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Sonntag, 25. August 2024

Miraculum

Was für eine Woche!

Nach dem 27-km-Lauf des letzten Sonntags wollte mein Plan gleich am Dienstag 10 km Tempodauerlauf in 5:55 Min/km (zzgl. Ein- und Auslaufen). Au weia, ich habe arge Zweifel. Aber dann, welch ein Mirakel, die Beine laufen flott und flotter, ich bekomme den Speed gar nicht gebremst, habe Freude daran, dass selbst bei km 9 und 10 keine Schwäche um Temporeduzierung jammert. Ergebnis: 5:45 Min/km. Ich schwöre, ich habe kein Wunderpülverchen genommen.

Am übernächsten Tag: Der Plan will 20 km, gemütlich. Zu meiner Überraschung, auch das klappt gut.

Da sind die 12 km, erneut gemütlich, gleich am Folgetag kaum der Rede wert.

Aber dann, Gewissensfrage: Am Samstag beim Berglauf Monte Sophia, 25 km mit vielen Höhenmetern auf neuer Strecke mit Chris und Oliver laufen? Oder brav beim Plan bleiben und Sonntag meine 30 km abreißen...? Ich entscheide mich für den Plan, der lauffreie Samstag hat ja einen Sinn und ich soll sicherlich auch nicht einfach so Energie verballern, sondern konstruktiv, also in moderatem Tempo, meinen Körper an die Marathondistanz heranführen.

Spätestens der Wetterbericht erleichtert die Entscheidung: Über 30° sind angesagt zum Berglauf am Samstag, nichts für mich. Aber Ehrensache, dass ich mit Chris hinfahre und wir Oliver begrüßen. Während die beiden dem Lauf, der da kommen mag, entgegenblicken, ...


... mache ich es mir im Schatten gemütlich, lasse mir den warmen Wind um die Nase wehen und erfreue mich, dass ich mir die Bergstrecke diesmal nicht antue. Ok, gereizt hätte es schon, aber vernünftig wäre es nicht gewesen. Dann schaue ich lieber dem Marienkäfer (?) bei der Erkundung meines Sonnenhuts zu.


Chris und Oliver haben die Strapazen gemeistert, sind sich aber einig, dass die neue Strecke, obwohl 3 km kürzer, deutlich fordernder ist. Oliver berichtet ausführlich.


Beide belegen Podestplätze in ihren AK's, aber Chris' Hoffnung auf neues Duschgel (das gab es letztes Jahr bei der Siegerehrung) erfüllt sich nicht. Diesmal Duftwasser für den Herrn...


Solcherart motiviert gehe ich heute auf meine lange Runde. Erfreulich, nur 20° und kräftiger Wind, gut so. In der Ferne ist die Sophienhöhe, Ort des gestrigen Geschehens, deutlich sichtbar.


Ungefähr hier (Folgebild) kommt mir eine Gassigängerin entgegen und erkundigt sich nach dem Weg. Sie scheint zugezogen und weiß nicht, wo man hier am Tagebaurand gehen darf und wo nicht. Sie führt ein prächtiges Fellpaket auf 4 Beinen an der Leine. Wir kommen ins Gespräch. Es ist ein Landseer, eine Unterart der Neufundländer. Ein Jahr alt, 60 kg schwer, noch nicht ausgewachsen. Ich kannte diese Rasse bisher nicht, aber er ist sooo süüüüß! Ich frage, ob ich ihn anfassen darf. Klar, und er genießt es, gewuschelt zu werden. Wie eine Katze drückt er seine 60 kg gegen mein Bein und wirft dann sich selber auf meine Füße, aber ganz sanft. So was aber auch. Als er dann aber meine Uhr und meine Laufshorts anknabbern will, greift Frauchen ein und jeder geht/läuft wieder seiner Wege.

Ich steuere den Aussichtspunkt am Tagebau Hambach an. Es wären sogar Logenplätze ganz vorn frei, verlockend. Aber ich widerstehe und weiter geht es, entlang der Straße am Tagebaurand. Leider gibt der Akku meiner Kamera auf. Aber es wäre auch nichts weiter zu berichten, als dass ich die 30 km absolviert habe. Doch 7:30 Min/km als Vorgabe konnte ich nicht erfüllen, es wurden 6:56 Min/km, langsamer ging nicht.

74 Wochen-km! Das hatte ich noch nie. Ich bin sehr gespannt, wie es weitergeht!



Sonntag, 8. Januar 2023

Verpasste Gelegenheiten

Ich hatte mich ja auf den gestrigen Samstag sehr gefreut. Nach dem schwungvollen Silvesterlauf  sollte es an die Ahr gehen, Ahrathon Winter-Edition Erstaustragung. Da ich noch eine Rechnung dort offen hatte, nach dem üblen DNF im letzten Juni, sollte es diesmal besser laufen.

