Donnerstag, 12. September 2013

Bad run day

Heute verlangt mein Plan von mir 6 km à 5:55 Min/km. Eigentlich kein Thema, aber dann irgendwie doch. Ich fühle mich schon den ganzen Tag müde, hätte schon auf dem Heimweg vom Büro in der S-Bahn glatt ein Nickerchen halten können. Aber nichts da, ich laufe ja nicht zum Vergnügen ... sondern will in knapp 5 Wochen den Kölner Halbmarathon bestreiten.
Also rasch die Kleidung gewechselt, ja nicht erst hingesetzt, sondern gleich in die Laufschuhe und los. Aber ich merke gleich, das wird nicht mein Tag heute."Bad run day" statt "bad hair day".
Da kann auch die nochmals frische Farbe an den Füßen keinen Schwung bieten. Ich hatte ein jüngst erworbenes Laufschuhpaar (nicht die "Weihnachtsschuhe", die bleiben bei mir) wieder im Laden zurückgegeben. Ich gehöre zu den Menschen, die erst nach einigen Test-km unter Echtbedingungen wirklich nachhaltig erkennen können, ob ein Schuh ihnen liegt, und das war bei diesen Exemplaren letztendlich doch nicht der Fall. War aber alles kein Problem und so trug ich heute nochmals "neu", diesmal in lila.
Aber ich hätte Wunderschuhe tragen können, meine Beine laufen einfach unrund und eckig. Kein Wunder, dass dabei auch die Pulsuhr laufend schwankende Werte zwischen 5:25 und knapp über 6 Min/km anzeigt. Ich muss mich auch ganz schön ranhalten und komme mit Ach und Krach auf den geforderten Wert, das Ein-/Auslaufen fällt maximal knapp aus.
Ich glaube, gleich folge ich dem Sandmann..... mein Kopf wird schon ganz schwer ... gähn....

16 Grad, 6,8 km 41 Min, (6:00 Min/km), Puls 146

Dienstag, 10. September 2013

Heute nur Snack

Nach meinem "Longrun spezial" von vorvorgestern (Post) war das nach Trainingsplan geforderte Soll richtig dünn: 3 Intervalle à 1000 m zu je 5:20 Min/km, dazwischen 400 m Trabpausen. Ein Snack im Vergleich zum "Gelage" 2 Tage zuvor.
Ich denke, das kleine Pensum kann die Regeneration der 24,4 km nicht beeinträchtigen und entscheide mich, den Plan genauso umzusetzen. Schon beim Warmlaufen muss ich mich gegen den Wind stemmen, der heute ziemlich über die Stoppelfelder pfeift. Unverkennbar: Der Herbst naht. Merke ich auch daran, das ich zur 3/4-Tight greife und die ist mir nicht zu warm. Kaum vorstellbar, dass ich erst letzte Woche noch einen Hitzelauf bei 31 Grad absolviert habe.
Anfangs zwickt erneut mein linker Fuß etwas, doch das legt sich bald wieder.
Der noch nicht geerntete Mais wird kräftig durchgebogen, die Bäume überlassen dem Wind schon viele Blätter. Malerisch türmen sich dunkle Wolken auf, weit hinten scheint mir ein Wolkenbruch herunterzugehen. Doch ich bekomme nichts davon ab. Das Einlaufen macht Spaß,  die Beine haben den Muskelkater vom Samstag schon wieder überwunden. Ich lege mir die 1000-m-Abschnitte möglichst so, dass ich nicht im Gegenwind laufen muss. Die geforderten 5:20 Min/km gelingen, allerdings nach hinten hinaus wird es jeweils ein wenig zäh.
Schon nach gefühlten wenigen Minuten habe ich mein Programm durch. Kein Vergleich zu den fast 3 Stunden am Ring.

