Sonntag, 8. September 2019

Sachen gibts...

Ich suche mir ein neues Terrain für meinen langen Lauf der Woche.
Angeregt durch ein Gespräch im familiären Bereich beschließe ich, einmal Bedburg gründlich zu durchlaufen, wo ich als Kind viel Zeit verbrachte.
Oh je, das ist ein Lehrstück in der Disziplin, wie sich eine Stadt in wenigen Jahrzehnten verändern kann... und nicht unbedingt zum Guten. Der Einzelhandel völlig verändert, Geiz ist geil. Die guten alten Cafés - es war einmal. Das nun vorherrschende gastronomische Angebot ist ziemlich international geworden. Aber nun ja, das Beständige ist der Wandel. Spaßeshalber trabe ich die Strecke des demnächst anstehenden Citylaufs ab, eine 2-km-Runde, die fünfmal zu durchlaufen ist.
Das Wasserschloss steht noch, doch verringert um einen Seitenflügel, für dessen Sanierung des Geld fehlte, da blieb nur Abriss. Wenigstens das gute alte Freibad gibt es noch.




Zuvor hatte ich mich bei Google Maps orientiert, dabei fiel mir folgende "Sehenswürdigkeit" ins Auge:


7x 5 Sterne, ein Ort der "Spirituellen Selbstfindung", mit "super Getränkeauswahl". Na da bin ich aber neugierig...
Und was finde ich vor? Das sind ja Spaßvögel hier...:


Um auf km zu kommen, bietet sich noch ein Stück der alten Bandstraße an, a.k.a. Speedway :terra nova, und noch ein wenig Erftufer beidseitig, mit malerischen Anblicken.





24 km, netter Lauf.

Aber der Hammer des Tages kam erst noch.
Kino, "Der ganz große Traum", ein wunderbarer Film darüber, wie der Fußball nach Deutschland kam. Beim Herausgehen treffe ich eine Kollegin aus früherer Arbeit. Sie stellt mir wiederum die Frau eines anderen früheren Kollegen vor, der mit 79 inzwischen längst im Ruhestand weilt.
Ich bitte sie, ihrem Mann ganz herzliche Grüße auszurichten. Und berichte ihr, dass er mir einmal begeistert erzählte, wie schön doch laufen sei. Wenn man irgendwo hinreisen müsse, brauche man nur ein paar Laufschuhe und ein bißchen was mitzunehmen und könne überall diesen schönen Sport ausüben. Damals, also vor über 20 Jahren brachte ich es maximal auf 5 km am Stück...
Sie möge ihm doch sagen, dass ich nun Marathon bestreite.
Ihre Augen bekommen schlagartig ein Leuchten.
"Sie laufen jetzt noch Marathon?"
Ich bestätige und erzähle kurz.
Sie sagt nur ganz knapp, sie sei auch Marathon gelaufen.
Sie war Deutsche Vizemeisterin, in 2:45.

Ich bin platt.

Sonntag, 1. September 2019

Maare-Mosel-Lauf 2019 (Halbmarathon)

Endlich schaffe ich es, wieder einmal beim Maare-Mosel-Lauf anzutreten, den ich 2012 schon einmal bestritt und der mir als schöner Landschaftslauf in Erinnerung war. Schon auf den 90 Minuten Autofahrt habe ich Zeit, mir Gedanken zum Verlauf zu machen, denn zum Start um 18 Uhr sind immer noch 28°-30° angekündigt!
Gillenfeld, der Zielort, fühlt sich dann auch leicht an wie eine Sauna. Während wir meine Startnummer holen, sprinten noch andere Teilnehmer zu den Bussen, die sie zum Start transportieren. Ich habe das Privileg, dass mich Chris als Chauffeur dorthin fahren wird. Aus Rückengründen nimmt er nicht teil.

Also auf nach Daun, wo uns bereits am Ortseingang ein markanter Punkt des Laufs grüßt, ein 30m hoher Eisenbahnviadukt, den wir später bei km 2 überlaufen werden.
Eisenbahnviadukt, überlaufen...?







Das geht, weil Eisenbahn in dieser Gegend nicht mehr wirklich betrieben wird. Und wo sie nicht der Natur zur Bewucherung überlassen wird, wurde die Trasse zu einem Radweg ausgebaut, der zu großen Teilen auch unsere Laufstrecke darstellen wird.








Das kann man sich dann so vorstellen, wie wir es gleich zu Beginn erleben. Immer wieder finden sich Relikte des Bahnbetriebs an der Strecke, wie alte Signale oder der Bahnhof von Daun oder eben der bereits gezeigte Viadukt. Ich füge meinerseits schon sehr bald diesem Ambiente meine akustische Ergänzung hinzu: Schnell schnaufe ich wie eine Dampflok, denn es geht ständig aufwärts, und dazu diese Hitze! Mein Puls schnellt hoch, höher als sonst, und allzubald klebt die Zunge am Gaumen.



Auf dem alten Eisenbahnviadukt
Gottseidank tauchen wir nach 2 km in den Wald ein, der Schatten tut spürbar gut Und irgendwann nach km 4 erwartet uns nach 70 Höhenmetern der alte Tunnel, 560m wahrlich herrliche Kühle, die neuen Schwung gibt. Wie ich den herbeisehne! Hinter dem Tunnel, keinen Meter zu früh, der erste von vielen Verpflegungspunkten. So ein Becher Wasser tut echt gut!



Nach den Tunnel verlassen wir die alte Bahntrasse. Über Feld- und Wirtschaftswege geht es durch schöne Vulkaneifellandschaft. Noch eine Weile hält die Erfrischung des Tunnels vor, dann nimmt einen die Wärme wieder in Beschlag. Wenigstens gibt es immer wieder ein paar Windböen.






Nach erneuter flüssiger Labsal (Nun weiß ich, warum die Österreicher dies "Labestation" nennen) geht es ab km 7 zuerst rd. 2,5 km auf die obere und dann nochmals rd. 2 km auf die untere Maarrunde. Wir umlaufen das Schalkenmehrer Maar also auf zwei Etagen und genießen reichlich die schöne Perspektive.
Mit dem Schwimmer im See würde ich gern tauschen...











Kurz sehe ich auf meiner unteren Runde, dass auf der oberen gerade das "Besenfahrrad" auftaucht. Damit habe ich dann doch die Gewissheit, dass ich nicht ganz hinten liege. Da es nur rd. 230 Teilnehmer gibt, zieht es sich natürlich auseinander und man verliert schnell das Gefühl für die eigene Position.


In Schalkenmehren scheint ein Liebhaber der Kettensägenholzschnitzkunst zu wohnen. Das ist mir zwei Bilder wert. Auf seinem Selbstportrait hat er sogar die präferierte Kettensägenmarke eingearbeitet. 



Und an der nächsten Kurve, ca. km 12, steht mein Mann! Er hatte sich vorgenommen, nach meinem Transfer gleich wieder zurück zum Ziel zu fahren und mir auf der Strecke entgegenzulaufen. Was ihm einige lockere Kommentare dazu einbringt, entgegen der Laufrichtung zu traben.
So laufen wir also ab Ex-Bahnhof Schalkenmehren zusammen und ich habe einen persönlichen Motivationsfaktor dabei. 😊




Dank Chris gibt es also auch Schnappschüsse von mir unterwegs. Wobei ich deren Herzeigen doch auf die Wiedergabe der positiveren Eindrücke begrenzen möchte 😉, wie beispielsweise diesem doch  recht dynamischen Konterfei, wo es nach rd. 14,5 km auf eine allerletzte Steigung geht. 
Die ganze Zeit des Laufs bin ich hin und her gerissen zwischen Anspruch und Vernunft. Einserseits möchte ich nicht an die Grenzen gehen, zumal bei der Witterung, andererseits will ich natürlich ein zufriedenstellendes Ergebnis landen. Und wenn ich daran denke, dass zeitgleich rund um den Mont Blanc der UTMB läuft, 170 km mit 10.000 Höhenmetern, und dort nun viele Läufer in die zweite Nacht in Folge laufen, dann ist das ja hier gerade mal ein lockeres Jogging...


Eine sympathische Damenband schickt uns mit ihren Rhythmen hinauf auf den letzten Hügel. Langsam schwindet das Licht und es ziehen mehr und mehr Wolken auf. Auch die Temperatur wird erträglicher. 





Ab jetzt nur noch flach! Die letzten 4 km laufen wieder besser, die Beine traben locker.



Nochmals schwenken wir ein auf die ehemalige Bahntrasse. Schon lange vor Erreichen macht die letzte Verpflegungsstation vor dem Ziel musikalisch auf sich aufmerksam. Daran erinnere ich mich noch aus 2012 gut. Diesmal beschwert sich erst Andrea Berg, dass sie 1000 Mal belogen wurde, und dann schickt Helene Fischer ihre Achterbahn hinterher. Zwar nicht ganz mein Stil, aber lustig und jedem Läufer wird Anfeuerung zuteil.



Noch ein paar Kurven und Ecken, und dann ist die schöne Tour durch die Vulkaneifel geschafft. 
Im Ziel ist immer noch gute Stimmung, man wird namentlich begrüßt. Mit 2:12 bin ich zufrieden, habe sogar knapp das AK-Stockerl "erklommen" und hätte in der AK, die ich nächstes Jahr erleben werde, sogar Rang 1.
Ab gehts unter die Dusche, deren fehlende Temperatur mir alten Frostbeule nichts ausmacht, ja nach dieser Tour sogar angenehm ist.
Als ich danach heraustrete, ist draußen alles nass. Es gab wahrhaftig einen Regenguss. Wir erreichen das Auto knapp, bevor ein richtiges Unwetter einsetzt. Als hätten es die Veranstalter geahnt - im Läuferbeutel gab es einen Regenponcho!