Montag, 16. Januar 2023
Langwierige Pläne
Sonntag, 30. Januar 2022
Laufen mal so und mal so
Der südliche Wendepunkt ist im "Syltlaufersatzgebiet", wo wir im März 2021 den virtuellen Syltlauf absolvierten. Leider erfüllte sich die Hoffnung auf eine echte Austragung auch in 2022 nicht, der Lauf musste nun zum dritten Mal abgesagt werden. Virtuell wird es auch nichts geben, da sie wohlweislich noch keine Startgelder eingezogen haben, also keine Veranlassung für irgendeine Aktion besteht. Schade drum, dann eben 2023!
Dennoch habe ich mir 24 km vorgenommen. Und möchte dabei gleich eine Weisheit eines jüngst auf Empfehlung von Oliver gelesenen Buches erproben. Adharanand Finn "Der Aufstieg der Ultraläufer". Sehr anschaulich schildert der Autor Wissenswertes, Erlebnisse und Empfindungen bei Ultralangdistanzen. Die "Krönung" ist am Ende der UTMB. Auch wenn Ultra nicht ganz meins ist, sehr lesenswert. Allerdings würde ich davon abraten, dieses Buch in die Hände von Nicht-Laufenden zu geben. Es könnte der Eindruck entstehen, wer so lange Strecken läuft, kann nur masochistische Veranlagungen haben...
In diesem Buch jedenfalls zitiert er eine Ultraläuferin: "Ich habe gelernt, dass Schmerzen kommen und gehen. Ich weiß, dass sie vergehen, kämpfe nicht dagegen an, lass den Schmerz in Ruhe, beachte ihn nicht - er will nur, dass du dich mit ihm beschäftigst. Schmerz sucht deine Aufmerksamkeit, wie ein Hund. Ignoriere ihn und er wird sich benehmen."
Da ist mein langer Lauf doch bestens geeignet! Aber, soviel vorweg, so ganz klappt es nicht bei mir, die Beine werden hintenraus doch schwer... Finn berichtet an anderer Stelle von seiner Quäl-Erfahrung, und wie er plötzlich trotz aller Pein bei km 75 eine Art Mauer durchbrach und danach schmerzfrei war. Vielleicht sollte ich gleich bei diesem km 75 einsteigen? Da müsste mir nur jemand die Abkürzung sagen...
Ich komme an einem kleinen künstlichen Hügel vorbei, der sich wahrhaftig mit ca. 5 m und einem Minizacken im Höhenprofil des Laufs niederschlägt. Wenigstens ist von oben schöne Aussicht.
Mittwoch, 14. Oktober 2015
Nachgedanken
Lauter einzelne kleine Erinnerungen blitzen auf, Eindrücke aus dem Lauf, Geräusche, Musik, Gerüche, Ansichten, Gedanken die mich während des Laufs beschäftigten. Alle zusammen ergeben sie für mich DAS Lauferlebnis, das ich erlebt habe.
Das mag ein sehr subjektives Erinnern sein, vielleicht hier und da verzerrt, weil ich mich beim Lauf gerade über etwas ärgerte, oder mich über etwas freute oder mich etwas leiden ließ. Jeder Läufer hat ja gerade deshalb sein eigenes Bild des Laufs.
Spannend, was jeder auf den 42,195 km erlebt, innerlich und äußerlich!
Vor meinem allerersten Marathon, 2012 in Paris, kam mir dieses Unterfangen gigantisch vor. Für mich persönlich anmutend wie eine Reise zum Mond. Und dennoch, irgendwann setzte sich der Floh fest und nahm Gestalt an, wurde konkret in Trainingsvorbereitung und Reiseplanung.
Und dann steht man eines Tages, ziemlich nervös im Startblock, sich fragend, was da nun auf einen zukommt.
Dabei ist es eigentlich eine ganz einfache Sache: Man braucht keine kostspielige Ausrüstung, keine teuren Gerätschaften, kein kompliziertes Erlernen von Techniken.
