Sonntag, 11. August 2019

Monschau-Marathon 2019 (Genussmarathon)

Nachem die beiden geführten Trainingsläufe so prima klappten, trotz schluderigem Training, wage ich den Start zum Marathon. Was in Monschau dadurch erleichtert wird, dass es neben dem "normalen" Marathon auch einen Genussmarathon gibt. Man startet 1 3/4 Stunden früher und hat so 8 1/4 Stunden Zeit, die Strecke intensiv zu genießen.
Genau meins, denn bei den 767 Höhenmetern auf Zeit zu laufen, wäre ohnehin zu verwegen. Hingegen ohne Druck in den Sonnenaufgang eines frischen Sommermorgens zu laufen - mehr Genuss geht kaum.

So stehen Heidrun und ich bei 12° an der Startlinie. Sie profitiert einerseits davon, dass Oliver verletzungsbedingt seinen Startplatz nicht wahrnehmen kann und ihn verschenken möchte. Andererseits ist man beim TV Konzen völlig unkompliziert, was eine Umbuchung von männlichem Ultra-Teilnehmer auf weibliche Genussläuferin angeht.

Wir sind froh, als es endlich losgeht und wir uns warmlaufen können. Ich zeige von jedem km ein Bild, also auf gehts, wer mag, kann nun genusslaufen durch die wunderbare Eifel!

Km 1+2: Die Genussläufer, wozu auch Walker gehören, werden in diesem Jahr als komplettes Feld auf die Strecke geschickt. So laufen die rd. 260 Genießer*innen noch relativ nah beieinander los. Ein schwäbischer Läufer ruft aus "Des isch där wunderbarschte Maraddonn überhaupt!" Da liegt er nicht ganz falsch.



Km 3 - 6: Nach einer kurzen felsigen Abwärtspassage erreichen wir schon Monschau. Wie immer wunderbar anzusehen und nach Gefälle flach.






Km 7-9: Wir folgen erstmals dem Tal der Rur. Im dichten Wald steht noch sehr die morgendliche Kühle. Aber inzwischen ist man gut aufgewämt und auf Naturboden läuft es sich bestens.
Vor einer freien Fläche vor Widdau gelingt ein phantastischer Schnappschuss der aufgehenden Sonne.






























Km 10 + 11: Weiter gehts nach Widdau, der Sonne entgegen.




Km 12 - 17: Das Holderbachtal. Malerisch, schattig. Aber auch fordernd dank Auf und Ab der Strecke. Bei km 13 überholt uns der Ultra-Führende (weißes Shirt). Sein Begleitradler kann kaum schnell genug an der Steigung pedalieren, um seinem Läufer voraus zu bleiben! Da die Ultras eine Viertelstunde vor uns starteten, hier aber bereits ihren km 27 haben, eine Wahnsinnsleistung. Der Führende wird mit einer Zeit von 3:42 Std auf 56 km siegen.







Km 18 - 21: Endlich verlassen wir den Wald und erreichen die Eifelhöhen. Es wird wärmer, man spürt die Kraft der Sonne. Ich liebe diese Passagen! Was jedoch nicht verhindern kann, dass das Holderbachtal mir ein wenig die Leichtigkeit geraubt hat. Vor der Halbmarathonmarke (zugleich Staffelwechselpunkt und Verpflegungsstation) beim Brather Hof stoppen zwei Helfer jeweils den Verkehr auf der Bundesstraße für uns. Ich gönne mir wie geplant ein Gel und Salz. Ob es das ist, oder die Gewissheit, nun kommen erst einmal leichtere Abschnitte - plötzlich habe ich wieder neuen Schwung!






Km 22 - 27: Es folgen überwiegend Abwärtspassagen, Wald und Wiesen wechseln sich ab. Oft bin ich relativ allein, vereinzelt kommen weitere Ultras und überholen mich mit beneidenswertem Speed.







Km 28: Ein Privater Verpflegungsstand. Hier stehen Peter Borsdorff (Siehe Wikipedia) und sein Team. Sie bieten Verpflegung, Fotoservice und feuen sich über Spenden zugunsten benachteiligter Kinder. Über seine läuferische Lebensgeschichte und seine Spendenprojekte und -verwendung kann man sich hier informieren.


Km 29 + 30: Kalterherberg, Eindrücke der regionaltypischen Eifelhecken zum Windschutz der Häuser. Und der Eifeldom, ein beachtliches Bauwerk eines Ortes mit rd. 2400 Einwohnern. Vor dem Dom ein Staffelwechselpunkt, viel Anfeuerung und ein Orchester.



Km 31 - 33: Wieder folgen wir dem Lauf der Rur in einem schattigen Tal. Was sich erfreulicherweise horizontal gestaltet, denn allmählich signalisiert mein "Laufwerk" Ermüdung, ich spüre unterhalb der Taille jede Muskelfaser.
Und gleich kommt ja noch das olle Leyloch mit seinem Anstieg...




