Dienstag, 1. November 2016

Hockenheimringlauf (10 km) 2016

Liebgewonnene Traditionen soll man pflegen! Bevor also irgendwann eventuell der Hockenheimringlauf das gleiche Schicksal erleidet, wie der Nürburgringlauf, und sang- und klanglos zu Grabe getragen würde, was aber hoffentlich nie passieren wird, lieber rasch nochmal hier angetreten!
So machen wir uns auf ins nebeligtrübe Hockenheim.
Und werden am Ende eine bahnbrechende Erkenntnis zur Leistungssteigerung erlangen...



Im Start-/Zielbereich schon emsiges Gewusel, es werden diverse kürzere Läufe ausgetragen.










Verdammt schattig ist es, 6°, dazu zwar nicht starker, dennoch spürbarer Wind.
Auf dem Weg zum Start, der einen knappen km vor dem eigentlichen Ziel stattfindet, können wir uns Gedanken zur Ideallinie machen. Aber solche Bremsspuren wie die DTM werden wir wohl nicht hinterlassen.







Wir verfolgen den Start eines Kinderlaufs. Eine kurze Strecke durchs Motodrom und dann gleich ins Ziel. Aber der läuferische Nachwuchs ist mit großem Eifer bei der Sache.








Jede Menge Platz zum Warmlaufen. Ein Muss heute, denn sonst drohen Frostbeulen.









Unser Vorher-Bild. Hinter der Kamera Doris, die uns Dreien als munterer Sherpa dient. Sie hat einen extra-großen Rucksack auf dem Rücken, damit wir bis kurz vor dem Start unsere wärmende Kleidung behalten und ihr dann überlassen können.








Kurze Zeitverzögerung, da einige Nachzügler sich nicht rechtzeitig auf den Weg zum Start gemacht haben und noch auf dem Asphalt dem Feld entgegen getrottet kommen.







Endlich geht es los. Diesmal gibt es Einwegchips hier, aber Brutto=Nettozeit, also kein Zeitmessstreifen am Start. Der wird parallel ausgeführt, d.h. 2 Startfelder laufen von 2 Stellen am Kurs gleichzeitig los und vereinigen sich nach einigen 100 m kurz vor der Zielgeraden. Bis dorthin legt jedes Feld die gleiche Distanz zurück. Damit erhalten mehr Teilnehmer die Chance, weit vorne an der Linie zu stehen. Dennoch gibt es bei knapp 1300 10-km-Läufern ein wenig Platzgerangel. Wie immer lasse ich mich anstecken und sehe dauernd eine 4'er-Pace deutlich unter 5 Minuten auf meiner Uhr. Eigentlich zu schnell, aber erste Maxime im Moment ist: Die Einlauftemperatur des Betriebssystems nun weiter zu steigern. Und zwar bis in die Fingerspitzen, die mangels Handschuhe Kühlschrankgefühle vermelden. Aus den Boxen dröhnt eine moderne Fassung von "Burning Ring of Fire", prima, ich kann jeden wärmenden Gedanken brauchen.

Alles sprintet wie die Hasen vor dem Fuchs davon. Ich suche mir anfangs Bremsläufer, doch bald hat der Kopf die Beine halbwegs gut im Griff. Ich überhole eine Läuferin, die mir anfangs sehr unsanft vor die Füße lief. Es reizt mich, mich zu revanchieren. Doch ihr vorauslaufend die Fußsohlen zu zeigen, ist schlussendlich die elegantere Methode.

Bald meine ich, die Spitzkehre erreicht zu haben, bei der DTM und F1 auf Höchsttempo angerauscht kommen. Ist aber doch erst die Bernie Ecclestone-Kurve. Der Nebel irritierte wohl ein wenig. Es folgt erst noch die langezogene Parabolika und dann die Kehre. Hier sehe ich, dass ich gut im Mittelfeld liege. Aber ich sehe auch, dass Heidrun mir doch ziemlich nah auf den Fersen ist. Huch?! Zeigt mir meine Uhr etwa falsche Zeiten oder hat sie heute einen Super-Lauf?! Nicht dass ich es ihr nicht gönne, aber das nehme ich doch mal eher als Ansporn!

Bei der Mercedes-Tribüne steht die dokumentierende Doris und hält uns fotografisch fest.




























Kurz darauf, auf dem Weg ins Motodrom schiebt sich langsam eine kleine, kräftig-drahtige nur wenig jüngere Läuferin an mir vorbei und läuft auf zwei junge plaudernde Bursche auf, die ihr, da Schulter an Schulter unterwegs, den Weg versperren. Sie könnte ja seitlich an ihnen vorbei, lässt aber ein munteres "Lasst ihr mich mal vorbei"-Kommando ertönen. Reflexartig verstummt das Duo und teilt sich, sie schnürt gemächlich und geruhsam zwischen ihnen hindurch. Diese Methode muss ich mir merken! Den über ihre Reaktion selbst verdutzten Burschen entfährt ein kräftiges "Sch....!"
Ob die beiden ihr Paroli bieten, kann ich nicht weiter verfolgen, inzwischen habe ich doch mit mir selber zu tun.

Denn weiterhin zeigt mir meine Uhr Zeiten mal unter, mal über 5 Min/km.
"Wo soll das hinführen? Kann ja nur ein Einbruch folgen..." sagt der eine kleine Mann im linken Ohr.
Der andere im rechten entgegnet "Ach was, wenn's läuft, dann läuft es! Vielleicht knackst Du ja die PB?"
Mit diesem inneren Dialog renne ich so vor mich hin.

Vorbei gehts nochmals am Zieleinlauf und auf in die zweite Runde. Immerhin, diesmal kommt noch nicht von hinten die Spitze und finisht, wie bei meiner ersten Teilnahme hier.
Inzwischen hat sich das Feld sortiert und ich laufe mit Teilnehmern etwa gleichen Laufvermögens um mich herum.

In der Parabolika merke ich, dass ich auserwählt wurde. Von einem grüngewandeten Schnaufer als Hase. Erst nutzt er meinen Windschatten, dann schiebt er sich vorbei. War aber wohl zuviel und ohne dass ich beschleunigen muss, fällt er wieder zurück. So geht das eine ganze Weile, letztendlich zieht er dann doch bei der Spitzkehre in Zeitlupe von dannen.

2/3 des Wegs sind geschafft, aber nun wird es zäh. Oder besser, es fühlt sich so an, denn wo die Beine gefühlte Langsamkeit vermelden, zeigt mir die Uhr immer noch eine Pace zwischen 5:00 und 5:10 an, nur gelegentlich mal eine 5:20.
Ich darf das jetzt gar nicht im Kopf ausrechnen, was das bedeuten würde und könnte...
Nochmals hinein ins Motodrom, wo wie schon bei der ersten Runde immer noch ein unangenehm drehender Gegenwind herrscht.
Kon-zen-tra-tion! NICHT nachlassen!
Weiter so! Das Brennen in den Beinen ist reine Illusion!
Vom Ziel bei den Boxen vermeldet der Sprecher 49:30.
Will ich jetzt gar nicht hören.
Da werd' ich ja noch wuschig!
Die letzte Kurve.
Jetzt höre ich was von 50 Minuten.
Is' nicht mehr so weit, ich sehe schon das Ziel da hinten.
Die letzten Körner zusammen suchen. Da sind noch welche im hintersten Winkel der Lunge, und unterm dicken Zeh haben sich auch welche versteckt.
Her damit, es gilt!
Ohne dass das jetzt in einen äußerlich sichtbaren Zielsprint münden würde habe ich gleichwohl einen ziemlichen inneren Kampf. Aber das lasse ich mir jetzt nicht mehr nehmen. Bin heute so weit immer am Anschlag gelaufen und das ziiiieeehe ich jetzt durch.

