Montag, 7. September 2026

Köln Triathlon 2026 (als Volunteer)


Nach meiner Erfahrung 2025 hatte ich mich erneut als Volunteer für den Köln Triathlon, nunmehr 5. Austragung, gemeldet. Im Vorfeld gab es 27 Seiten Infos und Instruktionen für die Helfer und zudem zur Kommunikation eine WhatsApp-Gruppe pro Einsatzbereich (also z.B. Streckenposten, Verpflegungsstände, Zielbereich, etc.). Man gibt sich viel Mühe, reibungslose Abläufe für die 4.200 Teilnehmer (Mitteldistanz, olympische Distanz, Sprint, zzgl. Staffeln) zu gewährleisten, denn alles findet wieder an EINEM Tag statt.

Für entspannte 9.30 Uhr ist meine Volunteergruppe zum Treffpunkt beim Ziel bestellt. Doch schon um 6.02 Uhr (!) meldet sich der erste Helfer digital: Er sei vor Ort und finde den Treffpunkt nicht. Nun ja, da ist auch noch kaum jemand vom Veranstalter vor Ort...

Als ich um 8 Uhr am heimischen Bahnhof stehe, geht gerade der erste Startblock der Mitteldistanz ins Wasser. Ich nutze die Zeit, nochmals einen Blick in die Ausdrucke der für mich relevanten Infoseiten zu werfen. Eine junge Frau spricht mich an, ob ich etwas suche und sie mir helfen könne. Ich bin perplex, antworte wahrheitsgemäß mit "nein" und erkläre es ihr. Wir lachen beide herzhaft.

In Köln-Deutz angekommen, kann ich bei einem kurzen Fußweg die Schwimmer im Rhein beobachten. Ob sie etwas von dem tollen Panorama mitbekommen? Noch ist es ruhig, doch das schöne Wetter wird später sehr viele Menschen an die Strecke locken.
Ich mache mir den Spaß und lasse meine Polar den ganzen Aufenthalt in Köln tracken. Am Ende werde ich 3,6 km in 5 Stunden auf der Uhr haben. Macht etwa 80 Minuten pro km 😆







Im Zielbereich geht es noch entspannt zu.



Einen Gegenstand finde ich besonders spannend. Wozu braucht man hier eine Staffelei??? Ich werde es leider mangels Zeit nicht herausfinden.


Für eine kleine und 2 größere Fußgängerpassagen sind wir etwa 20 Helfer. Auch der Frühankömmling ist zugegen. Ein spezieller Typ. Ungefragt hält er Vorträge, die niemand interessieren. Ich frage ihn, warum er denn so früh schon dagewesen sei: Also er sei ja Influencer und hätte die Zeit zu Recherchen genutzt, erste Shots gedreht, Fotos gemacht usw. Und er arbeite ja auch für den WDR, weswegen er gleich nach der Frühschicht weiter recherchieren müsse. Und deswegen bekomme eeeer ja auch seinen Einsatz bezaaahlt. Er sei eben ..... An dieser Stelle sucht er nach einem passenden Ausdruck. Ganz spontan kommt mir die Ergänzung " ... nicht vom niederen Volk" in den Sinn und ehe ich es verhindern kann, rutscht mir der Gedanke auch akustisch heraus. Oh, ich glaube, er hat was bemerkt...

Mit unserer Ansprechpartnerin gehen wir zu den Einsatzpunkten, wo jeder seinen Einsatzwunsch äußern kann und dann noch eine kurze Erklärung erhält. Mich zieht es wieder zum Posten des letzten Jahres, ca 200 m hinter dem Einstieg in die Laufstrecke, die als Runde (knapp 5 km) angelegt und je nach Distanz mehrfach zu durchlaufen ist. Hier kommen die Läufer unter einer Restaurantterrasse hervor. Ein DJ beschallt kräftig mit Rave, was hoffentlich später noch die Kraftreserven mobilisieren wird.


Ab etwa 10.30 Uhr tauchen die ersten Läufer auf und unser Job kommt in Fahrt. Zuschauer sollen nur an unserem Übergang die Strecke queren. Die allermeisten machen das, aber einzelne Zeitgenossen nehmen die Flatterbänder als Einladung, auf eigene Faust zu queren, nun ja. Auch einige Teilnehmer, die eilig zum Schwimmstart wollen, individualisieren ihren Weg. Ich kann es sehr gut verstehen, zumal anscheinend die Hinweise in den Startunterlagen und die Schilder nicht bei allen klar zu sein scheinen. Viele sind einfach dankbar, wenn wir ihnen Orientierung geben den richtigen Weg erklären, der leider nicht ganz der gradlinigste ist.








Aus den anfangs einzelnen flotten Läufern und Führungsrädern werden schnell mehr und mehr Athleten. Die ersten kommen locker-flockig vorbeigeprescht. Toll, denn sie haben ja schon ein wenig Sport in den Knochen. Mit zunehmender Anzahl der Runden (zu je knapp 5 km) und der steigenden Temperatur (23°) nimmt man jedoch den ebenso zunehmenden Grad der Verausgabung war.
Erst recht, je mehr spätere Startblocks auf der Strecke sind: Viele hochrote Köpfe, angestrengte Gesichtszüge, schwerfälliges Laufen und später Gehen. Wir versuchen als Helfer anzufeuern und zu motivieren. Theoretisch ist es ja, in Relation zur bereits zurückgelegten Strecke, nicht mehr weit. Aber diese letzte Anstrengung will eben doch überwunden werden.
Spätestens als die olympische Distanz auch mitmischt, wird es teils eng auf der Strecke. An unserer Stelle, einem kleinen Anstieg mit Doppelkurve, passen -laufend- maximal 3 Läufer nebeneinander, danach wird es wieder breiter. Bei uns kein Stau, aber weit entfernt kann ich solches am Schwimmausstieg phasenweise erkennen,



Meine Schicht endet 13.30 Uhr, als unsere Ablösung erscheint. Da gehen dann gerade erst die Sprint-Distanzler in mehreren Blocks ins Wasser.
Fazit: Gutes Wetter (für Zuschauer), prima Stimmung, freundliche Menschen.

  
Frage des Tages: "Sind hier schon die mit den grünen Kappen durchgelaufen?" 😄
Von der Helferverpflegung (All you can eat: Kuchen, Kaffee, Brötchen, Obst) konnte ich wieder nichts nutzen. Liegt leider mitten im Zielgetümmel und die 200 m dorthin dauern schlicht zu lange.
Und wie schon 2025 habe ich allerhöchste Achtung vor denen, die diesen Sport betreiben. Natürlich vor denen, die gute Gene und Trainingsmöglichkeiten haben. Aber erst recht vor denen, die sich erkennbar abmühen, sei es, weil sie ein paar kg zuviel mit sich tragen, sei es, weil sie durchaus höheren AK's angehören, weil sie mit der Temperatur zu kämpfen haben oder weil sie einfach dem Ganzen Tribut zollen müssen und sich gehend fortbewegen.
Es ist unglaublich. Das nah mitzuerleben, war es einmal mehr wert.

Und dann demnächst noch beim Köln Marathon 😊