Montag, 29. Dezember 2014

Schneebericht aus Dörfli

Ist das ein Ausblick bei Sonnenaufgang aus dem Fenster?! Herrlich, und der starke Wind von gestern hat sich weitgehend gelegt, so dass einem schönen Lauf nichts entgegensteht. Doch bis ich gefrühstückt, selbiges verdaut, meine Winterlaufbekleidung angelegt habe, beginnt der Himmel sich zuzuziehen. Egal. Zuerst aber noch zu einer Idee, die Markus kürzlich in seinem Blog brachte, nämlich einmal zu zeigen, wo man so wohnt und läuft. Nichts leichter als das.
Ich stelle mich einfach auf die zentrale Kreuzung unseres Zweitwohnsitzortes, mittags zur Rush-Hour.


Nach Süden.
Unten links ums Haus herum geht's zu uns.










Nach Westen.

















Nach Norden.


















Nach Osten.
Die Ente habe ich aber nicht bestellt ;-)














Blick von Süden herauf, hinten rechts im Stöckli unterm Dach wohnen wir.

Straßennamen gibt es hier nicht. Die Häuser sind einfach durchnummeriert, und ggf. wird noch "a", "b", etc. drangehangen.









Und abschließend noch, wie der Ort heißt.
Ja, manchmal wird man hier dem Klischee des "-li" gerecht. Oder wie neulich, als unsere Vermieter bei Buurehamme und Härdöpfusalat (Kochschinken und Kartoffelsalat) von einem Nachbarn und seinem "Deutzli" erzählten. Gemeint war ein altgedienter Traktor der Marke Deutz.
Dennoch sollte man sich als Nicht-Schweizer hüten, der Versuchung der "Ver-li-chung" zu erliegen. Oder fänden wir Bundesdeutsche es etwa lustig, wenn sich ein, sagen wir mal Amerikaner oder Asiate hinstellen würde, und von den früheren "Märkchen" in unserem Geldbeutel reden würde...?

Genug, nun wird gelaufen. Es ist sehr kalt geworden und nach einem Kilometer ärgere ich mich, dass ich keine dickeren Handschuhe angezogen habe. Meine Finger werden klamm und klammer.

Schon beginnt der kleine Schweinehund in mir, die Verlockungen der warmen Stube und des dort befindlichen Sofa zu lobpreisen. Ja, das wäre ein Argument... Aber erst noch den Kirchhügel des Nachbardorfs bezwingen. Ich finde es so gemein, dass der auf dem Foto gar nicht so steil erscheint! :-(
Aber egal, er muss sich ergeben. Oben merke ich, dass ich nichts mehr merke, von den kalten Fingern. Die sind nämlich nun doch warm geworden. Ich bin endlich gut im Laufrhythmus. Da hat Schweinehund keine Chance mehr, wie von selber laufen die Beine weiter geradeaus, statt abzubiegen. Erst noch schauen, was die hängenden Christbaumkerzen  (dort etwas herunterscrollen) machen, sie hängen immer noch. Und dann kann ich auch gleich noch weiter laufen, bis zur Kunsteisbahn im nächsten Dorf.

Die Straßenbedingungen machen es etwas schwer, mal nasser Asphalt, mal feste Schneedecke, mal Matsch, mal Schmierseife. Alles dabei. So erfordert das Laufen heute besondere Vorsicht beim Auftreten.
Die Landstraße meide ich sicherheitshalber wo es geht. Und auch, wenn mir auf den Nebenwegen hier und da ein Auto begegnet, fahren alle sehr vorsichtig.





Mit meiner neuen Laufjacke (hab sie googeln können, Odlo Skate) bin ich erneut sehr zufrieden, genau die richtige Mischung aus Windschutz, Wärmen und Schweiß ableiten. Obwohl mir nun hier wieder der Wind entgegen kommt und meine Finger erneut erstarren lässt.
Aber es ist auch nicht mehr weit bis zum Dörfli. Und es geht auch hügelabwärts. Ach, hat wieder Spaß gemacht :-)




Während ich dusche, beginnt Frau Holle draußen wieder ihr Werk.
Gleiche Bildperspektive wie heute morgen, doch welch ein Unterschied. Da hatte ich doch das beste Zeitfenster zum Laufen erwischt.



