Freitag, 13. Dezember 2013

Helle Dunkelmänner



Endlich komme ich heute auch mal wieder raus.
Die Woche war wieder voll mit anderen Sachen, Weihnachtsfeier, usw, und ich will vor Weihnachten definitiv keinen Stress, was mir aber leider nicht gelingen wird.
Doch heute war dann doch die Chance, die Dunkelmänner und -frauen mal im Hellen, oder im fast Hellen, zu sehen. Wobei die Reiterin nicht dazugehört, fällt mir gerade ein. Ich habe auf meiner Feldrunde noch nie einen Reiter im Dunkeln getroffen. Obwohl sich das doch wahrscheinlich durch das Hufklappern auf Asphalt deutlich früher ankündigen würde, als wenn einem Spazier- oder Gassi- oder sonstige -Gänger auf leisen Sohlen begegnen.
Der Wind weht aus südlicher Richtung, im Sommer bedeutet das immer Wärme, aber derzeit scheint der Südpol auch gleich um die Ecke zu sein, so -gefühlt- kalt ist es.

Die Beine wollen dann auch gleich wieder zügig los,
weil die Woche sonst läuferisch nichts los war, vermute ich wohl.
Und es fühlt sich gut an.
Und noch besser: Es ist Wochenende! :-)

8,7 km, 52:04 Min, (5:56 Min/km), Puls 145

Sonntag, 8. Dezember 2013

R.I.P.


Mein heutiger Lauf ist mit wehmütigen Gedanken beschwert.
Gandalf ist tot.
Gandalf war ein ganz alter Kater. Eines Morgens im Sommer wurde er in seiner Box vor dem Tierheim gefunden, in dem ich ehrenamtlich gelegentlich helfe, und aus dem auch unsere Katzen stammen. Er bot einen jämmerlichen Anblick, struppiges Fell, klapperdürr, schwach, uralt. 
Und einfach so von seinen Menschen abgeschoben. 
Noch nicht einmal dem Heim übergeben, 
nein, 
wie  Müll bereitgestellt für die Müllabfuhr...
So holte man ihn erstmal hinein ins Tierheim.
Doch Gandalf -wie er wegen seines Erscheinungsbildes genannt wurde- war sehr unverträglich allen Zwei- und Vierbeinern gegenüber. Und da es keine Einzelappartements gibt, blieb er erst einmal auf der Wiese im Tierheimgelände und bekam sein persönliches Biwak eingerichtet: Eine gemütliche Katzenhöhle, Sonnen- und Regenschutz, immer frisches Futter und Wasser. Das gefiel Gandalf und er beschloss, zu bleiben. Selbst das Hundegebell störte ihn nicht. Da er auch keine großen Ausflüge mehr mochte, lag er meist dort. Gern ging ich zu ihm hin, blieb eine Weile sitzen und sprach mit ihm. Dann taute er auf, verlies seine Höhle und zeigte so an, dass er gestreichelt werden wollte. Was er dann auch sehr genoss. Allerdings durfte man keine seiner Schmerzstellen berühren, dann setzt es etwas. Aber die paar Kratzer nahm ich in Kauf.

Bald wurde er kräftiger, sein Fell besser. Nur die alten müden Knochen, die blieben wie sie waren.

Mit Ende des Sommers und den kühleren Nächte beschloss Gandalf, hier geht man gut mit ihm um und zog um in den Flur und ins Büro des Katzenhauses. Er entschied sich für einen Schlafplatz im Lager des Tierheims, bekam nach dorthin sein Futter "geliefert" und so taute er langsam weiter auf. Freute sich mehr und mehr über Streicheleinheiten. Bewachte die Kaffeemaschine. Oder saß auf dem Bürostuhl und beobachtete das Geschehen. Es war schön zu sehen, dass er auf seine alten Tage noch sein Plätzchen gefunden hatte und es genoss. Doch mit den Wochen wurde er dement. Er vergaß, wie eine Katze so ihr Geschäft macht und dass er dazu sein persönliches Katzenklo hatte. 
So stellte man ihm einfach das Katzenklo gleich unter seinen geliebten Bürostuhl, und wenn was daneben ging, wurde es eben weggewischt.
Nach wie vor liebte er seine Streicheleinheiten.
Diese Woche bekam er einen Schlaganfall. Man konnte ihm nicht mehr helfen und erlöste ihn von seinen Qualen.
Gandalf... was Menschen ihren "geliebten" Tieren so antun, wenn sie nicht mehr so funktionieren, wie sie sich das vorstellen.
Wenigstens hatte er noch einen schönen, wenn auch kurzen Lebensabend.