Weit gefehlt. Als wir uns zur Abfahrt daheim vorbereiten, bemächtigt sich übles -ich nenne es mal- Rumoren des unteren Verdauungstrakts, das  gewisse Sanitäreinrichtungen in Reichweite erforderlich macht. Und dann mache ich auch noch eine einfache Kopfdrehung, wonach mir ein heftiger Stich in den seitlichen Rücken, Höhe Schulterblatt, fährt. Autsch. Zwei solcher Übel sind mir doch etwas viel, wie soll das werden? Adieu Ahr. Am Abend ringe ich mir 8 km ab, geht so, Laufspaß ist anders.

Sonntag auf zum "Berg"training an der Fischbachhöhe. Auf dem Weg dorthin ein stationärer Radarmesser, der mich vor einer Weile amüsiert hatte, als ich gerade keinen Fotoapparat dabei hatte. Kann ich heute nachholen. Das Ding überwacht nämlich nicht nur den Straßenraum, sondern auch den Gehweg gleich mit, wenn gerade kein Auto kommt. Und wenn man sich ans Limit hält, wird man auch mit grünem Smiley belohnt 😊.

Laufend zeigte es mir natürlich 10 - 11 km/h, für die Fotos habe ich auf Gang zurückgeschaltet, was auch prompt erfasst wird.




Meist ist der Fotoapparat dabei, aber manchmal ausgerechnet nicht, so dass ich die Chance auf Bilder verpasse. Daher hier ein kleiner verbaler statt optischer Rückblick:

***

Neulich, Mittagspausenlauf, der Einfachheit halber immer eine 2-km-Runde um den Acker hinter unserem Viertel. Auf der ersten Runde kommt mir ein älterer Läufer entgegen, wir grüßen uns nickend.

Auf meiner zweiten Runde kommt er mir wieder entgegen, diesmal breiter grinsend und mit Daumen und Zeigefinger zeigt er mir eine "2". Ich grinse zurück.

Dritte Runde. Wieder die gleiche Begegnung. Wir lachen und halten uns beide drei Finger entgegen. Er ruft allerdings dazu, dass er nun heimlaufe. Schade, wäre sicher lustig geworden, wenn dann eine Hand nicht mehr reicht.😁

****

Fischbachhöhe. Einsam da oben. Mir kommt ein Mann mit einem großen, kraftstrotzenden Bulldoggenwesen entgegen, ohne Leine. Es liegen noch vielleicht 30m oder 40m zwischen uns. Aber der Hund hat mich schon voll im Blick. Er wirft sich in die Brust, demonstriert seine Kraft. Oh je, das könnte heiter werden! Wahrscheinlich plant der schon seinen Angriff... Ich plane da eher meine Flucht, aber gegen das Kraftpaket hätte ich keine Chance. Also dann. Ich bewege mich sicherheitshalber am äußersten Rand des Weges. Herrchen bleibt völlig entspannt. Im genau richtigen Moment gibt er ein unkompliziertes, leises aber deutliches "Bleib", ergänzt mit einer klaren Anzeige per Hand. Alles bestens, der Hund bleibt bei Fuß und beide bewegen sich ruhig und ohne Stress an mir vorbei. So müsste es immer laufen! 

Das sollte ich mal dem Spitz erklären, dem ich neulich begegnete und der anscheinend meint, er sei ein Kampfhund. Wenn der nicht an der Leine seines ansonsten planlosen Frauchens gehangen hätte...

Aber ansonsten sind die allermeisten Hundebegegnungen harmlos, oft auch interessant.

***

Im letzten Frühjahr passierte ich auf einem Radweg ein Paar. Er führt zwei große Pudel, einer weiß, einer braun, an der Leine, sie schiebt eine Art Babyjogger. Als ich vorbeilaufe sehe ich im Augenwinkel, was da im Jogger gefahren wird. Kein Kleinkind, sondern ein Häuflein putziger Pudelwelpen! Wie süüüß! Blöderweise laufe ich weiter, ich hätte anhalten und sie mir genauer anschauen sollen!

Heute, welch ein Zufall. Das Paar wieder mit den beiden Pudeln, aber ohne Welpenwagen, auf meinem Weg. Als ich vorbeilaufe, nutzt der weiße Vierpföter den Spielraum der Flitschleine und will an mir schnuppern, was ihm ein scharfes "Theeeeooooo!!!" einbringt. Soso, das wäre also schonmal klar, wer hier der Rüde ist.

***

Bei längerem Nachdenken kommen mir sicher noch mehr interessante Begegnungen oder Erlebnisse in den Sinn. Aber am besten wäre, doch immer die Kamera zur Hand zu haben.

Sonntag, 26. Juni 2022

Regeneration und lustige Lola

Die Woche wollte ich noch ein wenig im Zeichen der Regeneration nach dem Hitzeabenteuer an der Ahr gestalten, also kein volles Laufprogramm. Höhenmeter habe ich dennoch gesammelt, bei einer hausinternen Aufräum- und Säuberungsaktion auf dem Dachboden, die gefühlte endlose Treppenstufen auf- und abwärts bedeutete.

Gestern ging es in den noch kühlen Morgenstunden zu meiner inzwischen schon gewohnheitsmäßigen Berglaufrunde. Ich wurde angenehm überrascht. Erstens, weil morgens die Steigung im Schatten liegt. Und zweitens, weil es prima lief. Ich merke doch als Flachländerin, dass es etwas bringt, regelmäßig diesen Steigungs-km zu machen.

Dabei konnte ich auch gleich noch nachschauen, was aus der Brandstelle auf der ruhigen Fischbachhöhe geworden ist.

Die Stadt hat die Hinterlassenschaft weitgehend abgeräumt. Und, sehr erfreulich, die angebrannten Bäume treiben wieder aus! Ich finde es schön, dass die Natur so schnell nicht klein beigibt. Bleibt zu hoffen, dass diesen Sommer genügend Regen fällt, damit die Regeneration gut voranschreitet.




Heute war nur stumpfes Rundendrehen auf meiner Hausrunde angesagt. Da ich gestern eine Hundebegegnung der doofen Art hatte (95% meiner Hundebegegnungen sind allerdings positiv), erinnere ich mich umso lieber an meine süßeste Begegnung, mit Lola, die ich vor einigen Wochen auf meiner heute gelaufenen Route hatte:

Ich sehe ca. 20 vor mir ein junges Paar im eifrigen Dialog miteinander und einen gelangweilt ohne Leine hinterhertrottenden Mops oder französische Bulldogge (kann ich nicht immer sicher auseinander halten). Plötzlich scheint mich der Hund wahrzunehmen. Bleibt stehen, schaut abwechselnd zu seinen Menschen (Soll ich weiter hinter den Langweilern her?) und zu mir (Aaaah, Spielpartnerin?). 

Seinen Entschluss sehe ich ihm genau an. Er erwartet mich an seinem Standort.

Da er auch irgendwie so friedlich wirkt, nähere ich mich neugierig, aber auch vorsichtig. Seine Menschen entfernen sich weiter. Der Hund merkt, dass ich ihn auch bemerkt habe. Und schon geht die Party los. Heidewitzka, nur mal kurz geschnuppert und erste Umarmung meines Unterschenkels (Schön dass du da bist!), dann kleine Temporunde um mich herum (Schau mal, ich bin auch flott!) und Jojo-Hopser (Spiiiiiel mit mir!).

Ich versuche zunächst noch, einfach einen Schlenker zu machen. Zwecklos. Das kleine Kraftpaket ist wieselflink und bremst mich immer wieder aus. Voran komme ich so nicht mehr, doch der Blick zu den Gassigängern zeigt, wie einnehmend deren Gespräch immer noch ist, sie bemerken nichts. Obwohl es eine spaßige Nummer ist, möchte ich dennoch weiter laufen. Also rufe ich den beiden zu, ob sie bitte ihren Hund abrufen könnten. Sie drehen sich erstaunt und betreten zugleich um. "Loooooola, hierhinnnn! Loooola!" 

Hat da wer gerufen? Niemand, der für Lola Relavanz entfalten könnte. Sie erfreut sich weiterhin an ihrer wilden Animationsaktion. "Kommstduwohlhierhinaberdalli!" Na so einfach will sie es ihren beiden aber nicht machen. Die sollen ruhig mal merken, dass man so einen Wonneproppen nicht einfach ignoriert. Sie haben inzwischen kehrt gemacht und kommen auf Hund und Läuferin zu, versuchen es mit Körpersprache. Der Zeigefinger deutet stramm auf Herrchens Füße "Hierhinnnn!". Fruchten tut es nichts.

