Posts mit dem Label Marathon werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Marathon werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Montag, 6. Oktober 2025

Köln Marathon (2025) als Volunteer

Nachdem es mir im letzten Jahr soviel Spaß bereitet hatte, als Volunteer beim Köln Marathon zu helfen, war es ziemlich klar, auch dieses Jahr wieder mit von der Partie zu sein. Ich wusste ja, was mich erwartet und wie das alles abläuft, da macht die miese Wetterprognose (13°, Sturm, regnerisch) mir das Vorhaben auch nicht madig. Mit 4 dicken Lagen unter dem Anorak ist das stürmisch nasskalte Wetter erträglich. Nur, dass diesmal schon um 6:30 Uhr der Dienst beginnt, (erfordert Aufstehen kurz nach 4 Uhr), ist eine kleine, aber überwindbare Klippe.

So stemme ich mich kurz vor 6 Uhr dem Wind an der Domplatte entgegen und plane, wie schon 2024 die tollste Wärmestube aller Marathons aufzusuchen, den Dom. Soll um 6 Uhr öffnen, tut er aber nicht. Mir bleibt nur der Blick durchs Schlüsselloch in die heimelig beleuchtete Kathedrale. Und die Aussicht, dann ab jetzt bis Schichtende etwa 12:30 Uhr outdoor zu sein. 
Ich kann einen Blick aufs Ziel werfen, wo letzte Vorbereitungen getroffen werden. Ansonsten liegt die Fußgängerzone, durch die ich zum Treffpunkt marschiere, verlassen.

Ich darf wieder an meinem Wunsch-Standort, km 20/Halbmarathon, bzw. km 41/Marathon stehen, an dem man beide Felder je 2x vorbeilaufen sieht. Einmal relativ früh, und einmal dann 1 km vor dem jeweiligen Ziel.

Links ein Stück Dommauer

Zielbereich in "kölnisch rot"

Für "unseren" km 20 bzw.41 sind knapp 50 Volunteers in 2 Schichten eingeteilt. Wir treffen unseren Ansprechpartner und erhalten unsere Ausrüstung: Windjacke, T-Shirt, Wasser und einen Schokoriegel, keine Cap dieses Jahr, dafür einen Regenponcho. Dann gehen wir unseren Abschnitt ab und jeder kann sich seine konkrete Position auswählen. Ich entscheide mich für ein 5-er Team, das einen Fußgängerüberweg über die hier sehr breite Straße (2 x 3 Spuren plus 2 Straßenbahnschienen dazwischen) sichern soll. In umliegenden Bäckereien decken wir uns mit Kaffee und Verpflegung ein, und dann beginnt der gemütliche Teil des Tages, warten und sich warmhalten.

Zunächst startet 8:30 Uhr auf der anderen Rheinseite der Halbmarathon, dessen Teilnehmerfeld wir dann auf der Fahrspur Richtung Westen auf km 2 sehen können. Es gibt noch relativ wenig zu tun und wir feuern das Feld an. Viele leiden unter dem strammen Gegenwind, aber die meisten scheinen guter Dinge. Ich bemühe mich, möglichst viele Sportler mit einem Lächeln aufzumuntern, und sehr oft grinsen, strahlen, lachen und lächeln sie zurück. Einer ruft gar "Danke dass ihr heute bei dem Wetter hier für uns an der Strecke steht!" Sooooo nett! 
2 Teams sehe ich, die jeweils ein Kind im Rolli über die Distanz schieben. Berührend.
Ein Elternpaar am Streckenrand ist besonders hektisch. Ihre Tochter läuft recht weit vorne mit, hat aber irgendwo hier bei uns ihre Startnummer verloren, wie auch das Tracking wohl anzeigt. Nun suchen sie den Straßenboden ab und wollen versuchen, ihr die Nummer dann später auf der Gegenseite bei km 20 zurückzugeben. Ich kann ihnen dafür noch 2 Sicherheitsnadeln mitgeben. Aber ob es geklappt hat, keine Ahnung. Jedoch wird sie mit Sicherheit disqualifiziert, weil ihr Zwischenzeiten fehlen.

Noch führt der spätere Zweitplatzierte das Feld an

Langsam mehren sich die Zuschauer, trotz des unfreundlichen Wetters. Wir haben mehr zu tun mit Menschen, die unbedingt gerade jetzt hier über die Straße drängen, versuchen, ihnen Alternativrouten vorzuschlagen. Viele gehen darauf ein, wissen ortskundigen Rat zu schätzen, andere reagieren verärgert.

Während auf der einen Straßenseite noch immer das Feld der rund 16.000 Halbmarathonis strömt, setzt auf der anderen Seite schon die Spitze zum Finish an. Diesmal in leicht anderer Platzierung. Der spätere Sieger hat sich, wie ich daheim im Stream sehen kann, Zug um Zug an den Führenden herangearbeitet und ihn dann überholt, wird mit einer Zeit von 1:03 siegen.
Ich kann nur einen kurzen Blick auf Hendrik Pfeiffer werfen, der erneut hier für seine Frau Esther den Pacemaker gibt und sie zu neuem Streckenrekord und PB führt (1:07:28). Der Stream zeigt, wie sie erschöpft und von Emotionen überwältigt ihre Leistung kaum fassen kann. Sandra Mockenhaupt finisht als fünfte und nutzt das Ziel zum Fotoposen.

Der neue Führende

Noch in Sichtweite, der Zweitplatzierte

Wir bekommen mehr zu tun, denn nun wird permanent auf beiden Seiten Action geboten. 10:30 Uhr ist inzwischen der Marathon gestartet (rd. 8.000 Teilnehmer), läuft eine Zusatzschleife und trabt bei uns an seinem km 14 vorbei. Mehr und mehr Leute müssen mal eben zur anderen Seite. Unsere Aufgabe ist es, den Läufern ihre Strecke störungsfrei zu halten.
Vor allem Radfahrer, Gottseidank nicht alle, aber manche, sind unwillig. Dabei ist ein quer über die Strecke geschobenes Rad eine große Gefahr, wenn gerade ein Läuferpulk vorbeiströmt. "Ich muss zur Arbeit" wird als Generalabsolution öfter genutzt und dann rücksichtslos die Strecke gequert. Wir kommen teils kaum hinterher.
Die "Queen" des Tages ist eine ältere Dame, deutlich langsam zu Fuß. Sie muss unbedingt zur Philharmonie, sei schon spät dran. Gerade kommt aber das Feld dicht gedrängt vorüber. Das stört sie nicht und sie versucht, den Volunteerkollegen mit ihrer vollen Leibesfülle zur Seite zu drängen. Nur zu zweit können wir sie mit ausgebreiteten Armen stoppen. Zu ihrem eigenen Besten, sie würde mit Sicherheit umgerannt. Dass gegenüber gerade ein Rettungswagen mit Blaulicht länger mitten auf der Strecke steht, ist Mahnung genug, Vorsicht walten zu lassen. Schlussendlich können wir ihr einen besseren Fußweg zu ihrem Ziel, zudem ohne weiteren Läuferkontakt vorschlagen. Mürrisch zieht sie ab.

Links Halbmarathon auf km 20, rechts Marathon auf km 14


Zum Wind gesellt sich zeitweise Regen und wir sind froh über unsere einfachen Regenponchos.
Der flotten Halbmarathonspitze folgen nun Mittelfeld und hinterer Bereich.
Viele, die auf km 2 noch guter Dinge waren, haben nun sichtlich zu kämpfen.
So weit es möglich ist, feuern wir an, was geht, versuchen, manch Erschöpftem den letzten Schwung für die nur noch folgenden 2 Kurven mit auf den Weg zu geben. Wir rufen sie mit Namen und aufmunternden Worten an. Oft gelingt es, ihnen eine kleine erfreute Reaktion zu entlocken. Wohl wissend, wie schlimm die Pein gerade sein kann. 

