Sonntag, 25. Juni 2017

Hellwach am Morgen

Bevor ich mich auf den langen Lauf des Tages machen kann, gabs gehörigen Schreck am Morgen. Stelle ich doch erstmals im Leben fest, dass da eine Zecke an mir saugt! (Das Biest, das mir vor 2 Jahren die Borreliose verpasste, habe ich ja nicht bemerkt).
Spinnen bringen mich nicht zum Kreischen, Mäuse finde ich süß, aber dieser Schmarotzer  -
A L A R M !
Ich habe mir ja extra auf Anraten meiner Ärztin eine Zeckenkarte zugelegt, und gut weggetan, damit ich sie dann habe.
Gut weggetan...
Ich grabe die erste Schublade um, dann die zweite, und die dritte. Und dann in meiner Hektik wieder von vorn. Ich finde sie nicht. Ok, dann muss eben der grobe Greifer ran, der eigentlich für die Zeckenentsorgung bei den Katzen gedacht ist. Mit diesem Ding entfernt mir mein Mann den Vampir aus der Kniekehle.
Dank der einsetzenden leichten Beruhigunng finde ich die Karte dann auch wieder.
Und tue sie gut weg, damit ich sie demnächst dann zur Verfügung habe...


Doch ein weiteres sehr hilfreiches Utensil habe ich zur Hand. Die Zeckenbissstelle juckt nämlich und brennt.
Normalerweise ist der Bite away-Stift für Mücken- und andere Stiche gedacht. Und da wirkt er richtig klasse, besser als jede Salbe. Ich probiere ihn an der jetzigen Stelle aus. Siehe da, kein Mucks mehr!






Dieser Stift arbeitet mit Batterien. Er hat vorne eine kleine Platte. Die hält man auf die Einstichstelle, drückt den Knopf, und die Platte erhitzt sich für wenige Sekunden. Es fühlt sich an, wie ein Nadelpiekser. Aber wenige Minuten danach hat man keine Pein mehr!
Da ja nun die Freiluftsaison läuft, möchte ich dieses Gerät absolut empfehlen (Nicht gesponserte Aussage).





Natürlich werde ich die Zeckenstelle die nächste Zeit gut im Auge behalten. Und hoffentlich wird nicht schon wieder das Anti-Borreliose-Programm fällig.
(Hab' mir gerade 3x an den Kopf geklopft).

Solcherart hellwach geweckt starte ich bei sehr kräftigem Wind.
Erst gehts in die Nachbarstadt, mal wieder Post einwerfen. Habe eh' den Rucksack dabei, um nicht ohne Flüssigkeit laufen zu müssen.


Anschließend trabe ich weiter ins ehemalige Tagebaugelände bei Bergheim. Ich bin ziemlich allein unterwegs. Die Wolken nehmen zu. Gottseidank, denn sonst wäre es wohl wieder zu warm. Doch der Wind kühlt in den schweißnassen Sachen auch ziemlich aus. Und hier oben ist kaum Windschutz.















Man kann sehr weit sehen, ganz hinten am Horizont sogar die Ausläufer der Eifel. Ein seltener Anblick, der meist Wetterwechsel anzeigt.





















Auch die Sophienhöhe rückt optisch viel näher, als sie in Wirklichkeit ist. Ich umrunde einmal das Areal auf gut angelegten festen und teils asphaltierten Wegen.
Plötzlich endet der breite Weg vor einem Gestrüpp. Kopfkratz... So was Blödes. Ich luge zwischen den Blättern hindurch.
Da ist doch ein Weg...

...an einer Wand entlang. Aus früherer Lauferfahrung wird mir klar, dass dies die Begrenzung eines Gestüts ist, und das ist ziemlich groß. Da ich nicht zurück will, nehme ich halt den Weg. Der bald enger wird, als auf dem Bild, und von Brennnesseln und dornigen Zweige eingerahmt wird. Ich erinnere mich an frühere Zeiten: Beim Gummitwist sprangen wir auch von oben auf das Hindernis. Also hopp und hopp und hopp...
Nach einer Weile gelange ich auf eine Art Feldweg und wähne mich gerettet.








Aber nur, bis dieser Weg auch wieder mutiert zu einer Art Biotop.
Ich trippele durch das hohe Gras und fühle richtiggehend Batterien und Battalione von saugenden und stechenden Insekten auf mir herumkrabbeln und sich um die besten Einstichstellen zanken... Nun ja, die Erfahrung des Morgens sitzt mir eben noch arg im Nacken.
Endlich sehe ich menschliche Hinterlassenschaften auf dem Weg, gebrauchte Papiertücher. Zwar kein schöner Anblick, aber da die Urheber sicher nicht wie ich durch die Botanik getappert sind, vermute ich, vor mir liegt etwas wie eine Zufahrt.
Richtig, auch ohne Pfadfinderausbildung kann frau zurechtkommen. Es naht ein Parkplatz und dann der nächste Ort.
Ungefähr da, wo vermutet, komme ich in die Zivilisation zurück.
Zwar fürchte ich, dass ich weit mehr als die noch notwendigen Restkilometer bis zur heimischen Haustür brauchen werde.
Doch, hossa, Maßarbeit, bis auf 100m genau treffe ich den Zielpunkt :-)
Ansonsten sehr gemütlicher Lauf, und dennoch wieder die Vorgabe (7:54 Min/km) unterboten

20°, 22 km, 2:36:32, (7:06 Min(km), HF 129

Kommentare:

  1. Liebe Elke,
    eeek! Diese fiesen kleinen Blutsauger braucht ja wirklich keiner!!! Gut dass du sie gleich wieder losgeworden bist.
    Und darauf gleich ein abenteuerlicher Lauf mit Wildnis-Touch! Ich dachte immer, du lebst in der Großstadt. ;) Aber dein Orientierungssinn ist scheints durch nichts zu täuschen. Gut gemacht!! :)

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    1. Liebe Doris,
      wir leben im Speckgürtel, der um die Großstadt herum liegt. Und der ist auch sonst gut ebaut, bis auf wenige Ausnahmen, wie dieses Gelände. Und mein Orientierungssinn funktioniert meist recht verlässlich.
      Liebe Grüße
      Elke

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  2. Bei euch in der Gegend sind die doch so gut wie nie infektiös ... und das sage ich mir selber für Neubrandenburg auch ... denn ich hatte eine als blinden Passagier an Bord und erst morgens bemerkt, dass sie sich neben der Kniekehle festgesaugt hatte. Da auch einige Mücken zugeschlagen hatten, fiel die Zecken-Juckstelle zunächst nicht gesondert auf. Das wird schon gut gehen bei uns beiden *mit auf Holz klopfend*

    Wobei ich bei der Entfernung sowohl was die Katzen (die, wie mir gerade auffällt, in diesem Jahr noch nicht eine Zecke mitgebracht haben ) als auch was mich angeht, auf die gute alte und schnörkellose Pinzette setze bei der Entfernung und auf Zwiebelsaft gegen die Juckerei. Irgendwie bin ich da altmodisch ;)

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    1. Liebe Lizzy,
      darauf setze ich auch, dass die Nord-Zecken weniger Keime mitbringen!
      Zwiebelsaft habe ich noch nicht probiert, wohl davon gehört. Der Stift ist eben einfacher in der Handhabung und reizt nicht zu Tränenfluss. Aber sollte mal die Batterie alle sein, probiere ich Zwiebel!
      Liebe Grüße
      Elke

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  3. Haha, der Weg war also "markiert".
    Kein Wunder, dass du dir Zecken holst, wenn du so trailig durchs Unterholz rennst. Toi, toi, toi!

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    1. Naja, man KANN es auch Markierung nennen... Und da die Zecke ja schon vorher da war, kams nicht mehr darauf an. Ich wollte mich auch mal wie ein Trailrunner fühlen ;-)
      Danke Dir und liebe Grüße
      Elke

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  4. Öhmmmmmmm, liebe Elke, beim ersten Blick auf diesen Post und den Bildern von diesem "Gerät", dachte ich erst an etwas ganz anderes :-))) Kannst Du Dir denken an was? :-P


    Zecken finde ich auch ätzend, mich hatten dieses Jahr schon insgesamt vier am Wickel, die ich mir am Badesee eingefangen habe. Ein ungutes Gefühl habe ich dabei auch immer, aber ich hoffe doch sehr darauf, dass die Mistviecher sich bewußt sind, in welchen Breitengraden sie sich aufhalten.

    Liebe Grüße
    Volker

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    1. Lieber Volker,
      Du bist ja mal wieder einer! Freud, Dein zweiter Vorname ist Volker...;-)
      Schon 4 Zecken hattest Du?! Entweder lümmelst Du da im Unterholz herum, oder hast Du besondere Lockstoffe im Blut? Eigentlich sollte die Infektionsgefahr in unseren nördlichen Breiten geringer sein, aber weg ist sie nicht und der Zufall hat kein Gedächtnis. Drücken wir uns also die Daumen und achten schön drauf, dass da kein roter Fleck wächst!
      Liebe Grüße
      Elke

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  5. Liebe Elke,

    was macht frau denn mit einer Zeckenkarte? Ist das ein Dingen wo verschiedene Zecken drauf abgebildet sind, so dass man weiss was einen beisst. Wenn du sie früh erwischt hast, sollte die Gefahr klein sein. Toi toi toi.
    Gesehen der Tempovorgabe machst du wohl wieder Marquardt. Hast du das für gut befunden als Plan?
    Herzliche Grüße!

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    1. Liebe Roni,
      diese Karte (auf dem Bild das durchsichtige Plastikteil)hat an einer Ecke eine Kerbe. Man schiebt also die Karte so auf der Haut zur Zecke, dass die Kerbe die Zecke umschließt und dann kann man das Tierchen damit abheben. Sollte noch ein Rest in der Haut stecken, ist noch eine feinere Kerbe dran zum Nachfassen und es gibt eine Lupe, mit der man sich ggf. die Stelle genauer ansehen kann. Die Karte ist so dünn und hat das Format einer Scheckkarte, passt also gut in die Tasche.
      Ja, richtig erkannt, ich laufe nochmals nach Marquardt. Zumal ich ja in Prag leider nicht den Erfolg des ersten Marquardt-Trainings erkennen konnte (der Magen verhinderte das), möchte ich nochmal damit arbeiten. Nun, der Plan ist länger (16 Wochen), so dass ich das Gefühl habe, das bringt mehr, als nur ein 10 Wochen-Plan, bei dem man zuvor vielleicht schluderig nach eigenem Gusto trainiert hat. Aber beim Vergleich der 10 Wochen vor dem Marathon packt Marquardt mehr km rein, als z.B. Steffny, und er integriert gleich Laufkraftübungen und Lauf-ABC. Dafür ist der lange Lauf viel langsamer angesetzt. Ich denke, es ist letztendlich Geschmackssache.
      Danke und liebe Grüße
      Elke

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