Lola weiß um ihre Chance, denn nun hat sie ja die Aufmerksamkeit von gleich drei Spielgefährten! Heißa, das gefällt ihr! Munter hopst und hüpft sie um uns herum, immer mit genau so viel Abstand, dass man sie gerade nicht am Halsband greifen kann. Hier ein Wuff, da ein Schnaufer, ja, Geräusche kann sie auch. Frauchen versucht es nun mit Nachlaufen. Suuuuper-Hundespiel! Lola läuft einfach schneller ihren Kreis. 

Am Ende schaffen es Herrchen und Frauchen mit vereinter Taktik, ihre lustige Lola zu greifen und anzuleinen. Sie entschuldigen sich wiederholt (gar nicht nötig, war doch spaßig) und ziehen mit Lola von dannen.

Ich meine, die kleine Knautschnase hätte mir sogar noch zugelächelt... Leider habe ich das Trio seither nicht wieder getroffen, würde mich aber sehr freuen, wenn dieser Fall einträte.

Sonntag, 5. Januar 2020

Rauhes Klima heute

Der Sonntag beginnt friedlich.
Die meuternde Bandscheibe konnte mich zwar überzeugen, ein paar Tage zu pausieren, aber heute reizt es mich doch wieder zu laufen.
Als ich starte, kann ich noch kurz die Heiligen Drei Könige samt kleinem Gefolge bei ihrem Gang zu den Häusern beobachten. Ein schöner Brauch!

Im letzten Jahr besuchten sie auch uns, doch mit gänzlich unerwartetem Effekt. Ich ließ die Haustür etwas zu weit geöffnet und schwupps schlüpfte unsere jüngere Katze hinaus, was sie nicht sollte, da sie sich ums Haus herum noch nicht auskannte.
Schockschwerenot! Ich bitte die Könige samt Entourage um Hilfe. Caspar, Melchior und Balthasar & Co bilden eine Kette und ich kann dank der heiligen Hilfe die kleine Ausreißerin rasch wieder einfangen. Bei solchem Beistand hatte sie auch gar keine Wahl ...
Munter laufe ich los und es tut richtig gut.

Doch schon 4 km weiter sinkt meine Lauflaune schlagartig in den Keller, denn schweres Wetter bemächtigt sich meiner.
Ich biege in eine kleine Anliegerstraße ein. In 20, 30 m Entferung kommt mir eine Frau entgegen. Einen wunderschönen weißen Schäferhund führt sie an der Leine, ein stattliches Tier. Ich gerate innerlich ins Schwärmen. Sie geht ganz rechts auf dem Gehweg, so dass der Hund bereits auf der Fahrbahn laufen muss. Also wähle ich die äußerste linke Seite des Wegs. Kurz überlege ich, auf die Straße auszuweichen. Doch macht der Hund einen völlig friedlichen Eindruck, weder schaut er in meine Richtung, noch knurrt er oder wirft er sich in die Leine. Ich bin ihm schlicht egal.
Kurz bevor ich die beiden erreiche, hält Frauchen an und lässt ihren Begleiter sitzen. Ich laufe in einer Armlänge Abstand vorbei, schaue bewusst auf den Boden vor mir.
Dem Hund ist das nach wie vor alles egal.
Doch dann bricht das Gewitter los.
"Muss das sein, dass Sie hier vorbeilaufen?" werde ich unvermittelt angegangen.
Ich bin perplex.
"Äh, was ist denn das Problem?"
"SSSSIIIEEE hätten die Straßenseite wechseln müssen!"
Der Hund hockt nach wie vor brav vor sich hin und schaut gelangweilt.
"Ja aber warum denn, ist doch nichts passiert, der Hund tut doch nichts!" (Welch eine Ironie, dass ich hier so einen Satz von mir gebe...)
Nun nimmt das Gewitter erst richtig Fahrt auf. "Habe ich gesagt, dass Sie mich ansprechen sollen?!" schallt es mir entgegen. Und dann schließt sich ein Guss vom Feinsten an. Kein Regenguss, sondern Wortkaskaden und Verwünschungen, die wie ein Tornado übers Feld pflügen. "Frechheit" war noch eins der zahmeren Worte.
Nun mag es ja sein, dass die Dame schlechte Erfahrungen gemacht hat mit dem Tier, aber dafür kann ich nichts, kann es auch nicht ahnen und der Hund beweist allergrößte Gelassenheit während der gesamten Begegnung. Das wahre Problem scheint mir am anderen Ende der Leine zu hängen.
Deswegen schüttele ich nur den Kopf und setze meinen Weg fort, rufe den beiden allerdings ein "Frohes neues Jahr - für Ihren Hund!" zu, das kann ich mir nicht verkneifen.
Ich hätte sie auch fragen sollen, ob sie zufällig einen Verwandten in der Schweiz hat. Hei, die beiden würden gut zusammen passen...
Nichts wie weg aus dieser Gewitterzone!

