Dienstag, 25. Juni 2019

Schweigen Sie!

Auch in den Bergen hat man nun Hitze. Für heute sind 38° angekündigt, bzw. angedroht. Ich starte um 7 Uhr zu einer Laufrunde, nachdem ich vorgestern im Warmen so einen richtigen Hungerlauf erleiden durfte. Um jeden Brunnen am Wegesrand war ich froh, in den ich meinen Kopf stecken konnte. Dennoch kam ich nur auf einen 7'er-Schnitt.
Doch nun, bei 17° sollte das anders werden.
Es wurde auch anders, aber anders.
Im Weiler vor dem Kirchhügel des Nachbardorfs sehe ich ein Stück vor mir einen älteren Herrn mit munterem Hund an Schleppleine. Letzterer wuselt umher, schnüffelt hier und da, mal links, mal rechts des schmalen Sträßleins. Auch sein Herrchen geht eher im Zickzack.
Eine Katze quert die Straße. Dank der langen Leine sprintet der Fifi ihr hinterher, bis ihn das Ende der Leine dann doch im Vorgarten des Katzenheims unsanft ausbremst.
Herrchen dreht sich um in meine Richtung. Aha, denke ich, er hat mich gesehen, denn zielstrebig wechselt er zur rechten Straßenseite, sein Hund mit ihm und bleibt bei Fuß.
Ich wechsle meinerseits zur linken Straßenseite.
Als ich auf ca. 5 m heran bin, bemerkt mich der Hund, bleibt stehen und schaut interessiert. Sein Herrchen geht weiter, die Leine hat ja viel Spiel.
Als ich auf seiner Höhe bin, mit ca. 3 Armlängen Abstand, rufe ich ihm den hier üblichen Gruß "Grüessech" zu und setze meinen Weg fort, die beiden verschwinden aus meinem Augenwinkel.
Doch dagegen hat Fifi etwas. Ich höre ihn von hinten heranstürmen, und dann springt er mich an, stößt mir unsanft seine Nase in den verlängerten Rücken, seine Pfoten an meinen Beinen.
Ich bin total erschrocken und lasse einen Schrei los.
Herrchen schreitet nicht ein, amüsiert sich: "Haha, der tut doch nichts!"
"Ja das weiß ich doch nicht! Erschrocken hat er mich jedenfalls sehr."
"Na da müssen Sie sich eben bemerkbar machen."
"Aber Sie haben sich doch umgedreht und mich gesehen!"
"Ich habe Sie nicht gesehen!"
"Und dann habe ich Ihnen auch noch einen Gruß zugerufen."
"Ich habe Sie nicht gehört!" Herrchen wird laut und ruckelt sinnlos an der Leine herum. Fifi wundert sich wohl, denn längst sitzt er ganz brav zwischen uns und hört interessiert zu.
"SIE müssen sich bemerkbar machen!"
"Aber ich..."
"Man springt (lokaler Ausdruck für laufen) nicht einfach so an einem Hund vorbei. SCHLUSS! AUS!!!" (Mit letzterem meint er mich)
"Also wenn Sie Ihren Hund nicht im Griff haben, dürfen Sie ihm keine lange Leine geben. Was soll ich denn machen, wenn Sie mich übersehen und überhören?"
"SCHWEIGEN SIE!!!"

Ok, ich sehe ein, unser kleiner Gedankenaustausch mündet hier und jetzt in kein fruchtbares Ergebnis. Passiert ist auch nichts weiter. Ich beschließe, meinen Weg fortzusetzen, wende mich ab und laufe.
Damit ist Herrchen allerdings auch nicht einverstanden. Von hinten ereilt mich nun nicht mehr der Hund, aber Herrchens Wortschwall. Ich verstehe akustisch nicht, was er mir hinterherruft, aber Freundschaftsbekundungen sind es vermutlich nicht. Er gibt sich wirklich Mühe, und muss ja immer lauter brüllen, um mich zu erreichen.
Nun, wenn er will. Ich bleibe stehen und drehe um zurück zu ihm. Damit hatte er nun auch nicht gerechnet und schaut etwas perplex. Sofort setzt er erneut zu Belehrungen an. Ich lasse ihn ausreden, sage ihm nochmals ruhig, wie meine Einschätzung der Situation war und dass ich mir sehr wohl Gedanken gemacht habe, ob er mich bemerkt habe und zur Ansicht gelangt sei, dass dies der Fall gewesen sei. Er kommt dann auch wieder aus seinen Höhen herab. Ich wünsche ihm einen schönen Tag, er grummelt irgendeine Erwiderung und dann setze ich endgültig meinen Weg fort.

Immerhin, dank dieser putzigen Begegnung habe ich nun genug Adrenalin in den Adern, um den Kirchhügel kräftig bergauf laufend zu nehmen und die 10 km mit zackigem Schnitt zu absolvieren.

Ich werde überlegen, ob ich ab sofort jedes Hund-und-Herrchen/Frauchen-Paar bei Annäherung mit einem markigen Tarzanschrei beglücken soll. Wahrscheinlich ist das auch nicht recht.
Oder ich laufe morgen zur selbe Zeit am selben Ort und erprobe das vielleicht mal am selben Hund-und-Herrchen-Gespann...
Falls dieser Fall eintritt, werde ich hier berichten.😉

Als hätte ich es geahnt, hatte ich gestern im Berner Marzili-Bad einige der originellen Wandspiegel fotografiert, die jeden Gast mit einem launigen Spruch ins Bild setzen:

"Kann ich dem Schicksal zublinzeln?"

"Lieber Haare auf den Zähnen, als Pickel im Gesicht."





Kommentare:

  1. Liebe Elke,
    ach menno - wieso muss es eigentlich von jeder Sorte (Hundehalter, Auto-, Motorrad-, Radfahrer, Badegäste, Kinobesucher, Bahnfahrer, etc.) auch immer vereinzelte Vollidioten geben? Die bringen es soweit, dass man schon im vorhinein jedem anderen der gleichen Sorte mit Mißmut begegnet. :/
    Toll, dass du noch mal umgedreht bist und dich nicht von ihm hast provozieren lassen! Damit hat er sicher nicht gerechnet. Ich glaube, wenn mir einer ein "Schweigen Sie" ins Gesicht sagt, könnte ich nicht so cool bleiben! :D
    Noch eine Frage... wieso dreht sich denn Chris beim 2.Sprüchespiegel weg? Ist er etwa anderer Meinung? ;)

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    1. Liebe Doris,
      nun ja, die Menschen sind eben unterschiedlich. Der Typ war aber wirklich ziemlich einzig in seiner Art, mit welch einem herrischen Gehabe er sich produzierte.
      Chris hat wohl nicht damit gerechnet, dass ich auch noch einen weiteren Spiegel fotografiere. Er fand sie genauso witzig (es gab noch eine Reihe weiterer Spiegel). Und wir mussten zum Auto, weil die Parkzeit ablief.
      Liebe Grüße
      Elke

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  2. Ohhh, liebe Elke, bei Begegnungen solcher Art kribbelt mir das Adrenalin immer unter der Schädeldecke. Hätte er mich zum Schweigen aufgefordert, hätte er von mir wohl nur noch das Weiße in den Augen gesehen. Gut, dass Du Dich noch einmal umgedreht hast und ihn mit seinen Unflätigkeiten nicht hast durchkommen lassen. Und ich dachte immer die Schweizer wären so höflich :-)

    Schön Hut übrigens und symphatischer Mann im Hintergrund :-)

    Liebe Grüße
    Volker

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    1. Lieber Volker,
      nun, meine Adrenalinstoß konnte ich ja laufproduktiv umsetzen, der Kerl war es nicht wert, das an ihn zu vergeuden ;-).
      Dieses Bild der Schweizer hatte ich auch mal. Das Geheimnis ist: Die sind auch nur Menschen!
      Hihi, danke und danke!
      Liebe Grüße
      Elke

