Ausrüstung

Das Thema Ausrüstung ist beim Laufen zwar nicht so elementar siegentscheidend wie beispielsweise beim Autorennsport oder all den Sportarten, die spezielles Gerät benötigen. Wobei ich hier einmal davon ausgehe, dass ein Paar gute Schuhe absolut notwendig sind.
Dennoch lohnt es sich, einen Blick auf läuferische Accessoires zu werfen, denn sie können sich durchaus auf Spaß oder Frust beim Lauf auswirken.

(Vorbemerkung: Soweit hier Produktnamen genannt werden, ist dies nicht werbend gegen monetäre Honorierung, sondern entspricht meiner persönlichen Meinung)

Zunächst einmal:
Für Laufeinsteiger lohnt es sich meiner Meinung nach (noch) nicht, in Premium-Marken zu investieren. Einzige Ausnahme: Die Schuhe, die sollten von Anfang an von guter Qualität sein, also am besten im Fachhandel beraten lassen und auch dort kaufen. Von Vorteil sind Läden, die sogar gebrauchte Schuhe nach bis zu 4 Wochen anstandslos zurücknehmen. Das ist Gold wert, denn ein Schuh läuft sich draußen anders, als auf des Händlers Laufband. Und auch nach 10, 15 km spürt man ihn  anders als auf 100m.
Ansonsten bietet Laufbekleidung  von den großen Discountern oder vom Kaffeeröster für kleines Geld taugliche Ware. Sie erfüllt ihren Zweck und man kann damit erst einmal das Laufen für sich ausprobieren. Kleine Abstriche muss man eventuell bei der Passform machen, der Langlebigkeit oder bei der Elastizität des Materials. Aber das ist wie beim Auto: Auch der gute alte Käfer hats gebracht, wenngleich eine Nobelkarrosse fraglos luxuriöser ist.

Es hat sogar Vorteile, für den Anfang klein und einfach einzusteigen:
Man kann verschiedene Arten von Kleidungsstücken ausprobieren (Hosen mit verschiedenen Längen, Shirts, Weste, Jacke, Winter-/Sommersachen, usw.) und schauen, auf welche Details man Wert legt (Z.B. Taschen: Wo, wieviele, wie groß? Zipper, usw.). Man lernt sein persönliches Körperwärmegefühl beim Laufen kennen und kann gut einschätzen, welche Kleidungsstücke man auf längere Sicht und mit welchen Anforderungen benötigt. Mit diesen Erfahrungen kann man dann Zug um Zug in anspruchsvollere Bekleidung investieren. So habe ich es auch gemacht und sogar ein paar liebgewonnene Stücke dieser Erstausstattung nach wie vor im Einsatz.
Wenn man dann dem Laufsport treu bleibt, zahlt es sich aus, beim Kauf mehr auf Qualität und persönliche Bedarfsdeckung zu achten, als auf modische Farben. Letztere wechseln sowieso und der wahre Läufer trägt eh‘ was gefällt und sitzt, alles ist kombinierbar. Das Tragekriterium sollte das eigene Wohlbefinden sein. Denn was nützt einem am Ende das schicke Wintershirt, wenn es kneift und nicht wirklich wärmt…?

Was die Wahl der Bekleidung bei verschiedenen Außentemperaturen und -bedingungen angeht, so mag sicher jeder anders empfinden. Schließlich sieht man am gleichen Tag bei gleicher Temperatur sowohl warm eingepackte wie auch eher leichter bekleidete Läufer gleichzeitig. Ich habe gute Erfahrung damit gemacht, eine zeitlang ein kleines Temperatur- und Bekleidungslogbuch zu führen. Mir also Notizen zu machen, bei welcher Temperatur ich mich in welcher Bekleidung (2 oder 3 Schichten, Longtight oder 3/4-Hose oder kurze Laufhose, etc.) wohl gefühlt habe. So weiß ich inzwischen recht genau, was wann aus dem Schrank genommen wird.

Dann gehen wir mal alles der Reihe nach, von Kopf bis Fuß durch:

Kopfbedeckung
Ich bin Fan von HAD-Tüchern www.had-land.de, wegen der verschiedenen Nutzungsmöglichkeiten, die man sich hier ansehen kann. Die Varianten "Sahara" und "Pirat" bringen eine Stofflage, die Wicklung zur Mütze 2 Stofflagen auf den Kopf. So kann man sich an verschiedene Temperaturen anpassen. Die Tücher haben unterschiedliche Längen, "Pirat" braucht eine möglichst lange Ausführung wegen des Knotens, "Sahara" kann gern kürzer sein. Für kühlere Tage gibts Tücher mit Fleece, für den Sommer solche mit Schild. Auch kann man sie zum Stirnband rollen. Da mir das zu eng sitzt, habe ich einfach eines in Teile geschnitten, geht prima, franst nicht aus! Nach dem Sport sind sie schnell gewaschen und trocknen ruckzuck.
Für den Winter nutze ich eine weichere Fleece-Kappe, die wärmer hält. Und bei Regenwetter eine Basecap, weil das Schild die Regentropfen gut vom Gesicht fernhält.