15 Grad, 6,21 km, 38:04 Min, (6:08 km Min/km über alles), Puls 145.

Samstag, 7. September 2013

Nürburgringlauf

Soll ich oder soll ich nicht ... den Nürburgringlauf mitmachen? Es gibt genausoviele Argumente pro wie contra. Klar ist, der Köln-HM in 5 Wochen ist meine erste Priorität. Andererseits - der Ring hat schon seinen Reiz... Irgendwie aus dem Bauch heraus lege ich am Vorabend meine Sachen bereit. Mitfahren kann ich ja, mein Mann läuft ohnehin.

So fallen wir dann kurz nach 5 Uhr heute Morgen aus den Betten. 
Dunkel draußen, hat geregnet. 
Ein kleines Frühstück und wir starten in die Morgendämmerung, die heute überwiegend aus Dunst und Grau, nur hier und da einem zartrosa Streifen besteht. In knapp einer Stunde sind wir am Ring.
Fahren daheim bei 18 Grad los, am Ziel sinds gerade noch 13.
Die ersten Regentropfen fallen. Wir gehen zu Nachnennung, die in diesem Jahr ihren Platz in einer der Boxen hat, wo sonst Rennwagenmotoren dröhnen. Es ist schon viel los, denn der Nürburgringlauf ist nicht das einzige Event hier am Wochenende, gleich nach dem Lauf wird ein 24-h-Radrennen für jedermann starten.



Soll ich oder soll ich nicht...? Ich stehe mit dem ausgefüllten Formular immer noch ratlos herum (Das Leben kann schwer sein...). Der Himmel ist auch nicht wirklich einladend. Es regnet. Doch weit hinten, von wo der Wind weht, scheint es heller... Nun denn, ich fasse einen aberwitzigen Beschluss: Trainieren müsste ich nach meinem Plan heute und morgen sowieso, 2 Läufe mit zusammen 160 Minuten bei 75% HF, also geruhsam. Dann kann ich das ja heute hier und jetzt erledigen. Also einen Wettkampf mitlaufen, aber den im Trainingsmodus.
Ich gebe das Formular ab und erhalte meine Startnummer. Nun gibt es kein Zurück mehr. 
Etwas irritiert gehen wir in Richtung Start- und Zielbogen. Denn im Gegensatz zum letzten Jahr ist dies NICHT Start und Ziel, dieses befindet sich jeweils bei den bekannten roten Zeitmessmatten.
Kann man so hinnehmen, muss man nicht verstehen...


Inzwischen ist auch meine Freundin Heidrun eingetroffen, die kurzentschlossen ebenfalls mitläuft, die letzten Minuten gehen schnell herum. Wenigstens hat der Regen aufgehört.


Noch ein paar kollektive Arme-in-die-Luft-Übungen für den Speaker, und dann geht es los. Zunächst auf die Grand-Prix-Strecke, dann aber auf die Nordschleife, die man von den 24h-Autorennen kennt, die berühmte "Grüne Hölle".



Im Gegensatz zu Autorennen gleicht das Terrain eher einem Campingplatz. Die Radsportler dürfen direkt neben dem Asphalt ihre Zelte aufschlagen. Manche sitzen gerade beim Frühstück, einige stehen mit Kaffee in den Händen am Streckenrand und viele feuern das Feld an. Ich muss mich arg beherrschen, dass ich mich im Tempo von den anderen nicht mitreißen lasse, denn ich will ja nur trainieren und bleibe bewusst ganz hinten.



So langsam zieht sich das Feld auseinander. Ich spüre meinen linken Fuß. Schon nach dem letzten Training hatte ich das Gefühl, irgendwas stimme nicht, als wenn sich etwas verschoben habe. Barfuß daheim laufend spürte ich nichts, doch hier und jetzt wird es mit fast jedem Schritt schlimmer. Ich versuche, den Fuß anders aufzusetzen. Was aber nicht immer einfach ist, da zwar die Strecke glatt asphaltiert ist, doch autogerecht konstruiert, will sagen, sie hängt öfter zur einen oder anderen Seite. Aber ich kenne diese Erscheinung (die am Fuß meine ich), bisher ging sie immer noch von selber zurück.