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  3. Mann, nachdem ich nun schon zweimal einen längeren Text verfasst habe und auch über das lästige Prozedere mit dem "ich bin kein Roboter "hinweg war, sind die Texte beide Male verschwunden. Hier nun Kurzfassung:
    1. Ein No-Go!!!
    2. Es war sein Hund der aktiv wurde, nicht du. Da hat er sich auf jeden Fall zu entschuldigen. Und für diesen trotzigen Auftritt habe ich nun überhaupt kein Verständnis.
    3. Als Hundehalter kenne ich die Problematik, wenn Jogger oder Radfahrer (letztere mit unverminderter Geschwindigkeit) an einem vorbei sausen, ohne sich bemerkbar zu machen. Das muss so nicht sein und ärgert mich jedesmal. Aber du bist ja davon ausgegangen, dass er dich bemerkt hat. Und wenn er schwerhörig ist, muss er halt den Hund permanent an der kurzen Leine halten.
    4. Als Läufer rufe ich immer schon von weitem "Vorsicht sich nicht erschrecken". Dann merke ich, ob ich bemerkt werde.

    Ich hoffe, das Erlebnis war jetzt nicht Wasser auf deine Mühlen. Nicht alle Hundehalter sind- auch wenn sie ihre Hunde völlig frei laufen lassen-so.
    Ich wünsche euch weiterhin einen schönen Urlaub. Meine Trockengeräte wurde neben abgebaut. LG Heidrun

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    1. Hallo Heidrun,
      tut mir leid, wenn Blogspot Dich immer so ärgert, danke für Deine Geduld! Aaaalso:
      Kein Wasser auf meine Mühle. 90% aller Hundebegegnungen sind doch nett. Ich weiß ja auch, dass eine Begegnung für Hunde je nach Temperament eine kleine Prüfung sein kann. Nach Möglichkeit mache ich einen großen Bogen, schaue dem Hund nicht in die Augen und versuche, harmlos zu wirken. Wenn jeder sein Teil an Rücksicht beiträgt, sollte es kein Problem geben. Nur manchmal überrascht dann der Hund aber doch sein Herrchen/Frauchen, indem er Läufer als Spielzeug sieht, und manchmal vergessen sie die Leine zum Hund, die ja zur Stolperfalle für Läufer werden kann. Aber allermeist klappt es doch.
      Mit der Elli klingel ich schon 50 m vorher und höre auch noch beim Vorbeirollen mit treten auf, weil das Geräusch und die Bewegung wohl für Hunde nicht so toll ist. Die Gassigänger halten ihre Hunde bei meinem Anblick dann auch meist noch am Halsband fest. Da gab es noch nie Probleme.
      Der Herr hier war echt die Krönung. Der Hund scheint nicht zu wissen, dass man keine Leute anspringt, Herrchen hat ihn dann auch nicht abgerufen oder die Leine angezogen, stand nur da und lachte. Auch keine Nachfrage, ob was passiert sei. Der Herr war das wahre Problem, der Hund, ein Pinscher-Jagdhund-Mix, war putzig, der wollte wirklich nur spielen. Und der überhebliche Ton, wie ein Oberlehrer oder Militär, war bühnenreif.
      Prima, dann ist es bei Dir trocken?
      Danke, wir schmelzen gerade weg...
      Liebe Grüße
      Elke

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  4. Liebe Elke,
    oh ja, das geht ja gar nicht. Also erstens, das der Hund dich anspringt und zweitens, das der Typ dann auch noch Anweisungen wie "Schweigen sie" gibt.
    Ich weiß nicht, ob ich hätte ruhig bleiben können. Ist doch schon eine ziemliche Unverfrorenheit.
    Aber du hast das ganz clever gelöst, hast ihn aus dem Konzept gebracht mit deiner Umkehr :-))))
    Nicht alle Hundehalter sind so. Ich treffe immer wieder die ganz andere Sorte, die mit den gut erzogenen Hunden, die die ihre Vierbeiner unter Kontrolle haben.
    Ich bedanke mich immer höflich, damit die wissen, das ich es wirklich zu schätzen weiß, das ich meine Runden drehen kann, ohne angesprungen und angekläfft zu werden.
    Es gibt sehr viele liebe und kompetente Hundehalter.
    Es gibt aber eben auch die Vollidioten
    Wie überall.
    Liebe Grüße
    Helge

