Freitag, 1. November 2013

Schoggi-Belastung

Das verlängerte Wochenende bietet sich für einen kleine Alltagspause in der Schweiz an.
Und natürlich lockt damit eine läuferische Abwechslung.
Das Wetter ist hier zwischen Emmental und Berner Oberland  inzwischen herbstlich fortgeschritten. Zwar ist es noch nicht novembergrau, aber auch nicht mehr prall in Gold- und Rottönen. Der Himmel zeigt sich verwaschen milchig, wie der Blick am Morgen aus dem Fenster zeigt.


Bevor es ans Laufen geht, machen wir einen immer-schonmal-vorgehabt-Ausflug, in schweizer Kernkompetenzfabrikation. Nein, keine Uhren, keine Bank, kein Käse. Allerdings in einer Käseregion, hinter dem Rösti-Graben (der Sprachgrenze zwischen deutsch- und französischsprachiger Schweiz) im Greyerzer Land. In Broc befindet sich Cailler, die laut eigener Werbung älteste schweizer Schoggimarke, Erfinder von Milchschokolade und Pralinen. Heute werden dort jährlich 16-18 Mio kg Schokolade hergestellt.


Neben dem Fabrikgebäude befindet sich ein Besucherzentrum mit Kino, Café, Shop, und Informationsausstellung und -fabrikation. Nach Zahlung von 10 CHF wird man zunächst durch einige Themenräume geleitet, mit Licht- und Toneffekten und einer Stimme aus dem Off, die Erläuterungen zur Herkunft und Geschichte von Kakao und Schokolade bieten.
Es folgt ein Raum mit Musterzutaten und einer kleinen Schokoladenherstellungsbandanlage (deutsches Fabrikat), die völlig ohne menschliches Zutun kleine Schokostücke herstellt. Am Ende sortiert ein Mini-Roboterarm die Guten ins Töpfchen, und die nicht gelungenen lässt er liegen. Faszinierend, wie die Maschine das erkennt. Die Besucher dürfen je ein frisch verpacktes Stückchen probieren.
Dann können wir noch einen Blick in die Fabrikhalle werfen, die aber völlig unspektakulär Edelstahlleitungen und -behälter offenbahrt, in denen alles Mögliche von Joghurt bis Nudelteig sein könnte.
Und dann kommt endlich der ersehnte Raum - Schoggi-Degustation! Mein Mann lauert schon längst darauf, dem Eintrittspreis einen realen Gegenwert und seinem Magen Kalorien zuzuführen.
Das Haus präsentiert hier eine Auswahl verschiedener Produkte. Das Bild täuscht ein wenig, die immer wieder geleerten Platten werden jeweils zügig nachgelegt.


Beherzt greifen wir zu. Doch ich merke rasch, dass das Sortiment nicht meine Linie ist, obwohl ich sonst Schokolade sicher nicht verachte. Man produziert hier sehr süss, sehr cremig, ziemlich nussig. Auch das, was nach dunkel und herzhafter aussieht, entpuppt sich als irgendwie für meinen Geschmack zu schwer. Damit will ich die Qualität nicht in Abrede stellen, die Geschmäcker sind aber eben verschieden.
Womit ich hinterher dann aber völlig ungefährdet durch den Shop hinausgelangen kann. ;-)

Auf dem Weg zum Parkplatz wird deutlich, dass ich den Produkten reichlich Gelegenheit gegeben hatte, mich zu überzeugen. Um nicht zu sagen, zu reichlich. Ich schätze, 3-4 Pralinen und 5 Schokostücke. Eigentlich nicht viel, aber das liegt mir nun schwer im Magen. Zwar vergehen noch 4 Stunden, bis ich mich dann aufmache zum Lauf, aber auch dann habe ich immer noch das Gefühl, Blei im Bauch zu haben.
Hinzu kommt, dass irgendwie die Landwirte alle die gleiche Idee hatten, nämlich noch rasch Bio-Öko-Flüssigdünger aus dem Kuhstall aufs Feld zu bringen. Wenigstens bimmeln munter die Glocken der Kühe und Schafe und dann auch noch die Glocken der Kirche des Nachbardorfs. Damit sind Nase, Bauch und Ohren gut beschäftigt.
Die Beine auch, mit einer lockeren Runde in den Abend hinein, bei der mich das leicht profilierte Gelände hier wie immer gut ins Schnaufen bringt.