Mir ist nach Wiederherstellung der Harmonie, also auf zum Weihnachtsbäumchen!
Seit meinem Besuch am 4. Advent ist noch ein wenig mehr Schmuck dazu gekommen. Ich freue mich schon, hier im Dezember 2020 vorbeizukommen.

Mein Seelenheil ist gerade halbwegs wieder im Gleichgewicht, da folgt die nächste atmosphärische Störung.
In einem Wohngebiet will ich eine Straßeneinmündung überqueren. Ein Auto nähert sich und müsste mich passieren lassen. Eigentlich.
Das weiß der Fahrer auch. Doch er hat viel Schwung. Er wählt Plan B, lächelt mir zu, macht eine entschuldigende Geste und biegt ohne zu bremsen vor mir ein, schneidet mir den Weg ab. Welch ein Glück, dass ich erst 2 Schritte auf die Fahrbahn getan hatte, wären es 4 gewesen, wäre mein Post wohl noch nicht in Arbeit.

Als wenn das noch nicht genug war, brettert mir in der Fußgängerunterführung unter der Bahn ein Typ mit einem Fatbike entgegen. Der Fahrer ist leider nicht des Bremsens mächtig, also ziehe ich einen beherzten Sprung zur Seite vor.

Ja wer hat die denn heute alle rausgelassen?!

Ich bin froh, als ich nach 15 km unversehrt wieder daheim ankomme. Und stelle fest, dass ich den zu diesen Erlebnissen passenden Kommentar schon am Weihnachtsbaum fotografiert hatte. Die können mich alle mal...


Sonntag, 30. Juni 2019

Bello-Bingo

Läuferische Hitzeflucht - wir fahren morgens vor dem Frühstück einige Minuten bergab, um am schattigen Ufer der Aare laufen zu können. Der Ausflug lohnt, es ist herrlich frisch, zwischen den Bäumen zwitschern die Vögel. Man hat das Gefühl, endlich einmal durchatmen zu können.
Das gluckernde türkisfarbene Aarewasser begleitet unseren Lauf.





Aus gegebener Veranlassung habe ich mir eine kleine Aufgabe überlegt: Die Hunde zu zählen, die uns begegnen. Ich komme auf der ersten Streckenhälfte bis zum Wendepunkt nach 45 Minuten auf deren 21, von Schoß- bis Schäferhund ist alles dabei. Alle friedlich, entspannt und nicht an Läufern interessiert. Einmal stockt mir kurz der Atem, als ein großes schwarzes etwas von rechts aus einem Seitenweg heranstürmt. Aber auch der ignoriert uns, der wollte nur flott ans Flussufer.
Auf dem Rückweg sehen wir einige wieder, weitere neue kommen hinzu. Bei etwa 30 verliere ich den Überblick. Besonders gefallen mir 3 wunderschöne Berner Sennenhunde, die würde ich am liebsten streicheln, doch wir sind ja zum laufen hier!

A propos Überblick: Gestern liefen wir dieselbe Strecke zur gleichen Uhrzeit wie Dienstag, als ich den speziellen Hundebesitzer traf. Im Hirn habe ich kurz den Gedanken, was wäre wenn... Der Wenn-Fall tritt ein, weiter vorne sehe ich den herrischen Herrn mit seinem munteren Vierbeiner!
Ich warne Chris vor. Herrchen sieht uns diesmal nachweislich, denn er geht zum Straßenrand, lässt seinen Hund dort auf dem Grünstreifen absitzen, stellt sich zwischen Hund und Straße, gibt ihm Leckerchen.
Das sieht ja schonmal gut aus.
Wir kommen bei den beiden an und grüßen laut vernehmbar (DAS musste sein!). Eine Erwiderung höre ich nicht, Chris meint, ein Brummen vernommen zu haben. Allerdings beschließt der Hund in dem Moment, die Gestaltung unseres Treffens zu übernehmen. Er springt los, macht 2-3 Sätze in unsere Richtung. Doch Gottseidank unterbindet die diesmal von Herrchen kurz gehaltene Leine knapp vor Chris' Beinen abrupt die Vollendung seines Tuns. Auch wenn er nicht feindselig wirkte und wohl wirklich nur spielen wollte, fühlt sich Chris mulmig. Wir setzen unseren Weg fort, froh, dass es nicht erneut unerfreulich wurde.