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    1. Liebe Helge,
      nein, natürlich und Gottseidank sind nicht alle Hundehalter so! Die allermeisten sind tierliebe, nette Menschen. Nur wenige sind schwieriger, und dieser war meine persönliche Krönung! Im Nachhinein muss ich fast lachen über seine Theatralik, und sein Hund war eigentlich ein putziger, wollte wirklich nur spielen.
      Wir waren heute im Thuner See schwimmen! Brr, 19°.
      Liebe Grüße
      Elke

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  5. Krasse Geschichte, eindeutig ein ignoranter Vollidiot der seinen Hund schlecht erzogen hat. Meine Reaktion möchte ich mir nicht ausmalen, bin beim Laufen anfangs immer recht reizbar. Aber solche Begegnungen hatte ich noch nicht.
    Einmal ist ein kleiner "Köter" seitlich auf mich zugelaufen und wollte wohl wirklich beissen, aber dummerweise so blöd in meine Beine geraten dass ich ihn (wirklich!) aus Versehen einfach weggekickt hab. Herrchen war erst erschrocken, dann frech und wurde direkt von einem anderen Hundebesitzer zusammengestaucht. So gehts auch.
    Aber was du da beschreibst ist ja einfach nur "ich hab aber Recht"-dummes-Verhalten.
    Normalerweise versuche ich Hunden auszuweichen, oder rechtzeitig ansprechen (bin ja oft etwas schneller unterwegs) und Hundehalter freuen sich immer über ein freundliches Dankeschön wenn Hund und Läufer brav waren :-)
    Hast auf jeden Fall besonnen und cool reagiert, finde ich gut.
    Liebe Grüße, Oliver

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    1. Lieber Oliver,
      ja, so einer ist mir auch noch nie vorher begegnet. Aber wie so oft, eigentich ist Herrchen/Frauchen das Problem. Bei dem exemplar mangelte es an Erziehung des Hundes und auch an solcher des Herrchens. Es ist wie Du schreibst, wenn Läufer und Gassigänger aufeinander Rücksicht nehmen sollte alles passen.
      Danke und liebe Grüße
      Elke

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  6. Liebe Elke,
    da bin ich aber glücklich, dass die letzten Hunde, die mir samt Herrchen/Frauchen begegnet sind, sehr brav waren. Da bedanke ich mich auch immer! - Aber von hinten anrufen klappt auch nicht immer. Manche haben schon vorwurfsvoll reagiert, dass ich sie nicht so erschrecken solle. Gegen verträumte Hundehalter, oder "Schwätzer" kann man auch nix machen.
    Ob der Herr allen gegenüber so auftritt? Komischer Typ, gelinde gesagt!
    LG Manfred

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    1. Lieber Manfred,
      tja, es allen recht zu machen. Ich schaue ja immer genau, wie Hund und Herrchen/Frauchen so drauf sind, und wie ich mich ggf. am besten bemerkbar machen kann.
      Dieser Herr scheint sehr selbstherrlich und uneinsichtig. Wir sahen ihn gestern erneut!
      Liebe Grüße
      Elke

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  7. So läuft es jedes einzelne Mal bei problematischen Hundebegegnungen! Daher mein Vorsatz, künftig keine Diskussionen mehr anzuzetteln. Denn als letzte Eskalationsstufe nach uneinsichtigem Gebrüll sprechen die Fäuste.

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    1. Nun ja, bei der Sprache der Fäuste könnte ich sicher nicht mithalten und bin daher froh, dass der Kerl die Ausnahme war!
      Liebe Grüße
      Elke

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