Auch in den Bergen hat man nun Hitze. Für heute sind 38° angekündigt, bzw. angedroht. Ich starte um 7 Uhr zu einer Laufrunde, nachdem ich vorgestern im Warmen so einen richtigen Hungerlauf erleiden durfte. Um jeden Brunnen am Wegesrand war ich froh, in den ich meinen Kopf stecken konnte. Dennoch kam ich nur auf einen 7'er-Schnitt.
Doch nun, bei 17° sollte das anders werden.
Es wurde auch anders, aber anders.
Im Weiler vor dem Kirchhügel des Nachbardorfs sehe ich ein Stück vor mir einen älteren Herrn mit munterem Hund an Schleppleine. Letzterer wuselt umher, schnüffelt hier und da, mal links, mal rechts des schmalen Sträßleins. Auch sein Herrchen geht eher im Zickzack.
Eine Katze quert die Straße. Dank der langen Leine sprintet der Fifi ihr hinterher, bis ihn das Ende der Leine dann doch im Vorgarten des Katzenheims unsanft ausbremst.
Herrchen dreht sich um in meine Richtung. Aha, denke ich, er hat mich gesehen, denn zielstrebig wechselt er zur rechten Straßenseite, sein Hund mit ihm und bleibt bei Fuß.
Ich wechsle meinerseits zur linken Straßenseite.
Als ich auf ca. 5 m heran bin, bemerkt mich der Hund, bleibt stehen und schaut interessiert. Sein Herrchen geht weiter, die Leine hat ja viel Spiel.
Als ich auf seiner Höhe bin, mit ca. 3 Armlängen Abstand, rufe ich ihm den hier üblichen Gruß "Grüessech" zu und setze meinen Weg fort, die beiden verschwinden aus meinem Augenwinkel.
Doch dagegen hat Fifi etwas. Ich höre ihn von hinten heranstürmen, und dann springt er mich an, stößt mir unsanft seine Nase in den verlängerten Rücken, seine Pfoten an meinen Beinen.
Ich bin total erschrocken und lasse einen Schrei los.
Herrchen schreitet nicht ein, amüsiert sich: "Haha, der tut doch nichts!"
"Ja das weiß ich doch nicht! Erschrocken hat er mich jedenfalls sehr."
"Na da müssen Sie sich eben bemerkbar machen."
"Aber Sie haben sich doch umgedreht und mich gesehen!"
"Ich habe Sie nicht gesehen!"
"Und dann habe ich Ihnen auch noch einen Gruß zugerufen."
"Ich habe Sie nicht gehört!" Herrchen wird laut und ruckelt sinnlos an der Leine herum. Fifi wundert sich wohl, denn längst sitzt er ganz brav zwischen uns und hört interessiert zu.
"SIE müssen sich bemerkbar machen!"
"Aber ich..."
"Man springt (lokaler Ausdruck für laufen) nicht einfach so an einem Hund vorbei. SCHLUSS! AUS!!!" (Mit letzterem meint er mich)
"Also wenn Sie Ihren Hund nicht im Griff haben, dürfen Sie ihm keine lange Leine geben. Was soll ich denn machen, wenn Sie mich übersehen und überhören?"
"SCHWEIGEN SIE!!!"
Ok, ich sehe ein, unser kleiner Gedankenaustausch mündet hier und jetzt in kein fruchtbares Ergebnis. Passiert ist auch nichts weiter. Ich beschließe, meinen Weg fortzusetzen, wende mich ab und laufe.
Damit ist Herrchen allerdings auch nicht einverstanden. Von hinten ereilt mich nun nicht mehr der Hund, aber Herrchens Wortschwall. Ich verstehe akustisch nicht, was er mir hinterherruft, aber Freundschaftsbekundungen sind es vermutlich nicht. Er gibt sich wirklich Mühe, und muss ja immer lauter brüllen, um mich zu erreichen.
Nun, wenn er will. Ich bleibe stehen und drehe um zurück zu ihm. Damit hatte er nun auch nicht gerechnet und schaut etwas perplex. Sofort setzt er erneut zu Belehrungen an. Ich lasse ihn ausreden, sage ihm nochmals ruhig, wie meine Einschätzung der Situation war und dass ich mir sehr wohl Gedanken gemacht habe, ob er mich bemerkt habe und zur Ansicht gelangt sei, dass dies der Fall gewesen sei. Er kommt dann auch wieder aus seinen Höhen herab. Ich wünsche ihm einen schönen Tag, er grummelt irgendeine Erwiderung und dann setze ich endgültig meinen Weg fort.
Immerhin, dank dieser putzigen Begegnung habe ich nun genug Adrenalin in den Adern, um den Kirchhügel kräftig bergauf laufend zu nehmen und die 10 km mit zackigem Schnitt zu absolvieren.
Ich werde überlegen, ob ich ab sofort jedes Hund-und-Herrchen/Frauchen-Paar bei Annäherung mit einem markigen Tarzanschrei beglücken soll. Wahrscheinlich ist das auch nicht recht.
Oder ich laufe morgen zur selbe Zeit am selben Ort und erprobe das vielleicht mal am selben Hund-und-Herrchen-Gespann...
Falls dieser Fall eintritt, werde ich hier berichten.😉
Als hätte ich es geahnt, hatte ich gestern im Berner Marzili-Bad einige der originellen Wandspiegel fotografiert, die jeden Gast mit einem launigen Spruch ins Bild setzen:
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| "Kann ich dem Schicksal zublinzeln?" |
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| "Lieber Haare auf den Zähnen, als Pickel im Gesicht." |