Einer ist munter drauf, ruft mir zu, dass er doch gern so einen roten Volunteer-Anorak hätte.
Ein anderer grinst bei meinen Aufmunterungsversuchen zurück, greift sich selbst in den Halsausschnitt seines Shirts...und zieht die Finishermedaille hervor! Unglaublich, der läuft noch eine Auslaufrunde!

Leider fehlt in diesem Jahr die Kölner Spezialität, das Haifischmaul des Kölner Eishockeyvereins, durch das man auf die letzten 1000 m ging. Ob der Hai dem Sturm nicht seine Zähne zeigen wollte...?


Immerhin kommt inzwischen die Sonne immer wieder hervor, als wollte sie den Läufern noch einen zusätzlichen Push geben. 


Erfreulicherweise kommt meine Ablösung etwas früher und ich kann zum Bahnhof eilen. Würden wir nicht daheim Besuch erwarten, wäre ich gern noch an der Strecke geblieben.
Von fern kann ich erneut einen Blick auf das Ziel werfen, diesmal deutlich rummeliger als noch am Morgen.



In der Bahn komme ich mit einem älteren Ehepaar ins Gespräch. Selber früher aktive Läufer, nun als Zuschauer an der Strecke. Wir tauschen unsere Eindrücke aus. Der Mann fragt, ob es denn genügend Helfer gäbe, oder ob noch welche gesucht würden. Ich ermuntere ihn, Helfer hat es nie genug, und trotz einiger Strapazen und einzelner schwieriger Zeitgenossen war es wieder ein Erlebnis, bei einem Lauf mal auf der anderen Seite dabei zu sein.
Ich für meinen Teil war sicher nicht zum letzten Mal als Volunteer dabei.😊

Sonntag, 27. Juli 2025

6-Stunden-Lauf Bönen 2025

Untertitel: 

Wie ich ungeahnt zu einem Mehr-als-Marathon kam

Der liebe Oliver lag mir in den den Ohren und schwärmte vom 6-Stunden-Lauf in Bönen. So etwas hatte ich noch nie gemacht, es klang spannend und es wäre mal ein neues, unbekanntes Terrain. Andererseits, ich bin so gar nicht im Training, und ein Lauf im Juli könnte heiß und damit schwierig sein. Ich warte bis zum letzten Tag der Online-Anmeldung, der Wetterbericht scheint gnädig, und so melden wir uns kurzentschlossen an, können auch noch Heidrun zum Lauf überreden.



Die Strecke besteht aus einer 1,34 km langen Runde um einen ehemaligen Förderturm der Zeche Königsborn, einen imposanten Bau, über dessen Geschichte auf Infotafeln berichtet wird. Wo früher Bergbaugebäude standen, erstreckt sich heute ein kleines Wildwiesenareal mit Rad- und Wanderwegen.



Der Turm -rechts- in früherer Umgebung
Wir sind früh vor Ort, ab 7 Uhr wird sogar Frühstück gereicht! Lockere Stimmung, die Luft ist mild, bei knapp 20° versteckt sich die Sonne dann und wann hinter Wolken.



Überhaupt, die Verpflegung verdient allerhöchstes Lob. Schnittchen, verschiedene Getränke, Süßes und Salziges, Milchreis und Nudeln, sogar vegane Varianten! Zu Laufende wird zudem der Grill mit Bratwürsten (auch hier vegane Wahl möglich) angeschmissen.👍
Prima finde ich auch die Plastikreduzierung. Drinnen hat jeder sein Becherchen, gemäß Startnummer kenntlich. An der Strecke ebenfalls wiederverwendbare feste Becher, die dauernd gespült und neu bereitgestellt werden. Noch ein Lob obendrauf!👍
Ach und richtig gute, saubere Toiletten müssen auch erwähnt sein!👍


Es gibt ein kurzes Briefing, die Cheerleader machen sich startklar, nette Geste. 



Und dann geht es schon los auf die Strecke. Hier ein paar Eindrücke. Nach Start/Ziel folgt ein erster kleiner Anstieg auf eine Anschüttung, die wir kurz danach wieder abwärts verlassen.



