Ja das Bild deutet es schon an, mal wieder (Kurz-)Reise und Geschichte. Es sollte auch laufen geben, ehrlich.
Ich hatte die Sportsachen dabei. Und auch schon geschaut, wo man laufen könnte, an der Loire, wäre ja reizvoll. Aber dann war es dermaßen heiß, über 30°, da schrumpfte die Lauflust doch deutlichst. Immerhin gab es Hitzetraining der anderen Art, Besichtigungen historischer Stätten zu Fuß. Danach war ich abends jeweils völlig kaputt.
Also gibt es hier wieder mehr Historisches zu lesen, immerhin mit zwei kleinen sportbezogenen Akzenten.
Unsere Kurzreise ging nach Burgund. Anlass war der dringende Wunsch meines Mannes, einmal mehr einen Motor heulen zu lassen, aber so richtig. Zielort dazu war Magny Cours. Ich regte an, die Reise doch ein wenig historisch anzureichern. Also ein kurzer Bericht, der Einfachheit halber nicht nach Reiseverlauf, sondern im historischen Kontext.
Da ist zunächst Bibracte zu nennen. Die Hauptstadt des gallischen Stamms der Haeduer, etwa von 100 v. Chr. bis unmittelbar v. Chr. Diese Stadt lag auf einem Hügel mit bester Aussicht. Im Jahr 58 v. Chr. wurde es hier geschichtsträchtig. Die Helvetier (ja genau, die heute eidgenössisch Neutralen) wollten neue Gebiete im Westen erobern und trachteten nach dem Gebiet der Haeduer. Die wiederum waren mit Cäsar befreundet, der schon halb Gallien unter sich hatte und baten ihn um Hilfe. Cäsar ließ sich nicht zweimal bitten und vereint verjagte man die Helvetier.
Heute sind einige Teile ausgegraben, aber bei Weitem noch nicht alles. Wir kämpfen uns auf einem Waldwanderweg 1,5 km den Hügel hinauf. Normalerweise kein Akt, aber die Hitze... Oben auf dem Plateau ist der Schatten spärlicher. Dafür erkennen wir, dass man auch mit dem Auto hätte hinauffahren dürfen, 😟. Nun ja, der sportliche Stolz der Hügelbesteigung ist auf unserer Seite. Dennoch verzichten wir auf vollumfängliche Erkundung und beschränken uns auf einige Ausgrabungsstellen.
Doch trotz Cäsars Hilfe zeigten sich die Haeduer undankbar. Nur 4 Jahre später, 52 v. Chr. erlagen sie wie auch andere gallische Stämme dem Charme eines gewissen Vercingetorix, entsagten den Römern und schlossen sich dem gemeinsamen Großprojekt an, der Vertreibung der Römer aus Gallien.
So kam es in Alesia, der auch auf einem Hügel gelegenen Hauptstadt der Mandubier zur Entscheidungsschlacht. Die leider zum Nachteil der Gallier ausging und ihre endgültige Niederlage darstellte.
In Alesia konnte ich mich schon vor 2 Jahren kurz umsehen, als Chris ebenfalls aus Gründen des Automobilsports in Dijon weilte, nicht weit entfernt. Doch seinerzeit war die Zeit knapp und so sollte diesmal noch das dortige Museum besichtigt werden. Größter Reiz des Museums war ... die Klimaanlage! Aber auch sonst war es durchaus interessant und sehr modern. Sogar mit Bäumen auf dem Dach und draußen einem nachgebauten römischen Wall, wie er zur Belagerung von Alesia wohl angelegt worden war.
Und wenn man schonmal da ist und das Ticket ebenfalls das Ausgrabungsgelände umfasst, lassen wir es nicht aus, denn Chris kennt es ja noch nicht. Ein wenig Wind mag die sengende Sonne nur geringstfügig zu mildern.
Zurück zur Geschichte. Nach seinem Sieg zieht Cäsar wieder nach Bibracte, zu seinen früheren Freunden. Die aber irgendwie etwas einfädeln, was man heute "Deal" nennen würde. Ihr Ort wird nicht vernichtet, im Gegenteil, Cäsar quartiert sich ein, um in Ruhe seine Kriegserinnerungen zu dokumentieren, bevor er weiterzieht, Vercingetorix für 6 Jahre als Geisel im Schlepptau.
Um das Jahr 15 v. Chr. tat sich wieder etwas bei den Haeduern. Inzwischen war Augustus an der Macht und ihm lag Bibracte wohl zu abgelegen. Er gründete 20 km entfernt Augustodunum, an einem Fluss und an wichtigen Handelsstraßen gelegen. Modern römisch gebaut mit allem Pi-Pa-Po. Das fanden die Haeduer doch auch spannend, verließen nach und nach ihr Bibracte, um Augustodunum ein gallo-römisches Gepräge zu geben.
Die Stadt heißt heute Autun und es gibt noch einige Hinterlassenschaften zu besichtigen. (Ich schreibe jetzt mal nichts zur Hitze, die war eh' da).
Ein beeindruckendes Amphitheater ist teils erhalten. Es fasste 20.000 Zuschauer, zu den heute noch sichtbaren Rängen muss man sich noch deutlich höhere Aufbauten vorstellen.
Soweit der gallisch-römische Aspekt meines Posts.
Das eigentliche Ziel war Nevers, einer der üblichen Übernachtungsort für Magny Cours, ein Städtchen mit viel mittelalterlichem Charme und auch wenig Touris. Ach naja, und auch ... heiß. Dennoch, die Gässchen müssen erkundet sein:
| Herzogspalast, 15. Jh. |
Während Chris dann endlich seiner Leidenschaft fröhnen kann (wenig überraschend, in brüllender Hitze) ...
... erkunde ich noch weiter die Stadt. Hier wird es im Sommer sportlich, die Tour de France macht am 15./16.Juli Station und man fiebert dem Ereignis erkennbar entgegen:
Haben die hier etwa einen Marathon? Aber komisch, Ideallinie auf dem Bordstein...? Eine Ideallinie ist es sogar, aber eine für Touristen, die mit ihr die Highlights der Stadt abwandern können.
Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen