Also fahren wir am späten Nachmittag hinunter ins Tal, um an der Aare unsere Beine zu bewegen.
Wir parken bei Münsingen und können dort gleich vom Auto aus auf dem Uferweg starten. Anfangs müssen wir noch ein wenig Slalom um die Badenden laufen. Nicht, weil wir im Wasser wären, sondern weil diese auf dem Uferweg unterwegs sind. Wasserratten auf dem Trockenen quasi. Aber dies ist Teil des Badespasses an vielen Stellen entlang der Aare. Man geht flussaufwärts, egal wie spitz und pieksend die Kiesel auf dem Weg auch sind, begibt sich an einer geeigneten Stelle ins Wasser und lässt sich von der starken Strömung zurücktreiben. Die Kunst ist natürlich, den Ausstieg wie gewünscht zu finden, denn das Ufer erlaubt dies nicht überall und an vielen Stellen gibt es Wasserwirbel. Da heisst es, Schwimmerqualitäten zeigen und beherzt agieren, will man nicht endlos abgetrieben werden.
Die Aare hat eine sehr zügige Fliessgeschwindigkeit, ungefähr so, wie unser Lauftempo. Ihr Wasser ist herrlich türkisfarben und klar. Eine eigenartige Vorstellung, dass jeder Tropfen, den wir hier sehen, später auch den Kölner Dom grüssen wird, denn die Aare ist ein Rheinzufluss. Nur leider, bis dahin wird sich die schöne Farbe deutlich mehr ins Grau-Blaue verschieben...
Da es schon gegen 18 Uhr geht, lässt der Badebetrieb bereits nach und bald sind wir so gut wie allein unterwegs.
Die Bäume bilden hier ein Blätterdach, bester Sonnenschutz. Vom Fluss, der zum Greifen nah neben uns plätschert, kommt mit dem Wind immer wieder erfrischende Luft herüber. Es läuft erstaunlich gut. Die Temperatur macht mir nichts aus und mein Puls bleibt sogar recht niedrig. Vielleicht ein kleiner Lohn für die Lauferei in der Hitze?
An vielen seichteren Stellen am Wasser wird noch gepicknickt, sogar Lagerfeuer sind entzündet und hier und da weht uns Grillgeruch um die Nasen. Bald verengt sich der Weg, wir können nur noch hintereinander laufen und müssen uns auf unsere Schritte konzentrieren. Beidseitig ist dichtes Gestrüpp und Gewucher. Ein Vater kommt uns mit einem Kinderwagen entgegen, jeder macht sich schmal und so kommen wir gut aneinander vorbei. Doch dann naht ein Biker, der den schmalen Pfad voll für sich vereinnahmt und anscheinend erwartet, wir springen für ihn ins Grün, denn er verlangsamt nur wenig.
Allein - die Brennnesseln finde ich nicht wirklich verlockend...
Es ergibt sich ein kurzer knackiger Wortwechsel, er muss doch halten und einen Fuss vom Pedal nehmen, anscheinend für ihn eine arge Herausforderung, ein ungeliebtes Manöver. Wir zwängen uns an ihm vorbei und fragen uns nur, wie dieser Mensch dann in wenigen Metern mit dem Kinderwagen-Vater klarkommen wird.
Wir haben uns 10 km vorgenommen und erreichen bald unseren Wendepunkt, laufen die gleiche Strecke zurück. Die Sonne geht hinter dem linker Hand liegenden Hügelrücken neben dem Fluss schon unter. Im Abenddunst zeichnet sich die Blümlisalp mit ihren 3661m gerade noch erkennbar mittig über dem Flussbett ab:
Wo so viele Sonntagsausflügler unterwegs sind, bilden sich natürlich auch Hinterlassenschaften:
Ich sehe hier mal das Positive, denn erstaunlicherweise werden diese geordnet um den vollen Papierkorb arrangiert und der Robidog-Behälter wird nicht vollgestopft. Ein Anblick der durchaus erfreulich ist, wie ich finde, denn ansonsten ist die Landschaft ziemlich müllarm. Das wäre in meiner Heimatregion leider ganz anders :-(
Noch schöner wäre natürlich, jeder nähme den Kram, den er ja schliesslich selber hertransportiert hat, gleich wieder mit. Oder nochnochnoch schöner: Warum muss überhaupt Müll zurückbleiben? Nahrung kann man auch in wiederverwendbaren Transportbehältnissen herbeischaffen, und Getränke gibt es in Pfandflaschen...
9,9 km 1:03:37 Std. (6:27 Min/km), Puls 138
PS: Und so sieht eine CH-PC-Tastatur aus:

