Die Läufer haben den Grand-Prix-Kurs verlassen, im Hintergrund sieht man das Campinglager der Radler. Ab hier wird es überwiegend bergab gehen, zum tiefsten Punkt der Strecke.


Wo der Grand-Prix-Kurs noch weiträumig daherkam, rücken nun Bäume näher heran, die Leitplanken sind ebenfalls nah am Asphaltband. Welch ein Glück, für diejenigen, die ein menschliches Bedürfnis verspüren...



Erfreulicherweise gibt mein Fuß nach wenigen km Ruhe - Heureka!


Die Strecke gleicht stellenweise dem Anzeigenteil einer Zeitung: Da gibt es aufgemalte PKW-Embleme zu bewundern, Teams werden angefeuert, Grüße von Clubs und Orten sind aufgepinselt, persönliche Liebesbotschaften, bisweilen auch Beschimpfungen oder Statements zur Insolvenz des Rings. Je nach Intention des Malers/Autors sind die Schriftzüge ausgerichtet:
Sollen die Fahrer/Läufer es lesen, steht es in richtiger Leserichtung quer über die Strecke gepinselt. Soll es hingegen in den Medien auftauchen, steht es für uns Läufer auf dem Kopf und meist an den Punkten, wo Fotografen und Kameras stationiert sind (die ja meist das Feld von vorn einfangen wollen). Soll hingegen das Publikum oder gar die Angebetete am Streckenrand (hinter den Zuschauerzäunen) die Botschaft erhalten, sind die Schriftzüge in Längsrichtung.
So kann man sich auch lesend fortbewegen.


Immer mehr ähnelt der Nürburgring hier eher einem Waldwandergebiet, wäre er eben nicht geteert. Es ist still, man hört das tack-tack-tack der Läuferschuhe. Manchmal ändert es sich aber auch in quietsch-quietsch, an den Stellen, die viel Gummiabrieb abbekommen haben.


Waren wir gerade noch im Wald, finden wir uns hier auf einem wieder einmal weiträumigen Teilstück wieder. Bei der abschüssigen Bahn geht das Laufen fast wie von selbst: Man hebt die Füße und den Rest erledigt die Schwerkraft -fast- von allein. Aber zu sehr will ich auch hier nicht die Beine fliegen lassen, denn auch das kostet Kraft. Mein Puls bleibt in üblichen Trainingszonen, das Laufen geht leicht und locker, Heidrun und ich unterhalten uns über ihren neuen Hundewagen am Fahrrad, über Weineinkäufe, meinen Blog, dies&das.


Und dann kommt der Punkt, den das Bild nur unzureichend wiedergeben kann: Breitscheid, der tiefste Punkt der Strecke. Viele nutzen den Verpflegungspunkt nochmals zum Auftanken,
denn gleich dahinter
lauert sie
die Eigernordwand für Läufer.
Ab hier
wird es hart.


Die Steigung ist am Anfang immens, zwar ist hier sicher die Spitze des Feldes auch hinaufgeflogen, doch meinereiner und auch die anderen legen das steilste Stück nur gehend zurück. Hat auch den Effekt, dass man wertvolle Kräfte spart. Denn ab hier lauern die schlimmsten Steigungen bis zu Hohen Acht, rd. 5km mit ca. 300-350 Höhenmetern erwarten uns... mal kommt ein relativ flaches Stück, mal steigt der Kurs wieder an.
Das Kloster"-tal" ist kein echtes Tal!
Das 12-km-Schild tröstet ein wenig, die Hälfte ist geschafft, es war die leichtere...