Ich renne durchs Ziel, stoppe die Zeit und kann es nicht fassen: 51:23, offiziell werden es sogar 51:19. Sage und schreibe habe ich meine bisherige Bestzeit (2015 53:03) um 1:44 verbessert!!
Darauf genehmige ich mir einem Becher Läufertee im Ziel.





Das Bild täuscht, auch bei Heidrun und Chris lief es hervorragend!












Wir gönnen uns etwas von der erstklassigen Stärkung, die in Hockenheim liebevoll zubereitet wird...










... und freuen uns!

Bei der Abfahrt können wir eine nette Beobachtung zur Gewissenhaftigkeit deutscher Autofahrer machen: Noch auf dem Ring-Gelände kommt es zu einem Stau. Ok, kommt vor. Aber es geht nicht voran, keinen Meter.
Man steht und steht und steht.
Die Motoren sind aus.
Alles wartet brav, kein Hupen, nichts.
Nach 7 oder 8 Minuten wird es mir zu viel und ich gehe nach vorn nachschauen.
Alles wartet vor einem einspurigen Tunnel, der mittels Ampel gesteuert wird.
Just in dem Moment kommt ein ortskundiger Fahrer hinzu und erklärt: Die Ampel ist an eine Bodenschlaufe gekoppelt und zeigt rot, solange keiner drüberfährt. Der erste Wagen hat abgekürzt und ist daher nicht drüber gefahren. Der zweite Wagen steht hinter Nummer 1 und hat die Schlaufe daher ebenfalls nicht erreicht. Beherzt fährt nun Wagen Nummer 2 ein Manöver, kann erfolgreich die Schlaufe touchieren und alle sehen das schönste Grün ihres Autofahrerlebens.
Ab da läuft es reibungslos und gut bis daheim.

Ach ja, die Erkenntnis zur Leistungssteigerung...
Tja, schon verrückt. Ich habe nicht speziell Tempo trainiert und letzte Woche ging es mir erkältungsbedingt auch nicht ganz so gut.
Woran also konnte es liegen...?
Wicki (der mit den starken Männern) würde sich jetzt seinen Zeigefinger an der Nase reiben und Pan Tau würde auf seine Melone klopfen...

Ich glaube, das muss mit dem Vortag zu tun haben. Da waren wir in lieblicher Gegend nicht weit weg. Das Bild zeigt uns inmitten des wachsenden Grundstoffs eines bisher nicht als läufertypisch verdächtigten Getränks.
Wir haben uns bei drei Weingütern quer durch die Weinkarte getr.. degustiert (natürlich alles in Maßen) und wurden daher auf der gesamten Heimfahrt vom Klappern der erworbenen Flaschen im Kofferraum begleitet.
Da muss es irgendwie Zusammenhänge geben...
Aber damit tut sich das nächste Problem auf: War es der Trollinger?
Oder der Lemberger?
Oder doch eher die Clevner Spätlese?

Das verlangt nach weiterer Evaluierung, zu der ich mich selbstlos zur Verfügung stelle!

6°, 10 km, 51:19, (5:02 Min/km), HF165

Kommentare:

  1. Liebe Elke,
    wow! Ich gratuliere dir zu deiner Spitzenzeit! :) Und die Auflösung, welche Weinsorte denn nun "Schuld" an dem Turbolauf war, interessiert mich sehr!! ;)
    Schön, dass ihr so einen tollen Lauf hattet. Die Strecke an sich ist ja nicht so ansehnlich, aber die Zielverpflegung umso mehr! :D

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    1. Liebe Doris,
      danke! Und wir werden natürlich in-ten-siv weiter Studien betreiben! Die Strecke ist nicht optisch schön, aber eben speziell, da nur 1x im Jahr zu belaufen. Und mein Mann ist hier schon Formel 3 gefahren und kennt also auch eine ganz andere Perspektive.
      Liebe Grüße
      Elke

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  2. Spitzenzeit! da schließe ich mich an regenfrau an.

