Montag, 19. August 2019

Auf 165

Das schlechte Läufergewissen drückt mich schwer im Nacken. Seit Monschau habe ich nichts mehr getan. Immer war was - oder etwas, das als Begründung herhalten konnte.
Aber nun setzt sich Einsatzwillen durch. Da am Samstag noch eine Schnelligkeitsaktion ansteht, sollte also weniger Ausdauer, als vielmehr kurzzeitige Belastung trainiert werden.
Also muss es der steile Weg über den "Hoger" (Hügel) hinter unserer FeWo sein.


Da ich auf eine Aufwärmphase verzichte, gerate ich am sofort zu bewältigenden Anstieg ziemlich schnell in die Schnauf- und Schwitzphase. Aber immerhin, ich trippele hoch bis zu der Stelle, wo das Steilstück übergeht in nur noch sanft ansteigende Landschaft, ab da läufts sich spürbar entspannter.


Kurzer Abstecher zum Aussichts- und Vermessungspunkt oberhalb des Dorfes. Leider hüllen sich Eiger, Mönch und Jungfrau dezent in Wolken. Nur Niesen und Blümlisalp geben sich zu erkennen.
Dort hinten, bei Interlaken und im Lauterbrunnental waren wir am Samstag an der Strecke des Inferno-Laufs. Hauptattraktion Triathlon mit 3,1 km schwimmen, 97 km (2145 Höhenmeter) Rennrad, 30 km Mountainbike (1180 Höhenmeter) und 25 km (2175 Höhenmeter) Berglauf.
Ausgestattet mit klangstarken Kuhglocken unserer Vermieter haben wir fleißig angefeuert und konnten so dem einen oder anderen ein Lächeln ins Gesicht zaubern. Hut ab, wer diese Herausforderung angeht! Unglaublich, dagegen kommt mir ein Marathon vor wie ein lauer Spaziergang...








Ich spüre, dass ich etwas nachlässig im Training war. Schnell ist der Puls auf sogar 165.
160 Höhenmeter auf 6 km, eigentlich nichts. Ich muss mich wieder mehr disziplinieren 😰
Eine andere sportliche Herausforderung wird demnächst im unteren Verlauf der Straße stattfinden, auf 5 Rädern: Link.
Vielleicht schaffen wir es, uns das Spektakel anzusehen...




Nach der kurzen aber herzhaften Runde erwartet Shetty Calipo seine Streicheleinheiten.











Meinerseits darf ich Gewitter und leicht doppelten Regenbogen zugleich bewundern. Donner in den Bergen ist ein ziemliches akustisches Erlebnis.
Kracht deutlich mehr als mein kurzes Belastungstraining...

Donnerstag, 15. August 2019

Irrtum eingeschlossen

Manchmal darf man seinen Augen nicht trauen. Oder besser gesagt: Der Assoziation, die unser Gehirn uns aufgrund bestimmter Bilder vermitteln will...

Nach dem Monschau-Marathon mailte mir jemand das folgende Foto mit einem entsetzten 
"Elke? Bist Du das?" 
Es stammt aus dem Fundus an Streckenfotos von Peter Borsdorff
Und Wolfgang, der es mir schickte, war über zwei Dinge entsetzt....

Doch schaut zuerst selber,
was denkt Ihr bei diesem Foto...?

Foto: Peter Borsdorff

Sieht doch aus, als wenn ich mir da etwas "nochmal durch den Kopf gehen" lassen würde.
Wolfgang war zugleich entsetzt, dass der Fotograf da auch noch "drauf gehalten" hatte.
Aber es gibt da ein Detail, das die Sache aufklärt, Ausschnittvergrößerung:

Foto: Peter Borsdorff
Wie es manchmal so ist. Alles gaaanz anders. Vor mir auf dem Boden steht nämlich der Spendensammelschuh für Peter's Kinderprojekte und ich bin gerade dabei, dort meine kleine Spende zu deponieren.
Aber ich muss zugeben, es gibt vorteilhaftere Bilder von mir...

Und ich nehme mir vor, bei Bildern mehr darauf zu achten, was man wirklich sieht und was man meint, zu sehen.