Das Caracciola-Karussell ist erkennbar für Hochgeschwindigkeitsfahrten gedacht, als Läufer wählt man den bequemen innersten Radius, so sehr wirken die Fliehkräfte heute doch nicht auf uns ;-)


Der blaue Bogen markiert ... nicht das Ziel, sondern nur die Hohe Acht, die man nach ca. 16-17 km erreicht hat. Es wartet ein reichhaltiges Erfrischungsangebot auf uns. Man könnte meinen, das Schlimmste sei geschafft. Doch der Insider weiß, es kommen noch weitere Steigungen. Ich habe meine Kräfte auf den letzten km daher geschont, bin öfter zügig gegangen, als versucht, die Steigungen laufend zu bewältigen. Doch hier oben bin ich dennoch reichlich erschöpft. Aber egal, ich will ja nur trainieren und keinen schnellen Lauf hinlegen. Also laufe ich zwar zügig die nun folgenden Gefällestrecken, die aber dann immer wieder eingestreuten Steigungen gehe ich wieder.


Ich gönne mir ein Energie-Gel. Das hätte zwar durchaus schon früher sein können, doch mein Magen schätzt während eines Laufs keine Nahrungszufuhr, es ist immer ein wenig eine Gratwanderung zwischen Bedarf an Energiebereitstellung und Bereitschaft des Magens zur Verdauung. Und kurz darauf spüre ich, wie die Beine dankbar sind und es geht wieder besser voran.
Leider setzt der Sensor zur Geschwindigkeitsmessung nun gelegentlich aus. Doch das bringt mich nicht aus dem Takt, ich laufe eben so, wie ich mich fühle. Am Ende wird mir rd. 1 km Distanz gemäß Pulsuhr fehlen. Wie oft bei längeren Läufen gibt dann auch der Pulsmesser bisweilen überhöhte Werte an, jedenfalls habe ich sicherlich keinen Puls von 190.
Und dann plötzlich - der Himmel reißt auf, die blauen Stellen werden immer größer :-)



Der Pflanzgarten - aus Läuferperspektive keine Herausforderung, für am Limit fahrende Rennwagen sieht das dank Bodenwellen anders aus:

Ca 4 km vor Ende erreiche ich die Döttinger Höhe. Ich genehmige mir einen Energiezucker. Weit kann man schauen. Hier ist es wie im Märchen: Hinter den 7 Bergen... aber nicht bei den 7 Zwergen, sondern nach jeder Kuppe folgt noch eine und noch eine und immer bergauf... Doch das Ziel ist schon in greifbarer Nähe.


Die Namensgeberin der Rennstrecke, die Nürburg, zeigt sich fern auf ihrer Kuppe. Immer noch die Döttinger Höhe, auf der der Wind ins Gesicht bläst. Und noch eine Kuppe und noch eine... :


Und dann - die für mich schönste Perspektive am Ring: Man biegt wieder ein auf die Grand-Prix-Strecke (die hier von rechts kommt) - endlich! Ein wirklich beglückender Anblick, ich habe eigentlich gar keine Lust, hier zu einem Endspurt anzusetzen, irgendwie will ich den Moment nur genießen, den Himmel, die Sonne, die Freude über die bewältigte Strecke. Doch so mag man sich ja dann doch nicht gehen lassen, ich trabe also nochmals los.


Gloria Gaynor schmettert ihr "I will survive" - und ich HAB'S überlebt!!! Ach, das Leben kann schön sein!
Mein Gefühl finde ich an einer Fußgängerpassage kurz vor dem Ziel sogar schriftlich ausgedrückt:



Wie wir wissen, hier ist zwar der Zielbogen, aber das Ziel ist weiter hinten...
Der Vorteil des langsamen Laufs ist, man hat viel Fläche für sich allein...;-)


Ein Zuschauer beobachtet mich beim Fotografieren des Zielbogens und bietet an, mich abzulichten. Gern -  ich habe es nicht eilig heute!