Flach geht es weiter, bevor ein längerer Anstieg erklommen sein will, der in gemütliches Rollenlassen beim folgenden Gefälle mündet. Und schon kommt wieder der Turm in Sicht, den man nach kurzem Bogen dann auch erreicht. Es sind pro Runde zwar nur ca. 5 m Höhendifferenz, aber die summieren sich.




An Start/Ziel werden live die aktuellen Zwischenzeiten gezeigt, prima. Und natürlich stehen Speis und Trank bereit.


Und so geht's ins Abenteuer. Ich habe mir einen Halbmarathon vorgenommen. Und dann mal schauen. Nach einer Stunde ein weiteres nettes Gimmick: Zu jeder vollen Stunde erschallt das Steigerlied. Als Kind einer Bergbauregion, wenn auch im Tagebau, erfreut das mein Herz:


Ich bin emsig dabei, mein Tempo niedrig zu halten, schaue, dass ich immer hinter langsamen Läufern bleibe. Bis es mir dann doch zu langweilig wird und ich ein Stück in dem Tempo laufe, nach dem mir gerade so ist. Wie nicht anders zu erwarten, überrundet mich Oliver bei km 3,9 zum ersten Mal, viele weitere werden folgen. Aber der ist auch in einer anderen Liga unterwegs. Ab km 5 nehme ich meist ein paar Schluck Wasser zu mir, habe mir extra meinen Quetschbecher mitgenommen. 
Wenig verwunderlich wird es ab km 15 dann schon schwerer. Heidrun ist mir längst davongedieselt, Chris sowieso. Aber egal, jeder muss hier in seinen Schuhen laufen.
Das Steigerlied ist zum zweiten Mal erklungen, und ich nähere mich meinem Minimalziel. Wunderbar!
Bei rund 2:22 Stunden erreiche ich meine 21,1 km. Toll. Ich gönne mir etwas mehr Verpflegung. Leckere Erdbeeren und Melonenstückchen lachen mich an und tun gut. 


Für den Fall, dass ich keine Lust mehr hätte, habe ich mir eine Strandmatte eingepackt, um bequem auf die anderen zu warten. Aber die bleibt ungenutzt. Ich kann doch erstmal noch weiter traben, genauer gesagt gehtraben. Denn an den beiden Anstiegen will ich keine Energie ins Trippeln verlieren und gehe lieber.
So kommt Runde zu Runde, ohne dass ich das richtig steuere. Warum sitzen bleiben, wenn andere weiterlaufen. Und es fällt mir etwas Entscheidendes auf: Dass mir nämlich nichts auffällt. Denn der Magen ist völlig ruhig, kein Vergleich mit anderen Läufen. So kann ich auch gut trinken, und daher immer weiter vorankommen.


Irgendwann gegen km 30 brauche ich doch mal eine längere Pause. Lustig, da erwische ich Chris und Heidrun, wie sie schwatzend vorbeigehen. Na da schließe ich mich doch an!


Zu dritt marschieren wir weiter, bis wohl das Cola-Koffein seine Wirkung tut, und es mich zum traben treibt. Verrückt, wie es plötzlich wieder munterer läuft. 
Viele gehen inzwischen, völlig nachvollziehbar. Ich bewundere einige, die trotz erheblicher Leibesfülle oder höheren Alters hier einen Wahnsinnswillen beweisen und das leisten, was sie können.


Inzwischen ist es ziemlich warm geworden. Am Verpflegungsstand findet sich ein segensreiches Utensil: Eine Dusche! Da steckt man gern mal den Kopf drunter und holt sich eine Abkühlung. Die gibt es auch in anderer Form: Immer wieder stehen freundliche Helfer an der Strecke und verteilen Wassereis! Die Wirkung zum inneren Abkühlen ist grandios!


