Sonntag, 9. Mai 2021

Wings for Life Run 2021

Kurzentschlossen haben wir uns zum Wings for Life Run angemeldet, einem Charity-Lauf für Forschung zur Querschnittslähmung. Virtuelle Austragung natürlich, aber auch wenn die Bedingungen nicht optimal waren - die Herausforderung tat gut!
Erstaunlich, der Lauf ging in die 8. Austragung, aber bisher fand er sich nicht auf unserem Radar. Schade, denn die besondere Art der Herausforderung macht Spaß. Zum exakt gleichen Zeitpunkt laufen alle weltweit los. Das ist in Deutschland 13 Uhr, während in anderen Ländern gerade Nacht oder Abend oder Morgen ist. Und "alle" sind in dem Fall rund 184.000 Läufer*innen. Unglaubliche Vorstellung! 
Man rennt also in seinem Tempo und von hinten naht das Catcher Car, ein Verfolgungsauto, das mit immer schnellerem Tempo das Feld von hinten aufrollt. Ziel ist, diesen Zeitpunkt möglichst weit hinauszuzögern. 
Bilder von der "Startaufstellung"... entspannt wie sonst selten. 😀



Der Lauf erfordert die Nutzung einer App. Die haben wir jeder mit unterschiedlichen Mühen installiert. Leider kann ich keine Musik generieren. Zwar ist ein Streamingdienst eingebunden, doch man erfährt erst kurz vor dem Rennen, dass dies eine Registrierung auf dessen Plattform voraussetzt, und dazu will ich mich nicht auf die Schnelle drängen lassen. 
Dafür wird andere Motivation geboten. Eine halbe Stunde vor dem Start noch Hinweise und Interviews rund um den Lauf. Und dann nach dem Start alle 500 m Motivationssprüche von Frank "Buschi" Buschmann, einem Sportreporter und Moderator. Man mag ihn, oder man mag ihn weniger. Aber die Sprüche, die er heute raushaut, lassen mich des öfteren grinsen und lachen.
Und noch ein anderer meldet sich via App, der Fahrer des Catcher Cars. Er kündigt an, wie sehr er sich schon freue, mich einzukassieren. Dies mit Stimme und Timbre der Gangster in den guten alten Westernfilmen, wenn sie den Überfall auf die Postkutsche ankündigen und sich in den Hinterhalt legen. Holla, das wird lustig.
Gar nicht lustig ist, dass ich keine Sonnencreme daheim habe, und das bei teils blauem Himmel. Wie blöde... Zudem wird es sauwarm. Da freut man sich über den Wind, der etwas Luft ventiliert, noch.
Aber erst einmal starten wir.
Als Laufstrecke haben wir uns für Feldwege entschieden. Dort würden wir von Muttertagsflaneur*innen verschont bleiben.

Für mich die übliche Perspektive, mein Mann ist schon nach 200 m gut vor mir.


Eine lustige Begegnung bei km 2. Von weitem sehe ich einen Läufer mit einem älteren Radler neben sich nahen. Irgendetwas sagt mir, die laufen beim gleichen Event. Als sie sich nähern, sehe ich den Korb mit Getränken auf dem Gepäckträger des Rades, der etwas jüngere Läufer trägt seine Wings for Life Startnummer und ein Veranstaltungsshirt. Sie kommen mir grinsend entgegen, ebenfalls ahnend... Ich rufe ihnen zu, ich sei auch dabei, hebe den Daumen und wir passieren uns lachend.

Meinen Mann sehe ich an dieser Stelle gerade gaaanz am Ende, wo der Weg hinter dem gelben Feld verschwindet. Immerhin, hier können wir mehrere km Rückenwind genießen. Und der ist seeehr kräftig.