Ich bin froh, dass ich mitgelaufen bin. Am Ende zwar 25 Minuten langsamer als in 2012, aber das ist voll in Ordnung, meine Intention war ja eine andere, ein gemütlicher Trainingslauf an einem besonderen Ort. Dennoch bin ich auch froh, dass es nun geschafft ist. Wir gönnen uns noch ein alkoholfreies Bier einer bayerischen Sponsorenbrauerei, dann geht es gemütlich nach Hause.

Nürburgring 2014 - wenn es ihn dann noch gibt, bin ich wieder dabei!


15 Grad, 24,4 km,  2:56:06 (ca. 7:02 Min/km), Puls ca. 142

Donnerstag, 5. September 2013

Bauchfrei und Spaß dabei

Mein Trainingsplan verlangte heute von mir, 65 Minuten im Bereich 75 % HF zu laufen. Was gibt es angenehmeres, als per Plan gut geheißen gemütlich zu laufen :-) ? Doch die Krux an der Sache ahnte ich schon: Selbst nach 18 Uhr waren es noch gut 31 Grad. Das würde den Kreislauf arg fordern. So griff ich zur ultima ratio: Mein bauchfreies Singlet. Eigentlich fühle ich mich nicht mehr in dem Alter für so etwas, aber der Zweck heiligt die Mittel und zusammen mit meiner kurzen Flatterlaufhose ergibt das die höchstmögliche Kühlung.

Dennoch hatte ich Mühe, den Puls um die 135 zu halten. Laut Plan sollte das ungefähr 10 km ergeben. Sollte ich also auf die 75% oder die 10 km hin laufen? Ich entschied mich für den Puls als Maßgabe, denn würde ich die 10 km in die Zeit packen, würde bei der Hitze der Puls zu hoch geraten. Damit würde dann die Pace einen grottenschlechten Wert ergeben, aber egal.

Ich hatte keine Lust, erst per Auto zum nächsten Wald zu fahren und stellte mich schon mental auf einen Hitzelauf im freien Feld ein. Doch im nächsten Dorf kam mir die rettende Idee, als ich im Schatten der dort eng aneinander gebauten alten Häuschen lief: Einfach einen kurzen Rundkurs auf dieser Dorfstraße und der gleichermaßen beschatteten Parallelstraße anlegen.
Gesagt-getan-gelaufen.
So trottete ich 5 mal die gleichen Straßen, 5x am Friedhof entlang, 5x an dem Garten mit dem stark riechenden Maggikraut und den Bohnen, 5 x an dem recht neuen, aber seltsamerweise wohl schon länger unbewohnten Haus mit Post im Briefkasten, 5x am Eigenheim der Akuratesse-liebenden Menschen mit Hang zur extensiven Gartendeko, 5x am eher alternativen Häuslein mit Öko-Bio-Vorgarten, 5x an den mustergültig und preussisch korrekt angelegten&gepflegten Gemüsebeeten. Alles Straßen, die ich bisher noch nicht kannte.
Ja, so gibt uns die Lauferei doch immer wieder neue Einblicke in unsere Umgebung ;-)!

31 Grad, 8,6 km, 1:05:21 (7:30 Min/km), Puls 139

Dienstag, 3. September 2013

Und los geht's!

Heute ist der erste Tag meines Trainingsplans zum Halbmarathon Köln.

