virtuell. Höhepunkt Sonntag: Früher Start in den Tag mit WM-Fußball.
Lückenlos schließt sich die Übertragung des Ironman Frankfurt an, der notgedrungen nicht komplett, sondern "nur" in der Halbdistanz ausgetragen wird. (Der spätere Sieger wird im Interview sagen, dass er diese hitzebedingte Reduzierung ja anfangs noch sehr ärgerlich fand. Doch beim Zieleinlauf war er dann doch froh darum).
Gleich danach Umschalten zur Formel 1 in Spielberg, bevor der Abend dann mit weiteren Spielen der Fußball-WM weitergeht.

An das dortige Ausscheiden der deutschen Elf  werde ich heute beim Bäcker erinnert. Ich gönne mir ein Frustverdauungskuchenstück (Stichwort Onlineshop-Bestellung, die im IT-System nicht mehr auffindbar ist, weswegen auch nicht storniert werden kann. Denn was nicht da ist, kann ja nicht storniert werden. Geld ist natürlich erstmal weg.)
In der Brottheke fallen mir Weckmänner mit ihren typischen kirschroten Lutschern auf. Ein Nahrungsmittel, dass hier üblicherweise nur von Oktober bis November erhältlich ist, rund um Sankt Martin. Im Reflex schaue ich, ob da etwa auch schon irgendwo Christstollen liegen.... Nein, tun sie nicht.

Beim Bezahlen leuchtet die Erklärung zwischen den Werbebotschaften auf dem großen Bildschirm hinter der Kasse auf. Dort werden die gebackenen Weckmänner optisch angepriesen, allerdings unter der Bezeichnung "Nagelsmänner", und statt des roten Lutschers halten sie ... na klar ... einen Fußball im Arm!
Ok, diesen jetzt wohl nicht mehr adäquaten Artikel konnte man durch rasche Umdekorierung doch noch verkäuflich gestalten. 😂