Einfach loslaufen ist die Devise.
Nun gut, ein paar rudimentäre Dinge sind erforderlich: Gutes Schuhwerk, adäquate Laufkleidung, eine Grundportion Trainingswissen. Doch gegenüber anderen Sportarten empfinde ich die Lauferei als sehr leicht handhabbar.
Was nicht heißen soll, dass man nicht auch daraus eine Wissenschaft machen kann - aber nicht muss.
Anfangs hatte ich bisweilen den Eindruck, so ein Marathon ist doch eine furchtbar komplizierte Sache. Woran man da alles denken muss! Was bedacht sein will!
Wann, wie und warum welche Trainingseinheit?
Was ist die rechte Strategie beim Lauf?
Man kann sich verwirren lassen, ist aber nicht verpflichtet dazu.
Wenn man sich selber ein wenig mit der Materie befasst, lässt sich Durch- und Überblick gewinnen. Und das reicht mir dann auch völlig aus. Ich bin schließlich keine 20 mehr und strebe nicht nach Rekorden.
Was ich jedoch immer wieder feststelle ist, dass sich ein Marathon nicht programmieren lässt. Auch wenn man vorher alles tut für ein möglichst reibungslos laufendes Motörchen - das kann am Tag "X" sein Eigenleben entfalten. Mein Magen, der kleine Bösewicht, der mir schon den einen oder anderen Lauf vergällte.
Oder die Beine, die auch schon Krämpfe durchleiden mussten.
Und manchmal kommts umgekehrt, eigentlich hat man gesundheitlich Einschränkungen, und dann läufts besser als je zuvor.
Verstehe das einer!
So war auch München für mich nicht ohne die kleinen Kobolde, die man -virtuell- doch immer dabei hat.
Auf der einen Schulter das gemeine Teufelchen, das immerzu mahnte "Wart ab, in Amsterdam wurde es nach der Hälfte so richtig böse...".
Auf der anderen Schulter das Engelchen, frohlockend "Aber in Wien, da lief es ab der Hälfte erst richtig gut..."
Da hat man ganz viel Stoff für viele Kilometer und horcht bei fast jedem Schritt in sich hinein...
Das Tempo... Für mich immer wieder das Thema, am Anfang ja nicht zu schnell zu sein. Trotz moderner Helferlein, die man heute am Handgelenk tragen kann, weiß ich nicht, ob ich das je beherrschen werde.
Anfangs läuft es doch so locker, ach Mensch, da braucht man doch nicht langsam machen, kann ich später immer noch... und schon handelt man sich einen Teil der Pein der späteren Kilometer damit selber ein.
Oder das Thema trinken. Ich bewundere Leute, die überall kräftig an den Verpflegungsstellen trinken können, von der Aufnahme fester Nahrung ganz zu schweigen. Ich bin froh, dass ich nun beim 6. Marathon mein Verpflegungssystem gefunden habe, Rucksack und flüssiger Inhalt. Und kaum ist der Lauf vorbei, kann ich trinken und trinken und trinken (Ach war das Radler im Brauhaus köstlich...!)
Manchmal spürt man gleich nach dem Start, dass man heute irgendwie nicht den Tiger im Tank hat, sondern kleine Brötchen backen muss.
Manchmal hingegen startet man ganz bescheiden und merkt dann, heissa, heute geht was, heute wirds ein richtig großes Ding.
Wenn ich nur wüsste, woran das liegt... immer wieder endloser Grübelstoff nach solchen Läufen.
Und dann ist da noch Petrus, den ich gern mal fragen würde, nach welchem System er uns eigentlich Marathonwetter zuteilt.
Hätte es nicht am Sonntag so wunderbar oktobergolden sein können, wie am Montag, als wir im Museum weilten?!
Doch andererseits - es hätte auch schlimmer sein können.
Alles eine Frage der Perspektive.