Laufbrille
...ist mir sehr wichtig. Ich laufe nur mit Brille:
  • dunkelt ab gegen Sonne,
  • verhindert Insekten im Auge,
  • schützt gegen Wind,
  • ermöglicht mit Gelbgläsern sogar bessere Sicht in der Dämmerung.
Ich bin sehr zufrieden mit 2 einfachen Modellen vom Discounter, die jeweils Wechselbrillengläser (aus Kunststoff) haben. Sitzen gut, sind robust und preiswert. Allerdings habe ich ein Modell auf Sommer, das andere auf Dämmerungssicht dauernd montiert, denn die dauernde Wechselei de Gläser ist mir zu mühsam. Ein Modell hat sogar einen zusätzlich einsetzbaren Schaumstoffrahmen, den ich bei kaltem Seitenwind sehr schätze.
Leider brach bei einer Brille vor dem Hamburg-Marathon ein Bügel ab. Daher musste ich vor Ort umsteigen, und kam damit zu einer Uvex, mit selbst-tönenden Gläsern. Die ist auch gut, zumal sie Wechsel von schattigen Partien ins pralle Licht selber reguliert, während man da mit fixen Gläsern Kompromisse eingehen muss.

Shirt
Davon sammeln sich bei jedem Läufer sicher einige an. Praktisch sind bei Wintershirts solche, die noch bis über den Handrücken geführt sind. Hier scheinen mir Markenartikel besser, bei billigen Fleecemodellen hatte ich eher mal den Eindruck, dass der Schweiß nicht wirklich nach außen geführt wurde. Im Winter sind mir aber Sportunterhemd + normales Langarmshirt + Winterjacke lieber. Neben den normalen Modellen im T-Shirt-Schnitt tun besonders dünne und ärmellose Shirts und Singlets im Sommer gut.
Natürlich alles aus Funktionsfaser, auch wenn ich sonst noch so gern Naturfasern mag.

Laufhose/Tights
Habe und brauche ich von sommerlich leicht über 3/4-lang bis dickere Wintertight. Letztere habe ich von Odlo, sehr empfehlenswert, da genialer Sitz und tolle Wärmeisolation auch bei niedrigen Temperaturen. Wichtig jeweils eine kleine eingenähte Tasche für Schlüssel. Auch eine Laufpant (weiterer Schnitt als Tight) in Windstopper-Qualität von RP zählt zu meinen Lieblingen, da dank lockerem Schnitt sehr bequem zu tragen.
Einen Witz fand ich eine Wintertight einer Premiummarke, die ich einmal anprobierte: Aus sicherlich sehr gutem isolierenden Material, aber als HÜFTHOSE geschnitten. Wie kann man auf solch eine Idee kommen, warme Beine aber kalte Nieren...
Da ich besonders bei Wind und kalten Temperaturen manchmal das Gefühl habe, zwischen Taille und Oberschenkeln zu sehr auszukühlen, habe ich mir einen Hüftwärmer genäht, geht ganz leicht, Anleitung hier: DIY

Jacke/Weste
Eine leichte Jacke, für übers Shirt darf nicht fehlen. Meine beiden Highlights sind eine Regen- und eine Softshell-Winterjacke jeweils von Gore. Beide sind top-verarbeitet und absolut ihr Geld wert. Eine Weste trage ich eher selten.

Unterwäsche
..nur aus Funktionsfasern!

