Sonntag, 20. Dezember 2015

Fürstlich gelaufen

Heute müssen wir nochmals auf den Weihnachtsmarkt in Brühl (bei Köln), weil ich dort letztes Wochenende einen sehr gut sortierten Stand mit Ersatzteilen für erzgebirgischen Weihnachtsschmuck entdeckt hatte. Der Standbetreiber gab mir Tipps, wie ich meine seit 20 Jahren laufunwillige, innigstgeliebte dreistöckige Pyramide erfolgreich wieder flott bekam und nun kehre ich noch mit genauen Maßangaben zurück, um die Pyramide auf Teelichtbetrieb umzurüsten.
Und laufen will ich ja auch noch... Da kommt mir der Gedanke, dies doch gleich in Brühl zu tun. Denn dort gibt es einen ganz wunderbaren Park um ein sehr stattliches Schloss herum.

Schloss Augustusburg, gebaut von Kurfürst Clemens August I, einem Wittelsbacher (!), vor den Toren von Köln.
So traben wir gemütlich durch den recht weitläufigen Park.










Das Schloss wurde nur als Sommerresidenz erbaut, für ca. 4-6 Wochen pro Jahr.
Da dies anscheinend nicht ausreichte, ließ Clemes August zusätzlich ein paar Laufminuten weiter ein Jagdschlösschen errichten, zu dem diese Allee führt.








Schloss Falkenlust. Wie der Name verrät, für die Falkenjagd errichtet.










Und wenn Augustusburg und Falkenlust zu stressig waren, konnte der Kurfürst noch seine kleine Kapelle zur Kontemplation aufsuchen.











Die Ornamente der Außenwände sind mit Muscheln gestaltet.












Zurück geht es von Falkenlust und Kapelle wieder Richtung Park. Wir überqueren eine Brücke mit grobem Pflaster, über das gut noch die kurfürstliche Kutsche geholpert sein könnte.















Immer wieder ergeben die Achsen des Wegenetzes Ausblicke und Perspektiven. Einige wenige Läufer und Spaziergänger sind unterwegs.












Besonders auffällig, auch akkustisch, sind die vielen Kanada-Gänse. Ziemlich schreckfrei spazieren sie umher und lauern wahrscheinlich auf Fütterung.












Inzwischen haben wir den Park grob einmal umrundet und nähern uns dem Schloss von der Orangerie her.










Vor Jahren habe ich einmal eine Führung mitgemacht und wenn ich nicht irre, müsste im 1. OG in der Mitte hier das Schlafgemach des Fürsten sein.












Der Ausblick geht an dieser Stelle auf den zu dieser Jahreszeit nicht ganz so attraktiven Rokokogarten.












Detail der Fassade. So ändern sich die Schönheitsideale. Aber Magermodells könnte ich mir hier nicht so gut vorstellen...










Ich will eine Stunde Laufzeit vollmachen, so laufen wir nochmals durch den Park.
Meinem eidgenössischen Ehemann ist inzwischen gut warmgeworden, wie man sieht.











Blick auf die Ostseite mit dem Ehrenhof. Früher, als es noch 2 Deutschlands gab und unser Teil von Bonn aus regiert wurde, gab man hier Staatsempfänge. Viele gekrönte Häupter und gewählte Mandatsträger wurden in Brühl empfangen.
An der Stelle möchte ich erwähnen, dass Clemens August noch einen "Zweitjob" hatte, er war Erzbischof von Köln. Mit dem Schlossbau begann er bereits im zarten Alter von 25 Jahren. Dagegen ist doch ein gewisser Bischof Tebartz-van Elst ein Anfänger gewesen... In Köln war man wahrscheinlich nicht ganz unfroh, als der Kurfürst verschied, denn damit endete eine seit dem 16. Jahrhundert bestehende Herrschaft der Bayern (!) über das Kurfürstentum Köln...

Nach dem Lauf noch rasch ein kurzer Abstecher in die Brühler Gässlein. Hier war mir eine Entenliebhaberei der speziellen Art aufgefallen.




Auf der Heimfahrt erfreut mich mein Auto noch mit dieser Schnapszahlanzeige seiner vielen gelaufenen Kilometer. Brav wie es mir immer dient, genau an einer roten Ampel, so dass Zeit fürs Foto ist. Ich möchte auch noch die nächste Schnapszahl mit meinem treuen Gefährt erleben!