Interessant am Marathon finde ich auch immer wieder die Menschen, die um einen herum sind. Die Mitläufer, mal locker-leicht, mal keuchend und ächzend. Mal hager und sportlich, mal eher beleibt. Jeder hat sein Ziel, das er erreichen will. Und obwohl alle zusammen laufen, muss es jeder doch für sich allein schaffen und seinen Kampf austragen.
Dazu die Zuschauer. Was mögen sie manchmal denken? Die einen, die anfeuern und/oder jemand bestimmtes unterstützen möchten. Oder die anderen, die stumm da stehen und schauen. Halten sie die Läufer für verrückt in ihrem Tun, oder ist das Zusehen für sie nur eine andere Art der Unterhaltung, etwa wie ... panem et circensis im alten Rom? Ohne Eintritt und live noch dazu.
Egal.
Ich laufe nicht für die Galerie, sondern erfreue mich daran, eine Herausforderung zu schaffen.
Einen Weg zu gehen, der Wochen vor dem Marathon begonnen hat, meist gut läuft, manchmal aber auch holperig wird und schlimmstenfalls Unterbrechung erleidet (Was Bazillen, so klein sie auch sind, doch anrichten können).
Und wenn man dann am Tag des großen Ereignisses glücklich das Ziel erreicht ...

... lassen mich die Glücksgefühle schweben, völlig losgelöst...
Auch wenn der Körper noch anderes signalisiert.
Die Beine sich anfühlen wie aus Blei und es zugleich in ihnen hämmert und arbeitet.
Wenn jeder Schritt in jeder Faser der Muskulatur spürbar ist.
Und wenn ich mich hundertmal vor allem in den späteren Abschnitten des Laufs fragte, warum, Herrschaftszeiten, man so etwas macht.
Dann keimen schon die ersten kleinen Überlegungen, was man als nächstes in Angriff nehmen könnte....
Laufen ist schön.
Dienstag, 6. Oktober 2015
Tick-tack mit Herz
Die Uhr tickt...
Meine Staffel- und Mehrkilometer des Köln-Marathons von vorgestern haben keine große Muskelmüdigkeit erzeugt. So freue ich mich auf eine gemütliche Laufrunde am Vormittag. Das Wetter ist gegenüber dem Sonntag regnerisch, aber noch warm.
Den Beinen geht es richtig gut, es läuft sich locker und leicht. Der Puls bleibt sehr niedrig. Die Plan-Vorgabe eines 6:30'er Tempos ist mir echt zu langsam und ich laufe einfach im Wohlfühlmodus vor mich hin.
In Gedanken bin ich immer noch beim Lauf in Köln. Als ich dort meine 12kommanochwas Kilometer als dritte unserer Staffel lief, war ich umgeben von Marathonis auf deren km 22-34, also in einer Phase, wo der eine oder die andere bereits mit der Strecke zu tun, zu ringen oder zu kämpfen hat. Schwitzende Gestalten, manche keuchend, manche fröhlich, manche in sich gekehrt, einige sichtlich leidend. Mal ausstaffiert mit Trinkflaschen bzw. -rucksack, Gelbeutelchen, Ohrstöpseln oder gar großen Kopfhörern - oder ganz puristisch ohne all das. Die Geruchswahrnehmungen lass' ich mal außen vor, 4711 war jedenfalls keines darunter.
Da gehen einem schon so die Gedanken durch den Kopf, wie es wohl genau eine Woche später dann sein wird.
- Wie wird das Wetter?
- Wird uns die Sonne anlachen oder müssen wir uns durch Regen oder gar Wind kämpfen?
- Werde ich noch locker sein?
- Wird der olle Magen mich wieder ärgern? (In Köln war er beim Lauf leicht gestresst, doch kaum hatte ich mein Soll erfüllt und laufe meine Zugabe-km, ist er völlig tiefenentspannt!)
- Werde ich die richtige Kleidung gewählt haben?
- Habe ich an alles gedacht, nichts vergessen?
