Mittwoch, 16. September 2020

Sie rollt wieder

 

Ich hätte mich selber wohin beißen können...
Der Grund, warum ich Ellis Reifen nicht mit Luft füllen konnte, lag in meiner Unkenntnis ihrer Ventiltechnik. Mein Horizont reicht soweit, dass ich das Gummikäppchen vom Ventil abnehme, den Schlauch der Pumpe ansetze, und dann muss es fluppen.
Aber wenn mir vorher nie jemand sagte, dass es auch Ventile gibt, an denen noch eine Mutter zu lösen ist... Jedenfalls nahm Elli nach diesem Zwischenschritt gern frische Luft an, und so konnten wir losrollen. In schöner herbstlicher Atmosphäre ... und schon wieder vorbei an einem wilden Müllhaufen. Es ist nicht zu fassen! Den am Sonntag entdeckten Schutt habe ich der Stadt auf der Webseite gemeldet, schon gestern war er beseitigt. Nun hier schon wieder so eine Bescherung. Übrigens gerade mal 300 m Luftlinie von der Mülldeponie. Beim Passieren sehe ich jede Menge Schnapsflaschen in dem Haufen, man kann ahnen, welche zweibeinigen Flaschen das hierher karrten.



In Manheim nagt der Zahn der Bagger nun langsamer, aber er nagt. 
Es ist völlig ruhig. 
Wenn ich absteige zum fotografieren, weht mir kräftiger Wind um die Nase, raschelt mit dem trockenen Laub an den Bäumen und weht Blätter über die Straßen. 
Irgendwie morbid-romantisch.
Einige Eindrücke, wie immer:











Wer erkennt das bewohnte Haus?










Sonntag, 13. September 2020

Feldstudien

Der Herbst nähert sich mit großen Schritten. Und der wiederum zu warme und zu trockene Sommer spielt ihm in die Karten.
Überall raschelt Laub auf dem Boden.



Und manche Felder sehen eher trostlos aus, weil wie hier dem Mais das gehörige Wachstum einfach nicht gelingen wollte.


Freitag laufe ich eine genüssliche Stunde. Samstag rächt sich, dass ich wohl wieder zu wenig getrunken habe und ich quäle mich herum. Immerhin "erstürme" ich den Postberg des Nachbarstadtteils, der mir knappe 40 Höhenmeter Aufstieg am Stück erlaubt 😅
Heute wollte ich eigentlich endlich wieder ellipieren, doch den Reifen fehlt die Luft und mir gelingt es nicht, diesen mit der Handpumpe adäquat zu erhöhen. Dummerweise ist der Cheftechniker des Hauses nicht zugegen. Also umrüsten auf wieder laufen.

Eine erste Beobachtung nach 1,5 km. Eine Familie tummelt sich auf einem abgeernteten Feld und sammelt Zwiebeln, die die Maschine liegengelassen hat. Seltsamer Anblick. Erinnert mich an frühere Besuche in der Ex-DDR, wo ich ähnliches öfter sah. Ich weiß nicht, wie ich es werten soll. Einerseits finde ich die Verschwendung von Lebensmitteln nicht gut und wahrscheinlich würde sich niemand mehr um die Zwiebeln kümmern. Andererseits, sich einfach so selbstbedienen, sehe ich auch kritisch. Denn das greift immer mehr um sich. Dem Hühnerhalter wurden schon Hennen von der Wiese gestohlen, immer wieder greifen auch Leute am noch wachsenden Mais Kolben ab. 
Aber vielleicht haben sie ja vorher den Landwirt angefragt... Und der Mais ist ja nur zu Dekozwecken und überhaupt was macht schon ein Kolben bei so einem großen Feld...

Dann führt mich der Weg an einer Pferdekoppel vorbei. Gerade scharrt eines der Rösser mit dem Huf und die Staubwolke würde schön die Trockenheit zeigen. Aber bis ich die Kamera startklar habe, passiert nichts mehr auf der Weide. Nur nochmals ein kleiner Scharrer.



Als wenn sie meine Gedanken gelesen hätten, kommt plötzlich Aktivität auf.


Und dann nimmt erst der eine ein Staubbad. Wälzen, schütteln, herrlich.





Da möchte Nummer 2 nicht zurückstehen. Wälzen, schütteln, herrlich.
So trocken also ist unser Sommer. 
Wenn ich diese Staubwolken sehe, werde ich nie mehr mit unserer Katze schimpfen, wenn sie ihrerseits diese Art Körperpflege betreibt!