Mein Tempo ist mit 5:30 - 5:45 eigentlich zu hoch. Wie so oft, gelingt mir das Bremsen nicht. Inzwischen hat der Catcher Car Fahrer in seiner leicht diabolischen Weise seinen Start verkündet und seine Freude,  nun das Feld von hinten aufzurollen.
Km 6. Ich merke, dass es heute sehr hart wird. Auch wenn "Buschi" sich echt Mühe gibt und meinen gazellenartigen Lauf  über den grünen Klee lobt. Meine Waden seien so stahlhart, da würde bei der Sicherheitskontrolle am Flughafen der Metalldetektor anschlagen. Und eine Granate bin ich auch noch.
Könne sein, dass heute Abend noch der Bundespräsident anrufe, um zu gratulieren...
Au weia.
Chris ist mal wieder kurz vor mir, weil er einen Schlenker eingebaut hatte. Hier ist kurz Seitenwind und gibt Kühlung.


Km 7. "Buschi" verkündet, Gas, Öl Kohle, Photovoltaik war alles gestern, das Kraftwerk sei ab heute ich. Uiuiui, da muss ich gerade mal unser Kraftwerk dokumentieren, weil es meinem Zustand entspricht: Keinerlei Dampf in der Turbine. Die Hitze schafft mich. Und nun bläst der Wind auch noch die Wolken weg und die Sonne knallt herunter. 



Der Vorteil auf dem platten Land ist ja, dass man weit schauen kann. So meine ich, auf einem Parallelweg nochmals den Läufer mit Radbegleitung zu sehen, aber wir begegnen uns nicht mehr.
Bei km 8,5 muss ich auf eine Strecke genau gegen den Wind einbiegen. Oh je, welch ein Kampf! Andere Radfahrer haben auch zu tun und müssen sich kräftig in die Pedale stemmen, um voranzukommen.
Der Catcher Car Fahrer hatte mir inzwischen schon verkündet, er sei nun nur noch 3 km hinter mir ... das löst interessanterweise sogar einen kleinen Schauder aus.
Aber "Buschi" hält dagegen, wenn die Menschheit sich zu anderen Planeten aufmache, wäre ich ganz vorn dabei, bei der Elite ... Das ist zwar nett gemeint, gehört aber dennoch in die Kategorie "Fake News" wie die Nachricht, Usain Bolt & Co könnten nun einpacken...


Ich komme aus meinem Tief nicht mehr recht heraus.
Und dann ist es soweit, die knarzende Banditenstimme verkündet mir, das Verfolgerauto ist auf 500 m heran. Dann wäre es nun da hinten, am Ende der Allee...:


Noch 300 m....
"Buschi" brüllt, ich soll spurten, der hat gut reden.


Noch 150 m ...
"Buschi": "Hau alles raaauuuuus!"


Ende. Autohupen, ich bin eingeholt. 12,5 km in 1:22 habe ich geschafft. Weniger als geplant und langsamer als gedacht. Aber es ging nicht anders. Es gibt Applaus und noch viele nette Abschieds- und Dankesworte für die Teilnahme.
Chris läuft noch und wird nachher 21 km in etwas über 2 Stunden durchhalten. Auch für ihn nicht das Wunschresultat. Aber er darf noch hören, dass Houston wegen ihm ein Problem habe, die "Rakete ist nicht mehr zu stoppen"...


Und von hier muss ich auch noch über 2 km heim. Das wird kein lockeres Auslaufen, es ist eher ein Heimwärts-schlurfen. Immerhin komme ich damit auf 15 km, was ich mir eigentlich vorgenommen hatte. Bei der Gelegenheit kann ich doch noch einen Versuch der Windfotografie starten. Es war wirklich verdammt windig. 


Das Thermometer daheim zeigt dann auch die andere Wetterkomponente deutlich an. Wäre es kühler gewesen, wäre mehr möglich gewesen, da sind wir sicher.
Beide fühlen wir uns gerädert wie sonst nach viel längeren Läufen, verrückt.