Ja, typische Läufergedanken vor einem großen Ereignis...
A propos Kleidung: Heute habe ich ein Langarmshirt aus dem Schrank gezogen, das zwar eigentlich recht angenehm zu tragen ist, das ich dennoch nur in der Einsamkeit ausführe: Weiß der Himmel, was die 3-Streifen-Firma da geklöppelt hat, das Ding entwickelt von Anbeginn bei jedem Lauf eine unangenehme Geruchsnote, liegt aber nicht an mir! Hinterher muss es daher immer sofort gewaschen werden.
Tja, möge es am nächsten Sonntag so angenehm rollen, wie heute und so stressfrei und ruhig sein, wie die Rösser auf der Weide stehen, deren Duft der Wind mir an die Nase trägt.
Auf einem Feldweg fällt mir diese herzige Regenpfütze auf.
Die
erinnert
mich
doch
an...
... die zu erlaufende Medaille.
Wenn das mal kein gutes Omen ist!!!
16 Grad, 9,4 km, 1:00:03, (6:21 Min/km), HF 123
Montag, 13. Juli 2015
Zurück in die Gegenwart
Endlich richtiger Regen! So weit ist es schon, dass ich mich darüber freue. Sowohl für den Garten, als auch als Laufbegleiter. Aber nur, weil es dazu warme 18 Grad sind :-)
So traben denn mein eidgenössischer Ehemann und ich ausnahmsweise einmal zu zweit los und geben uns gemeinsamer Wässerung von oben hin.
Das schöne an einem Blog ist ja, dass es mit zunehmendem Zeitverlauf ein immer breiteres Repertoire an verbalen "Selfies" versammelt. Zwar ist kein Blog-Jubiläum zu feiern (Das Zweijährige ist schon herum) oder eine Post-Schnapszahl (wobei 246 ja auch rein quantitativ schon eine nette Zahl an sich ist), aber der Gedanke will gerade mal festgehalten sein. Wenn ich so in den älteren Posts stöbere stelle ich mit Vergnügen fest, dass so zwar nicht mehr Kilometer auf der Laufuhr landen, doch dass die Kilometer deutlich mehr Inhalt haben.
Und ohne Blog wüsste ich doch gar nicht mehr, was mich so vor einigen Monaten gedanklich und optisch beim Lauf begleitete.
Beispielsweise am 13.Juli 2014, also heute vor einem Jahr.
Da wars ein Taumel. Die Nation in steigender Taumelstimmung, die sich abends in der Entscheidung Top oder Flop entladen würde. In der Entscheidung darüber, ob sich lange Vorbereitung und zähes Ringen auszahlen würden.
Und wie sich die Beschreibungen gleichen können, heute schon wieder Ringen und Taumelei. Doch mit anderer Ursache und diesmal uneindeutigem Ausgang: Die eine Online-Zeitung berichtet, Deutschland habe sich durchgesetzt, ein anderes Medium, dass wir im Endeffekt doch unterlegen seien.
Nur - vor einem Jahr ging es um das Sportereignis des Jahres, und heute durchwandern wir ein politisches Labyrinth, in dem noch keiner den Faden der Ariadne gefunden hat...
Doch verrennen, das geschieht uns heute nicht, so lang ist unsere Runde nicht. Und einen Rettungsschirm brauchen wir auch nicht im trüben Grau des Nieselregens.
Innerlich und äußerlich erfrischt kehren wir heim. Und was für mich ein Tempotraining war, ist für meinen Mann ein eher gemütliches Ründchen.
Donnerstag, 9. Juli 2015
Perspektiven
Immer wieder ein schöner Anblick, wenn ich von einer Dienstreise zurückkomme, in Köln-Deutz in die S-Bahn umsteige und über die Bögen der Hohenzollernbrücke von hinten auf den Dom schaue.
Besonders wenn die Reise stressig war, oder man im Winter auf dem Bahnsteig vor sich hin friert, bin ich's dann nur noch leid und möchte endlich den letzten Teil der Fahrt zurücklegen.