Am Ende leider noch eine unschönere Aktion. Da hat doch jemand eine ganze Hängerladung Garten- und Bauabfälle einfach so an den Feldrand gekippt.
Was sind das nur für Menschen?


Sonntag, 6. September 2020

Überraschungen verschiedenster Art


Immer wieder schwierig, wenn der Urlaub vorüber ist und man nur noch zurückblicken kann. Ein paar Fundstücke will ich aber noch zeigen.



Zum Beispiel das hier. Parkplatz der Amtsersparniskasse Thun, also der lokalen Sparkasse, keine noble Privatbank.

Da sind so komische runde Dinger auf dem Asphalt...



Mal näher rangehen:


Es sind wahrhaftig Münzen! Also sie sehen jedenfalls sehr echt aus. Ich schätze, wenn das bei uns wäre, hätten schon längst gewiefte Menschen des nachts mit Hammer und Pickel einen Ausflug zu diesem Parkplatz gemacht.


Auch einen Wetterumschwung hatten wir, mit grausligem Herbstwetter. Ein junger Falke suchte Schutz auf unserem Balkon:



Aber leider ..., morgen hat uns der Alltag wieder, schnief. Seit gestern wird wieder im rheinischen Ballungsgebiet gelaufen. Da, wo man als Fußgänger oder Läufer immer für die Autofahrenden mitdenken muss, weil man einfach so oft Berührungspunkte hat. Gleich gestern, am Kreisverkehr war ich um die eigene Vorsicht froh. Als ich eben nicht auf den Zebrastreifen trat, weil das heranbrausende Auto doch sehr schnell war. Welch ein Glück, denn der Fahrer bemerkte mich zu spät und die Karosse kam trotz Vollbremsung erst auf den weißen Streifen zum Stillstand. Das wäre ein Abflug geworden!

Heute auf zum langen Lauf, auf dem mir vermeintlich die Steigungen fehlen würden, denn schließlich bin ich nun läuferisch alpin-trainiert (hüstel). Also suche ich die Höhenmeter zusammen. 
Als erstes die Autobahnbrücke, 10 berauschende Meterchen immerhin.


Danach zieht sich die Landstraße laangsam leicht ansteigend nach Kerpen.
Ich schwenke in Richtung Marienfeld und Papsthügel, das gibt nochmal Meter, der Hügel selber deren gute 10.


Oben prima Fernsicht, nach südwest lassen sich weit hinten die Eifelzüge erkennen. Nordwestlich liegt die Sophienhöhe im Sonnenlicht.



Etwas verwundert bin ich, dass ich am Ende doch noch 190 Höhenmeter auf meiner Uhr angezeigt erhalte. Da kommt wohl doch durch kleinere Unebenheiten noch was zusammen.
Kurz vor Ende eine seltsame Beobachtung: Da hat ein Bauer seinen ganzen Möhren-Acker mit einem Mäusegraben umgeben. Habe ich noch nie gesehen. 



Das erinnert mich an eine Überraschung, die mich vorgestern bei der Rückkehr erwartete. Als ich in meine Hausschuhe schlüpfen wollte, war da im linken irgendwas drin. Da ich nicht mehr an den Nikolaus glaube, musste es etwas anderes sein... Reingeschaut. 
IIIIIIIIHHHHHHHGITTIGITTT! Eine tote Maus! Zwar nach knapper optischer Inaugenscheinnahme äußerlich unversehrt, dennoch mausetot. Und stinken tut sie auch noch.
Es kommen genau zwei Verdächtige in Betracht. Trotz strengem Verhör konnte ich ihnen allerdings kein Geständnis abringen.


Ich habe die Hausschuhe, Leguanos, dann gleich mit einer Ladung Wäsche in die Maschine gegeben. Tolles Resultat: Danach roch alles andere auch noch nach .... . Also nochmals mit doppelter Waschpulvermenge und ohne die Schuhe gewaschen. Nun ist zumindest das Odeur dieser Teile wieder normal. Die Leguanos erhalten separate Intensivbehandlung.