7 Grad, 11,9 km, 1:16:59, (6:27 Min/km), Puls 139

Samstag, 7. Dezember 2013

Plitsch-platsch


3x Weihnachtsmarkt diese Woche, 2x davon beruflich bedingt mit ausführlichem Abendessen - das schreit nach Bewegung.

Heute hat Petrus die Schleusen geöffnet und es regnet Bindfäden. Ich stehe wahrlich eine ganze Weile zögernd hinterm Fenster und kann mich nicht recht aufraffen. Doch wozu habe ich denn die teure Regenjacke im Schrank? Also ab in die Klamotten, im Flur startklar gemacht, Tür auf und ab durch die Mitte, noch bevor Schweini eine Chance bekommt...
Ich bin zwar keine erklärte Regenlauf-Freundin, doch heute macht es deutlich Freude, die frische Luft zu genießen, den platschenden Regen, die Bewegung. Die Jacke begeistert mich jedesmal, kein Wasser kommt durch und dennoch entwickelt sie innen kein Saunaklima. Ich meide autobefahrene Straßen, da ich keine Lust auf Horizontalbeduschung habe und trabe lieber auf Asphaltwegen durchs Feld und durch ruhige Wohnviertel des Nachbardorfs. Es weht nur ein sehr schwacher Wind, man kann sich nicht vorstellen, was kürzlich noch im Norden los war.

Die armen Menschen, die heute auf den Weihnachtsmärkten unterwegs sind, wenn ein Schirm am anderen hängt... Allerdings ist es doch einladendes Lesewetter. Ich habe derzeit "Süßer die Schreie nie klingen" auf dem Nachttisch liegen, ein Nachfolgeband zu "Maria, Mord und Mandelplätzchen". Kann ich sehr empfehlen. Wer Sorge hat, im adventlichen Zuckerguss unterzugehen, der findet in diesen Büchern herrlich schräge und skurile Mordsgeschichten rund um die Weihnachtszeit

4 Grad, Regen, 9,8 km, 1:02:11 (6:23 Min/km), Puls 138

Mittwoch, 4. Dezember 2013

7,5 + 42,195

..man, waren DAS viele Kilometer heute...

Ok, ich gebe zu, nur die 7,5 waren "echte". Eine Temporunde im Angesicht der ersten kräftigen Böen, die wohl den morgigen Xaver ankündigen wollen. Die Beine wollen flott und  bewegen sich nach dem Einlaufen von selber zwischen 5:45 und 6:00. Mal wieder in ziemlicher Dunkelheit im Schein meiner Stirnlampe.
Dann noch gemütlich auslaufen und ab ins Kino im Nachbarort.
Ein denkmalgeschütztes Filmtheater von 1957, innen noch wie damals und heute betrieben von einem Filmklub.
Auch der Preis fast wie früher, ein Fünfer.
Auch das zahlreiche Publikum passt genau, ähm...
Ach so, und der Film, "Sein letztes Rennen", passt auch irgendwie dahin.
Herr Hallervorden mit seinem Palimpalim-Humor ist sonst definitiv nicht mein Fall, aber in diesem Film spielt er wirklich sehr gut, abgesehen von ein paar nicht so ganz stimmigen Passagen. Der Film hat mir gefallen und macht auch, was die Altersthematik angeht, nachdenklich. Aber wie man sieht, laufen geht immer noch!
Wenn das mal keine frohe Botschaft ist!!!