Manchmal, wenn alles entspannt ablief, keine Verspätung, keine Hektik, und so wie diesmal noch die Abendsonne lacht, genieße ich diesen Anblick und freue mich auf daheim. Und heute noch auf eine Ausfahrt mit dem ElliptiGO.
Doch zuvor darf ich noch einen kauzigen Herrn beobachten. Ich setze mich in der S-Bahn auf den Gangplatz einer ansonsten leeren 4-er-Sitzgruppe. An der nächsten Station steigt ein älterer Herr mit Gehstock zu und steuert den Fensterplatz mir gegenüber an. Ich ziehe meine Beine ein, damit er dorthin gelangen kann, was er in einer sonoren Stimme und rheinischem Singsang mit "Dankeschön" quittiert.
Mir fällt sein akkurater Kinnbart und vor allem ein sorgsam gezwirbelter Schnäuzer (Horst Lichter lässt grüßen) auf. Bald angelt er in seiner Jutetasche herum und fördert eine Illustrierte zutage. Ich achte zunächst nicht weiter darauf, bis mir das etwas vergilbte Papier ins Auge fällt. Und vor allem die Akkuratesse, mit der der Herr das Druckerzeugnis in Händen hält. Sorgsam und mit Bedacht blättert er die Seiten um. Verweilt hier, liest dort. Ich kann einen Blick auf das Cover erhaschen. Eine "Neue Revue". Leider kann ich den Jahrgang nicht erkennen, doch das Titelmädchen mit seinem roten Bikini lässt unzweifelhaft erkennen, dass es sich um eine Ausgabe aus den 1970'er Jahren handeln muss. Auf der Rückseite eine Reklame für "Ernte 23", in dem typischen Orange. Und beim Umblättern sehe ich, dass die meisten Innenseiten noch schwarz-weiß gedruckt sind. Außer ganzseitige Reklame, die ist bunt.
Ach, waren das noch Zeiten, als Farbe in Illustrierten kostbar war!
Das sagt sich wohl auch der Bahnmitarbeiter, der inzwischen hinter dem blätternden Bartträger steht (dort ist ein Ausgang, also Stehplatz) und diesem fasziniert über die Schulter schaut. Mich würde ja brennend interessieren, was so vor 40 Jahren die Themen des Blattes waren. Faszinierend müssen sie gewesen sein, denn der Blattbesitzer blickt sehr interessiert, bildet mal mit den Lippen ein "Ü" oder fährt sich mit einer Hand versonnen um die Kinnbehaarung. Auch sein stiller Mitleser schaut mit großen Augen.
Ein köstliches Bild, die beiden...
Doch leider schon allzubald verstaut der alte Herr sein Schätzchen wieder vorsichtig und ja knickfrei in der Tasche und lässt, als ich erneut die Beine für ihn einziehe, nochmals sein wohlklingendes "Dankeschön" ertönen.
Nee, watt et nit all jitt!
Ich komme noch rechtzeitig nach Hause, um eine flotte Runde mit dem ElliptiGO zu drehen. Es tut gut, nach 2 Tagen sitzen in Bahn und Tagungsraum noch frische Luft zu tanken und den Kreislauf einmal -wenn auch nur kurz- auf Touren zu bringen. Der kräftige Wind tut ein Übriges dazu.
17 Grad, 11,1 km, 36:08, (18,9 km/h), HF 146
Freitag, 29. Mai 2015
Momente auf der Kellertreppe
So, dass man sie gelegentlich sieht und sich an ihnen erfreuen kann, aber auch nicht zu aufdringlich - was sollen sonst die Leute denn denken?
Ich entschied mich für die Kellertreppe. Wo man meist täglich vorbeikommt, in jedem Fall aber, wenn es gilt, die Laufschuhe für temporeiche Frischluftaktivitäten heraufzuholen. Dann säuseln sie einem leise zu "Hallo, weißt Du noch, wo Du mich bekommen hast...?"