    Herzlichen Glückwunsch!

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    1. Liebe Lizzy,
      danke Dir! Ja, an Tagen wie diesen.....
      Liebe Grüße
      Elke

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  3. Mensch Elke, spannend geschrieben wie ein Krimi liest sich das. Uhr kaputt, nein, Gefühl kaput vom Wein und voila Bestzeit! Herzlichen Glückwunsch!
    Die Strecke würde mir auch nicht wirklich gefallen, aber wenn's schnell macht ;)
    Liebe Grüße!

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    1. Liebe Roni,
      ja, manchmal erwischt man Tage, da läuft einfach alles :-)! Ich kann verstehen, wenn Dir die Strecke nicht gefällt, ist eben ein spezieller Ort, den man mögen muss. Mich reizt so etwas ja auch, aber nur für gelegentlich.
      Danke und liebe Grüße
      Elke

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  4. Liebe Elke,

    Mensch, da müsste ich ja ziemlich schnell sein, wenn die Erkenntnis stimmt. :-)

    Liest sich nach einem sehr gelungenen Lauf, Glückwunsch zur Bestzeit. Manchmal läuft es einfach und Du hast es genutzt. Sehr schön!.

    Gruß
    Anja

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    1. Liebe Anja,
      mh, vielleicht kommst Du gerade dank genau diesen Tuningsafts wieder auf die Beine...?
      Genau, manchmal läuft es unerklärlich gut :-)
      Danke und liebe Grüße
      Elke

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  5. Liebe Elke,
    unverhofft kommt oft ...:-)))
    Mensch, das ist ja ne irre Zeit. Gratuliere dir erst mal dazu. Vielleicht liegt es auch ein bisschen an der Lockerheit mit der du an den Start gegangen bist? Du hattest ja wahrscheinlich gar nicht mit gerechnet so schnell zu laufen?
    Und wenn du ein bisschen erkältet warst, sind deine Beine ja auch ausgeruht. Und überhaupt, es war einfach DER Tag für deine Beine :-)
    Freu dich einfach und frag nicht warum :-)))
    Super Lauf! Möge diese Veranstaltung noch lange erhalten bleiben.
    Liebe Grüße
    Helge

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    1. Liebe Helge,
      ich vermute ja auch, dass ich nicht angespannt und voller Erwartung mit den Hufen scharrte beim Start. In der letzten Zeit haben wir ja ein paar 10'er mitgemacht, aus Spaß an der Freude. Ich hatte auf einen guten Lauf gehofft, aber gleich soviel schneller? Darauf zu planen wäre Hirngespinst. Genau, es war einfach DER Tag dafür :-)
      Und klar hoffe ich auf weitere Hockenheimringläufe, nächstes Jahr wirds die 20. Auflage dort.
      Danke Dir und liebe Grüße
      Elke

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  6. Gratulation zu dieser tollen Zeit. Wer waagt gewinnt eben auch mal! :)

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    1. Lieber Markus,
      danke Dir! Genaus so. Manchmal muss man etwas wagen, auch wenn dann nicht alles klappt.
      Liebe Grüße
      Elke

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  7. Du machst mir Angst, liebe Elke!! :-))

    Herzlichen Glückwunsch zur sensationellen PB!

    Liebe Grüße
    Volker

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    1. Lieber Volker,
      nein, kein Grund, das kann ich nicht jedesmal auf's neue raushauen, werde ja auch nicht jünger!
      Danke und liebe Grüße
      Elke

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  8. Statt mit Anabolika, mit Parabolika zur Bestzeit!
    Mein ganz herzlicher Glückwunsch!

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    1. ... und mit Trollinger&Co im Blut. Naja, in allerminimalster Form natürlich, sonst verlässt man die Ideallinie zu oft!
      Danke und liebe Grüße
      Elke

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