Sonntag, 1. September 2019

Maare-Mosel-Lauf 2019 (Halbmarathon)

Endlich schaffe ich es, wieder einmal beim Maare-Mosel-Lauf anzutreten, den ich 2012 schon einmal bestritt und der mir als schöner Landschaftslauf in Erinnerung war. Schon auf den 90 Minuten Autofahrt habe ich Zeit, mir Gedanken zum Verlauf zu machen, denn zum Start um 18 Uhr sind immer noch 28°-30° angekündigt!
Gillenfeld, der Zielort, fühlt sich dann auch leicht an wie eine Sauna. Während wir meine Startnummer holen, sprinten noch andere Teilnehmer zu den Bussen, die sie zum Start transportieren. Ich habe das Privileg, dass mich Chris als Chauffeur dorthin fahren wird. Aus Rückengründen nimmt er nicht teil.

Also auf nach Daun, wo uns bereits am Ortseingang ein markanter Punkt des Laufs grüßt, ein 30m hoher Eisenbahnviadukt, den wir später bei km 2 überlaufen werden.
Eisenbahnviadukt, überlaufen...?







Das geht, weil Eisenbahn in dieser Gegend nicht mehr wirklich betrieben wird. Und wo sie nicht der Natur zur Bewucherung überlassen wird, wurde die Trasse zu einem Radweg ausgebaut, der zu großen Teilen auch unsere Laufstrecke darstellen wird.








Das kann man sich dann so vorstellen, wie wir es gleich zu Beginn erleben. Immer wieder finden sich Relikte des Bahnbetriebs an der Strecke, wie alte Signale oder der Bahnhof von Daun oder eben der bereits gezeigte Viadukt. Ich füge meinerseits schon sehr bald diesem Ambiente meine akustische Ergänzung hinzu: Schnell schnaufe ich wie eine Dampflok, denn es geht ständig aufwärts, und dazu diese Hitze! Mein Puls schnellt hoch, höher als sonst, und allzubald klebt die Zunge am Gaumen.



Auf dem alten Eisenbahnviadukt
Gottseidank tauchen wir nach 2 km in den Wald ein, der Schatten tut spürbar gut Und irgendwann nach km 4 erwartet uns nach 70 Höhenmetern der alte Tunnel, 560m wahrlich herrliche Kühle, die neuen Schwung gibt. Wie ich den herbeisehne! Hinter dem Tunnel, keinen Meter zu früh, der erste von vielen Verpflegungspunkten. So ein Becher Wasser tut echt gut!



Nach den Tunnel verlassen wir die alte Bahntrasse. Über Feld- und Wirtschaftswege geht es durch schöne Vulkaneifellandschaft. Noch eine Weile hält die Erfrischung des Tunnels vor, dann nimmt einen die Wärme wieder in Beschlag. Wenigstens gibt es immer wieder ein paar Windböen.






Nach erneuter flüssiger Labsal (Nun weiß ich, warum die Österreicher dies "Labestation" nennen) geht es ab km 7 zuerst rd. 2,5 km auf die obere und dann nochmals rd. 2 km auf die untere Maarrunde. Wir umlaufen das Schalkenmehrer Maar also auf zwei Etagen und genießen reichlich die schöne Perspektive.
Mit dem Schwimmer im See würde ich gern tauschen...











Kurz sehe ich auf meiner unteren Runde, dass auf der oberen gerade das "Besenfahrrad" auftaucht. Damit habe ich dann doch die Gewissheit, dass ich nicht ganz hinten liege. Da es nur rd. 230 Teilnehmer gibt, zieht es sich natürlich auseinander und man verliert schnell das Gefühl für die eigene Position.


In Schalkenmehren scheint ein Liebhaber der Kettensägenholzschnitzkunst zu wohnen. Das ist mir zwei Bilder wert. Auf seinem Selbstportrait hat er sogar die präferierte Kettensägenmarke eingearbeitet. 



Und an der nächsten Kurve, ca. km 12, steht mein Mann! Er hatte sich vorgenommen, nach meinem Transfer gleich wieder zurück zum Ziel zu fahren und mir auf der Strecke entgegenzulaufen. Was ihm einige lockere Kommentare dazu einbringt, entgegen der Laufrichtung zu traben.
So laufen wir also ab Ex-Bahnhof Schalkenmehren zusammen und ich habe einen persönlichen Motivationsfaktor dabei. 😊




Dank Chris gibt es also auch Schnappschüsse von mir unterwegs. Wobei ich deren Herzeigen doch auf die Wiedergabe der positiveren Eindrücke begrenzen möchte 😉, wie beispielsweise diesem doch  recht dynamischen Konterfei, wo es nach rd. 14,5 km auf eine allerletzte Steigung geht. 
Die ganze Zeit des Laufs bin ich hin und her gerissen zwischen Anspruch und Vernunft. Einserseits möchte ich nicht an die Grenzen gehen, zumal bei der Witterung, andererseits will ich natürlich ein zufriedenstellendes Ergebnis landen. Und wenn ich daran denke, dass zeitgleich rund um den Mont Blanc der UTMB läuft, 170 km mit 10.000 Höhenmetern, und dort nun viele Läufer in die zweite Nacht in Folge laufen, dann ist das ja hier gerade mal ein lockeres Jogging...


Eine sympathische Damenband schickt uns mit ihren Rhythmen hinauf auf den letzten Hügel. Langsam schwindet das Licht und es ziehen mehr und mehr Wolken auf. Auch die Temperatur wird erträglicher. 





Ab jetzt nur noch flach! Die letzten 4 km laufen wieder besser, die Beine traben locker.



Nochmals schwenken wir ein auf die ehemalige Bahntrasse. Schon lange vor Erreichen macht die letzte Verpflegungsstation vor dem Ziel musikalisch auf sich aufmerksam. Daran erinnere ich mich noch aus 2012 gut. Diesmal beschwert sich erst Andrea Berg, dass sie 1000 Mal belogen wurde, und dann schickt Helene Fischer ihre Achterbahn hinterher. Zwar nicht ganz mein Stil, aber lustig und jedem Läufer wird Anfeuerung zuteil.



Noch ein paar Kurven und Ecken, und dann ist die schöne Tour durch die Vulkaneifel geschafft. 
Im Ziel ist immer noch gute Stimmung, man wird namentlich begrüßt. Mit 2:12 bin ich zufrieden, habe sogar knapp das AK-Stockerl "erklommen" und hätte in der AK, die ich nächstes Jahr erleben werde, sogar Rang 1.
Ab gehts unter die Dusche, deren fehlende Temperatur mir alten Frostbeule nichts ausmacht, ja nach dieser Tour sogar angenehm ist.
Als ich danach heraustrete, ist draußen alles nass. Es gab wahrhaftig einen Regenguss. Wir erreichen das Auto knapp, bevor ein richtiges Unwetter einsetzt. Als hätten es die Veranstalter geahnt - im Läuferbeutel gab es einen Regenponcho! 



Kommentare:

  1. Liebe Elke,
    du lässt momentan ja wirklich keinen schönen Landschaftslauf aus - herzliche Gratulation zum Treppchenplatz!! :D
    Weißt du, dass auch Rainer aus Trier gestartet ist? Ich glaube, ihr kennt euch ja nicht (persönlich).

    Die Strecke sieht jedenfalls wunderschön aus, auch wenn mich deine Beschreibung alleine schon ins Schwitzen gebracht hat! Puh! Solche Temperaturen mit der Luftfeuchtigkeit eines herannahenden Gewitters sind nicht ohne! Da scheinst du die günstigste Strategie gewählt zu haben - die (geposteten) Fotos sehen jedenfalls sehr dynamisch aus! :)

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    1. Liebe Doris,
      vielen Dank! Ja, das Wetter hat es nicht gerade erleichtert, dort anzutreten und ich hatte anfangs arge Mühe. Aber dann lief es doch ganz gut, es wurde erträglicher und der schöne Lauf entschädigt auf alle Fälle.
      Rainer kenne ich nicht persönlich und wusste nicht, dass er dort war.
      Liebe Grüße
      Elke

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  2. Liebe Elke,

    die Startzeit und die Temperaturen sind ja nicht unbedingt so super läuferfreundlich gewesen, aber Du bist tapfer auf einen Treppchenplatz gelaufen, herzlichen Glückwunsch dazu!

    Cool, dass Chris Dir dabei als Motivator entgegengelaufen ist und Dich begleitet hat :-)

    Doris hat es ja schon erwähnt, mein Freund Rainer (midlaufcrisis) ist auch dort gestartet, aber blogtechnisch seid Ihr beiden ja wohl nicht verbandelt, schade eigentlich :-)

    Mich erstaunt wieder, wie schnell Ihr schon an der Mosel seid :-)

    Liebe Grüße
    Volker

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    1. Lieber Volker,
      es waren wirklich recht unangenehme Bedingungen, vor allem anfangs. Aber nachher hatte ich das ganz gut im Griff und es tat gut, dort gewesen zu sein. Natürlich auch, bei solch tollem Motivator ;-).
      Auch wenn das Ding "Mosel" im Titel hat, wäre das noch mal ein Eckchen weiter. Aber ok, näher als von Dir ist es allemal ;-)
      Mit Rainer gab es früher mal gelegentlich Blogkontakte.
      Danke und liebe Grüße
      Elke

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  3. Liebe Elke,
    herzlichen Glückwunsch zum erfolgreichen Lauf, zur super Zeit und dann auch noch zum Podiumsplatz :-)
    Der Lauf (ich habe ihn letztes Jahr gemacht) ist wirklich landschaftlich sehr toll. Im Schalkenmehrener maar war ich dieses Jahr schon mehrfach schwimmen und dort findet ja immer auch Cross Triathlon statt. Es ist eine wirklich tolle Landschaft.
    An den Tunnel kann ich mich auch noch erinnern :-)
    Es ist ja voll lieb, das Chris dir entgegen gelaufen kam. Zu zweit läuft es sich dann doch echt viel besser.
    Liebe Grüße
    Helge

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    1. Liebe Helge,
      am Maar waren auch noch diverse Markierungen auf dem Boden, die wohl vom Triathlon herrührten. Ja, die Strecke ist landschaftliche sehr reizvoll und für Bergliebhaber*innen wie Dich doch geradezu gemacht! Ich habe mich gefreut, dass es mal wieder dort terminlich klappte.
      Chris Entgegenlaufen war einerseits für mich motivierend und auch für ihn selber ein gutes lockeres Training. So hatten wir beide einen netten Abend :-)
      Danke und liebe Grüße
      Elke

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  4. Liebe Elke,
    schon wieder so ein schöner und schonbar sympathischer Landschaftslauf, wenn auch ob der Witterungsbedingungen etwas anstrengend, hast du dich trotzdem gut durchgekämpft. Vielleicht hat der UTMB etwas beflügelt ;-)
    Und schöne Aktion von Chris (ist das überhaupt regulatorisch erlaubt?), perfekter Support würde ich vermuten.
    Gratulation zum kleinen Treppchenplatz und liebe Grüße, Oliver

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    1. Lieber Oliver,
      genau, schöne Ecke da unten und auch UTMB-Motivation, den Bedinungen zu trotzen und durchzuziehen, wenn auch mit gebremstem Schaum.
      Ob Chris' Aktion erlaubt war, keine Ahnung, aber er erhielt muntere Kommentare und hat weder an den Wasserbechern zugegriffen, noch mir Windschutz oder andere Vorteile verschafft. Ich habe auch nirgendwo ein Reglement gefunden.
      Danke und liebe Grüße
      Elke

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  5. Mein herzlicher Glückwunsch zum Podestplatz trotz der hohen Temperatur! Aber bei einem solchen mitlaufenden Motivator musste es ja klappen. Hoffentlich erlaubte das Reglement eigene Pacer ;-)
    Gute Regeneration für dich und baldige Genesung für den Motivatorenrücken!

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    1. Ach, ich denke, mein persönlicher Begleiter stört doch keinen großen Geist, und der Spitz konnte ich ohnehin nicht gefährlich werden ;-)
      Der Rücken ist auf gutm Wege!
      Danke und liebe Grüße
      Elke

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