Und noch ein nettes Gimmick: Ein multifunktionaler Motivationskarton unterwegs hat je nach Stand des Rennens andere Sprüche auf Lager:




Die  Zeit verrinnt irgendwie. Mir kommen die ersten 2 Stunden genauso lang bzw. kurz vor, wie die hinteren 4. Inzwischen haben die Steiger mehrfach ihr "Glück auf" erschallen lassen und Oliver mich auch öfter überrundet. Manchmal sehe ich Chris' leuchtendes Shirt irgendwo oder Heidrun. Oft zur rechten Zeit hörte ich aufmunternde Klänge, "An Tagen wie diesen", "Auf das was da noch kommt", "Jump". 
Die 30 km liegen weit hinter mir, ich kann es kaum fassen. Irgendwie zieht es einen doch immer weiter, noch ein Ründchen und noch eines und noch eines. Es ist inzwischen unangenehm warm und der bisher kühlende Wind hilft auch nicht mehr viel. Ohne groß nachzudenken bewege ich mich, überschlage, was noch gehen könnte bis zur vollen 6. Stunde, muss aber feststellen, dass Mathematik bei Hitze nicht zu meinen Stärken gehört. Ach, mache ich doch einfach weiter, mal gehen, mal traben. Nach 5,5 Stunden wird mir klar, dass ich die Marathondistanz schaffen werde und sogar noch ein wenig drüber.
Ab 5:45 Stunden werden die Läufer angehalten, den Markerstein mit ihrer Startnummer mit auf die Strecke zu nehmen, den sie in dem Moment des 6-Stunden-Signals an ihrer aktuellen Position fallen lassen sollen. So werden die Restmeter der letzten Runde messbar. Es reizt mich sehr, auch diese letzten Meter mitzunehmen, aber ich merke deutlich, dass jetzt mein Tank unwiderruflich leer ist. Ich bin fertig, ganz und gar, will nun auch nicht mehr über die spürbare innere rote Linie gehen. So lasse ich es bei 42.880 offiziellen Metern und labe mich, freue mich mit denen, die auch noch die letzten Minuten nutzen.
Ich bin 26. Frau von 64, unglaublich. Und hätte ich auch nur ein paar Meterchen mehr gemacht, wären das gleich mehrere Plätze gewesen. Das hätte ich vorher nicht für möglich gehalten.
Chris kommt auf 47.499 Meter, Heidrun auf 46.161 Meter, super gemacht! Und Oliver reißt natürlich noch mehr runter, worüber er selber hier berichtet.


Ich frage mich, ob ich damit gar einen Ultra geschafft habe und konsultiere das Netz. Die einen sagen, alles über Marathon, also mehr als 42,195 km, erfülle dieses Kriterium. Andere fordern, es müsse schon deutlich mehr sein.
Auch wird nach anderer Meinung auf die Zeit abgestellt. Danach sei ein Ultra alles ab 6-Stunden-Lauf aufwärts. Wenn also jemand bei einem solchen Lauf beispielsweise 20 km absolviert, wäre das dann auch ein Ultra? In Bönen ist die kürzeste gelaufene und gelistete Distanz 9,3 km.
Nun denn. Ich habe definitiv ungeplant einen Marathon absolviert und mit dem Rest wird es für mich zu einem persönlichen Minimal-Ultra. Und nächstes Mal laufe ich auch noch ein paar Restmeter mehr. 😊
Daheim entdecke ich eine Blase am linken Rand der rechten großen Zehe, seltsam, noch nie da gewesen. Die komplette Ermattung hingegen ist altbekannt und gehört einfach als Souvenir am Folgetag dazu. 😉😄
Der Bönener Lauf ist wirklich eine feine Sache, die weite Fahrt hat sich gelohnt!

Glück auf!

Montag, 26. Mai 2025

Marathon Via Belgica Staffel (MMXXV)

AVE!
So lautet der dem Tage gebührende Gruß und man hört ihn sogar hier und da im Startbereich.
Nachdem der Marathon Via Belgica 2024 leider durch plötzlichen Sponsorenausfall abgesagt werden musste, ist es endlich wieder soweit. Und endlich kann ich auch meine persönliche Rechnung mit meinem gesundheitlich verursachten DNF 2023 mit Zieleinlauf in Maastricht begleichen. Wenn auch nicht über die Volldistanz, so doch als Staffel-Ehe-Duo mit Chris.