Als ich zum Auto zurückkomme, darf ich beobachten, wie eine ältere Frau beim Ausparkversuch auf den hinter ihr stehenden Wagen aufrollt - und was macht sie?
Versucht weiter auszuparken, ohne sich darum zu kümmern, als wenn das hier Paris wäre.
Ich kann nicht anders und spreche sie an, frage, ob sie nicht bemerkt habe, dass sie das andere Fahrzeug touchiert habe.
Schweigen.
Dann kommt, etwas unwillig "Aber das war doch nur ganz leicht".
"Aber sie haben doch gar nicht nachgeschaut, wollen Sie sich nicht drum kümmern? Ich merke mir Ihre Autonummer."
"Ja, ja, ...ich kümmer mich gleich"
Und weiter gehen die Ausparkversuche.
Ich kann es nicht fassen.
Werde dann wohl morgen die Polizei kontaktieren, für den Fall, dass eine Anzeige vorliegt.

5 Grad, 7,5km, 45:48 Min (6:03 Min/km), Puls 149

Sonntag, 1. Dezember 2013

Schneckenadvent

Vergangene Woche war meine Laufaktivität geprägt durch die Formel:
kleine OP am Oberkiefer = läuferische Zwangspause
Dabei lockte eigentlich doch am Samstag der Glühweinlauf  :-(
Doch ich wollte kein Risiko eingehen bevor die Fäden gezogen sind, indem ich mich diesem profilierten Kurs stelle, also muss er bis 2014 warten.
Dennoch war heute dann doch noch Glühwein und Lauf, allerdings nacheinander.

Am Morgen der erste Marktbesuch, Nikolausmarkt in Alt-Kaster, einem sehr verträumten Ort wie er schon vor 100 Jahren aussah. Das besondere: Der Markt ist weder auf einem Platz noch auf den Gassen, er ist IN den Häusern. Und es gibt keine Massenware, sondern nur Handwerkliches von Hobbykünstlern und diverse Verpflegungsstände. Und so steht man dann mal im Wohnzimmer, mal in einem Kellergewölbe, mal in einem Hinterhof oder in einer Küche. Der Einblick in alte malerische Häuser ist oft mindestens genauso spannend wie die Verkaufsstände.
Ich frage mich, wie die Fußböden und Teppiche, die nicht abgedeckt sind, am Abend so aussehen...
Das besondere Ambiente dieses Marktes hat sich herumgesprochen, und wenn man nicht gleich zu Beginn da ist, nimmt man nach einer Stunde nur noch ein Bad in einer immer mehr anschwellenden Menschenmenge.

Mit dem Schwung eines köstlichen Glühweins aus der Küche eines alten gemütlichen Backsteinhauses kann ich dann doch am späteren Nachmittag nicht mehr stillsitzen und entschließe mich zu einer kleinen und sehr schonenden Laufrunde. Mein Ziel: Den Puls schön niedrig halten. So laufe ich dann mit völlig ungewohnten 7 Min/km übers Feld und dann durch ein paar Straßenzüge des Nachbardorfes. Die kalte Luft zwickt etwas am noch empfindlichen Zahnfleisch, aber sonst geht es gut.
Das Schneckentempo ermöglicht mir viele Blicke auf die adventsgerüsteten Häuser.
Manche sind einfallsreich und schön,
manche reizen für einen Nachtlauf demnächst, um die Elektroinstallationen in ihrer vollen Pracht würdigen zu können,
bei manchen ... liegt die Schönheit im Auge des Betrachters,
bei manchen ... komme ich einfach nicht mehr mit.
Die Krönung ist ein Haus, bei dem soviele betende Putten in den Fenstern dekoriert sind, dass ich mich fast ernsthaft frage, ob etwa alle Familiengräber geplündert wurden.

Aber es macht Spaß, die Beine wenigstens mal ein wenig zu bewegen und ich beneide die Leute, deren Puls immer so tief ist...

Hier noch einige Eindrücke des Nikolausmarktes:




















 

















Deko mit Weihnachtsgansente.

7 Grad, 7,8 km, 55 Min (7:03 Min/km), Puls 128