Schuhe
Wenn es auf eines ankommt beim Laufen, dann sind es die Schuhe! Sie bringen schließlich die Läufer-PS auf die Straße ;-) Daher sollte man bei ihnen keine Kompromisse machen. 
Hier lässt sich kein allgemeiner Tipp geben, außer: Da jeder Fuß anders ist, muss auch jeder Fuß seinen Schuh finden. Die Farbe ist dabei absolut egal! Prima, wenn man "sein" Modell gefunden hat. Aber: Die Hersteller scheinen den Leisten wohl auch mal leicht zu ändern, eine Garantie hat man also auch dann nicht.
Hinsichtlich der Lebensdauer achte ich auf den Ablaufgrad der Sohlen, spätestens nach einem Jahr werden die Schuhe aber aussortiert. Zudem laufe ich abwechselnd mit 2-3 Paaren.
Ich trage maßgefertigte Einlagen, um aus einem leichten Fußproblem kein größeres werden zu lassen, und auch um wegen meines Bandscheibenproblems keinen Rückfall zu haben. Ist es wert, denn damit wird der Tragekomfort erhöht.
Die Schnürung der Schuhe kann den optimalen Sitz noch unterschiedlich unterstützen. Hier und hier gibt es dazu gute Infos. Mit der "nutzlose Schnürlöcher-Technik" habe ich bei meinen aktuellen Schuhen den Halt verbessern können.
Und nicht vergessen: Immer den Doppelknoten oben drauf, das verhindert selbstständiges Knotenöffnen.

Socken
Wichtigeres Kapitel als man denkt! Ich habe mir schon deswegen Blasen gelaufen, weil bei Socken die verschiedenen Enden der bunten Fäden auf der Innenseite Knötchen gebildet hatten und scheuerten. Nun trage ich die zwar auf links gedreht (und dann natürlich den ursprünglich rechten Socken links und umgekehrt), achte beim Kauf aber lieber gleich auf dieses Verarbeitungsdetail. Da ich eine "Frostbeule" bin, trage ich im Winter dickere Modelle. Für den Sommer am liebsten dann ganz leichte.
Kleiner Tipp: Ich habe bemerkt, dass meine Fußgelenke kälteempfindlich sind. Daher habe ich mir aus Sockenwolle Pulswärmer für die Füße gestrickt, die ich dann zusätzlich zu den Socken über den Fußknöchel ziehe. (Für mich: Mit Sockenwolle Anschlag 60 Maschen, 2 rechts/2 links, ca 10 cm hoch).
Kompressionsstrümpfe habe ich mal probiert, sind mir aber nicht sympathisch. Ich würde das beschreiben wie "sie machen mir Stress am Bein"... . Tiefsinnig fand ich die erste Interviewantwort eines Experten in "aktiv laufen", Juli/August 2013, Seite 44: "Es gibt zwischen 30 und 40 wissenschaftliche Studien ... Wenn man das zusammenfasst, stellt man fest: es gibt überhaupt keine negativen Aspekte". Na prima. Und die positiven Aspekte summiert der Handel in seiner Bilanz. ;-) Den im Interview geschilderten Nutzen bei längerem Sitzen und/oder Reisen kann ich aber sehr gut nachempfinden.

Handschuhe
Als bekennende Frostbeule trage ich schon über 0 Grad leichte Lauf-Handschuhe aus Goretex. Haben sich auch als sinnvoll erwiesen, wenn man mal bei rutschigem Untergrund ins Straucheln kommt. 

Pulsuhr
Grundsätzlich ist Trainingssteuerung mit Puls- und Tempomessung sehr sinnvoll, weswegen ich mir natürlich auch solches Equipment zugelegt habe. Da mein Mann zu diesem Zeitpunkt immer über seine Garmin fluchte, die keinen Satelliten fand, habe ich mich für eine Polar RS 400 entschieden, mit Tempomessung durch Laufschuhsensor. Deren Möglichkeiten mit OwnZone, Trainingssteuerung und -auswertung haben mir viel genutzt, auch wenn die Auswertungssoftware optimierbar ist und die Datenübertragung zum Laptop manchmal ein Geduldspiel ist.
Aktuell bin ich von Polar etwas enttäuscht, da das Armband der Uhr knapp nach Ende der Garantiezeit gerissen ist und ich bei Netzrecherche feststellte, dass das wohl kein Einzelfall, um nicht zu sagen, eine Sollbruchstelle, ist. Noch ärgerlicher aber ist, dass ein neues Armband bei Polar nicht lieferbar ist und meine Anfrage nach einem Lieferzeitpunkt leider nicht beantwortet wurde... :-(((
(Ergänzung: Antwort kam nach 6 Tagen, 
Ergänzung zur Ergänzung: nach nochmals ca. 1 Woche war das Armband wieder lieferbar, leider ohne Erklärung zur Eigenmontage, so dass nochmals 5 EUR an den Uhrmacher gingen, der den Wechsel vornahm)

Ok, aber die Garmin meines Mannes macht auch nicht wirklich nur Freude. Ihr Akku stand nach knapp 4 Jahren keinen Marathon (unter 4 Stunden) mehr durch. Garmin hat den Akku aber fest und ohne Wechseloption verbaut, also eine EINWEGUHR! Als wir auf einem Garmin-Stand in Hamburg dieses angesprochen haben, wurde uns frechweg gesagt, dann sei die Uhr nutzerseits falsch behandelt worden, bei Problemen hat der Kunde also selber Schuld. Tja, er hat dann selber einen neuen Akku reingebastelt.
Mein Fazit fast: Die Big Player am Sportuhrenmarkt wollen sich wohl ihre Pfründe schaffen...
Schade.
2014 habe ich mir einen V800 zugelegt. Meine Erkenntnisse damit habe ich hier und hier gepostet.