Im malerischen Rimburg treffen wir Oliver (mit Lisa und Otto), der seinerseits erneut den vollen Lauf angeht. Mein Eindruck, dass diesmal mehr Teilnehmer als zuletzt am Start sind, bestätigt sich.  Wobei die Steigerung von 151 Teilnehmern (Staffeln als ein Teilnehmer gezählt) auf 234 immer noch Luft nach oben lässt. Und mehr Teilnehmer wären diesem wunderschönen Lauf durch das Limburger Hügelland in den südlichen Niederlanden auch sehr zu gönnen. Einfach, damit er stabil weiter organisiert werden kann.
A propos: Der Lauf findet in den Niederlanden statt Der Namensteil "belgica" rührt schlichtweg von der römischen Bezeichnung der Fernstraße von Köln an den Ärmelkanal, die genau hier verlief.


Wie bei den letzten Austragungen erwartet uns ein Beflaggungspotpourri am Start. Leider diesmal keine Römer. Vielleicht weil sie um ihre Rüstungen bangen? Regen, Starkwind und eingangs 15° sind angesagt. Das lässt die Frage der Bekleidung nicht ganz marginal erscheinen. Aber man weiß und hofft ja, wenn man einmal läuft, läuft man durch.


Achtung Kunst!

Starttor römische Art

10 Uhr geht das Feld auf die Strecke. Für unsere Staffel startet Chris. Er kennt die erste Streckenhälfte noch nicht und kann sie daher nun erkunden.


Ich mache mich unterdessen auf zum Wechselpunkt. Er liegt an einer Landstraße, doch wenige 100m weiter gibt es einen großen Parkplatz für Zuschauer und Wechselläufer.

Chris hatte zwar sein Garmin-Tracking aktiviert, doch leider setzt das nach 7 Minuten aus. So muss ich mir eigene Gedanken machen, wann ich ungefähr draußen bereit sein müsste. Er wird sicher unter 2 Stunden kommen, aber wann genau und wie lange nach Oliver (den ich auch abpassen möchte)? Im Auto ist es zwar angenehm, doch der Blick durch die Frontscheibe auf dunkle Regenwolken und windgepeitschtes Laub verheißt Ungemach. Ich sollte erwähnen, dass Böen an 50 km/h angesagt sind aus Südwest. Also geht der ganze Lauf gegen den Wind.😏 Zudem ist die Strecke ja profiliert.


Schlussendlich gebe ich mir einen Schubs und geselle mich ca. 1:30 Std nach Startschuss laufbereit zu den anderen Zuschauern und Staffelläufern. Ein großer Schirm, senkrecht gegen den Wind gehalten, gibt ein wenig Schutz. Sehr bald schon kommt Oliver fluffig vorbeigetrabt. Kurz kann ich ihn durch rufen aus seinem "Tunnel" holen. 
Ein junger Niederländer kommentiert für seinen wartenden Staffelpartner ein munteres "Lekker windje", so kann man es auch nennen.😂
Chris hat mit selbigem zu kämpfen und kommt nach netto 1:56 Std ziemlich durchnässt an.


Ich weiß was mich erwartet. Sofort über 3 km sanft, aber stetig und zäh bergauf zu traben. Gegen den Wind. Die ca. 50 Höhenmeter fühlen sich daher nach mehr an. Dennoch hilft es, sich endlich warmlaufen zu können. Anfangs habe auch ich es noch mit Regen in mäßiger Menge zu tun. Weswegen leider manch schönes Fotomotiv buchstäblich ins Wasser fällt. Doch erfreulicherweise lässt er bald nach. Nur der Wind nicht, der stürmt weiter. Unerquicklich insbesondere, wenn man eine Höhe erreicht und Windschutz hinter sich lässt. Aber so kann man das Motto des Laufs perfekt umsetzen: 
"NULLA TENACI INVIA EST VIA" 
(Für den Geduldigen ist kein Weg unpassierbar).



Erfreulicherweise grüßt schon aus der Ferne Valkenburg. Im Tal gelegen und daher windärmer.