Als "Einstieg in den Einstieg" hatte ich mir eigentlich am Sonntag einen langen Lauf vorgenommen. Doch da wir kurzfristig lieben Besuch aus unserem südlichen Nachbarland erhielten, war dazu keine Zeit.
Verzichten wollte ich dennoch nicht, alldieweil ich immer noch mit mir ringe, ob ich am Samstag beim Nürburgringlauf mit seinen gut profilierten 24 km an den Start gehen soll. Dazu sollte diese längere Runde auch als Test dienen.
Aber als Läufer ist man flexibel, als Beamtin sowieso ;-), so ging ich dann gestern statt vorgestern auf einen langen Lauf, bewusst langsam, in Richtung Tagebaurand und dortiger Restwald, um möglichst ungestört von Autos zu sein. Dies trat auch überwiegend ein, bis auf besondere Exemplare, denn hier und da standen Polizeiwagen mit gelangweilten Insassen, sogar im Wald. Da fühlt man sich doch gleich viel sicherer im dunklen Tann. Den Grund hingegen ahnte ich schon, und er hing natürlich nicht mit meiner Person zusammen: Ich bewegte mich zu nah an dem Waldgebiet, in dem Aktivisten gegen die Abholzung des Waldes demonstrieren. Samstag wurden Gleise der Kohlebahn besetzt, heute dann waren es Bäume im Wald. So zog ich mich denn auch lieber zurück, als noch ungewollt in Polizeiaktionen zu geraten.
Zudem waren meine Beine laufmüde und schon während des 14-km-Laufs dachte ich, dass ich so beileibe am Samstag keine 24 km bergauf und -ab hinbekommen werden.

Nach diesem gestrigen Entrée dann heute der erste planmäßige Lauf, 8 km in ca. 5:55 Min/km verlangte der Plan.
Da ich ja am Vortag durchaus schon etwas für die Kondition getan hatte, erlaubte ich mir, die "ca." ein wenig großzügig auszulegen. Und weil mein Mann zu einer langsamen Runde starten wollte, entschieden wir, zusammen zu laufen, denn meine Tempovorgabe ist für ihn ein müder Trott.
Auf den ersten 100 m wollten meine Beine noch protestieren, doch bald fügten sie sich und taten ihren Dienst. Nach kurzem Einlaufen ging es an die Pace. Doch war mir klar, dass mit dem Pensum von gestern es heute kein Vergnügen werden würde.
Zudem würde ich auch nicht die Deichläufermethode anwenden können, Laufpausen zur Landschaftserklärung einzuschieben... Aber dennoch, "no pain no gain" sagte ich mir und blieb tapfer meinem Mann an den Fersen. Die ersten km gingen so auch ganz gut. Doch ich merkte bald, dass der Bleigehalt meiner Beine von Schritt zu Schritt zunahm. Adäquat proportional wurde auch der Kampf stärker, doch die Pace zu halten und eben noch nicht zu reduzieren, obwohl mir der innere Schweinehund permanent ins Ohr flüsterte, dass ich ja gestern schon fleißig gewesen sei. Doch im Großen und Ganzen konnte ich das Soll halbwegs erfüllen, auch wenn es gegen Ende etwas harzig wurde und der Puls sich auf Wettkampfniveau schraubte. Kein Wunder, denn das Tempo lag nur wenig niedriger als das meiner 10-km-Wettkämpfe. Immerhin, meine Weihnachtsschuhe haben sich bestens bewährt, die Waden sind auch mit ihnen sehr zufrieden.

Bleibt immer noch die Frage, mitlaufen am Samstag oder nicht? Ich tendiere überwiegend dagegen. Ich bin auf diesen happigen Lauf nicht vorbereitet (ich bin der festen Überzeugung, dass das Höhenprofil der Veranstalter eine kesse Fälschung ist... ;-) ), und in meinen Trainingsplan passt er ohnehin überhaupt nicht. Andererseits ist der "Ring" natürlich ein einmaliges Erlebnis! Ich kenne es vom letzten Jahr, aber gerade deswegen weiß ich, was mir bevorstünde... Ein wenig Spaß sollte schon sein, doch diesmal das könnte in ein ziemlich demotivierendes und frustrierendes Erlebnis münden. Andererseits, wenn ich dann am Samstag dort stehe (mein Mann läuft mit), und die anderen loslaufen sehe, und womöglich noch die Sonne scheint, das könnte auch frustrierend sein...
Was tun, sprach Zeus...

1. Lauf:
22 Grad, 14,1 km, 1:35:42 (6:47 Min/km), Puls 138

2. Lauf:
23 Grad, 7,9 km, 0:48:11 (6:07 Min/km), Puls 152