Km 34 + 35: Und da ist es auch schon, mein "Lieblingsfeind" des Laufs. Wie viele andere auch präferiere ich gehende Fortbewegung. Danach werden nicht mehr so viele Herausforderungen folgen.




























Km 36 - 39: Wir laufen parallel zum Dorf Mützenich, wo wir vor einigen Wochen beim Vennlauf antraten. Auf einen dieser lauschigen Wege schwenkt vor mir ein Bataillon wandernder Rentner*innen ein. Ich kurve um sie herum und kann ihre Kommentare aufschnappen:
"Ach, die laufen hier Marathon."
"Ach nee, "Genuss" " (Auf meinem Rücken prangt ja diese zusätzliche Kennzeichnung).
"Watt immer da "Genuss" sein soll..."
Ich bin ja nah dran, den Mittelfinger zu zeigen. Hey, ich laufe hier schließlich 42 km!!

Im Ort erwartet uns das Honigzelt! Wahrlich gibt es richtigen Honig zu kosten. Dazu nehme ich mir eine Cola. Eine dort ausschenkende Frau ruft mir begeistert zu, dass da ja wieder die Läuferin mit dem Monschau-Rock sei. Ist das nett!




Kurz vor Honigzelt
Km 40 + 42: Nicht mehr weit, nur noch abwärts rollen lassen, einen steinigen kurzen Anstieg, und dann haben wir es geschafft! Mir gelingt sogar ein kleiner Zielspurt, einzelne Läufer*innen kann ich überholen!



Und dann ist es soweit. Im Dorfzentrum von Konzen wird jeder begeistert empfangen!




Ich lande mit 5:07 fast wieder bei meiner Zeit von 2018 und bin damit für heute sehr zufrieden.
Heidrun folgt eine Weile später, mit 5:51 sind Ihre Erwartungen erfüllt.

Für mich ergibt sich ein interessantes Resümee: Je mehr ich diese Strecke kenne, umso mehr verliert sie ihren Schrecken, umso kürzer kommt sie mir vor. Ich weiß ja schon beim Loslaufen, was wann kommt, wo die speziellen Herausforderungen lauern. Die großen Stadtläufe empfinde ich da anders. Doch hier habe ich wahrhaftig das Gefühl, nach der halben Strecke, da kommt doch nicht mehr viel, nur noch grade ein wenig Wald&Wiese, flott durch Kalterherberg, ok, Leyloch hinaufgehen, und dann nur noch hinter Mützenich kurven und den Pfad Richtung Konzen absolvieren...
Unterwegs habe ich kaum auf die Uhr geschaut, bzw. nur, um mich zu den vollen Kilometern und den Fotografierzeitpunkten zu orientieren. Aber 2 Stunden, 3 Stunden, 4 ...? Nur Zahlen.
Monschau ist schlichtweg ein sehr empfehlenswerter Lauf! Schöne Strecke, ok, ein wenig fordernd, aber reichlich Verpflegung unterwegs, gute Stimmung, nette Leute, ein gastfreundlicher Verein.

Foto: Marion Braun
Im Ziel angekommen, treffe ich Wolfgang Braun, einen der Mitorganisatoren. Er hat seine 56 km in 4:41 gefinisht und ist schon wieder fit wie der junge Frühling...













Vorher - nachher. Ok, die 42 km vertiefen die Falten ein wenig. Aber der Freude tuts keinen Abbruch 😁:



Kommentare:

  1. Liebe Elke,
    Monschau ist ja eh ein Genuss-Marathon, egal wo mann/frau dort startet, die ganze Veranstaltung ist viel zu sympathisch um dort unnötig Hektik zu machen :-)
    Und ihr beide habt offenbar genossen, das Wetter hat super klasse mitgespielt und wer auf "hinterher"-Bildern noch lachen kann hat alles richtig gemacht.
    Die Entscheidung meinen Platz an Heidrun abzugeben war richtig, ich hab heute als Test einen 21km "Monschau-Solidaritätslauf" gemacht, allerdings schön flach am Rhein entlang, die Wade ist soweit wieder ok, aber nach dem Lauf noch gut spürbar. 56k hätten nicht funktioniert, da muss noch eine weile dran massiert und gerollt werden.
    Dein Resümme trifft es auf den Punkt, wenn man die Lieblingsfeinde kennt, kann man sehr entspannt damit umgehen (Leyloch, die Hassliebe fast aller Läufer).
    Mich freut dass ihr zusammen starten konntet, erholt euch gut, ich schaue mir derweil etwas neidisch die Bilder an ;-)
    Liebe Grüße, Oliver