-1 Grad, 14,4 km, 1:32:59, (6:25 Min/km), HF 141, 110 Höhenmeter

Samstag, 27. Dezember 2014

Gänsekeulentuning?


Der Winter nimmt Anlauf ... am Morgen des 2. Weihnachtstags jedenfalls ist alles überzuckert. Hält zwar noch nicht den ganzen Tag, ist aber ein guter Einstieg.
Auch heute zeigt der Blick aus dem Fenster weiß, dazu allerdings lässt es Petrus so kräftig pusten, dass unser Häuschen knarzt und ächtzt.
Der Schnee ist nass und der Gedanke, bei diesem Wetter der Landstraße entlang zu laufen (um in ruhigere Laufreviere zu gelangen), behagt mir wenig. So beschließen wir, erneut die Allmend aufzusuchen, mit dem autofreien Asphaltrundkurs um den kleinen Thuner Flugplatz.

Ich bin schon sehr gespannt, wie sich meine neuen Laufschuhe machen, die ich heute morgen erstanden habe, Puma Faas 600. Bevor sie ihr strahlendes Türkis im Matschwetter verlieren, noch schnell ein Foto. Ungeplant passen die Schuhe farblich ganz gut zu meinen Frostbeulenläuferstulpen (Anleitung unter der Rubrik "DIY"), die ich mir zwecks Warmhaltung der Fußgelenke gestrickt habe.
Die ersten Schritte sind ungewohnt im Vergleich zu meinen Asics-Nimbus-"Sofas". Laut Test soll der Schuh eher für Mittelfußläufer konstruiert sein, was ich nur bestätigen kann. Mit Ferse aufsetzen und abrollen mag der gar nicht. Ist der Fuß aber gelandet und will nach vorn abrollen, so unterstützt der Puma das sehr gut und lädt den Vorfuß richtiggehend ein, sich nach vorn zu neigen, damit die Ferse sich rasch wieder vom Boden lösen kann. Und wir Sprinter laufen ja eh' nur auf den Ballen (Uuuuaaah! Selbstironie!) Leicht ist das Modell auch. Die für mich ungewohnte Konstruktionsweise (Ich habe das Gefühl einer sehr niedrigen Sprengung, was der Schuh aber nicht haben soll)  wird sicherlich einen speziellen Muskelkater erzeugen. Doch solche Abwechslung ist ja bekanntlich gut für Fuß&Bein.

Das Wetter auf dem Talboden ist nicht sehr einladend. Tief hängende Wolken verdecken die ganze Pracht von Eiger, Mönch und Jungfrau. Wenigstens haben wir Glück und es fällt gerade nichts vom Himmel. Zudem sind wir so gut wie allein unterwegs.
Auch der Wind macht ein wenig Pause.



Nur gelegentlich geben die Wolken den Blick frei auf die umliegenden Berge .

Ob es die neuen Schuhe sind, oder das Gänsekeulentuning der letzten 3 Tage, meine Beine fallen von selbst in ein völlig ungewohntes Tempo von um die 5:20 Min/km.
Das halte ich 2 Runden à 3,5 km ganz gut durch und erlaube mir dann eine lockere Auslaufrunde, die dann aber auch nur knapp über 6 Min/km liegt.

Obwohl gegen Ende leichtes Tröpfeln einsetzt, macht die schnelle Stunde wieder riesig Spaß. Die ebenfalls neue Odlo-Jacke tut ihr Teil dazu. Trägt sich wunderbar und hat noch eine leichte dünne zweite Schicht unter der Außenhaut. Perfekt für rauhere Laufbedingungen und auch für Skilanglauf. Die Signalfarbe finde ich gerade gut für die triste Jahreszeit. Endlich gibt es Alternativen zu den früher eher dunklen Winterlaufsachen.





Auch mein eidgenössischer Ehemann dreht drei Runden, allerdings zackiger als ich und kommt mir gegen Ende meiner dritten Runde entgegen.

Wir leisten dem nach dem Feiertagsleben drohenden Winterspeck kräftig Widerstand! ;-)


2 Grad, 11 km, 1:03:13, (5:42 Min/km), HF 153

Donnerstag, 25. Dezember 2014

WeihnachtsWetterWechsel

Der erste Weihnachtstag beschert uns anderes Wetter. Doch leider noch nicht das ersehnte mit viel weiß, zuerst gibt es grau, und abends mit Bewässerung.
Ich beschere mir auch ... eine neue schöne Laufroute.