Doch solche Erlebnisse bleiben uns erspart. Ein wunderschöner erfrischender Morgenlauf endet nach gut 14 km erst beim Bäcker und dann am Frühstückstisch.
Gerade noch rechtzeitig sehe ich, dass ja aus Frankfurt der Ironman übertragen wird. So verfolgen wir das spannende Rennen, bangen  und leiden mit Frodeno, Kienle & Co, freuen uns, dass sie trotz der großen Hitze dort ihr Rennen finishen können. Was für eine Leistung!
Wir finishen morgen unsere Tage in der Schweiz. Es soll Regen kommen, da fahren wir doch lieber nach Südfrankreich weiter, wo es lecker warm ist (Achtung: Galgenhumor!).

Dienstag, 25. Juni 2019

Schweigen Sie!

Auch in den Bergen hat man nun Hitze. Für heute sind 38° angekündigt, bzw. angedroht. Ich starte um 7 Uhr zu einer Laufrunde, nachdem ich vorgestern im Warmen so einen richtigen Hungerlauf erleiden durfte. Um jeden Brunnen am Wegesrand war ich froh, in den ich meinen Kopf stecken konnte. Dennoch kam ich nur auf einen 7'er-Schnitt.
Doch nun, bei 17° sollte das anders werden.
Es wurde auch anders, aber anders.
Im Weiler vor dem Kirchhügel des Nachbardorfs sehe ich ein Stück vor mir einen älteren Herrn mit munterem Hund an Schleppleine. Letzterer wuselt umher, schnüffelt hier und da, mal links, mal rechts des schmalen Sträßleins. Auch sein Herrchen geht eher im Zickzack.
Eine Katze quert die Straße. Dank der langen Leine sprintet der Fifi ihr hinterher, bis ihn das Ende der Leine dann doch im Vorgarten des Katzenheims unsanft ausbremst.
Herrchen dreht sich um in meine Richtung. Aha, denke ich, er hat mich gesehen, denn zielstrebig wechselt er zur rechten Straßenseite, sein Hund mit ihm und bleibt bei Fuß.
Ich wechsle meinerseits zur linken Straßenseite.
Als ich auf ca. 5 m heran bin, bemerkt mich der Hund, bleibt stehen und schaut interessiert. Sein Herrchen geht weiter, die Leine hat ja viel Spiel.
Als ich auf seiner Höhe bin, mit ca. 3 Armlängen Abstand, rufe ich ihm den hier üblichen Gruß "Grüessech" zu und setze meinen Weg fort, die beiden verschwinden aus meinem Augenwinkel.
Doch dagegen hat Fifi etwas. Ich höre ihn von hinten heranstürmen, und dann springt er mich an, stößt mir unsanft seine Nase in den verlängerten Rücken, seine Pfoten an meinen Beinen.
Ich bin total erschrocken und lasse einen Schrei los.
Herrchen schreitet nicht ein, amüsiert sich: "Haha, der tut doch nichts!"
"Ja das weiß ich doch nicht! Erschrocken hat er mich jedenfalls sehr."
"Na da müssen Sie sich eben bemerkbar machen."
"Aber Sie haben sich doch umgedreht und mich gesehen!"
"Ich habe Sie nicht gesehen!"
"Und dann habe ich Ihnen auch noch einen Gruß zugerufen."
"Ich habe Sie nicht gehört!" Herrchen wird laut und ruckelt sinnlos an der Leine herum. Fifi wundert sich wohl, denn längst sitzt er ganz brav zwischen uns und hört interessiert zu.
"SIE müssen sich bemerkbar machen!"
"Aber ich..."
"Man springt (lokaler Ausdruck für laufen) nicht einfach so an einem Hund vorbei. SCHLUSS! AUS!!!" (Mit letzterem meint er mich)
"Also wenn Sie Ihren Hund nicht im Griff haben, dürfen Sie ihm keine lange Leine geben. Was soll ich denn machen, wenn Sie mich übersehen und überhören?"
"SCHWEIGEN SIE!!!"

Ok, ich sehe ein, unser kleiner Gedankenaustausch mündet hier und jetzt in kein fruchtbares Ergebnis. Passiert ist auch nichts weiter. Ich beschließe, meinen Weg fortzusetzen, wende mich ab und laufe.
Damit ist Herrchen allerdings auch nicht einverstanden. Von hinten ereilt mich nun nicht mehr der Hund, aber Herrchens Wortschwall. Ich verstehe akustisch nicht, was er mir hinterherruft, aber Freundschaftsbekundungen sind es vermutlich nicht. Er gibt sich wirklich Mühe, und muss ja immer lauter brüllen, um mich zu erreichen.
Nun, wenn er will. Ich bleibe stehen und drehe um zurück zu ihm. Damit hatte er nun auch nicht gerechnet und schaut etwas perplex. Sofort setzt er erneut zu Belehrungen an. Ich lasse ihn ausreden, sage ihm nochmals ruhig, wie meine Einschätzung der Situation war und dass ich mir sehr wohl Gedanken gemacht habe, ob er mich bemerkt habe und zur Ansicht gelangt sei, dass dies der Fall gewesen sei. Er kommt dann auch wieder aus seinen Höhen herab. Ich wünsche ihm einen schönen Tag, er grummelt irgendeine Erwiderung und dann setze ich endgültig meinen Weg fort.

