Für entspannte 9.30 Uhr ist meine Volunteergruppe zum Treffpunkt beim Ziel bestellt. Doch schon um 6.02 Uhr (!) meldet sich der erste Helfer digital: Er sei vor Ort und finde den Treffpunkt nicht. Nun ja, da ist auch noch kaum jemand vom Veranstalter vor Ort...
Als ich um 8 Uhr am heimischen Bahnhof stehe, geht gerade der erste Startblock der Mitteldistanz ins Wasser. Ich nutze die Zeit, nochmals einen Blick in die Ausdrucke der für mich relevanten Infoseiten zu werfen. Eine junge Frau spricht mich an, ob ich etwas suche und sie mir helfen könne. Ich bin perplex, antworte wahrheitsgemäß mit "nein" und erkläre es ihr. Wir lachen beide herzhaft.
In Köln-Deutz angekommen, kann ich bei einem kurzen Fußweg die Schwimmer im Rhein beobachten. Ob sie etwas von dem tollen Panorama mitbekommen? Noch ist es ruhig, doch das schöne Wetter wird später sehr viele Menschen an die Strecke locken.
Ich mache mir den Spaß und lasse meine Polar den ganzen Aufenthalt in Köln tracken. Am Ende werde ich 3,6 km in 5 Stunden auf der Uhr haben. Macht etwa 80 Minuten pro km 😆
Für eine kleine und 2 größere Fußgängerpassagen sind wir etwa 20 Helfer. Auch der Frühankömmling ist zugegen. Ein spezieller Typ. Ungefragt hält er Vorträge, die niemand interessieren. Ich frage ihn, warum er denn so früh schon dagewesen sei: Also er sei ja Influencer und hätte die Zeit zu Recherchen genutzt, erste Shots gedreht, Fotos gemacht usw. Und er arbeite ja auch für den WDR, weswegen er gleich nach der Frühschicht weiter recherchieren müsse. Und deswegen bekomme eeeer ja auch seinen Einsatz bezaaahlt. Er sei eben ..... An dieser Stelle sucht er nach einem passenden Ausdruck. Ganz spontan kommt mir die Ergänzung " ... nicht vom niederen Volk" in den Sinn und ehe ich es verhindern kann, rutscht mir der Gedanke auch akustisch heraus. Oh, ich glaube, er hat was bemerkt...
Mit unserer Ansprechpartnerin gehen wir zu den Einsatzpunkten, wo jeder seinen Einsatzwunsch äußern kann und dann noch eine kurze Erklärung erhält. Mich zieht es wieder zum Posten des letzten Jahres, ca 200 m hinter dem Einstieg in die Laufstrecke, die als Runde (knapp 5 km) angelegt und je nach Distanz mehrfach zu durchlaufen ist. Hier kommen die Läufer unter einer Restaurantterrasse hervor. Ein DJ beschallt kräftig mit Rave, was hoffentlich später noch die Kraftreserven mobilisieren wird.
Ab etwa 10.30 Uhr tauchen die ersten Läufer auf und unser Job kommt in Fahrt. Zuschauer sollen nur an unserem Übergang die Strecke queren. Die allermeisten machen das, aber einzelne Zeitgenossen nehmen die Flatterbänder als Einladung, auf eigene Faust zu queren, nun ja. Auch einige Teilnehmer, die eilig zum Schwimmstart wollen, individualisieren ihren Weg. Ich kann es sehr gut verstehen, zumal anscheinend die Hinweise in den Startunterlagen und die Schilder nicht bei allen klar zu sein scheinen. Viele sind einfach dankbar, wenn wir ihnen Orientierung geben den richtigen Weg erklären, der leider nicht ganz der gradlinigste ist.
Erst recht, je mehr spätere Startblocks auf der Strecke sind: Viele hochrote Köpfe, angestrengte Gesichtszüge, schwerfälliges Laufen und später Gehen. Wir versuchen als Helfer anzufeuern und zu motivieren. Theoretisch ist es ja, in Relation zur bereits zurückgelegten Strecke, nicht mehr weit. Aber diese letzte Anstrengung will eben doch überwunden werden.
Frage des Tages: "Sind hier schon die mit den grünen Kappen durchgelaufen?" 😄