Die 3 Exemplare des Nürburgring-Laufs haben einen besonderen Gruß parat: "Rush".
Die gelbe Medaille in T-Shirt-Form ganz links steuert gern ein munteres "Oh, Champs Elysées" bei, denn sie habe ich bei meinem ersten Marathon in Paris erlaufen und beim Start lief sogar dieses Lied.
Grüße kommen auch aus dem Nachbarland "Tulpen aus Amsterdam" oder auch gern "Amsterdam, Amsterdam" (Da hieß der ESC noch Grand Prix Eurovision de la Chanson und es spielten richtige Orchester...).
Kölsche Tön zwitschern die Köln-Halbmarathon- und Staffelmarathonvertreterinnen: "Wenn nicht jetzt, wann dann?"
Das kann natürlich der neueste Zugang aus Düsseldorf nicht unkommentiert lassen: "An Tagen wie diesen".
Dagegen punktet Hamburg zünftig mit "Aloha heha he".
Kontrastiger kommt die Wienerin daher: "Wiener Blut".
Die Moor(halb)marathonscheibe gibt sich verhext: "The Witch"
Die lauteste Stimme haben natürlich die 5 Berner Damen: "Ja Grüetzi wohl, Frau Stirnimaa" (Ist zwar kein Berner Lied, lief aber dieses Jahr gerade im Ziel).
Ja, so ergibt sich doch immer wieder ein netter motivatorischer Moment auf der Kellertreppe.
Und wenn ich dann nach dem Lauf meine Schuhe wieder zurückstelle, kommen die 3 Ahrathonvertreterinnen zu Wort: "Jetzt trink mer noch a Flascherl Wein". Ist zwar kein Ahr-Lied, passt aber bestens, denn immerhin: Im Keller liegen ja auch die Weinflaschen, zum Wohl!
Und bei solcher Motivation waren die letzten beiden Läufe auch eher flott:
Dienstag:
15 Grad, 8,25 km, 47:00, (5:41 Min/km), HF 150
Heute:
19 Grad, 9 km, 54:53, (6:07 Min/km), HF 139
Donnerstag, 19. Februar 2015
Zum 5. Mal...
Die Denke kreist um Ausblicke:
Wird sich das Training so umsetzen lassen wie geplant? Hoffentlich keine Störungen durch Infekte, Verletzungen oder ähnliches.
Spielt das Wetter mit?
Läuft es sich leicht und locker oder schwer und mühsam?
Suche ich mir neue Strecken oder laufe ich lieber auf altbekannten Wegen?
Schön ist es immer, zu zweit diese Herausforderung anzugehen. Auch wenn mein eidgenössischer Ehemann und ich nur selten nebeneinander laufen (er trainiert auf eine deutlich schnellere Zeit), machen geteiltes Leid und geteilte Freude die Sache nochmal so schön: Man weiß, was der andere durchlebt und fiebert gemeinsam auf das Ereignis hin.
Gemeinsam beißt man sich durch die Trainingsanforderungen,
gibt einander Halt in allen Situationen,
chillt zusammen nach anstrengenden Läufen.
Yin und Yang eben.
Mein Frühjahrsmarathon ist in diesem Jahr Düsseldorf!
Eine Premiere insofern, als dass keine große Anreisevorbereitung erforderlich ist und ich nachher in der eigenen Badewanne entspannen kann.
Natürlich bin ich auch als eher dem Kölner Umland zuzuordnendes Gewächs ein klein wenig neugierig, wie denn so die Stimmung in der "bösen Stadt" (Ja K und D mögen sich nicht so sehr, was man unschwer an dem immensen Witzerepertoire erkennt, mit dem man sich wechselseitig überzieht, z.B. hier und als Ausgleich hier) sein wird. Wobei ich ja durchaus einräume, dass die Kölner sich stimmungstechnisch an Karneval deutlich mehr ins Zeug legen, als zum Marathon. In dieser Disziplin sind beispielsweise die sonst ja als eher kühl eingeschätzten Hamburger wahre Weltmeister, wie ich selber dort schon erleben durfte!