Zuerst gehts wieder nach Lueg, mit der schönen Aussicht.
Wobei es mir so scheint, dass hinten oben auf den Berggipfeln ein wenig Puderzucker angekommen ist.
Da ich noch nicht im Hundefutterfachmarkt war, nehme ich nicht den Weg entlang des Hofs mit dem angriffsfreudigen Hund, sondern steuere bergab Richtung Tal. Es ist windig und abwärts läuft es bestens. Uiui, nachher muss ich das alles wieder hoch, aber ich wundere mich über mich selbst, es macht mir keine Sorge, sondern ich freue mich auf die Herausforderung... So kenne ich mich ja gar nicht!
Kurz vor Steffisburg biege ich rechts ab, zu einem heute sehr frequentierten Ausflugslokal und den dahinterliegenden Wald.


Hier ist es wunderbar windgeschützt und die kleine Straße verläuft zunächst einem kleinen Talboden entlang. Eigentlich hätte ich hier wenden und zurücklaufen wollen. Aber vorwärts immer, rückwärts nimmer - ist heute mein Motto.
Langsam steigt die nun zum Waldweg gewordene Route an und ich bin doch neugierig, ob sie gar genau oben in Lueg wieder herauskommt.
Die Himmelsrichtung passt jedenfalls. Auf einer Lichtung steht ein Reiter mit seinem Ross. Ob ich den fragen soll? Nein, ich entscheide mich für Abenteuer, das auch hinter der nächsten fast 180-Grad-Kurve ansatzweise meiner harrt.
Aus dem bisher schönen festen Weg wird ein mit vielen losen Steinen versehener steiler Anstieg. Ein Stück gehe ich hier lieber, die Stolpergefahr ist mir zu groß.
Doch bald verliert das Terrain etwas seiner Schräge und ich trabe wieder an. Und immerhin, nun kommt der Wind von hinten.
:-)


Dieser Rückenwind ist sehr vorteilhaft, als ich den Schutz des Waldes verlasse. Er hilft mir ein wenig, die letzten Höhenmeter zu absolvieren.

Und ich erkenne zu meiner großen Freude, dass ich eine Punktlandung schaffe, ich komme genau dort in Lueg wieder aus, wo ich es vermutete!





Die Wolken sind inzwischen dichter und einzelne Regentropfen fallen. Über den entlaubten Bäumen rechts kreisen einige Raubvögel und stoßen ihre markanten Schreie aus.

Ich bin sehr zufrieden, die Beine traben leicht und locker. Sicher auch aus Läuferstolz über den gut und fast durchgehend laufend gemeisterten Aufstieg. Immerhin zeigt mir nachher mein V800 230 Höhenmeter!

Noch schnell ein Foto ins Tal, mit kleinem eingebauten Selfie :-)

Ab gehts die letzten ca. 1,5 km. Der Lauf hat Spaß gemacht, es lief richtig rund. Diese Route werde ich sicher öfter wählen und im Sommer die Waldpartie noch weiter ausbauen.






Ca. 8 Grad, 10,4 km, 1:08:24, (6:34 Min/km), HF 138

Mittwoch, 24. Dezember 2014

Weihnacht 2014

Im TV läuft "3 Haselnüsse für Aschenbrödel", damit ist klar: Es ist Weihnachten!
Die Gans ist vorbereitet, 
der Baum ist geschmückt, 
die Sonne lacht durchs Fenster.
Kein Lauf heute, morgen wieder.
Den Weihnachtsweg in Heilgenschwendi haben wir in diesem Jahr (leider noch) ohne Schnee abspaziert. Davon ein kleiner Eindruck mit vielen lieben Weihnachtswünschen!








Montag, 22. Dezember 2014

Nummer 5 knurrt

Schwere Entscheidung heute ... mit Stollen im Magen auf dem gemütlichen Lesesessel oder doch eher das Wetter nutzen? Ok, Wetter nutzen.
Und wenn schon denn schon, dann doch mal ganz was Neues. Anstatt von unserem Häuslein rechts, einfach mal links abgebogen und schauen, was kommt. Da geht es zwar abwärts, was bedeutet, nachher wird es aufwärts gehen. Aber jesses, jetzt nehme ich es mal, wie es kommt!