Wir hatten einen schönen Lauf in ungewohnter und abwechslungsreicher Umgebung. Wenn auch die ungewohnte Witterung (ich hätte auch hier und da noch Gänseblümchen fotografieren können) nach wie vor nicht adventlich ist. Mit meinem Puls bin ich relativ zufrieden. Mit den vielen Fotostopps hielt er sich im Rahmen

11 Grad, 9,6 km, 1:00:44, (6:19 Min/km), HF 135

Kommentare:

  1. Tolle Umgebung für einen Lauf, liebe Elke! Nicht schlecht haben sie gelebt, diese Wittelsbacher, gar nicht schlecht! Eine Orangerie hätte ich ja auch gern ... aber nur mit dem nötigen Personal dazu! ;-)

    Liebe Grüße und noch einen schönen 4. Advent,
    Anne

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Liebe Anne,
      ja, damals wurde nicht gekleckert... Orangerie ginge ja noch, aber ich will nicht wissen, wieviel Arbeit da auch heute noch der Schnitt der Buchsbaum-Beeteinfassungen und die Beetbepflanzung machen. Gleich neben dem Park ist übrigens die riesige, schlosseigene Gärtnerei.
      Liebe Grüße
      Elke

      Löschen
  2. bombastisches Laufrevier! Sehr edel - wer sich hier ein Knie aufschlägt, verliert vermutlich schon aufgrund des Ambientes blaues Blut ;-)

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Liebe Lizzy,
      ja, da nimmt Läuferin doch gleich grazilere Körperhaltung an ;-)
      Liebe Grüße
      Elke

      Löschen
  3. Liebe Elke,
    tolle Idee! Das ist doch mal eine Abwechslung in der Laufumgebung. Da sieht man mal wieder, wie praktisch doch unser Hobby ist, lässt sich einfach überall erledigen und so ganz nebenbei auch noch mit Sightseeing verbinden. :D
    Die Kilometeranzahl ist toll! Ich wäre vermutlich nicht mehr weitergefahren, wenn ich sie erblickt hätte!

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Liebe Doris,
      ja das stimmt, man sieht laufend viel mehr von der Welt, auch wenn sie in der näheren Umgebung ist, als im Auto oder gehend. :-)
      Nicht mehr weitergefahren?! Wir wollten aber wieder nach Hause kommen ;-)
      Liebe Grüße
      Elke

      Löschen
  4. Hat ja mal was, so Prunk und Gloria vergangener Zeiten, liebe Elke.

    Speziell wenn Chris dazu einen so wunderbaren, quietschgelben Kontrapunkt setzt!

    Glückwunsch an den TT für die 222.222 und weiterhin allzeit gute Fahrt!

    Liebe Grüße
    Volker

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Lieber Volker,
      vor allem innen ist Augustusburg ein Wahnsinn in Prunk und Gold. Gell, bei solch trübem Wetter geht nichts über gelb und grün.
      Danke für die guten Wünsche, an mir solls nicht liegen :-)
      Liebe Grüße
      Elke

      Löschen
  5. Liebe Elke,

    Brühl, da hab ich mal 1 Jahr auf meiner Lebensreise von der Eifel nach Köln gewohnt und hab es gut in Erinnerung. Danke fürs Mitnehmen, die Schlösser hab ich mir nie so genau angesehen.

    Neue Laufumgebung ist immer schön. :-) Und 222.222 Kilometer ist ne stolze Leistung für ein Gefährt, auf dass es die 333.333 erreichen möge.

    Gruß
    Anja

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Liebe Anja,
      oh, nie die Schlösser geschaut? Naja, ist wahrscheinlich etwas, was man nur "mit Besuch" macht. Lohnt aber.
      An den 333.333 arbeite ich ganz hart, danke!
      Liebe Grüße
      Elke

      Löschen
  6. Was war der Pyramidentrick? Öl ins Lager?
    Und warum willst du auf Teelichter umrüsten? Dafür hat der alte Seiffener nicht stundenlang an dunklen Winterabenden mit wunden Händen geschnitzt und gedrechselt!
    ;-)

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Der Trick war, dass die Pyramide absolut waagerecht stehen muss. Eigentlich einfach. Ansonsten hätte noch das Glaslager, in dem die Spitze dreht, ein wunder Punkt sein können.
      Der Urheber unserer Pyramide hat überwiegend Laub gesägt (oder heißt das gelaubsägt?) und nur die Kerzenhalter sind gedrechselt. Aber irgendwie wollten die Kerzen nie zuverlässig in den kleinen Blecheinsätzen (ist noch original "sozialistische Friedensware") halten und gern kippte mal eine um. Schlecht, wenn sie gerade brennt. Die Umrüpstung dient ja nur der weiteren Betriebssicherheit und Erbauung am Objekt!
      Liebe Grüße
      Elke

      Löschen