Sonntag, 11. August 2019

Monschau-Marathon 2019 (Genussmarathon)

Nachem die beiden geführten Trainingsläufe so prima klappten, trotz schluderigem Training, wage ich den Start zum Marathon. Was in Monschau dadurch erleichtert wird, dass es neben dem "normalen" Marathon auch einen Genussmarathon gibt. Man startet 1 3/4 Stunden früher und hat so 8 1/4 Stunden Zeit, die Strecke intensiv zu genießen.
Genau meins, denn bei den 767 Höhenmetern auf Zeit zu laufen, wäre ohnehin zu verwegen. Hingegen ohne Druck in den Sonnenaufgang eines frischen Sommermorgens zu laufen - mehr Genuss geht kaum.

So stehen Heidrun und ich bei 12° an der Startlinie. Sie profitiert einerseits davon, dass Oliver verletzungsbedingt seinen Startplatz nicht wahrnehmen kann und ihn verschenken möchte. Andererseits ist man beim TV Konzen völlig unkompliziert, was eine Umbuchung von männlichem Ultra-Teilnehmer auf weibliche Genussläuferin angeht.

Wir sind froh, als es endlich losgeht und wir uns warmlaufen können. Ich zeige von jedem km ein Bild, also auf gehts, wer mag, kann nun genusslaufen durch die wunderbare Eifel!

Km 1+2: Die Genussläufer, wozu auch Walker gehören, werden in diesem Jahr als komplettes Feld auf die Strecke geschickt. So laufen die rd. 260 Genießer*innen noch relativ nah beieinander los. Ein schwäbischer Läufer ruft aus "Des isch där wunderbarschte Maraddonn überhaupt!" Da liegt er nicht ganz falsch.



Km 3 - 6: Nach einer kurzen felsigen Abwärtspassage erreichen wir schon Monschau. Wie immer wunderbar anzusehen und nach Gefälle flach.






Km 7-9: Wir folgen erstmals dem Tal der Rur. Im dichten Wald steht noch sehr die morgendliche Kühle. Aber inzwischen ist man gut aufgewämt und auf Naturboden läuft es sich bestens.
Vor einer freien Fläche vor Widdau gelingt ein phantastischer Schnappschuss der aufgehenden Sonne.






























Km 10 + 11: Weiter gehts nach Widdau, der Sonne entgegen.




Km 12 - 17: Das Holderbachtal. Malerisch, schattig. Aber auch fordernd dank Auf und Ab der Strecke. Bei km 13 überholt uns der Ultra-Führende (weißes Shirt). Sein Begleitradler kann kaum schnell genug an der Steigung pedalieren, um seinem Läufer voraus zu bleiben! Da die Ultras eine Viertelstunde vor uns starteten, hier aber bereits ihren km 27 haben, eine Wahnsinnsleistung. Der Führende wird mit einer Zeit von 3:42 Std auf 56 km siegen.







Km 18 - 21: Endlich verlassen wir den Wald und erreichen die Eifelhöhen. Es wird wärmer, man spürt die Kraft der Sonne. Ich liebe diese Passagen! Was jedoch nicht verhindern kann, dass das Holderbachtal mir ein wenig die Leichtigkeit geraubt hat. Vor der Halbmarathonmarke (zugleich Staffelwechselpunkt und Verpflegungsstation) beim Brather Hof stoppen zwei Helfer jeweils den Verkehr auf der Bundesstraße für uns. Ich gönne mir wie geplant ein Gel und Salz. Ob es das ist, oder die Gewissheit, nun kommen erst einmal leichtere Abschnitte - plötzlich habe ich wieder neuen Schwung!






Km 22 - 27: Es folgen überwiegend Abwärtspassagen, Wald und Wiesen wechseln sich ab. Oft bin ich relativ allein, vereinzelt kommen weitere Ultras und überholen mich mit beneidenswertem Speed.







Km 28: Ein Privater Verpflegungsstand. Hier stehen Peter Borsdorff (Siehe Wikipedia) und sein Team. Sie bieten Verpflegung, Fotoservice und feuen sich über Spenden zugunsten benachteiligter Kinder. Über seine läuferische Lebensgeschichte und seine Spendenprojekte und -verwendung kann man sich hier informieren.