Dennoch, es hat Spaß gemacht, sich mal wieder so richtig zu plagen.
Und nächstes Jahr werden wir die Revanche starten. Dann werden wir es dem Kerl hinter dem Lenkrad aber zeigen, Gas geben im Sitzen kann schließlich jeder!
In der Rangliste finde ich mich auf einem 57tausender-Platz, von 184.000 Teilneher*innen, in meiner AK 107. von rd. 800. Das sieht dann doch nicht sooo schlecht aus und motiviert nochmal mehr.



Kommentare:

  1. Liebe Elke,
    das ist ja wirklich, als wären wir gemeinsam gelaufen. Ganz ähnliche Wetterbedingungen und die (hüstel) Motivationssprüche kommen mir auch sehr bekannt vor.
    Gratulation an euch beide zu eurer tollen Leistung! Für Rekorde war das Wetter (bzw. die Vorbereitung darauf in den letzten Wochen und Monaten) einfach nicht gemacht.
    Ich hatte den großen Vorteil, dass Werner mit seinen Eltern (Muttertagsbesuch) und Chaya an der Strecke stand, was mir 2x die Gelegenheit bot, kurz stehen zu bleiben und mit ihnen zu plaudern. :D

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    1. Liebe Doris,
      hihi, genau, nur konnten wir uns nicht persönlich noch Glück wünschen! War ein spezielles Gefühl insgesamt zu wissen, wieviele gerade noch unterwegs sind.
      Hey, du hattest noch persönliche Motivationsgäste - super! Auch dir Glückwünsche fürs Durchhalten! Und ihr ward ja auch noch ein großes Team, super!
      Danke und liebe Grüße
      Elke

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  2. Liebe Elke
    Ah, so läuft das also mit diesem Wings for Life-Lauf! Eine tolle Sache. Auch schön, dass sie es technisch so hingekriegt haben, dass die Buschi-Sprüche auf den kleineren werdenden Catcher-Car-Abstand entsprechend dringlicher werden.

    Das habt ihr super gemacht, inbesondere bei diesem heissen Wetter mit starkem Wind. Das muss sehr schwer gewesen sein!

    Ist das eigentlich auch in "normalen" Jahren virtuell?

    Liebe Grüsse aus dem sonnigen und kühlen Cape Town!

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    1. Liebe Catrina,
      ja, wenn man mitläuft wird das Prinzip dann klarer. Ich fand die technische Umsetzung ganz schön herausfordernd, dafür hat es gut geklappt.
      Ach es war wirklich sehr schwer, aber umso erfreuter sind wir über unsere Platzierungen. Wobei es auf die nicht so ankommt. Dabei gewesen zählt!
      Der Lauf hat schon seit Jahren eine virtuelle Variante, man kann sonst aber auch in großen Städten an echten Läufen teilnehmen, wie ich bei Wikipedia las.
      Liebe Grüße aus dem heute wieder nur noch lauwarmen aber immer noch sehr windigen Rheinland
      Elke

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  3. Liebe Elke, da habt ihr also dieses Jahr mitgemacht :-) Ich habs mir aus bekannten Gründen ja verkniffen, wäre aber echt gerne eine ordentlich Strecke gerannt. Das plötzlich viel zu warme Wetter hatte mich dann zum Glück auch noch vor spontanen Dummheiten bewahrt. Ihr beide habt euch tapfer geschlagen, und überhaupt gehts ja ums Mitmachen. Die Motivationssprüche fand ich allerdings letztes Jahr ultranervig, da muss man schon hart drauf sein :-)
    Also, gut gemacht! Und schon wird es wieder kühler :-)
    Liebe Grüße, Oliver

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    1. Hallo Oliver,
      du hast dir dann kein schlechtes Jahr zum Aussetzen ausgesucht, was das Wetter angeht. Aber ansonsten eine motivierende Sache. Hihi, was die Sprüche angeht, da habe ich dann immer schon gelauert, was 500m weiter wieder kommt ;-)
      Heute wäre es schon besseres Wetter gewesen.... und morgen noch mehr ;-)
      Danke und liebe Grüße
      Elke

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  4. Das liest sich nach einer recht gut organisierten und programmierten Sache, bei der die Gestalter der Software vielleicht auch so viel Spaß hatten wie die Läufer auf der Strecke.