Immerhin, dank dieser putzigen Begegnung habe ich nun genug Adrenalin in den Adern, um den Kirchhügel kräftig bergauf laufend zu nehmen und die 10 km mit zackigem Schnitt zu absolvieren.

Ich werde überlegen, ob ich ab sofort jedes Hund-und-Herrchen/Frauchen-Paar bei Annäherung mit einem markigen Tarzanschrei beglücken soll. Wahrscheinlich ist das auch nicht recht.
Oder ich laufe morgen zur selbe Zeit am selben Ort und erprobe das vielleicht mal am selben Hund-und-Herrchen-Gespann...
Falls dieser Fall eintritt, werde ich hier berichten.😉

Als hätte ich es geahnt, hatte ich gestern im Berner Marzili-Bad einige der originellen Wandspiegel fotografiert, die jeden Gast mit einem launigen Spruch ins Bild setzen:

"Kann ich dem Schicksal zublinzeln?"

"Lieber Haare auf den Zähnen, als Pickel im Gesicht."





Sonntag, 17. Dezember 2017

Begegnungen

Es wird Zeit.
Für einen Besuch, von Neugier getrieben.
Was er wohl macht, mein Baumfreund. Den ich letztes Jahr,  vorletztes Jahr und im Januar 2014 schon besuchte, wie zunehmend andere Naturliebhaber wohl auch auch. Also auf gehts, zum langen Wochenendelauf.


Und da ist er auch schon! Größer und schöner, und wieder ansehnlich herausgeputzt!










Seine Fans haben ihn jahreszeitgemäß geschmückt, steht ihm gut.
Doch da lugt etwas weißes zwischen den Zweigen hervor...
Ich gehe mal näher ran...







Da hat doch jemand seinen Brief ans Christkind deponiert, aber einen Brief der anderen Art.











Mein Baumfreund steht in einem Naturschutzgebiet, in der Mitte ein großer künstlicher See, auf dem zahlreiche Vögel zu sehen sind.







Diese Schwäne kann ich identifizieren, die anderen wegen des Gegenlichts eher nicht.








Das Naturschutzgebiet ist deutlich gekennzeichnet, dass Hunde daher anzuleinen sind, auch. Doch leider sind einige Analphabeten unterwegs. Von 7 Hunden, die ich sehe, ist nur einer angeleint.
So etwas ärgert mich, denn Stöckchenwerfen kann man nur ein kurzes Stück weiter auch.
Ich spreche einfach mal einen der Hundehalter an.
Ob er wisse, dass hier ein Naturschutzgebiet sei. Jaja.
Und dass daher Hunde anzuleinen sind?
Ja, eigentlich schon, macht er sonst immer, nur mal heute nicht.
Und warum heute nicht?
Aus Respekt vor dem Hund und der sei ja auch immer abrufbar, usw. usw. usw.
Und was ist mit dem Respekt gegenüber den anderen Tieren hier?
Ach darum geht es doch gar nicht! Und Bock auf Diskussion hat er jetzt auch nicht.
Abmarsch Mann mit Hund.
Naja, war mir ja eigentlich vorher klar.
Wenigstens nehme ich etwas mit aus diesem kurzen Dialog: Neuen Schwung für die nächsten Kilometer, Ärger herunterregulieren.

Im nächsten Wald (Kein Naturschutzgebiet) noch mehr Begegnungen. Mit Menschen in waidmannsgrünen Gewändern, ihre Flinten über der Schulter. Wahrhaftig Vorbereitungen zu einer Treibjagd. Nichts wie weg hier, mein Diskussionsbedarf für heute ist gedeckt.







Am Erftufer treffe ich noch auf einen Waldbewohner, der sich nicht stören lässt. Ein Glück, dass Reiher eher weniger auf der Speisekarte stehen.

Schöner Lauf heute, was das Laufen angeht. Und wenigstens war die Begegnung mit meinem Baumfreund schön.






