Freitag, 8. Februar 2019

Schlachtfeld mit skuriler Note

Lange war ich nicht mehr im sterbenden Dorf Manheim. Höchste Zeit, schon habe ich einiges verpasst. Meine 20-km-Einheit bietet sich für einen Abstecher dort an.
Wie ich der Presse entnahm, waren einige der Häuser besetzt von Braunkohlegegnern. Räumung nicht so einfach durchsetzbar.
Aber es gibt ja auch andere Möglichkeiten der Unterbindung. Einfach schneller abreißen. So wuselt es hier in vielen Ecken, es dröhnen Abrissbagger und LKWs. Ja, eigentlich völlig abstrus, man riecht den Abriss. An manchen Stellen nimmt die Nase einen modrigen, muffigen Geruch war, wie er sich in lange leerstehenden Häusern bildet.
Bei meinem ausführlichen Streifzug erkenne ich noch 2 bewohnte Häuser. Allen übrigen wurden inzwischen Fenster und Türen vermauert oder vernagelt. Oder sie sind schon nicht mehr. Hatte das sich leerende Dorf sonst noch ein gewisses morbides Ambiente, bietet sich nun ein anderes Bild.
Wie soll man das beschreiben? "Schlachtfeld" drängt sich mir auf. Aber Bilder beschreiben es noch besser:






















Hier war früher die Schule, direkt hinter dem Spielplatz:







Dieses Haus gibt schon selber auf. Auf dem Gehweg davor bröckelige Klinkersteine:































Mitten im Ort, das gesicherte Depot der Baufahrzeuge:






















Doch ein bisserl skuril geht immer:
Mitten in dieser untergehenden Landschaft dreht eine Kehrmaschine ihre Runde.
Stand wohl so im Plan.
Man könnte drüber lachen.


























Auch dieses Gehöft etwas abseits steht längst leer. Der dunkle Streifen im Hintergrund ist der Hambacher Forst, von seinen Freunden liebevoll "Hambi" genannt. Derzeit vor weiteren Rodungen vorübergehend bewahrt.  Dahinter ist der Tagebau, über den die Kohlekommission beraten hat.
Man erkennt das Dilemma: Darf der Forst auch weiterhin nicht gerodet werden, kommen die Kohlebagger auch nicht bis Manheim, sie können ja schlecht um den Wald herum baggern.
Und dann war der ganze Abriss für die Katz'.
Wenn ich vielleicht in 3, 4 oder 5 Jahren diesen Post nochmal lese, bin ich sehr gespannt, wie die Dinge weiter liefen...

















Ich für meinen Teil laufe auch weiter, vollende meine geplanten 20 km. Die letzten 4 davon mit etwas seltsamem Druckschmerz unter der linken Fußsohle, dort wo seit einigen Wochen neue Maßeinlagen ihr Werk tun. Komisch, hatte ich noch nie. Ob die sich nicht mit dem eher flachen Laufschuh vertragen...?
Auch das will weiter beobachtet werden.

Kommentare:

  1. Liebe Elke,

    eine Schönheit war Manheim wirklich nicht. Da ist der Abriss ja schon fast eine Gnade und nicht für die Katz :-P Tragisch nur, dass das neue Manheim ja auch nicht gerade eine Augenweide ist :-)))

    Vor ein paar Tagen über 18 km und jetzt schon wieder 20 km? Wo willst Du eigentlich drauf los? :-)

    Drückende Maßeinlagen kenne ich auch noch aus vergangenen Jahren. Ausgeschlossen ist das also nicht. Ich hoffe, dass sich da kein ernsthaftes Problem entwickelt.

    Liebe Grüße
    Volker

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    1. Lieber Volker,
      Manheim mag zwar optisch nicht mit einem bayerischen Prachtdorf vergleichbar gewesen sein, aber es kommt doch auf die inneren Werte an, und das Gemeinschaftsleben wurde dort sehr gepflegt.Jedenfalls zeigt ja das neue Dorf, dass eine Ansammlung schöner Häuser auch kein Garant für einen insgesamt ansehnlichen Ort ist.
      Worauf ich los will fragt der mit den 207 Januar-km? Na ich brauche noch Reife für die Insel! :-P
      Diese Einlagen habe ich seit Dezember und komischerweise ist in keinem der anderen Schuhe ein Problem aufgetreten.
      Liebe Grüße
      Elke

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  2. Liebe Elke,
    das Gedankenexperiment ist ja spannend. Was, wenn sich die ganze Umsiedlung wirklkich als "umsonst" herausstellt? Uiuiui....
    Mittlerweile ist in Manheim ja wirklich mehr nichts, als Häuser! :/
    Deine Sylt-Vorbereitung ist ja voll im Gange! Ich drücke dir jedenfalls die Daumen, dass das Drücken sich nicht wiederholt und du schmerzfrei weiter laufen kannst. :)

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    1. PS: Die Kehrmaschine schlägt aber wirklich alles! :)