Hier wie überall sind zahllose Helfer an der Strecke. Das Dankeschön dafür kann nicht groß genug sein, sich bei diesem Wetter stundenlang irgendwo hinzustellen, um dem Läufervolk den Weg zu bahnen. Für solches ist Valkenburg ein prägnantes Beispiel. Denn für jeden Läufer wird die Ampelregelung an der Durchgangsstraße außer Kraft gesetzt. Damit unsereiner ohne Stopp passieren kann, müssen die Helfer sich trotz "grün" dem Verkehr entgegen stellen. Ein Wahnsinn!


In Valkenburg (ca. km 7) sind diesmal die Cafés kaum besetzt. Hier weilten 2022 König Willem und Königin Máxima wahrhaftig beim Kaffee und ließen Selfies mit Läufern zu! Doch trotz der insgesamt wetterbedingt weniger Zuschauer an der Strecke - es werden überall immer wieder Hände zum Anklatschen gerührt oder aufmunternde Worte gerufen.



Immerhin, erste zaghafte Aufhellungen zeigen sich am Himmel. Und es wird wärmer. Noch besser, in dem folgenden Waldstück herrscht weiter perfekter Windschutz! Allerdings spüre ich auch, dass mich der Lauf bisher schon einiges an Körnern gekostet hat



Exakt zur Halbzeit meines Halbmarathons folgt dann auch der "Heartbreak" Hill von Limburg! Ein Anstieg über ca. 1 km mit gut 60 Höhenmetern. Eigentlich machbar, aber ich erlaube mir hier lieber zackiges Gehen als kraftraubendes Trippeln. Und wie heißt der Ortsteil oben am Ende? Genau, "Berg". 😄




Ich bin gespannt, wie es an einer anderen Straßenquerung läuft. Und tatsächlich wird auch diese Hauptverkehrsstraße für jeden Läufer kurz gesperrt. Die Autofahrer schauen nicht ganz so begeistert....
Später in Maastricht wird noch der Sperrungshöhepunkt folgen. 7 Helfer müssen an einer richtig großen Ampel-Kreuzung jeweils 5 Fahrspuren für jeden einzelnen Läufer sperren. Beeindruckend, wie sie das schaffen!

Autostau durch Läuferquerung

Maastricht in Sicht

Ich erinnere mich an fast jeden Streckenabschnitt und weiß, nun geht es nur noch abwärts und nur noch über flache 6 km.
An km 17 gilt ein kurzes inneres Gedenken meinem Lauf 2023. An diesem Verpflegungsposten endete damals mein sportliches Tun, weil der Kreislauf sehr abrupt seine Dienste auf Minimum zurückfuhr. Diesmal ist, trotz allem, solches nicht zu erwarten. Der Himmel reißt auf und die Sonne strahlt. Da ist man sogar um ein wenig Wind froh, der Kühlung verschafft.


Nun folgen lediglich ein paar Kurven durch ein langweiliges Gewerbegebiet, teils garniert mit Fähnchen und Wimpeln...


...bis sich endlich der ersehnte Blick auf die Maas öffnet, auf die Servaas-Brücke und damit den Zieleinlauf. Und nicht nur das: Hier hat man für ein paar 100 m Rückenwind!





Der erste Römer heute, er überreicht die Medaillen.




Ich bin ehrlich gesagt sehr froh, es nun geschafft zu haben. Es war ziemlich fordernd, der Halbe reichte.  Die Volldistanzler hatten wirklich harte Bedingungen heute. Doch Oliver hat seine Zeit kräftig unterboten, klasse! Er berichtet hier: Link
Ich bin mit meinen 2:19 zwar deutlich langsamer als Chris, aber dennoch sehr zufrieden. Mit 4:17 liegen wir auf Platz 16 von 22 Duo-Staffeln, stimmt so für uns.
Wir genießen noch ein wenig die lockere Stimmung, gutes Getränk und den Sonnenschein (war da was mit Regen...?) , bevor es mit einem letzten Blick auf die Servaas-Brücke zurück zum Auto geht.
Schön war's. Aber nächstes Mal muss die Windmaschine nicht wieder angeworfen werden...