Trinkgurt u.ä.
Für mich ein schwieriges Thema, da ich schon allein den Brustgurt der Pulsmessung nervig finde, und dann noch mehr Einengung um den Bauch gar nicht mag. Dennoch, man kommt nicht drum herum. Derzeit laufe ich, wenn mit Flasche, mit einem Asics-Gurt, bei dem eine Halbliterflasche schräg drinsteckt. Scheint mir beim Laufen noch am geringsten "Eigenschwingungen" zu entwickeln. Hat dann den Nachteil, dass man nur ein Getränk dabei hat. Nimmt man eine Ausführung, die mehrere kleinere Fläschchen transportiert, kann man verschiedene Getränke kombinieren, hat aber dann mehr "Gewackel" und mich stört, dass das Armschwingen teils eingeschränkt ist. Sinnvoll sind zusätzliche Staumöglichkeiten für Kraftgel/-riegel. 
Beim Hamburg-Marathon wollte ich mir den Gurt sparen und habe daher an jedem Verpflegungsstand zu Wasser gegriffen. Das war aber eiskalt, was mir dann im Verlauf zunehmende Magenprobleme machte. Man lernt nie aus. Beim Paris-Marathon hingegen gabs an den Ständen kleine 1/4l-Fläschchen, was einen enormen Vorteil bedeutete: Ich konnte mir jeweils eins nehmen, in meinen Trinkgurt stecken und durch die Körperwärme wurde das Wasser temperiert. Zudem trank es sich aus den Flaschen perfekt. Hat man aber eben leider selten.
Für kürzere Sommerläufe nehme ich eine kleine Asics-Flasche, die ergonomisch genau in die Handfläche passt und mittels eines Gummis um den Handrücken befestigt werden kann, sehr nützlich.

2015 habe ich einen Trinkrucksack mit Doppelkammerbeutel für mich entdeckt: Link. So habe ich die Chance, bei längeren Läufen sowohl mein persönlich gemischtes Energy-Getränk sowie einfaches Wasser mitzunehmen. Trägt sich spitze und ich muss bei Läufen an keinem Verpflegungsstand ins manchmal nervige Gedränge.

Für das Handgelenk habe ich ein kleines einfaches Täschchen fürs Taschentuch, das würde am Körper eh' nur feucht. 
Den Championchip trage ich mit einem Klettverschlussband um den Knöchel, geht schneller als die Schnürerei.

Wenn der Fotoapparat mitkommt, habe ich eine kleine Klettverschlusstasche für den Oberarm. Ist nicht optimal, aber etwas Besseres habe ich noch nicht gefunden.

Startnummernbefestigung
Die übliche Befestigung mit Sicherheitsnadeln schädigt u.U. das Shirt, und dann erst noch die Dinger bei ggf. klammen Fingern bei kühleren Temperaturen anbringen...? Ich bin auf Fixpoints gestoßen und finde die genial! :-)

Bekleidungspflege
Öfter liest/hört man von müffelnder Sportbekleidung. Oder noch schlimmer: Man erlebt solche auf der Strecke... Muss doch nicht sein. Funktionstextilien gehören nach jedem Lauf ausgewaschen. Die paar Minuten sollten sein, und man hat lange Freude an seinen Sachen. Ich benutze dazu flüssiges Perwoll-Spezialwaschmittel für Sportbekleidung, kann ich bestens empfehlen.

Sonstiges:
Bei Blasen ist mein Tipp Compeed-Blasenpflaster.
Gegen müde Beine Klosterfrau Kühl-Gel. Franzbranntwein hilft mir gar nicht.
Zum Abkleben, wenn man etwas scheuern sollte: Leukopor. Hält gut, lässt sich dennoch leicht abziehen und dank krepp-artiger Struktur ohne Schere, einfach per Hand abreißen.

Für weitere Ausrüstungserkenntnisse kann man auch hier mal schauen.




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