Der Plan entstand schon im Juli, als ich am Eigertrail E16 (=Genussvariante, 16 km mit 960 Höhenmetern) teilnahm. Wie mag es wohl auf der 35-km-Strecke aussehen, mit ihren 2.500 Höhenmetern hinauf...?
Richtig gute Trailrunningstöcke nenne ich inzwischen auch mein eigen, also auf nach Burglauenen, dem Startpunkt!
Wir nehmen uns forciertes Bergwandern vor, unser Ziel ist der Männlichen, der zweithöchste Punkt der Strecke, das sind rd. 12 km mit knapp 1.500 m bergauf. Die Witterung ist zum Start perfekt, Morgenfrische um 9 Uhr. Das Profil verheißt viiiel zu vergießenden Schweiß...:
Zunächst geht es über fahrbare Wege, später schließen sich im Wald teils ziemlich wurzelige und holprige Trails an. Schon hier bin ich heilfroh um die Stöcke.
Erschreckend sind die trockenen Bachläufe. Normalerweise müsste ein munteres Geplätscher zu hören sein, doch ohne die kleinen Namensschilder der Bächlein wüsste man gar nicht, dass man gerade eines kreuzt. Den Trail empfinde ich als anspruchsvoll und stelle mir das unter Wettkampfbedingungen, wenn jeder in seinem Tunnel ist und schnellstmöglich voran strebt, als sehr fordernd vor.
Nach 5 km ist der erste Anstieg geschafft, wir dürfen uns auf horizontalem Gelände etwas regenerieren und die Fernsicht bis zu den Höhen den Juras genießen. Es geht rd. 2,5 km zunächst sanft, dann zackiger abwärts nach Wengen.
In Wengen können wir unser Tagesziel hoch oben am Männlichen erkennen. Sieht auf dem Foto harmlos aus, hat es aber in sich. Inzwischen ist es warm geworden, über 20°. Wir sind dankbar für reißverschlusskürzbare Wanderhosen und werfen uns der "Wand" entgegen...
 |
| Dort hinauf geht es |
Täusche ich mich oder ist dieser Anstieg fordernder als der erste? Trotz des schattigen Waldes komme ich gut ins schnaufen. Und diese endlosen steinigen Passagen mit ihren treppenartigen Abschnitten, hinauf, hinauf, nur hinauf...
Hinter dem Wald brutzelt uns erst die Sonne auf die Köpfe, doch je höher wir steigen, umso besser kühlt der Wind. Was aber den Bergpfaden nichts von ihrem kräftigen Anstieg nimmt.
Immer wieder erhaschen wir einen Blick auf das Ziel. Es kommt auch langsam näher, aber eben langsam. Da hilft nur der Gedanke an die dort oben wartenden kühlen Getränke. Radler oder Cola, was darfs denn sein?
Unser Tempo hat zwangsläufig ziemlich nachgelassen. Aber die wunderbare Aussicht will schließlich auch bewundert sein! Etwas, das beim echten Lauf wohl leider viel zu kurz kommen muss. Wir gönnen es uns. Auch der Blick auf die Flanke des Männlichen mit den Lawinenverbauungen ist eindrucksvoll.
 |
| Blick auf Lauterbrunnen |
Und dann ist es endlich, endlich, endlich geschafft. Mit einem letzten Hauruck kommen wir auf dem Plateau zwischen Seilbahnstation und Berghaus Männlichen an. Es ist vollbracht! Aber dass man dann hier oben gleich weiterrennen würde? Auch wenn nun Abwärtspassagen kommen, wir brauchen ersteinmal Stärkung, in gekühlt-flüssiger Form.
Radler oder Cola? BEIDES!!!
Wie gut das tut!
Wenn man bewegungslos auf der Terrasse sitzt, wird es dann doch kühl. Wir haben knapp über 4 Stunden gebraucht und überlegen, ob wir nun hinunter bis Grindelwald und dann weiter nach Burglauenen wandern sollen. Auch kein Pappenstiel, selbst wenn es nur abwärts ist.
Schlussendlich gelangen wir zu einem Kompromiss: Bis Grindelwald nehmen wir die Seilbahn, ab dort sind es nochmals 5 km über einen Teil des E51, entlang der Schwarzen Lütschine, sanft abwärts. So sind wir kurz vor 16 Uhr zurück am Auto (zu Fuß wäre es deutlich später geworden) und freuen uns über eine anstrengende, aber auch schöne Bergtour.
Es war interessant, diesen Teil der 35er-Strecke kennen zu lernen. Aber ob ich das wettbewerbsmäßig machen möchte? Zumal es ja noch nicht einmal die Hälfte der Strecke war und gemäß Berichten streckenerfahrener Teilnehmer die später folgenden Nur-noch-abwärts-Passagen und die weiteren Höhenmeter es auch nochmals in sich haben. Nicht zu vernachlässigen ist auch, dass der Lauf im Juli stattfindet und man, wie in diesem Jahr, durchaus eine Hitzeschlacht zu bestehen hat. Nein, nichts für mich. Aber die 16 km-Genussvariante, die könnte mir 2023 wieder gefallen, habe ja nun richtig gute Stöcke im Repertoire.