Der Himmel erinnert an Bilder von Caspar David Friedrich:


Während weiter unten im Tal durchaus noch viel buntes Laub an den Bäumen ist, sind die meisten Blätter hier "oben" (850m) doch schon fort:






11 Grad, 10,3 km, 1:09 Std (6:45 Min/km), Puls 141 (Messung war aber unzuverlässig)

Kommentare:

  1. Danke für die Exkursion ins Reich der Schokolade, liebe Doris.

    Dazu ein von vielfältigen äußeren (und inneren) Einflüssen begleiterer Lauf vor alpiner Kulisse.

    Liest sich ganz noch einem gelungenen Tag. Viel Spaß noch in Deiner wohl schon zweiten Heimat :-)

    Liebe Grüße
    Volker

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    1. In meiner "angeheirateten" Zweitheimat ;-) Ja, innere und äussere Genüsse im Land von Käse und Schokolade ;-)
      Liebe Grüsse
      ELKE

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  2. Dem Volker hat die Schokki-Schreibung wohl so die Sinne vernebelt, dass er dich mit einer österreichischen Bloggerfreundin verwechselt, liebe Elke! ;-)
    Mir wäre es wohl gegangen wie dir: Diese ganz schweren, cremig-sahnigen Schokoladen sind nicht nach meinem Geshmack, so anfällig ich sonst auch für Süßkram bin.

    Schöne Herbsteindrücke hast du eingefangen. Über solche Wolkenformationen freu ich mich immer wieder! Nur das mit der Flüssigdüngung war natürlich unschön. aber immer noch besser Gestank auf den Feldern als geruchlose Chemie, oder?

    Liebe Grüße,
    Anne

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    1. "Schokki-Beschreibung" natürlich - ich glaube, meine Sinne sind vom Öko-Flüssigdünger-Nebel betäubt!

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    2. LACH - wie so ein bisschen Schokolade doch die Menschen verwirren kann...! Aber lieber von Schoggi und anderen natürlichen Dingen als von Kunstdünger!
      Liebe Grüsse
      Elke

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  3. Schöner Ausflug
    Dass dir die Schokolade schwer im Magen gelegen hat, das kann ich gut nachempfinden, mir geht es genauso, ich könnte auch nicht - wie andere - eine ganze Tafel futtern, dann müsste ich schwer dafür büßen. Ein Stück leckere, bittere Schokolade, weißt schon von dem Schweizer Hersteller mit L, dann noch mit Chili, dann schmelze ich dahin, aber es liegt mir auch nicht schwer im Magen.

    Schöne Landschaftsimpressionen - ich mag die Schweiz !

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    1. Diese andere Marke hat auch mehr für meinen Schoggi-Geschmack. Und es müssen dann auch keine Massen sein, so etwas Kaffiniert-kombiniertes - herrlich!
      Liebe Grüsse
      Elke

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  4. Hej Elke
    Schoggi ist bestimmt die feinste, aber nicht unbedingt die idealste Läufernahrung ;-)
    Schönes Wochenende in der Schweiz
    Liebe Grüsse
    Marianne

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    1. Hallo Marianne,
      wie sagte Oscar wilde einmal: "Versuchungen muss man nachgeben, wer weiss, wann sie wiederkommen". Vernünftige Nahrung ist danach dann wieder ;-)
      Liebe Grüsse
      Elke

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  5. Hallo Elke,
    nachdem ich ja gerade erst aus Vorarlberg zurückgekommen bin und dort meine schweizer Freundin getroffen habe, die mich immer mit viel guter Schweizer Schoggi versorgt, muss ich mich hier auch noch zu Wort melden.
    1) Laufen ohne Schoggi ist doof ;)
    2) Warum sollte man das überhaupt versuchen??
    3) Bei Caillier gehts mir allerdings gleich, wie dir, die ist mir einfach zu cremig. Ich mag ja am liebsten die Migros-Schoggitafeln, je nach Laune nur Milch oder Milch mit Nüssen, Weinbeeren und mehr!
    (Ich glaub, ich muss mal schauen gehen, was da noch alles drüben in der Küche liegt!)

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    1. Hallo Doris,
      lach - auch eine Schoggi-Liebhaberin?! Allerdings verkneife ich mir vor dem Laufen alles in dieser Richtung, das mag mein Magen nicht. Ansonsten gern etwas halb-bitteres oder herb.
      Ich offe, Du bist in Deiner Küche fündig geworden ...? ;-)
      Liebe Grüße
      Elke

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