Eine weitere Premiere insofern, als zwar auch mein Mann Marathon läuft, aber eine Woche vorher in Enschede. Da mich dieser Lauf dort nicht so reizt, und er mit einem Kollegen endlich eine neue Bestzeit erlaufen will, werde ich dort persönlicher Coach, Streckenposten und Mädchen für alles sein. Er dann umgekehrt für mich eine Woche später. Da wir sowieso unsere gemeinsamen Marathons tempobedingt immer getrennt laufen, scheint dies ein Win-win-Konzept, mal sehen, wie es aufgeht.
So also in dieser Woche schon die ersten beiden Läufe nach Plan statt nach freier Schnauze. Ich klopfe 3x auf Holz, dass es so gut weiterläuft wie der Einstieg.
16.2.:
6 Grad, 9,3 km, 1:00:09, (6:28 Min/km), HF 134
18.2.:
6 Grad, 7,7 km, 46:46, (6:05 Min/km), HF 144
Mittwoch, 14. Januar 2015
Gar nicht dran denken
Als ich aus der warmen S-Bahn kommend gegen den Wind und leichten Nieselregen nach Hause marschiere, kann ich mir gar nicht vorstellen, nochmals zum Laufen rauszugehen.
Aber da hilft nur das alte Hausrezept: Gar nicht erst drüber nachdenken, erst ja nicht hinsetzen, sofort in die Laufklamotten und raus!
Gar nicht dran denken mag ich gerade, in welcher Zeit wir leben. Der Weg vom Büro zum Kölner Hauptbahnhof führte mich an Mengen von Polizeiautos, Mannschaftswagen, Spezialfahrzeugen entlang. Bereitstehende Drängelgitter, einzelne Einsatzkräfte in schusssicheren Westen, Tarnanzuggrün und Polizistenblau dominieren die Gehwege. Der Gang in den Bahnhof hinein führt schon durch Drängelgitterpassagen. Erwartet werden Kögida-(= Pegida)Demonstranten und Gegendemonstranten. Bin ich froh, dass ich hier nicht sein muss, gar nicht dran denken, was hier abgehen könnte.
Gestern im ICE zwischen Mannheim und Stuttgart, die Durchsage, dass ein herrenloser Rucksack auf dem WC gefunden wurde und der Besitzer sich umgehend melden möge. Eine solche Durchsage so kurz nach den Vorkommnissen in Paris lässt einen unruhig werden. Gedanken entwickeln sich, die man gar nicht zu Ende denken möchte. Im Waggon ist es mucksmäuschenstill. Als nach einigen Minuten die Entwarnung kommt, der Besitzer habe sich gefunden, wird die Erleichterung richtiggehend greifbar.
Gar nicht dran denken, was auch hätte sein können...
Wenigstens an eines muss ich nicht mehr denken: Ein neuer Test ergab sehr gute Blut- und Eisenwerte. Erfreulich, dass also so ein Murks wie vor dem Wien-Marathon nicht in Sicht ist.
Da darf sich dann meine bescheidene Schuhriege auf neue Herausforderungen freuen. Die erste am kommenden Sonntag, bei einem kleinen Staffelmarathon.
Nur das hängende Paar ist schon "in Rente". Mit denen bin ich meinen ersten Marathon gelaufen und aus Gründen nicht erklärbarer Läuferinnensentimalität bleiben die als Souvenirs dieses ersten großen Lauferlebnisses da. Gar nicht dran denken, wenn ich mich nicht an so ein Wagnis herangetraut hätte, was wäre mir entgangen!
3 Grad, 6,5 km, 38:25, (5:53 Min/km), HF 142, (Intervalle zwischen 5:30 und 5:15 Min/km)