Donnerstag, 3. September 2020

Die einen trainieren, die anderen auch

Das letzte Urlaubsdrittel führt uns nochmals zurück in die Schweiz, wo das Wetter nun allerdings auch etwas wechselhafter ist. So kühl sogar, dass unsere Vermieter schon die Heizung in Betrieb nahmen. Von dem Regen würde ich auch gern eine gute Portion nordwärts mitnehmen... aber sie wollen hier ihre saftig-grünen Wiesen weiter behalten.
Immerhin konnten wir noch einen guten Lauftag zum Abschluss genießen, erneut sollte es auf die Strecke des Jungfrau-Marathon gehen. Mein Lieblingsabschnitt entlang der Lütschine bis Lauterbrunnen.
Als Einstieg wählten wir wieder ca. Strecken-km 8,5, beim ehemaligen Militärflugplatz Interlaken, zwischen Bönigen und Wilderswil. Beim Parken wähnen wir uns kurz im falschen Film. Zwei Polizeieinheiten trainieren nur wenige Meter weiter mit vorgehaltenen Sturmgewehren die Eroberung von Gebäuden und Fahrzeugen. Vor allem ihre martialischen Kommandoschreie sind leicht verstörend. Gottseidank verzichten sie auf Schüsse.


Zwar habe ich mich über das Wetter in Lauterbrunnen, unserem Zielort, informiert und mich für 11-15 Grad gekleidet. Zumal in meiner Erinnerung die Schattenpassagen an der Lütschine immer nochmals extra kühler sind. Dummerweise habe ich nicht einkalkuliert, dass es auch lange sonnenbeschienene Abschnitte gibt und schnell ärgere ich mich über mein Langarmshirt. 
Kurz vor Wilderswil überholt uns locker ein jüngerer Läufer. Chris erkennt, dass er eine Supporter Run-Startnummer trägt. Nun ja, der Start dieses Laufs liegt ca. 9 km weiter oben. So was nenne ich mal konsequentes Einlaufen. Zumal er in Wilderswil die Originalstrecke entweder verpasst oder verlässt und uns später nochmals überholt.
Wir dieseln dagegen eher gemütlich nach Gsteigwiler hoch.


Die Luft ist herrlich, nur wenige Wanderer und Radler sind unterwegs.



In Zweilütschinen bremst uns die BOB (Berner Oberland-Bahn) herzhaft aus. Die Schranke ist geschlossen, da gerade die Züge aus Lauterbrunnen und Grindelwald aneinander gekoppelt werden, um danach als doppelt langer Lindwurm nach Interlaken zu fahren. Endlich setzt sich die Zugkomposition (ein Wort, das mir immer nur hier begegnet) in Bewegung. 
Da könnte man jetzt die Schranken öffnen...
Oder auch nicht.
Wir warten weiter.
Da kommt aus Interlaken der Gegenzug, der nun seinerseits hier in zwei Einzelzüge getrennt wird. Das will natürlich sorgfältig erledigt sein.
Die Schranke bleibt zu.
Und dann fährt erst der Zug nach Lauterbrunnen los. Dann rollt der nach Grindelwald los.
Die Gleise sind nun leer.
Da könnte man jetzt die Schranken öffnen...
Oder auch nicht.
An der gegenüberliegenden Schranke wartet ein Gabelstaplerfahrer, der auf dem Gelände anscheinend seiner Tätigkeit nachgeht. Man merkt ihm an, auch ihm reichts. Erstes Hupen. Zweites Hupen.
Mir scheint, er nutzt ein Handy. Endlich, nach ca. 10 Minuten heben sich die Schranken. Endlich können wir weiter und nun folgen auch die Waldpassagen, die dann doch meine Kleidung für mich stimmig machen. Weiter geht es an der kräftig sprudelnden Lütschine entlang Richtung Lauterbrunnen.





Für mich ist an Strecken-km 19 mein Wendepunkt erreicht. Damit komme ich schlussendlich auf 21 km. Chris gönnt sich noch die Runde im hinteren Lauterbrunnental und hat später 28 km auf der Uhr.
Auf dem Rückweg bin ich dann doch durchgängig froh über wärmende Kleidung. Es ist ein kräftig drehender kühler Wind aufgekommen. Doch da es munter abwärts geht, vermag er nicht groß zu bremsen.




Auf dem Rückweg kann ich noch zwei typische Bewohner der Berge ablichten. So oft ich hier bin, noch nie habe ich einen lebendigen Steinbock gesehen und ein Murmeli nur aus weiter Ferne. Nun denn, dann müssen halt so lange diese Stellvertreter herhalten.


Als ich nach 21 km und 380 Höhenmeter wieder am Auto ankomme, trainiert die Polizei immer noch intensiv ihre Taktikmanöver. Dabei nutzen sie teils auch den Wanderweg an dieser Stelle. Da ich auf Chris warten muss, kann ich erstaunte, irritierte und teils auch erschrockene Blicke der ahnungslosen Wanderer und Radler beobachten. In so ein Training gerät man auch nicht alle Tage.