So lande ich einem mir bislang unbekannten Teil unseres ohnehin winzigen Örtleins.
Nennt sich "Lueg", von der schönen Aussicht?








Kameraschwenk nach rechts.
Aus der Ferne grüßen die schneebedeckten 3000'er.








Und hinter der nächsten Kurve öffnet sich ein wunderschönes Panorama über Thun:




Ich freue mich, dass ich diese neue Variante ausprobiert habe. Zumal der Weg sanft um den Hügel hinter unserem Dorf herumführt.

Im nächsten Ortsteil bellt mich von weitem ein junger Hund an. Doch als ich näherkomme, sinkt seine Courage und er schaut nur noch neugierig. Ein Stück weiter kommen mir auf einem kleinen Asphaltweg bei einem ungepflegten Gehöft einige Hunde entgegen gelaufen. 2 agile und kräftige Möpse, das ganze Gegenteil der sonst bekannten Schoßhundausgabe. 2 weitere noch jüngere Hunde. Alle ein wenig neugierig bellend.
Dann naht stürmisch Nummer 5. Ein Mischling, mittelgroß. Bellt, knurrt, zeigt die Zähne, stürmt auf mich zu. Dieser Auftritt behagt mir gar nicht. Ich beherzige, was ich neulich las: Stehenbleiben, ja nicht anblicken, abwenden. Es fällt schwer, das durchzuhalten, während Nummer 5 weiter mit lautem Konzert und sehr nah um mich springt.Wenigstens tun die anderen 4 nichts. Dennoch läuft mir eine Gänsehaut vom Nacken bis zu dem Füßen, ich fühle schon fast spitze Zähne in meinem Bein. Und weit und breit niemand zu sehen, trotz des Lärms. Angestrengt mustere ich die Berge. Irgendwann verliert er das Interesse und trottet zum Hof zurück, verschwindet aus meinem Blickfeld. Die Möpse bleiben, sind aber nur ein wenig neugierig. Uff, durchatmen. Soll ich es wagen, weiter zu laufen? Gerade hatte mir diese Route soviel Spaß gemacht. Nee, bange machen gilt nicht. Vorsichtig gehe ich einige Schritte weiter.
Plötzlich - alles von vorn. Wieder stürmt Nummer 5 heran und das Schauspiel beginnt erneut. Ja ist denn hier keiner, der diesen Hund wegruft? Ich komme weder vor noch zurück.
Doch dann naht Rettung. Nein, nicht der Besitzer, sondern ein Geländewagen. Der flößt Nummer 5 soviel Respekt ein, dass er sofort im Hof verschwindet. Ich ergreife meine Chance und sprinte dem Auto hinterher, bevor es sich Nummer 5 anders überlegt.

Die restliche Strecke kann ich damit zubringen zu überlegen, ob ich es nochmals riskiere, hier entlang zu laufen.
Es wäre aber auch schade, denn obwohl ich nun einen "stotzigen" Hang hinaufmuss, ist die Landschaft sowas von schön....





















Wäre doch ein Jammer, dies nicht noch genießen zu können...























Der höchste Punkt für heute. Auf meiner kleinen Runde kann ich mir 110 Höhenmeter zugute halten.
Ab hier gehts kräftig abwärts und bald bin ich wieder im knarzigen Holzhäuschen.
Eigentlich versöhnt und mit der festen Absicht, diese schöne Runde öfter zu drehen, Nummer 5 hin oder her (vielleicht mal mit Wurst im Läufertäschlein). Doch auf dem Hof treffe ich unseren Vermieter und wir reden kurz über die Hundebegegnung. Er berichtet mir, dass ich gleich zu Anfang an einem Hof vorbei gelaufen bin, auf dem auch ein angriffslustiger Hund sein Unwesen treibt. Er habe seine Frau schon einmal auf dem Fahrrad angegriffen. Nun denn, doch nicht alles so friedlich hier, wie es scheint.
Darauf einen Läuferpunsch!

2 Grad, 5,9 km, 40:03, (6:45 Min/km), HF 138