    Zur super Platzierung, liebe Elke, meine Glückwünsche und vermutlich sind die meisten, die noch vor dir rangierten, bei perfekt-kühlem Wetter eine Bergabstrecke mit Rückenwind gelaufen ;-)

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    1. Liebe Lizzy,
      danke. Ha, genau solche Vermutungen bezüglich besserer Läufer hatte Chris auch ;-)
      Liebe Grüße
      Elke

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  5. Na Du stahlharte, Usain Bolt in den Schatten stellende Rakete!

    Ich hätte wohl kaum Strecke machen können, weil ich mich bei den Sprüchen wahrscheinlich gekrümt hätte vor Lachen :-)

    So ein Heißluftföhnwetter ohne jegliche Vorwarnung war aber nach den vielen kalten Wochen auch gemein und sehr höchstleistungsfeindlich. Umso beachtlicher Dein Abschneiden bei diesem weltweiten Lauf. Ich gratuliere!

    Hier war es gestern zwar nicht so windig, dafür aber extrem schwül, ich weiß nicht was da besser gewesen wäre.

    Hoffen wir mal, dass Ihr kommendes Jahr die Revanche als realen Lauf durchführen könnt!

    Liebe Grüße
    Volker

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    1. Lieber Volker,
      den ganzen Müttern sei das Wetter vorgestern gegönnt gewesen. Aber nächstes Mal bestellte ich was anderes! Lauf doch dann einfach mit und du kommst auch in den Genuss der ganzen munteren Sprüche! Von daher mache ich das auch gern wieder virtuell, gibt ja -hoffentlich- genug "normale" Läufe
      Danke und liebe Grüße
      Elke

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  6. Liebe Elke,

    erst einmal herzlichen Glückwunsch euch beiden, fürs Mitmachen, Durchhalten und die durchaus guten Leistungen! Bedenke bitte, dass alleine der Wind nicht nur Strecke, sondern auch Power gekostet hat. Die hohen Temperaturen zehren auch deutlich mehr, als einem bewusst ist. Also, super gemacht!

    Ich kannte den Lauf seit seinen Anfängen, aber aus 2 sehr naheliegenden Gründen. Zum einen hatte ein ehemaliger Kollege den Zuschlag als Organisator erhalten. Er "quittierte" vor längerer Zeit seinen Lehrerjob, um mit einer Laufevent-Agentur seine Brötchen zu verdienen. Da er in Darmstadt zuhause war, stieg in den ersten beiden Jahren der "deutsche Lauf" in Darmstadt, später ging es nach München; inzwischen ja auch virtuell. - Im ersten Jahr hatte ich sogar Schüler als Streckenposten rekrutiert. Dann wurde wegen des Catcher Cars die Strecke verändert und nix wurde aus der "Schülerhilfe". - Für mich wurde nie was aus einer Teilnahme, da der Mai immer der stressigste Monat in meinem Lehrerjahr war, manchmal war ich auf Fahrt.

    Ein Ultraläufer unseres Lauftreff hat in einem der ersten Jahre 57 km geschafft. Als ich das gehört habe, wäre ich fast im Erdboden versunken! Wahnsinn!

    Gregor hatte damals aber viel bessere Bedingungen als ihr ... und ist bestimmt auch bergab gelaufen! *grins* LOL

    LG Manfred

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    1. Lieber Manfred,
      das sind ja sehr interessante Hintergründe zum Lauf. Aber dass du dann noch nicht die Gelegenheit zur Teilnahme hattest... - das muss sich ändern!
      Es ist ja der Wahnsinn, wieviele Teilnehm*innen man diesmal zusammenbrachte. Das Konzept scheint viele zu animieren, mal etwas anderes.
      Chris grübelt auch schon über eine Streckenoptimierung nach.;-)
      Liebe Grüße
      Elke

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