Samstag, 8. April 2017

Benrather Volkslauf 2017 (Halbmarathon)

Nachdem wir letztes Jahr im Düsseldorfer Stadtwald einen 10-km-Lauf bestritten, haben wir gern diese nette, familiäre Veranstaltung für den gemäß Marathontrainingsplan anstehenden Halbmarathon auserkoren.
Nur eine gute halbe Autostunde brauchen wir und haben auch noch Parkplatzglück in dem dafür etwas schwierigen Viertel.
Wir sind reichlich früh dran, aber dennoch passend, denn justament ertönt "An Tagen wie diesen" im Start-/Zielbereich, die Toten Hosen sind schließlich Söhne dieser Stadt!
Wir schauen uns den 10-km-Lauf an und betreiben Laufstudien, die wie immer enden.
Warum läuft der so schlabberig und ist dennoch viel flotter als wir? Ungerecht ist das!
"Schlabberig" lässt sich auch ersetzen durch "schlurfig", "eierig" oder "rudernd". Das Ergebnis unserer Betrachtungen: Auch mit seltsam anmutendem Stil kann man schnell sein, wobei die Schnellsten dann aber lehrbuchhaft laufen. Es siegt ein Belgier in einer 34'er-Zeit.

Während das Mittelfeld der 10'er durch den kurzen Tunnel dem Ziel entgegenläuft, machen wir uns langsam startklar. Ich freue mich auf den Lauf, aber vermute mal stark, wenn ich nachher hier im Tunnel bin, werde ich ziemlich k.o. sein.
Meine Vorgabe: 2:01 Std mit 5:46'er Pace.
Immerhin fühlen wir uns durch die Musikauswahl ganz besonders befeuert: "Sugar Baby Love" von den Rubettes, "Oh la Paloma Blanca"/George Baker Selection, "Dancing Queen"/Abba. Na da wird man doch gleich wieder jung!! Ob sich das gleich umsetzen lassen wird? "Atemlos" ertönt aber auch...

Gut 430 Läufer/innen warten auf den Startschuss und stehen im Walde, wenn man so will. Doch dem ist natürlich nicht so. Im Walde stehen nachher ganz viele Helfer/innen und lotsen uns durch das malerische Grün. Der Kurs ist bestens beschildert und organisiert. Selbst eine Bundesstraße wird für die Querung der Läufer gesperrt. Bei km 4 ist das ja noch locker, da ist das Feld noch relativ dicht beieinander. Doch als ich bei km 14 erneut an diese Stelle kommen werde, und dies allein, sind manche Autofahrer nicht mehr so erfreut über diese Beeinträchtigung.
Doch ich greife vor.
Mit dem Startschuss stürmt erst einmal alles los. Ich möchte mich jedoch heute an der Pace orientieren und lasse daher nach einer Weile bewusst abreißen. Was dazu führt, dass ich eine Weile allein laufen muss. So habe ich aber auch viel mehr Genuss des Waldes für mich. Die Düsseldorfer sind zu beneiden um dieses Kleinod!

Etwa bei km 6 laufe ich auf 2 junge Läufer auf, einer im roten, der andere im schwarzen Shirt, und beschließe, dort zu bleiben, denn das Tempo passt. So durchlaufen wir um km 8 einen ganz wunderschönen Abschnitt, der über kleine Holzbrücken durch eine Art Sumpfgelände in einem Naturschutzgebiet führt.
Bald lässt Schwarzhemd nach, ich überhole, Rothemd kommt mit, Schwarzhemd fällt zurück.
Wir werden unsererseits von einem jungen Asiaten überholt, der dann aber vor uns bleibt. Ich bewundere seinen Fußaufsatz, so was von locker und fluffig. Als hätte er Federn in seinen Fußsohlen. Berühren seine Fersen überhaupt den Boden?

In dieser Konstellation passieren wir einen Campingplatz. Dort hat sich eine vielköpfige Band für uns postiert und schmettert kräftige Töne. Am Verpflegungsstand schnappe ich mir einen Becher, ohne zu merken, dass Iso drin ist. Wollte ich eigentlich nicht, und dann schwappt mir klebrige Brühe auch noch über die Hand.
Bei km 10 steht ein Eiswagen! Echt gemein!! Plötzlich schwächelt der Asiate mit dem fluffigen Fußaufsatz, er geht und wir passieren ihn. Rothemd zieht es nun flotter den Unterbacher See entlang, ich will es nicht übertreiben und bleibe meiner Pace treu.

Die Osthälfte des Sees wird umrundet, 13 km sind geschafft.
Bei 13,5 falle ich in ein Loch, ein läuferisches. Pfff, ich muss plötzlich beißen, hoffe aber auf die zweite Luft.
Die kommt dann auch. Sicherheitshalber lasse ich einen Traubenzucker im Mund zergehen. Bei km 14 folgt wieder ein Verpflegungsstand. Ich greife konzentriert zu Wasser und reinige mir damit auch die immer noch vom Iso klebrigen Hände.
Es läuft wieder etwas besser. Und erstaunlicherweise sinkt die Pace nicht, obwohl ich mich nicht mehr im Zeitfenster fühle. Noch nicht.
Nur auf den letzten 4 km passen sich Gefühl und Tempo dann doch ein wenig an. Hier und da kann ich noch Langsamere einsammeln. Es sind derer jedoch nicht so viele. Es ist aber auch keiner da, von dem ich mich noch ein wenig ziehen lassen könnte.