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    2. Liebe Doris,
      wir werden erleben, was mit der Kohle, dem Wald und dem Dorf weiter passiert.
      Aber die Straße wird gekehrt, jawoll! ;-)
      Danke fürs Daumen drücken. Ich vermute ja, da dieses Drücken bisher noch nie autrat, dass es eher am Schuh lag, der die neue Einlage nicht mag.
      Liebe Grüße
      Elke

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  3. Liebe Elke, irgendwie absurd-deprimierend deine 20km Strecke, du sammelst im Blog ziemlich viele Bilder von verschwindenden Orten. Zudem ja wirklich wieder viel offen ist und niemand so genau weiß was aus der Region wird.
    Achte auf deinen Fuß, oder besser auf die Einlage ;-)
    Liebe Grüße, Oliver

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    1. Lieber Oliver,
      es ist ja eigentlich immer nur der eine Ort, den ich hier abbilde. Aber der ist reichlich krass. Ja, wer weiß, was nun wird, man darf gespannt sein.
      Klar achte ich auf meine Füße, mein wichtigstes Laufutensil!
      Liebe Grüße
      Elke

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  4. Traurig, traurig, liebe Elke,
    etwas Sterbendes ist immer doof! Aber wenn das Dorf schon sterben muss, dann sollte doch der Hambi erhalten bleiben!
    Mit dem 20er haste doch einen guten Schritt auf Sylt zu gemacht.
    Bleib dran!
    LG Manfred

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    1. Lieber Manfred,
      wir werden sehen und erleben, was mit Dorf und Wald wird. Der Anblick jetzt ist jedenfalls schlimm. Auch wenn später Gras drüber wachsen wird, so oder so.
      Ich denke auch, der lange Lauf war wieder ein guter Baustein für die Insel :-)
      Liebe Grüße
      Elke

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  5. Hallo Elke,
    auch du bist da ja immer nah dran an den großen Ökothemen und mir fällt als Blogbeitrag dazu immer eher wenig ein. Bzw. würde das, was mir zu Braunkohle, Energie(verschwendung), Raubbau an Natur und Ressourcen weltweit etc. einfällt, schnell zum deprimierenden Roman ausarten, den ich dir und anderen Lesern besser erspare ;)
    Die Straßenkehrmaschine allerdings, die ist ein echter Burner :D
    Gruß, Lizzy

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    1. Liebe Lizzy,
      nun ja, wir leben ja quasi an der Kante, da drängt sich das manchmal auf, auch wenn es nicht alle mögen. Deprimierend ist es, keine Frage.
      Aber Hauptsache, die Straßen sind sauber! :-)
      Liebe Grüße
      Elke

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  6. Liebe Elke,
    von morbiden doch ins trostlose. Das Foto mit der Kirch gibt einen guten Überblick der aussichtslosen Lagen. Ich bin tatsächlich gespannt wie diese Geschichte weitergeht, wir werden es wohl in deinem Blog verfolgen können.
    Und auf die Einlage pass auf - nicht dass du dir in der Syltvorbereitung noch eine Verletzung zuziehst.
    Liebe Grüße!

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    1. Liebe Roni,
      die Kirche ist eines der letzten Gebäude, das noch nicht angetastet wurde, wohl innen natürlich schon ausgeräumt.
      Mein gestriger Lauf von knapp 10 km mit den Einlagen, wohl in anderen Schuhen, war wie sonst auch problemlos :-)
      Liebe Grüße
      Elke

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  7. Danke für die Einblicke, auch wenn sie schmerzen. Ich kann es einfach nicht begreifen warum dass alles. Ja, Kohle. Aber es geht ja auch ohne. Vielleicht teuerer, aber doch eigentlich für alle besser...

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    1. Lieber Markus,
      ja genau, die Kohle, aber DIE Kohle, nicht nur das Schwarze unter der Erde...
      Ich schätze, am Ende wird es auf alle Fälle teuer und die nach uns werden es ausbaden müssen...
      Liebe Grüße
      Elke

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  8. Sogar das Weltall scheint einen speziellen Geruch zu haben. In einer Doku von Alexander Gerst erzählt er, dass die Dinge, die direkt aus dem All in die ISS kommen, nach Walnuss riechen!

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    1. Stimmt, das hatte ich auch gelesen. Ja, die Nase schaut mit ;-) Aber wer hat die Nuss ins All gebracht...?
      Liebe Grüße
      Elke

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  9. Liebe Elke,
    oh, die Kehrmaschine ist wichtig! Super wichtig! Auch wenn abgerissen wird, in einem ordentlichen deutschen Dorf wird die Straße gefegt. DAS MUSS SEIN :-))))
    Die Bilder stimmen ein wenig traurig, trostlos. Wäre natürlich echt der Hammer, wenn das Dorf ganz umsonst abgerissen worden wäre.
    Ich werde das ja hier verfolgen :-)
    Hoffentlich hat sich der Druckschmerz am Fuß verflüchtigt.
    Liebe Grüße
    Helge

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    1. Liebe Helge,
      der Druckschmerz ist weg, war er gleich schon nach ausziehen der Schuhe.
      Tja, was nun dort aus Dorf und Kohle wird...? Wir werden es erleben und ich werde berichten. Aber nur von sauber gefegten Dorfstraßen!
      Liebe Grüße
      Elke

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