4°, 16,7 km, 1:51:59, 6:41 Min/km, HF 138

Montag, 22. Dezember 2014

Nummer 5 knurrt

Schwere Entscheidung heute ... mit Stollen im Magen auf dem gemütlichen Lesesessel oder doch eher das Wetter nutzen? Ok, Wetter nutzen.
Und wenn schon denn schon, dann doch mal ganz was Neues. Anstatt von unserem Häuslein rechts, einfach mal links abgebogen und schauen, was kommt. Da geht es zwar abwärts, was bedeutet, nachher wird es aufwärts gehen. Aber jesses, jetzt nehme ich es mal, wie es kommt!



So lande ich einem mir bislang unbekannten Teil unseres ohnehin winzigen Örtleins.
Nennt sich "Lueg", von der schönen Aussicht?








Kameraschwenk nach rechts.
Aus der Ferne grüßen die schneebedeckten 3000'er.








Und hinter der nächsten Kurve öffnet sich ein wunderschönes Panorama über Thun:




Ich freue mich, dass ich diese neue Variante ausprobiert habe. Zumal der Weg sanft um den Hügel hinter unserem Dorf herumführt.

Im nächsten Ortsteil bellt mich von weitem ein junger Hund an. Doch als ich näherkomme, sinkt seine Courage und er schaut nur noch neugierig. Ein Stück weiter kommen mir auf einem kleinen Asphaltweg bei einem ungepflegten Gehöft einige Hunde entgegen gelaufen. 2 agile und kräftige Möpse, das ganze Gegenteil der sonst bekannten Schoßhundausgabe. 2 weitere noch jüngere Hunde. Alle ein wenig neugierig bellend.
Dann naht stürmisch Nummer 5. Ein Mischling, mittelgroß. Bellt, knurrt, zeigt die Zähne, stürmt auf mich zu. Dieser Auftritt behagt mir gar nicht. Ich beherzige, was ich neulich las: Stehenbleiben, ja nicht anblicken, abwenden. Es fällt schwer, das durchzuhalten, während Nummer 5 weiter mit lautem Konzert und sehr nah um mich springt.Wenigstens tun die anderen 4 nichts. Dennoch läuft mir eine Gänsehaut vom Nacken bis zu dem Füßen, ich fühle schon fast spitze Zähne in meinem Bein. Und weit und breit niemand zu sehen, trotz des Lärms. Angestrengt mustere ich die Berge. Irgendwann verliert er das Interesse und trottet zum Hof zurück, verschwindet aus meinem Blickfeld. Die Möpse bleiben, sind aber nur ein wenig neugierig. Uff, durchatmen. Soll ich es wagen, weiter zu laufen? Gerade hatte mir diese Route soviel Spaß gemacht. Nee, bange machen gilt nicht. Vorsichtig gehe ich einige Schritte weiter.
Plötzlich - alles von vorn. Wieder stürmt Nummer 5 heran und das Schauspiel beginnt erneut. Ja ist denn hier keiner, der diesen Hund wegruft? Ich komme weder vor noch zurück.
Doch dann naht Rettung. Nein, nicht der Besitzer, sondern ein Geländewagen. Der flößt Nummer 5 soviel Respekt ein, dass er sofort im Hof verschwindet. Ich ergreife meine Chance und sprinte dem Auto hinterher, bevor es sich Nummer 5 anders überlegt.

Die restliche Strecke kann ich damit zubringen zu überlegen, ob ich es nochmals riskiere, hier entlang zu laufen.
Es wäre aber auch schade, denn obwohl ich nun einen "stotzigen" Hang hinaufmuss, ist die Landschaft sowas von schön....





















Wäre doch ein Jammer, dies nicht noch genießen zu können...























Der höchste Punkt für heute. Auf meiner kleinen Runde kann ich mir 110 Höhenmeter zugute halten.
Ab hier gehts kräftig abwärts und bald bin ich wieder im knarzigen Holzhäuschen.
Eigentlich versöhnt und mit der festen Absicht, diese schöne Runde öfter zu drehen, Nummer 5 hin oder her (vielleicht mal mit Wurst im Läufertäschlein). Doch auf dem Hof treffe ich unseren Vermieter und wir reden kurz über die Hundebegegnung. Er berichtet mir, dass ich gleich zu Anfang an einem Hof vorbei gelaufen bin, auf dem auch ein angriffslustiger Hund sein Unwesen treibt. Er habe seine Frau schon einmal auf dem Fahrrad angegriffen. Nun denn, doch nicht alles so friedlich hier, wie es scheint.
Darauf einen Läuferpunsch!

2 Grad, 5,9 km, 40:03, (6:45 Min/km), HF 138