Den "roten Lappen" bilden hier zwei emsig rufende und klatschende Vereinsdamen, die uns für den letzten Kilometer motivieren wollen. Überhaupt sind die allermeisten grüngewandeten Helferlein sehr nett und feuern uns immer wieder an, wie auch manche der Spaziergänger.

Den Zieleinlauf sieht man auf den letzten 500 m schon gaaaanz weit hinten. Ich habe kein zusätzliches Körnchen mehr und bin sowas von froh, als ich mein Zielfoto schießen kann.
Wie vor 2,5 Stunden vermutet, bin ich echt groggy und muss erst einmal verschnaufen.
Mein Mann ist natürlich schon da und erwartet mich. Da passen die Klänge von Dr. Alban doch ganz gut, auch wenn der ja wohl Zahnarzt sein sein soll...

Wir finden eine Bank und erzählen uns unsere Beobachtungen. Ein sehr schöner Kurs durch Wald ohne Ende (außer da wo See ist). So ein Laufrevier müsste man vor der Tür haben.
Ich schmücke das mittlere Mittelfeld und erziele mit 2:01:16 (netto) eine Punktlandung zur Vorgabe und den 4. Platz meiner AK.
Mich tröstet, dass ich beim Marathon ja nicht sooo flott rennen muss.
Dafür aber länger.

Kommentare:

  1. Liebe Elke,

    solche Läuferstudien habe ich auch schon so manches Mal betrieben, wenn ich Streckenposten beim Oldenburg-Marathon gewesen bin. Da dachte ich immer, wie langsam doch so die Marathon-Läufer unterwegs sind, dabei liefen die die Distanz auf 3:15 bis 3:30. Ein Stunde schneller als ich. Krass.

    Ansonsten kann ich nur sagen: Allerbest, Du liegst absolut auf Kurs. Ich graturliere Dir zum in guter Zeit sauber gestandenen HM!

    Gute Erholung und liebe Grüße, auch an Chris
    Volker

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    1. Lieber Volker,
      ja, solche Studien können einen fast zur inneren Verzweiflung treiben. Aber jeder macht halt so gut er kann. Deswegen werde ich mir keinen eierigen Laufstil aneignen... ;-)
      Danke und liebe Grüße
      Elke

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  2. WOWFrau! Bist du schnell! Herzlichen Glückwunsch!

    Sieht nach einem wirklich schönen Lauf aus - und bei dieser Musik wäre mir vermutlich, als stünde die Einschulung bald bevor *s*

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    1. Liebe Lizzy,
      schnell? Nun ja, ich war schon schneller. Aber es das sollte ja nur ein Schritt auf dem Weg zum großen Ziel sein.
      Die Musik war echt spaßig, weil man ja in unserer Generation damit automatisch ganz viele Bilder im Kopf verbindet.
      Liebe Grüße
      Elke

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    2. Schneller bei diesem scheinbar doch nicht ganz einfachen Lauf? Ich meine: das sieht jetzt nicht nach flacher Asphaltstrecke aus auf den Fotos. Dazu das kreislauflastige Wetter ... ich finde das schnell. So!

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    3. Neenee, der Lauf ist völlig flach (nur eine Autobahnunterführung), wir hatten 15 Grad und ok, Asphalt nur mal sporadisch.
      Aber hast ja recht. Man kann nicht immer neue PB raushauen :-)
      LG
      Elke

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  3. Liebe Elke,
    Punktlandung! Das ist ja vielleicht gekonnt! :D
    Der Lauf klingt ja wirklich sehr schön, das ist aber nicht im selben Gebiet wie der viele-Runden-Lauf mit den vielen Höhenmetern?
    Jedenfalls toll, dass du deine Vorgaben so gut erfüllen konntest und noch nicht mal das Iso-Getränk dich oder deinen Magen verstimmen hat können! :)

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    1. Liebe Doris,
      ja, Vorgabe erfüllt, war aber echt anstrengend gegen Ende. Wobei der Magen dann auch nicht mehr so ganz brav war, kann aber am kalten Wasser gelegen haben.
      Nein, das ist nicht der verrückte Lauf in endlosen Runden im Kölner Stadtwald. Dieser war in Düsseldorf, wo der Wald so groß ist, dass man sogar eine riesige Runde hinbekommt. Und völlig flach.
      Danke und liebe Grüße
      Elke

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  4. Da wurde dir wohl gegen Ende der Zahn gezogen :D
    Aber gut durchgebissen und am Ende perfekt die Zielvorgabe erfüllt. Genau so darf es immer laufen!

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    1. Lieber Markus,
      am Ende waren es genug Zähne, um zu beißen ;-) Wieder ein Baustein auf dem Weg zum Marathon.
      Danke und liebe Grüße
      Elke

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  5. Da warst du ja ganz in der Nähe! Glückwunsch zu erfüllten Vorgabe beim Lauf mit Tunnelblick!

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    1. Ja, schon wieder einmal ein Ausflug ins D-Land, für eher Köln-Bezogene ein echtes Abenteuer, da nimmt mans elbst Tunnelblick hin ;-)
      Danke und liebe Grüße
      Elke

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