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    1. Lieber Oliver,
      genau, "sympatische Veranstaltung" trifft es sehr gut. Wohlfühlcharakter von Anfang bis Ende. Wir haben an Dich gedacht, und sicher war es die vernünftigste Entscheidung, nicht anzutreten. Diese Strecke zehrt auch an gesunden Beinen schon genug. Und wenn Du schon 21 solidarische km ganz gut hinbekommen hast, bist Du sicher schon bald wieder ganz auf dem Posten.
      Ach, es war einfach prima, das Wetter war perfekt, die Stimmung gut, da ist selbst Leyloch schon vergessen, wenn man in Mützenich ankommt ;-)
      Und nächstes Jahr bist Du live dabei!
      Liebe Grüße
      Elke

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  2. ... achja, Überschrift: "Monschau-Marathon 2018 (Genussmarathon)"
    Wir schreiben derzeit das Jahr 2019 ;-)

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  3. Liebe Elke,

    "Genuß" und "Marathon" steht ja ansich schon etwas im Widerspruch, da hat die Rentnertruppe ja nicht so ganz Unrecht :-))) Aber wenn man den Marathon auf die Art angeht wie Du es getan hast, kommt man der Verbindung von beiden wochl doch schon ganz :-)

    Auf jeden Fall hattest Du einen Marathon unter besten Bedingungen genossen und durch Olivers Ausfall auch noch in freundschaftlicher Begleitung. Herz was will die liebe Elke mehr. Ich gratuliere zum Finish eines Marathon, in dessen Bericht nicht einmal das Wort "Magen" vorkommt. Besser geht es doch gar nicht.

    Monschau wäre sicher auch für mich noch einmal eine Überlegung wert.

    Liebe Grüße
    Volker

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    1. Lieber Volker,
      stimmt, "Magen" fehlt! Auch das war Ziel meiner Aktivität, endlich mal ungestört marathonieren ;-) Und wie schon 2018, das klappt. Jezt müsste ich das nur noch auf andere Läufe transferieren können...
      Monschau ist wirklich klasse, Du solltest Deiner Überlegung näher treten...!
      Danke für den Hinweis zum Link, sollte nun funktionieren.
      Liebe Grüße
      Elke

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  4. Liebe Elke,
    ach wie schön: Elke genießt einen Marathon und wir können im Anschluss die wunderbare Bebilderung genießen :-)))
    Und der Volker hat absolut Recht: dein magen scheint beim durch das Beiwort Genuss... gar nicht den Marathon als solchen wahrzunehmen. Unser Kopf ....
    Herzlichen Glückwunsch zu diesem Marathon. Auch an die nachgerutschte Heidrun. Das scheint ein wirklich schöner Marathon zu sein. Und die Gegend dort liebe ich ja eh ... :-)
    Liebe Grüße
    Helge

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    1. Liebe Helge,
      ja mein Magen ist ziemlich kopf-gesteuert! Daher war das auch eine Art Magen-Training für mich. Zumal das ja langsam so eine Art Heimat-Terrain für mich wird. Dank der vorhergehenden Trainingsläufe dort kenne ich langsam die Strecke ganz gut. Und jedes Mal wirds schöner!
      Danke und liebe Grüße
      Elke

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  5. Liebe Elke,
    herzlichen Glückwunsch zum Genuss-Finish! :D
    Eine Frage habe ich aber noch - außer der früheren Startzeit gibt es doch da gar keinen Unterschied zum "normalen" Marathon. Oder habe ich da was übersehen?

    Schön, dass du die schöne Strecke so gut gemeistert hast. Schade für Oliver, dass er nicht starten konnte, aber für dich war der Ersatz ja toll. Auch an Heidrun herzlichen Glückwunsch. :)
    Dass die Strecke an Schrecken verliert, wenn man sie besser kennt, kenne ich aus Erfahrung. Das geht mir hier bei 2 Seeumrundungen (Waller- und Wolfgangsee) auch so. ;) Wünsche dir gute Regeneration.

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    1. Liebe Doris,
      es gibt noch Unterschiede zum normalen Marathon: Keine Siegerehrung, keine Altersklassen, nur eine Einlaufliste mit Zeiten. Zudem können auch Walker mit/ohne Stöcke auf die Strecke. Ist eben schlussendlich ein gemütlicher Gemeinschaftslauf mit Zieleinlaufgefühl wie sonst. Wobei die schnellsten dann doch auch gut ins Marathonfeld passen würden und Heidrun und ich auch im "richtigen" Marathon nicht allerletzte gewesen wären.
      Ja, auch beim Laufen zahlt sich Erfahrung aus ;-)
      Danke und liebe Grüße und gute Besserung!
      Elke

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    2. Aber 42,2 Kilometer bleiben auch unter diesen Vorgaben 42,2 Kilometer! Und die habt ihr beide super gemeistert! :D

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    3. Das sehe ich genau so, 42 bleiben 42, und die muss man erstmal hinter sich bringen. :-)

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