Km 29 + 30: Kalterherberg, Eindrücke der regionaltypischen Eifelhecken zum Windschutz der Häuser. Und der Eifeldom, ein beachtliches Bauwerk eines Ortes mit rd. 2400 Einwohnern. Vor dem Dom ein Staffelwechselpunkt, viel Anfeuerung und ein Orchester.



Km 31 - 33: Wieder folgen wir dem Lauf der Rur in einem schattigen Tal. Was sich erfreulicherweise horizontal gestaltet, denn allmählich signalisiert mein "Laufwerk" Ermüdung, ich spüre unterhalb der Taille jede Muskelfaser.
Und gleich kommt ja noch das olle Leyloch mit seinem Anstieg...




Km 34 + 35: Und da ist es auch schon, mein "Lieblingsfeind" des Laufs. Wie viele andere auch präferiere ich gehende Fortbewegung. Danach werden nicht mehr so viele Herausforderungen folgen.




























Km 36 - 39: Wir laufen parallel zum Dorf Mützenich, wo wir vor einigen Wochen beim Vennlauf antraten. Auf einen dieser lauschigen Wege schwenkt vor mir ein Bataillon wandernder Rentner*innen ein. Ich kurve um sie herum und kann ihre Kommentare aufschnappen:
"Ach, die laufen hier Marathon."
"Ach nee, "Genuss" " (Auf meinem Rücken prangt ja diese zusätzliche Kennzeichnung).
"Watt immer da "Genuss" sein soll..."
Ich bin ja nah dran, den Mittelfinger zu zeigen. Hey, ich laufe hier schließlich 42 km!!

Im Ort erwartet uns das Honigzelt! Wahrlich gibt es richtigen Honig zu kosten. Dazu nehme ich mir eine Cola. Eine dort ausschenkende Frau ruft mir begeistert zu, dass da ja wieder die Läuferin mit dem Monschau-Rock sei. Ist das nett!




Kurz vor Honigzelt
Km 40 + 42: Nicht mehr weit, nur noch abwärts rollen lassen, einen steinigen kurzen Anstieg, und dann haben wir es geschafft! Mir gelingt sogar ein kleiner Zielspurt, einzelne Läufer*innen kann ich überholen!



Und dann ist es soweit. Im Dorfzentrum von Konzen wird jeder begeistert empfangen!




Ich lande mit 5:07 fast wieder bei meiner Zeit von 2018 und bin damit für heute sehr zufrieden.
Heidrun folgt eine Weile später, mit 5:51 sind Ihre Erwartungen erfüllt.

Für mich ergibt sich ein interessantes Resümee: Je mehr ich diese Strecke kenne, umso mehr verliert sie ihren Schrecken, umso kürzer kommt sie mir vor. Ich weiß ja schon beim Loslaufen, was wann kommt, wo die speziellen Herausforderungen lauern. Die großen Stadtläufe empfinde ich da anders. Doch hier habe ich wahrhaftig das Gefühl, nach der halben Strecke, da kommt doch nicht mehr viel, nur noch grade ein wenig Wald&Wiese, flott durch Kalterherberg, ok, Leyloch hinaufgehen, und dann nur noch hinter Mützenich kurven und den Pfad Richtung Konzen absolvieren...
Unterwegs habe ich kaum auf die Uhr geschaut, bzw. nur, um mich zu den vollen Kilometern und den Fotografierzeitpunkten zu orientieren. Aber 2 Stunden, 3 Stunden, 4 ...? Nur Zahlen.
Monschau ist schlichtweg ein sehr empfehlenswerter Lauf! Schöne Strecke, ok, ein wenig fordernd, aber reichlich Verpflegung unterwegs, gute Stimmung, nette Leute, ein gastfreundlicher Verein.

Foto: Marion Braun
Im Ziel angekommen, treffe ich Wolfgang Braun, einen der Mitorganisatoren. Er hat seine 56 km in 4:41 gefinisht und ist schon wieder fit wie der junge Frühling...













Vorher - nachher. Ok, die 42 km vertiefen die Falten ein wenig. Aber der Freude tuts keinen Abbruch 😁: