Mittwoch, 10. März 2021

Laufen bildet immer wieder

Es gibt doch immer noch unbekannte Ecken zu entdecken. Am Sonntag verlegte ich die Wendeschleife meiner 23 km-Runde einmal auf die andere Seite der Erft. Und siehe da, wieder eine schöne Strecke kennengelernt, aber auch quasi "alte Bekannte" getroffen.

Zum Thema lernen: Ich finde es immer wieder interessant, wenn einem am Wegesrand Informationen angeboten werden. So wie hier über eine ehemalige Kiesgrube. Wer hätte gedacht, was sich dort alles entwickeln kann.


Zwar ist der erstmals belaufene Radwanderweg nicht unbedingt optisch übermäßig reizvoll (außer für Anhänger gerader Linien), aber gleich daneben liegt eine Weidelandschaft, die mich linkerhand ein Stück an englische Parklandschaft erinnert.


Drei Rinder ziehen gemächlich dort umher, mit teils beachtlichen Hörnern (und leider etwas weit weg von meinem Standort).


Eine Infotafel wartet mit Erläuterungen auf. Wie spannend, das sind ja sozusagen alte Bekannte auf der Weide, denn die Bezeichnung "Glan-Donnersberg-Rind" sagt mir sogar etwas! In den 1980'er Jahren arbeitete ich einmal einige Monate aushilfsweise in der Verwaltung des Rheinischen Freilichtmuseums Kommern, daran denke ich sehr gern zurück. Ich bekam viel vom Museumbetrieb mit, u.a. auch, dass man dort Glanrinder hielt und sich sehr für die Wiederbelebung dieser alten fast ausgestorbenen Rasse engagierte. So gab es damals neben einzelnen Kühen den Museumsochsen Max, ein sehr beeindruckendes Exemplar dieser Spezies. Ich hatte größten Respekt vor ihm, denn sein Rücken war so hoch, dass ich nicht drüberschauen konnte. Sein "Herrchen" im Museum wurde nicht müde zu versichern, dass Max ein herzensguter Bursche sei und keiner Fliege etwas zuleide tue. Daher hatte Max auch einen Job als Botschafter. Er wurde durch die Region transportiert und trat als imposanter "Testimonial" für Museum und Nachzuchtprogramm auf. 
Nur erschrecken durfte er sich nicht. Das passierte einmal beim Beschlagen seiner Hufe (war nötig für seine Auftritte). Weil ihm die Prozedur nicht passte, hat er kurzerhand den massiven Pferch aus Eichenholz zerlegt. Daher baute man im Museum speziell für ihn einen Pferch für die Ewigkeit aus Eisenbahnschienen. 
Ich fand noch ein Foto von Max und seinem Herrchen im Netz: Link 
Toll, und einige der nur 2.000 Exemplare, die es bundesweit gibt, stehen also ganz in unserer Nähe, Link.


Weitere Erläuterungen betreffen Renaturierungsvorhaben des Areals. Ich bin gespannt, ob ich das noch erlebe.


Und dann kommt auch noch ein Moment der Entscheidung. Endlich einmal gibt es auch an meiner Strecke so ein Fundstück, wie Volker sie öfter findet. Ein süüüßes Einhorn wartet darauf, abgeholt zu werden. Ich wäre ja versucht .... aber dann sehe ich vor meinem inneren Auge ein kleines Mädchen, dass um seinen behornten Freund weint und vielleicht froh wäre, wenn es ihn wiederfindet. Also lasse ich es an Ort und Stelle und wünsche ihm Glück, dass es wieder in seinen Stall findet.


Eine schöne Runde, gekrönt wird sie von einem Fitnessteller mit hausgemachtem Birnenkuchen des schweizer Chef-Bäckers!

Kommentare:

  1. Liebe Elke,

    sowohl Max als auch sein Begleiter sind propere Mannsbilder, ohne Frage!

    Und das verlorene Pony ... ja, da hoffe auch ich, dass es heimfindet und vielleicht nicht gar so viel Trauer anrichtet wie ein Bambi, dem hier in gleich drei Haushalten unter den Tränen der Besitzerin intensiv nachgeforscht wurde und das wochenlang nicht wieder auftauchen wollte trotz aller Suchanzeigen und Forschungen ... bis es dann doch aus einem riesigen Schneehaufen, der neben Parkplätzen allmorgendlich von der Straßenreinigung immer höher getürmt wurde, wieder herausgetaute ... etwas ramponiert zwar ... aber nach einem Waschgang nun umso heißer geliebt.

    Möge auch das Pony zum dazugehörigen liebenden Herzen zurückfinden - und umgekehrt!

    Der Birnenkuchen sieht köstlich aus! So ein heimischer Chefkoch aus internationaler Kochschule ist schon was praktisches!

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    1. Liebe Lizzy,
      da zeigte ja dasBambi argen Überlebenswillen, im Schneehaufen! Ich bin gespannt, ob das Einhorn beim nächsten Mal noch dort sitzt.
      Die schweizer Akzente in unserer Küche sind unverkennbar;-)
      Liebe Grüße
      Elke

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  2. Liebe Elke
    Ein "Lehrlauf"! Dass die Kiesgruben eine Zuflucht für so manches Kleingetier sind wusste ich nicht. Interessant!

    Botschafter Max ist ja riesig...und sein Herrchen passt so richtig zu ihm. Cool, dass du damals dort im Freilichtmuseum arbeiten konntest. Das erinnert mich daran, dass ich noch nie im Freilichtmuseum Ballenberg war. Vielleicht machen wir das diesen Sommer mal.
    Nett, dass du das kleine Einhorn da gelassen hast. Ich stelle mir bei Kinderfundstücken immer das Drama zu Hause vor. Die armen Eltern! ;-)

    Wow, der Kuchen von Chris sieht super aus! Bäckst du auch oder ist das sein exklusiver Spezialbereich?

    Liebe Grüsse aus dem sonnigen Cape Town!

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    1. Liebe Catrina,
      ja der Max war damals ein "Erlebnis" und ich habe immer lieber ein paar Meter Abstand gehalten! Einmal war er sogar dabei bei einem Anlass in der Kölner Hauptverwaltung der Behörde, zu der das Museum gehört. DAS war ein Anblick!
      Du warst noch nie im Ballenerg? Oh weh, eine echte Lücke! Das Museum ist wirklich sehr sehenswert, es gibt so viel zu sehen, man braucht wirklich einen ganzen Tag. Ich bin dort sogar im Förderverein. Aller Häuser sind so eingerichtet, als wenn die Bewohner gleich heimkämen. Gedeckte Tische, knisternde Kaminfeuer und echte Räucherwürste und -schinken im Rauchabzug. Das kann sich das hiesige Museum nicht leisten. Also es könnte, die Depots sind voll. Aber leider nahmen Diebstähle extrem überhand, weswegen dort nur leere Häuser zu sehen sind. Ein fast schon trauriger Anblick...
      Ich backe durchaus auch gern, Chris hält es nach Laune und manchmal nimmt er sich ein Rezeptbuch und dann wird ausprobiert.
      Liebe Grüße aus dem heute sehr stürmischen Rheinland!
      Elke

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  3. Liebe Elke,

    gut gemacht mit dem Einhorn, die Wahrscheinlichkeit das es gesucht wird schätze ich als nicht unbedingt gering ein. Meine Fundstücke sind ja Treibgut, deren Verlustort bei weitem nicht mit dem Fundort übereinstimmen wird. Und so besonders liebreizend wie das Einhorn waren sie ja bis dato auch nicht :-)

    Von den Bäckerqualitäten eines im Rheinland ansässigen Schweizers lese ich heute das erste Mal. Sieht aber wirklich lecker aus. Jam Jam Jam :-))

    Gibt es überhaupt so große Menschen, die Max hätten über den Rücken gucken können? Von Basketball-Spielern einmal abgesehen?

    Liebe Grüße
    Volker

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    1. Lieber Volker,
      ich denke auch, dass Ort des Einhornverlusts und Deponierung des Fundguts nah beieinander liegen, da wollte ich dem Schicksal eine Chance geben...
      Oh, dann habe ich bisher zu wenig über die Backwerke berichtet. Chris rührt durchaus immer mal gern einen Kuchen an, da er selber den süßen Verlockungen sehr verfallen ist ;-)
      Also der Max war schon ein Riesenbrocken, sein genaues Stockmaß kenne ich allerdings nicht. Im Zweifel käme ein Stabhochspringer sogar drüber ;-)
      Liebe Grüße
      Elke

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  4. Liebe Elke,
    das ist ja nett, dass die Nachfahren von Max jeztt bei dir in der Nähe grasen. Der Max ist aber wirklich ein Kaliber für sich! Huijuijui! :O
    Schön, dass die Infotafeln so interessierte Leserinnen, wie dich haben. So erfahre ich hier ganz bequem von zuhause aus immer wieder spannende neue Dinge. Das Glan-Donnersberg-Rind kannte ich noch nicht. Und das, obwohl bei meiner Arbeitsstätte die "Glan" vorbeifließt! ;)
    Ob der Kuchen geschmeckt hat, frage ich gar nicht. So wie der aussieht, kann er nur köstlich gewesen sein! :)

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    1. Liebe Doris,
      ach, es gibt einen Fluss "Glan"? Das wusste ich auch noch nicht. Habe gerade mal gegoogelt, es gibt noch weitere 2 Flüsse und auch Orte und Seen mit diesem Namen.
      Solche Infotafeln finde ich wirklich gut, denn so erfährt man Wissenswertes direkt vor Ort.
      Der Kuchen war wirklich gut, ich liebe sowieso alles mit Obst drin.
      Liebe Grüße
      Elke

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  5. Liebe Elke,

    danke fürs Mitnehmen und Informieren! ;-)

    Ich wüsste auf Anhieb gar nicht, wo bei uns hier in der Nähe die nächsten Rinder grasen, während ich ein paar Pferdekoppeln und Ställe kenne. Ab und zu sehe ich noch wohin die Schafherde von einer ehemaligen Schülerin gezogen ist (im Umkreis).

    Ich bedanke mich mal im Namen des Mädchens (vermutlich), dass du das Einhorn nicht mitgenommen hast und hoffe darauf, dass es wiedergefunden wird. Kenne es aus Sicht des Opas wie schlimm es ist, wenn etwas (erstmal) nicht gefunden wird. Das verlorene Puzzleteil eines "12er-Puzzles" scheint sie weniger zu kümmern, als wenn irgendein Kuscheltier (z. B.) nicht aufzufinden ist!

    Obstkuchen sind immer gut, da kann ich verstehen, dass du sie liebst und ich für mich brauche nicht zu betonen, dass ich Kuchen immer liebe! LOL (Sie sollten nur nicht allzu süß sein - Zucker überladen!)

    LG Manfred

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    1. Lieber Manfred,
      auch bei uns sehe ich überwiegend Pferde auf Weiden, und die Hühner. Ansonsten ist hier weit überwiegend Ackerbau.
      Ja dann kennst du als amtierender Opa das Leid eines Kindes, wenn ein geliebter Spielkamerad vermisst wird... da wäre ich auch sehr traurig gewesen.
      Obstkuchen mit wenig Zucker - Manfred gib mir die Hand, ganz meine Richtung!
      Liebe Grüße
      Elke

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  6. Liebe Elke,
    ich mag Infotafeln auch immer sehr gerne und bei uns gibt es auch viele. Letzens sind mir gar an der Läuferautobahn welche aufgefallen, die ich in Jahren nicht gesehen habe. Da gab es historich eine Art Seilbahn um Ton aus der Tongrube über den Fluss zu bekommen!
    Ans Freilichmuseum Kommern erweckt bei mir Kindheitserinnerungen. Ich hatte jahrelang eine Postkarte mit Fachwerkhaus von einem Ausflug. Ich sehe sie beinahe vor mir! Max jedoch habe ich wohl verpasst oder er hat damals einfach keinen Eindruck auf mich gemacht.
    Und die Kuchen von Chris kannst du gerne hier öfter präsentieren! Das sieht sehr lecker aus.

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    1. Liebe Roni,
      ah, dann hast du auch quasi laufend Heimatkunde. Eine Seilbahn zum Tontransport - auch interessant.
      Du kennst Kommern? Das ist schön. Vielleicht war Max da gerade auf einer anderen Weide oder auf "Dienstreise"... Da hat sich in den letzten Jahren wieder viel getan. Inzwischen bauen sie ein Dorf wie aus den 50er/60er Jahren. Vor 2 Jahren war ich mal da und ich hatte nur ein breites Grinsen im Gesicht, weil ich so vieles davon noch aus meiner Kindheit kannte!
      Oh je, nicht dass das hier ein Kuchenblog wird...
      Liebe Grüße
      Elke

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